Der etwas andere Geburtsbericht. (Geburtshaus Hamburg)

Hier vielleicht ein Geburtsbericht der etwas anderen Art. Es ist unser erstes Kind.

Es war der 17.08.2016. Meine Frau und ich waren über Mittag Freunde besuchen und haben dort noch zu Mittag gegessen. Der errechnete Termin war der 04.09. und somit noch etwas hin. Es wurde in lustiger Runde noch gescherzt, was wäre wenn es bald losgeht.
Nachmittags haben wir uns auf den Weg nach Hause gemacht.
Auf der A23 standen wir dann über 2 Stunden. Vollsperrung wegen Unfall.
Oh was ist wenn es jetzt losgeht? Geburt im Auto? ;-)
Gegen 18 Uhr waren wir zu Hause und haben Essen gekocht. Gerade als es fertig war, musste meine Frau auf die Toilette. Uhrzeit ca. 19 Uhr.
Nach einigen Minuten rief mich meine Frau zu ihr. Ich war etwas überrascht, bin aber hin. Ich laufe es und es hört nicht auf. Ok, anscheinend war die Fruchtblase geplatzt.
Ich sagt dann nur, dass ich wohl besser die Nummer der Rufbereitschaft suche und dort anrufe.
Klappte auch super und noch viel besser, es hatte Anna unsere favorisierte Hebamme Dienst.
Ich erzählte ihr von der geplatzten Fruchtblase, sie fragte welche Farbe das Wasser hat, gibt's schon Wehentätigkeit usw.
Sie sagte mir dann, dass das alles noch etwas dauern kann. Wir sollten in Ruhe was essen, fernsehen usw und falls nichts weiter passiert, sie spätestens nächsten morgen um sechs anrufen. Ich bekam leichte Panik, weil ich hatte sowas im Kopf, dass 24 Stunden nach Platzen der Fruchtblase das Kind da sein müsse. Ich dachte nur 6 Uhr morgens, dann ist die halbe Zeit ja rum.... Und ins Krankenhaus wollten wir wirklich nur im Notfall.
Anna beruhigte mich und sagte mir, dass sei nicht ganz richtig. Nach 24h müsse die Geburt losgegangen sein, dass heißt regelmäßige wirksame Wehen, das Kind müsse noch lange nicht da sein. Sie sagt dann aber zu mir, dass wir uns aller Wahrscheinlichkeit nach noch heute Nacht sehen werden.
Beruhigt sind wir dann wieder an den Esstisch gegangen und haben tatsächlich noch gegessen und ferngesehen.

So ungefähr gegen 20:30 musste meine Frau sehr schnell in das Badezimmer. Hurra, das Essen war schneller wieder draußen, als es gegessen wurde.

Und gleichzeitig ging es los. Sie bekam Wehen. Aber nicht wie man das so gehört hat, erst unregelmäßig in langen Abständen, sondern sofort in 3 Minuten Abstand.
Ich hatte die gestoppt und mir das kurz angeschaut. Dann wurde mir das doch etwas heftig, also rief ich Anna wieder an.
Erst fragte sie nach Abstand, Dauer usw. Dann kam nur, ok ich höre das schon: Pack sie ein, ich bereite im Geburtshaus alles vor, wir treffen uns dort.
Das war mir mehr als Recht. Nur jetzt wurde es spanned. Ich hatte immer nur so 2 Minuten Wehenpause, in denen ich beim Anziehen helfen konnte, aus dem Bad ins Schlafzimmer, restliche Sachen packen, in den Flur, Treppe runter, usw usw. Es ging nur mit einer Salamitaktik.
Irgendwann hatte ich sie und unser Gepäck im Auto. Schnell nochmal nachdenken. Hast du an alles gedacht? Babyschale, Mutterpass, Kleidung, Essen, usw usw. Gut alles dabei, los geht's.
Die Fahrt mit meiner Frau, die alle 3 Minuten Wehen hat, war schon spannend, gegen 22:00 Uhr waren wir wieder im Geburtshaus. Wieder Salamitaktik alles noch oben schaffen. Anna empfing uns und konnte gleich eine Wehe sehen. Sie war begeistert, wie gut meine Frau die veratmet hat, Beckenbewegung usw.
Im Geburtszimmer angekommen, wollte sie als erstes ein CTG schreiben. 20-30 Minuten. Sie sagte, dass sei aber das einige. Mehr braucht es nicht.
Wurde dann auch so gemacht. Dann fragten wir, ob sie einmal untersuchen könne. Klar, tat sie dann auch. Muttermund so 2-3 cm. Meine Frau sagte immer nur, dass es ihr alles zu schnell ging. Sie konnte sich nicht drauf vorbereiten. Anna meinte dann nur, dass sei alles nicht ungewöhnlich, dass Baby kommt aber noch nicht, es dauert noch ein wenig.
Sie gab viele Tipps, welche Position meine Frau einnehmen könnte, wie ich helfen könne usw.
Sie ließ uns dann alleine und sagte mir, dass ich sie holen solle, wenn was ist.
Sie haben wir dann ca. 1 Stunde verbracht. Dann musste meine Frau auf die Toilette und bat mich mitzukommen. Dort wurde dann alles noch etwas lauter und meine Frau schrie nur, ich muss pressen, ich muss pressen. Schnell hab ich Anna geholt. Sie sagte nur, oh ich kann es schon hören.
Runter vom Klo, nochmal untersucht. So 6-7 cm. Reicht noch nicht. Anna wollte das ganze gerne etwas bremsen und schlug vor, ab in die Wanne.

