Für die Leseratten unter euch, mein ausführlicher Geburtsbericht!

Geburtsbericht Elisa

Unsere Elisa, welche am 28.07.2013 ihren Entbindungstermin hatte, hat es zum Schluss ganz schön spannend gemacht. Hieß es doch von sämtlichen Ärzten, Hebammen, Verwandten und Bekannten, das Baby kommt mit Sicherheit früher. Auch wenn ich selbst anfänglich der Überzeugung war, dass die Schwangerschaft bis in den August geht, lies ich mich von allen überzeugen, dass auch dieses Baby eher kommt. Immerhin kam auch meine erste Tochter fünf Tage vor dem Entbindungstermin.

Die Schwangerschaft verlief allerdings ein bisschen anders als die erste. Dieser Faden sollte sich bis zur Geburt und darüber hinaus auch durchziehen. So plagte mich Übelkeit, wenn auch noch auszuhalten die ersten 10 Wochen der Schwangerschaft. Vorzeitige Wehen in der 20. Schwangerschaftswoche führten zu einen außerplanmäßigen Kreißsaalaufenthalt. Nachdem das aber zum Glück alles gut ging wurde die 2. Hälfte der Schwangerschaft wieder ruhiger. Erst um 30. Woche wurde es wieder aufregend mit Leistenschmerzen die mir das Laufen, Sitzen und sogar das Liegen sehr schwer machten. Gott sei Dank war aber auch dieses Übel nach wenigen Tagen wieder erledigt und ich genoss den letzten Teil der Schwangerschaft in der glühend heißen Sonne. Endlich war der Juli gekommen und die Tasche für den Klinikaufenthalt gepackt. Ab dem 15. Juli rechneten wir jeden Tag mit der Geburt, denn schon so einige wehenreiche Nächte lagen hinter uns. Auch die Hebamme war davon überzeugt, dass mein letzter Vorsorgetermin der 16.07. sein sollte. Da waren nämlich schon schöne Wehen auf dem CTG zu sehen und auch der Muttermund begann sich zu öffnen. Um den Geburtsstart ein wenig zu unterstützen habe ich es mit einer Menge „Hausmittelchen“ probiert. Unter anderem Frauenmanteltee, Akupunktur, der ein oder anderen scharfen Mahlzeit und auch mein Mann durfte versuchen das ein oder andere Klischee zu bestätigen. Es verging Tag um Tag, ja am Ende muss man sogar sagen, Woche um Woche. Der Entbindungstermin war erreicht, die Wehen schwanden und nun hieß es alle zwei Tage zur CTG-Kontrolle ins Krankenhaus.

Es war der 02. August 2013:
Wieder einmal wurde ich wach von relativ starken Wehen, es war ca. 00.00 Uhr. Ich traute der Sache nicht, musste ich doch die Wehen schon leicht veratmen und kamen sie regelmäßig alle 7 Minuten. Zu oft hoffte ich auf den Startschuss und nach ein paar Stunden schlief ich dann doch wieder ein. Diesmal blieben die Wehen aber und kamen in kürzeren Abständen. Ich entschloss mich nun doch schon mal duschen zu gehen, falls es Wiederverwertens ernst wird. Denn sollte dies so sein, gab es noch einiges vorzubereiten, ehe der Weg ins Krankenhaus angegangen werden konnte. Schließlich musste die große Schwester (2 ½ Jahre) mitten in der Nacht untergebracht werden…

Im Bad ging ich erst auf Toilette und anschließend in die Dusche. Kaum war ich drin lief aus mir ein wenig klare Flüssigkeit! Mein erster Gedanke war, dass es Fruchtwasser ist und somit war es auch keine Frage mehr, ob wir in die Klinik fahren oder nicht. Der Papa, welcher sich inzwischen auch nicht mehr von meinen Wehen beirren ließ wurde spätestens jetzt doch ein wenig nervös und tat es mir gleich als ich mit Duschen fertig war.

