Die 65-Stunden- Geburt

In der Nacht von Sonntag zu Montag wachte ich aufeinmal auf. Etwas machte "Plopp" und unter mir wurde es warm und nass. Nicht sehr doll, nur eine kleine Pfütze. Ich blieb erstaunlich ruhig. Es war meine erste Entbindung und ich hätte gedacht, dass ich viel aufgeregter wäre, wenn es losging.
Ich rief meine beste Freundin an, da sie dabei sein würde. Außerdem würde sie mich ins Krankenhaus fahren. Wir einigten uns, dass wir beide erstmal duschen gehen wollten, danach würde sie mich abholen.
Gut, dass die Kliniktasche schon fertig gepackt im Kofferraum ihres Autos wartete.
Als wir im Krankenhaus ankamen, hatte ich bereits leichte Wehen und es wurde ein CTG gemacht. Ich war etwas enttäuscht, da mir niemand so recht glauben wollte, dass ich Zuhause einen Blasenspung hatte (auch auf dem WC hatte ich vor dem Duschen noch etwas rosafarbene Flüssigkeit verloren). Die Begründung: Da läuft ja nix mehr, das können wir so nicht nachvollziehen.
Etliche Stunden mussten wir auf eine Ärztin warten, meine Freundin fuhr irgendwann zur Arbeit und ich war allein. Als endlich die Ärztin kam, konnte sie mir auch nichts anderes sagen, als die Hebammen vorher: Sie verlieren kein Fruchtwasser mehr, das Baby liegt nicht trocken. Wir können keinen Blasensprung nachvollziehen. Ich sollte nochmals ans CTG. Mittlerweile war es halb zehn und ich hatte auch keine Wehen mehr. Als ich so auf der Liege lag, spürte ich plötzlich, dass "es wieder lief". Ich sagte einer Hebamme bescheid, die endlich den Blasensprung bestätigte. Endlich durfte ich auf ein Zimmer. Ich hatte nun auch wieder Wehen, leicht aber in kurzen Abständen. Zu regelmäßigen Zeiten musste ich nun an den Tropf wegen der Antibiotika und wurde untersucht. Meine beste Freundin versuchte alles, dass sie möglichst die ganze Zeit bei mir war. Sie ist Filialleiterin und zum Glück haben ihre Mitarbeiter ihre Schichten weitestgehend übernommen, denn: die Entbindung ging eine gefühlte Ewigkeit. Am zweiten Tag, an dem ich zwar Wehen hatte und ohne Ende Treppen lief, sich aber der Muttermund einfach nicht öffnen wollte, wurde mir ein Plättchen mit Hormonen zur Einleitung eingeführt. Ich muss sagen, ich habe mich noch nie so verlassen und unverstanden gefühlt. Mir wurde nur an den Kopf geknallt, als ich nach der gefühlt 100sten Untersuchung langsam den Mut verlor: dazu sind Frauen gemacht. Das kann schon ne Woche dauern.
Sie wurden auch nicht mehr netter.
Am dritten Tag und nachdem ich zwar die ganze Nacht Wehen hatte (übrigens nur im Rücken!!!) und sich aber am MuMu immer noch nichts tat, bekam ich einen Wehentropf. Und was soll ich sagen: außer starken Wehen passierte NICHTS. Es war frustrierend. Endlich kam dann eine Hebamme, die das ganze mal in die Hand nahm: WIE LANGE ist der Blasensprung her???Hat denn hier noch niemand einen Abstrich gemacht???
Und dann sagte sie etwas zu mir, das mir wieder Mut machte: Ich bin bis halb zehn hier, bis dahin haben Sie ihr Kind!
Ich bekam eine PDA, da ich vollkommen verkrampft war und der Wehentropf wurde höher gestellt. Doch nach weiteren 3 Stunden hatte sich immer noch nichts getan.
Irgendwann schlug die Hebamme vor, den Chefarzt der Frauenklinik hinzuzuziehen. Es wurde ein Ultraschall gemacht. Der Kleinen ging es soweit gut. Sie war gestresst aber ansonsten fit. Trotzdem wurde mir ein Kaiserschnitt nahegelegt.
Um 20Uhr bekam ich die Teilnarkose und meine beste Freundin war tatsächlich bei der Entbindung dabei, auch wenn wir es uns anders vorgestellt hatten. Das Team bei der OP war unglaublich, obwohl sie eigentlich Feierabend hatten. Sie brachten es fertig, dass mir trotz allem der Kaiserschnitt in positiver Erinnerung geblieben ist. Eine Schwester stand die ganze Zeit an meinem Kopfende und erklärte mir auf entspannteste Weise, dass es gleich mal ruckeln, ziehen und stark drücken würde. Um 20:30 war dann die Liebe meines Lebens mit 49cm und 3010 Gramm geboren. Meine beste Freundin durfte mit zur Untersuchung, während ich von dem netten Team zusammengeflickt wurde. Sie durfte Fotos machen und dann wurde mir meine Tochter auf die Brust gelegt. Ich konnte nicht aufhören, zu zittern und zu weinen. Nach 65 Stunden hatte ich es geschafft!
Leider musste mein Baby auf die Kinderintensivstation, ich hatte sie die ersten drei Tage nicht bei mir und ihr wurde direkt die Flasche gegeben, was uns das Stillen echt erschwert hat, da sie totale Probleme mit dem Saugen und Schlucken bekam. Aber das Gute war: um bei meinem Baby zu sein bin ich direkt am Morgen nach dem Kaiserschnitt wieder gelaufen, da es mir zu umständlich war, jedes Mal zu warten, bis mich jemand mit dem Rollstuhl zu ihr bringen konnte. Und jetzt bin ich sowieso unendlich glücklich, sie ist nun fast 4 Monate alt, wir haben das Gröbste dieser schwierigen Geburt überwunden und sie entwickelt sich super. Ach so: nach dem Kaiserschnitt kam der Chefarzt zu mir und sagte: Eine normale Entbindung wäre nichts geworden, das hätten wir vergessen können!
So, das war nun mein langer Geburtsbericht meiner wunderbaren Tochter ❤ danke fürs Lesen!

1

Vielen Dank für deinen Geburtsbericht!
Kann mir vorstellen, dass man daran erstmal ne Weile zu knabbern hat... Schön zu hören, dass ihr wohlauf seid und sich die Kleine gut entwickelt.

Darf ich fragen, warum eine normale spontane Geburt nicht möglich gewesen wäre und warum deine Maus auf die Intensivstation musste?

Wünsche euch weiterhin alles Gute 💚🍀!
LG Hanna 33+1 mit Babyboy inside 💙

2

Hallöchen und lieben Dank für deine Antwort :)
Eine normale Geburt wäre aufgrund eines "relativen Missverhältniss" nicht möglich gewesen, irgendwas hat ganz einfach zwischen meinem Becken und ihrem Köpfchen nicht gepasst, sie kam auch mit einer kleinen Beule zur Welt vom stundenlangen "gegendrücken"...und auf der Intensiv war sie, weil man ihr Antibiotika geben musste, da sie sehr lang ohne Fruchtwasser war...mein armes Mäuschen :/
Aber ist ja alles gut gegangen 👍

Top Diskussionen anzeigen