Zwischendurch hat sie mit einem kleinem Gerät immer mal die Herztöne abgehört. Das ging nur in der Wehenpause. Während einer Wehe mochte meine Frau von niemandem berührt werden.
Einmal ist sie mit dem kleinen Gerät nicht schnell genug weg gekommen. Da wurde sie von meiner Frau sehr energisch fort gejagt ;-)
Ich mag mir das ganze nicht vorstellen, wie das im Krankenhaus gewesen wäre, wenn ständig einer CTG und sonst was machen wollte.
Nach einiger Zeit in der Wanne wurde es noch lauter. Ich hielt es nicht für möglich, wie laut.
Auch kam dann immer mal ein Gefluche.
Anna meinte nur leise zu mir, ob ich es mitbekommen hätte, sie bräuchte gar nicht tasten, der Muttermund sei jetzt offen. Untersucht hat sie kurz und tatsächlich. Bis auf einen kleinen Saum, war alles weg.
Sie schlug vor, raus aus der Wanne und verschiedene Stellungen ausprobieren.
Nebenbei wollte sie die zweite Hebamme anrufen, die ganz zum Schluss immer mit dabei ist.
Jetzt ging es los. Vierfüßler, Gebärhocker, tiefe Hocke, Bett. Zwischendurch kam die zweite Hebamme.
Die hat aber eigentlich nur Protokoll geschrieben, Dinge vorbereitet usw.
Die Austreibungsphase zog sich schon sehr in die Länge. Meine Frau war durchgeschwitzt ohne Ende, mir ging es nicht anders. Ich hab wohl immer versucht mit zupressen.
Anna sagt dann noch, dass das Köpfchen nicht ganz richtig im Becken liege und am Kopf auch eine Beule zu tasten sei.
Ich machte mir langsam Gedanken, müssen wir doch verlegt werden? Schlagen sie jetzt einen Dammschnitt vor? Die beiden Hebammen waren aber weiterhin die Ruhe selbst und das gab mir viel Sicherheit. Wären die Hektisch geworden, hätte ich wohl auch Panik bekommen.
Zwischendurch gab es immer mal Akkupunktur oder Globulis.
Letztendlich war es dann gegen 3:27 Uhr. Meine Frau saß auf dem Gebärhocker und ich direkt hinter ihr. Da sie quasi direkt an meinem Ohr getönt hat mit einer Lautstärke, die ich niemals für möglich gehalten hätte, hatte ich auch echt schon Pfeifen in den Ohren.
Ich hatte aus dem Geburtsvorbereitungskurs noch so im Kopf, das zuerst das Köpfchen geboren wird und 1-2 Wehen später dann der Rest.
Nicht mit unserem Baby. Das war der einzige Moment, an dem Anna überrascht war. Ich sah nur ihren Gesichtsausdruck und etwas fliegen. Ich kann das nicht anders sagen, aber er schoss wie ein kleiner Torpedo raus.
Wir brauchten beide einen Moment, um zu realisieren, dass das schwierigste wohl geschafft ist.
Unser Sohn Fjonn war geboren.