Nun rief ich erst einmal etwas unsicher im Kreißsaal an und berichtete von meinem Flüssigkeitsverlust. Die Hebamme am anderen Ende meinte, dass sie das natürlich nicht beurteilen kann, ob es sich um Fruchtwasser handelt, wir aber vorbei kommen sollen. Daraufhin rief ich meine Kollegin und Freundin an, die sich schon langfristig als Babysitter unserer Tochter bereitgehalten hat. Mitten in der Nacht klingelte also ihr Telefon und überraschender Weiße ging sie ziemlich schnell ran. Ich erklärte ihr kurz die Sachlage und bat sie vorbeizukommen. Eine knappe halbe Stunde später war sie auch schon da. Ich hatte immer noch Wehen alle 5 Minuten, die aber aufrecht schmerzfrei und sehr gut auszuhalten waren. Ob es sich wirklich schon um den Geburtsstart handelte bezweifelte ich bis dahin noch ein wenig. Kurz bevor meine Freundin ankam, ging ich in das Zimmer unserer Tochter und bereitete sie auf die Ankunft von ihr vor. Wir haben sie schon lange darauf vorbereitet, so dass sie kaum darauf reagierte. Ihre Reaktion glich eher einem „na endlich ist es soweit“. Auch kurz bevor wir uns auf den Weg machten, nachdem wir nochmal alles Organisatorische besprochen hatten, gingen wir noch einmal in das Kinderzimmer und verabschiedeten uns von unserer Tochter, die schon wieder tief und fest eingeschlafen war.

Ca. 2:30 Uhr saßen wir nun endlich im Auto auf den Weg ins Krankenhaus. Die Wehen waren zwar immer noch nicht schmerzhaft aber immerhin hielten sie ihre 5 minütigen Abstände ein. Gegen 3 Uhr kamen wir im Kreißsaal an, wo wir die Hebamme antrafen, die auch schon mit mir telefonierte.

Ich sollte mich zuerst untenrum freimachen und mich auf das Bett im Kreißsaal legen. Dann nahm sie erst einmal einen Test zur Hand um zu schauen, ob ich Fruchtwasser verlor. Nachdem sie den irgendwie umgekippt und daraufhin wiederholen musste, war recht schnell klar, dass es sich nicht um Fruchtwasser handelte. Es war vermutlich sehr dünnflüssiger Ausfluss, der auch schon mal eine Geburt ankündigen kann.

Als nächstes schaute die Hebamme nach dem Muttermund, der zwei cm geöffnet war. Auch am CTG war ich nun angeschlossen.

Oje… es vergingen 5 Minuten, 10 Minuten und es war plötzlich keine Wehentätigkeit mehr vorhanden. Das machte mich ganz schön nervös. Die Hebamme schien zu ahnen, dass ich mich unter Druck gesetzt fühlte und verließ den Raum. Tatsächlich, kaum war sie weg, kam prompt eine wunderbare Wehe und 6 Minuten später die nächste und 5 Minuten später auch wieder eine und ab dann wieder regelmäßig und auch mit jedem mal ein bisschen heftiger. Nach dieser ersten Untersuchung war ca. 03.30 Uhr klar, dass ich zwar da bleiben darf aber es wohl noch ein recht langer Weg bis zur Geburt bevor steht. Da ich positiv auf B-Streptokokken getestet wurde, bekam ich einen venösen Zugang und Antibiotika. Während ich den kalten Geschmack davon im Mund spürte, obwohl es ja venös verabreicht wurde, bereitete die Hebamme mich darauf vor, dass ich in 4 Stunden noch eine Dosis bekommen muss.
Der Papa sollte in der Zeit die Tasche aus dem Auto holen und ich bekam einen schmerzhaften Einlauf, der brutal und rücksichtslos eine fiese Hämorrhoide durchstach . So hatte ich das nicht in Erinnerung bei meiner ersten Geburt. Als die Hebamme endlich den Kampf gegen diese gewann, schickte sie mich auf Toilette. Ich hielt eine Weile an und war ganz froh darüber dass ich noch keine schlimmen Wehen hatte. Denn bei meinem Einlauf zur Geburt meiner ersten Tochter hatte ich bereits heftige Wehen und konnte kaum anhalten! Als ich von der Toilette wieder da war, war auch mein Mann samt Tasche zurück. Nun riefen wir erst einmal unsere Eltern an und berichteten, dass wir endlich im Kreißsaal sind, sie aber noch geduldig sein sollen.