Beide ab aufs Bett und Fjonn bei Mama auf den Bauch.
20 Minuten später, sollte er dann zu mir, die Nachgeburt kam. Er war so klein und so klebrig von der Käseschmiere. Mit der Beule am Kopf, sah er aus wie ein Alien....
Nachgeburt verlief auch problemlos. Dann erstes anlegen, kuscheln.
Irgendwann wurde dann die U1 gemacht, Karte mit Fußabdrücken. Anna verschwand dann mit meiner Frau duschen. Ich sollte dann mit Hilfe der Kollegin unseren Sohn wickeln und anziehen.
In dem Raum war es gefühlte 40 Grad heiß, ich stand vor dem Heizstrahler, der mir ins Gesicht brannte und vor mir lag ein winziges Wesen. Ich habe Blut und Wasser geschwitzt, aber es dann mit Hilfe doch geschafft.
Wir blieben dann noch einige Zeit, es wurde noch Papierkram erledigt.
gegen 7 Uhr fingen wir an alles in unser Auto zu verfrachten. Der Rückweg war problemlos. Kurz vor 8 waren wir auch schon wieder zu Hause. Schnell noch einige Nachrichten schicken und ab ins Bett. Meine Frau ist auch gleich eingeschlafen. Ich hatte mir Fjonn auf den ´Bauch gelegt. Der pennte auch. Nur ich konnte nicht schlafen. Ich glaube das Adrenalin hat mich dermaßen aufgeputscht.
Nachmittags kam dann auch gleich unsere Nachsorgehebamme.

Im Nachhinein sind wir uns beide einig. Für uns war das Geburtshaus genau das richtige Diese Ruhe, diese Atmosphäre, kein Klinikgeruch, keine Hektik. Eine Hebamme, die von Anfang bis Ende nur für uns da war, dass hat uns mehr Sicherheit gegeben, als jeglicher technischer Schnickschnack.

Wir hatten uns ja mehrere Kliniken angeschaut, darunter auch das AK Altona. 7 oder 8 Kreißsäle. Meistens alle belegt, aber nur 3 oder 4 Hebammen. Auf dem Infoabend wurde dann stolz erzählt. Ab 6 cm machen wir Dauer-CTG. Sowas hab ich ja noch nie gehört und vor allem, wollen die ständig untersuchen? Wenn keine Hebamme bei ihnen ist, keine Sorge die CTG´s werde alle auf eine Zentrale aufgeschaltet und von dort überwacht. Das hat mir keine Sicherheit gegeben, sondern Angst gemacht. Dauer CTG? Das wurde doch in den USA schon wieder abgeschafft, weil es mehr schadet als hilft......

Ich mag schon den Namen Entbindungsstation nicht. Frauen müssen nicht entbunden werden, die können ganz alleine gebären. Man muss sie nur unterstützen und einfach machen lassen.
Unsere Nachsorgehebamme ist sich auch sicher. In einer Klinik hätten die sich so eine lange Austreibungsphase nicht angesehen. Die hätten wohl eine PDA gelegt und versucht das Kind in ihr drinnen noch zu drehen und da kommen dann häufig Verletzungen bei Mutter und Kind vor oder Dammschnitt oder oder.
Wir sind so glücklich, dass das alles so geklappt hat und trotz der schwierigen Austreibung hat meine Frau bis auf 2 winzige Abschürfungen keine Geburtsverletzungen. Kein Riss, nichts.
Nachmittags lief sie schon wieder rum als ob nichts war. Ich musste sie echt bremsen und immer mal auf das Sofa oder Bett verfrachten.

Vielleicht findet ihr meine Sicht ja interessant und vielleicht gibt der Bericht auch Mut. Frauen sind dafür gemacht, ihr könnt das.

Abschließend möchte ich noch sagen, dass ich das so komplett und ganz nah miterleben durfte war das intensivste, was ich je in meinem Leben erlebt habe. Das wird mich immer auf eine einzigartige Weise mit meiner Frau und unserem Sohn verbinden.

Liebe Grüße

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Ein wirklich schöner Bericht!!!

Dein Nickname kommt mir bekannt vor... hattet ihr nicht "Hilfe" bei der Entstehung eures kleinen wunders? ich frage, weil es bei uns auch so ist und wir auch aus Hamburg, bzw. dem nördlichen Umland kommen.

Altona finde ich auch sehr gruselig und kommt für uns nur in Frage, wenn unsere Zwillinge der Meinung sein sollten viel zu früh zu kommen. Ansonsten werden wir ins Albertinen gehen. Leider wird es bei mir der dritte KS.

Ich wünsche euch eine schöne Adventszeit und beschauliche erste Weihnachten als Familie.

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Ja wir hatten Hilfe.
Wenn Klinik, dann wären wir ins Amalie Sieveking gegangen. Die tun echt alles für natürliche Geburten.
Albertinen hab ich jetzt nicht soviel gutes gehört. Eine aus dem Delfi Kurs war dort. So überlaufen, dass sie sie aus dem Untersuchungsraum geholt haben. Konnte gerade noch die Hose wieder anziehen, kurz danach bekam eine Frau dort ihr Kind.
Wochenestation überlaufen, Kontakt zu Schwestern häufig über Sprechanlage...
Vielleicht war das ja nur eine Phase.
Euch alles Gute und liebe Grüße

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Das hast du sehr schön beschrieben. Interessant die Sichtweise von einem Mann.

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Vielen lieben Dank.
Ist meine Sichtweise da groß anders? Finde ich auch mal spannend :)

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Nein ist sie nicht. Ich finde halt, dass du es als Mann sehr schön beschrieben hast und der Frau " ihre Leistung " als Hoch anrechnest.

Und ich finde es toll, dass mal ein Mann sich hier in die "Frauenabteilung " begibt und seine Sichtweise schildert.

LG Katrin 35 ssw mit Sohnemann

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Toller Geburtsbericht mal aus der Perspektive eines Mannes ;-) Schön geschrieben und man erkennt deinen Respekt vor der Leistung von gebärenden Frauen. Dass das mal ein Mann ausspricht, finde ich mutig und bewundernswert. DANKE #hicks

Ich freue mich auch für euch, dass ihr eure perfekte "Geburtssituation" gefunden habt. Dass das Geburtsthaus euer Ding war und vielleicht auch bei den nächsten Kindern wieder sein wird. :-D

Einzig kleiner Wermutstropfen von mir. Urteil doch bitte nicht über Klinikgeburten. Gerade auch, wenn man eine solche noch nie selbst erlebt hat. Das finde ich immer sehr schade. Klar, man hört da und dort Sachen. Aber meist hört man ja die negativen und die prägen sich ein. ;-)

Ich hatte drei wundervolle Klinikgeburten. Es ist nicht immer alles schlimm ...

Alles Gute und viel Spaß mit eurem Spatz #baby

D.J.

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Vielen Dank.

Urteilen wollte ich nicht. Ich hoffe doch, dass es auch tolle Klinikgeburten gibt. Wäre schlimm wenn nicht.
In unseren Bekanntenkreis habe ich leider bis auf eine Ausnahme nur schlechtes gehört.

Die Freundin hatte aber auch eine Beleghebamme und war auch rundum zufrieden.
Unsere Einstellung war, dass wenn vorab keine Komplikation zu erkennen ist, Schwangerschaft und Geburt kein medizinisches Problem sind, sondern ein natürlicher Vorgang.
Und wie oben geschrieben wurde, hatten wir bei der Entstehung medizinische Hilfe und dann hatten wir echt erstmal genug von Medizintechnik.
Die ganze Sache war für mich sehr schwierig und erst bei der dritten Klinik die wir uns angeschaut hatten, hatte ich ein gutes Bauchgefühl.
2 männliche Ärzte in den Bereich hatten mich mit ihrer emphatielosigkeit so fertig gemacht, so dass ich mehr als dankbar bin, dass wir das ohne Ärzte erleben durften.
So ein blöder Typ mit im Kreißsaal wäre meine Horrorvorstellung. Ich bin was das angeht echt mit Kerlen durch. Da müsste sich schon einer richtig ins Zeug legen, dass ich da wieder Vertrauen gewinne.

Aber super, dass du drei tolle Geburten hattest. Ich würde nie sagen, alle sollen ins Geburtshaus. Wichtig finde ich, dass die Wahlfreiheit bestehen bleibt. Da sollte jeder ein Interesse dran haben.

Liebe Grüße