Die Wehen kamen jetzt alle 3 Minuten und waren auch schon ein bisschen ekelhaft aber dennoch ohne Probleme auszuhalten. Ich lief in der Zeit im Kreißsaal herum, trank zwischendurch immer wieder einen Schluck Wasser. Wenn eine Wehe kam hielt ich mich am Tresen fest und begann nun langsam auch zu tönen, um die Wehen besser aushalten zu können. Ich probierte verschiedene Methoden aus, hing mich ins Seil, setzte mich auf den Peziball und kombinierte auch mal beides. Aber am wohlsten fühlte ich mich einfach am Tresen und beim hin und herlaufen. Ach ja, was tat eigentlich der liebe Papa in dieser Zeit? Er saß gemütlich im Stuhl und nickte immer wieder weg, wenn ich ihn nicht gerade wieder mit meinem Tönen weckte… Dann schaute er durch seine müden Augenlider und sobald ich ruhiger wurde, schlummerte er tatsächlich wieder friedlich ein. Irgendwann kam dann aber der Zeitpunkt, wo es wohl zu aufregend für ein Nickerchen war, weil die Wehen endlich richtig arbeiteten und ich plötzlich ganz schön anfing zu rudern. Nun hing ich nur noch am Tresen und verzichtete auf Laufen oder Trinken. Nein, der Tresen war der einzige Ort an dem ich es aushielt und hier wollte ich nicht mehr Weg – niemals! Es war 05:30 Uhr und das weiß ich nur, weil die Uhr von meinem Tresen aus sehr gut zu sehen war. Wehe um Wehe musste ich jetzt ganz schön kämpfen, mein Mann stand mir bei während ich immer lauter wurde und vor Schmerz hin und her tänzelte.

06:00 Uhr war Schichtwechsel und ausgerechnet diese Hebamme, welche schon die Kreißsaalbesichtigung mit uns durchführte und eine der CTG-Kontrollen, welche mir so unsympathisch und inkompetent vorkam, kam durch die Tür. Ich dachte mir bei jeder Begegnung, na hoffentlich hab ich nicht ausgerechnet Die zur Entbindung!

Um es vorweg zu nehmen, im Nachhinein konnten wir uns sehr glücklich schätzen, ausgerechnet diese Hebamme gehabt zu haben! So kann man sich täuschen…

Ich sollte nun bei der „neuen“ Hebamme ans CTG und mich somit von meinem heißgeliebten Tresen trennen an dem ich inzwischen förmlich angewachsen war. Gerade als ich aufs Bett steigen wollte kam aber eine Wehe dazwischen und ich klammerte mich ans Bett und hoffte auf ein baldiges Ende der Wehe! Die zwei Hebammen guckten mich erwartungsvoll an, bis ich endlich aufs Bett krabbeln konnte. Endlich geschafft und angestöpselt verabschiedete sich die erste Hebamme mit: „Bis heute Abend!“ von uns und ging in den Feierabend. Ich hielt es liegend auf dem Bett kaum aus! Das CTG zeichnete ganz fiese „Mutter-Kind-Wehen“ auf, also direkt zwei Wehen ohne Pause, richtig schlimm war das! Die Abstände waren knapp 2 Minuten, wenn überhaupt. Muttermund immerhin schon bei 4-5cm. Ich hätte allerdings mehr erwartet.

Kaum war die Hebamme aus dem Kreißsaal hielt ich es nicht mehr aus und stand auf. Ich bin auf Toilette gegangen, was auch kein Problem war, da es ein schnurloses Gerät war. Warum musste ich mich überhaupt hinlegen? Ich war schon ein bisschen sauer. Die Hebamme bekam aber ein Warnsignal, da die Reichweite wohl nicht ausreichte und schaute nicht schlecht, als ich aus der Toilette rauskam.

Sie ließ mir jetzt einfach Wasser in die Wanne ein und meinte auf mein „Mal sehen, ob ich da reingehe“, „Na klar, wir machen jetzt mal alles mit.“. Es dauerte ewig bis dieses riesen Becken voll war und in der Zwischenzeit hing ich natürlich wieder an meinem lieben Tresen. Die Hebamme ermutigte mich immer schön die Hüften zu kreisen und so kreisten und kreisten und kreisten wir gemeinsam. Ich glaube mich an ein Schmunzeln und sogar leichtes Kichern meines Mannes zu erinnern. Er hätte gern mitmachen können, dann wäre mir vielleicht auch mal wieder zum Lachen gewesen.
Ca. 06.45 Uhr war die Wanne endlich voll und ich stieg hinein, während die Hebamme schonmal die Wärmelampe für die U1 anknipste. Der erste Moment war Erleichterung pur. Das warme Wasser war so entspannend und wohltuend, aber ich hatte ja auch noch keine Wehe. Die kam dann nämlich erst nachdem ich ca eine halbe Minute drin saß.

Nun brach eine neue, eine schreckliche schmerzhafte Phase der Geburt an! Ich wusste nicht was ich tun sollte mit meinen Händen, meinen Füßen, meinem Bauch und überhaupt mit mir! So schön es in der Wanne auch war zwischen den Wehen, die Wehen selbst waren nun nicht mehr auszuhalten! Ich bettelte darum, nochmal nach dem Muttermund zu schauen und die ernüchternde Nachricht war: 5cm! Nein, das konnte nicht sein dachte ich mir, im Leben kann das nicht stimmen nach diesen Höllenwehen! Jede Wehe wurde unerträglicher und ich fing an zu verkrampfen weil es wirklich nicht auszuhalten war und ich mit meinen kurzen Beinen nicht wusste wohin. Die Wanne war so lang, dass ich mich wirklich strecken musste um mich mit den Füßen abstützen zu können. Von der Hebamme war inzwischen keine Spur und ich war mit den Wehen gänzlich überfordert. Mein Mann saß neben mir und redete mir in den Pausen gut zu, ich mache das toll und ich soll schön atmen. Gut, dass er so ruhig war und nicht auch noch die Nerven verlor, so wie ich. Es war inzwischen kurz nach 7 Uhr als ich mich vor Schmerz vergaß. Spätestens jetzt macht es keinen Sinn mehr zu versuchen, den Schmerz zu beschreiben. Was aber noch dazu kam, ich hatte plötzlich fiese Presswehen. Das überforderte mich absolut, denn bei einer Muttermundöffnung von 5cm kann man unmöglich Presswehen haben. Ich hatte noch dazu den schrecklichen Drang auf Toilette zu müssen und schrie nach der Hebamme. „Ich muss drücken!!!! Und ich muss jetzt auf Toilette!!!“.

Da kam die Hebamme auch endlich und auf einmal hatte ich das Gefühl mich zerreißt es und alles was in mir war, kam aus mir heraus. Ich meine damit nicht meinen Darminhalt… Ich meine damit meinen Darm!

Ja so fühlte es sich an, all meine Innereien platzten aus mir raus unter unbeschreiblichen nichts auszuhaltenden Schmerzen. Es dauerte ein paar Sekunden bis ich begriff, dass es sich nur um einen Blasensprung handelte. Trotzdem wusste ich nicht mehr so recht wer und wo ich bin und was ich überhaupt hier mache. Nun reichte es mir, ich wollte raus aus der Wanne und auf Toilette! Die Hebamme glaubte mir nicht, dass ich muss. Auch als ich sie anschrie, ich müsse jetzt sofort auf die Toilette (allerdings sagte ich es nicht ganz so förmlich), antwortete sie nur mit einem gelassenen „Na, na, das ist das Kind was drückt, sie müssen nicht auf Toilette.“. Ich hatte diese Presswehen und immer wenn eine kam, schob ich meinen Po nach oben und versuchte irgendwie zu überleben, denn um mehr ging es mir in diesen Minuten nicht. Ich hatte gar kein Empfinden mehr für die Wehen und wusste auch nicht wann sie vorbei waren. Die Hebamme half mir indem sie mich immer wieder ermahnte den Po unten zu lassen und zu atmen.

In den Wehen hatte ich so schlimmen Pressdrang, dass mit Atmen nichts mehr ging. Erst das Hecheln ließ mich wieder ein wenig zu Sinnen kommen. Ohne dem wäre es nicht mehr gegangen. Leider fielen schon seit einigen Minuten die Herztöne ab und so sagte die Hebamme 07:15Uhr, nachdem sie meinen Muttermund untersuchte, ich solle jetzt schnell raus aus der Wanne. Ich sagte nur: „ich schaff das nicht!“ und hatte solche Angst! Angst, dass ich eine Wehe beim Aussteigen bekomme und überhaupt vor dem was jetzt plötzlich los ist, dass ich auf einmal ganz schnell raus soll. Ich fragte noch, was mit meinem Muttermund ist, wie weit ist er denn nun auf? Die Hebamme antwortete nicht wirklich und scheuchte mich quasi aus der Wanne. Mein Mann und die Hebamme stützen mich und ich kletterte aus der Monströsen Wanne raus. Es ging eigentlich ganz gut, aber die Angst vor der nächsten Wehe lies mich hektisch mit meinen Armen wedeln.

Ich sollte aufs Bett und ich wehrte mich dagegen auf den Weg dahin, immer noch gestützt von beiden. Nein, nein ich geh nicht auf das Bett, das geht nicht und das kann ich nicht und ich mache das auch nicht.

Die Hebamme hatte es schon nicht ganz leicht mit mir, blieb aber ganz gelassen und sagte: „Doch das geht, jetzt hier hoch und die Beine hier hin.“. Und schon war ich da, auf dem Bett in Rückenlage. Genauso wie ich mein Kind eben nicht zur Welt bringen wollte. Da kam schon die Ärztin und die Hebamme sagte, der Muttermund ist vollständig. Ok… in 15 Minuten von 5 auf 10cm… Das erklärt natürlich die Schmerzen und zeigt auch, ich habe nicht übertrieben.

Kaum auf dem Bett drauf kam auch schon die nächste Wehe und ich fragte mit „leicht gestressten“ Unterton, ob ich denn um Himmels Willen nun endlich mal pressen durfte. Die Hebamme sagte nein. Als ich es irgendwie schaffte diese Wehe auch noch wegzuhecheln fragte ich mit letzter Kraft wann ich denn drücken darf. „Wenn ich es Ihnen sage!“ War die etwas scharfe Antwort. Ja das war so die Art der Hebamme, weshalb ich sie anfänglich auch nicht mochte, aber inzwischen fühlte ich mich trotz alledem sicher und gut aufgehoben.

Bei der nächsten Wehe erlöste sie mich auch schon und ich durfte endlich drücken. Mein Mann hielt mir den Kopf, so dass ich gut mit dem Kinn an die Brust kam. Mit den Händen griff ich meine Kniekehlen und hier muss ich es noch einmal erwähnen „genauso wollte ich es eben nicht!“. Aber immerhin erholten sich die Herztöne wieder und in dem Moment war es sowieso egal.

Ich schob also meine ganze Kraft nach unten. Die Hebamme und die Ärztin sagten nur ich solle immer weiter, weiter, weiter drücken. Ich wurde schon ganz rot und blau aber irgendwie fiel es mir trotzdem nicht schwer weiter zu drücken. Gefühlte zwei Minuten vergingen ohne Luft zu holen und nur zu schiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiieben…

Die Hebamme fummelte noch etwas an mir rum und dann spürte ich schon den Druck des Köpfchens der sich aus mir raus schob, immer näher kam und dann DDDRRRUUUCCCKKK - der Kopf war geboren!

Nun stand die Zeit still.

Mein Mann kämpfte plötzlich mit den Tränen und ich spürte wie das Baby zwischen meinen Beinen zappelte aber alles war still und es passierte einfach nichts. Ich wartete auf die nächste Wehe und hätte am liebsten einfach nochmal gedrückt. So vergingen sicher noch einmal zwei Minuten bis die nächste, die letzte Wehe kam. Ich musste nochmal mit ganzer und auch letzter Kraft drücken und drücken und immer noch drücken aber dann endlich rutschte der Körper raus und wie ich nach unten sah, konnte ich mein Baby sehen!

Es war ein verschwommenes Bild, ein kleines blaues Baby mit ganz viel drum herum und 4 Hände hielten es fest, ehe ich endlich meine Tochter auf den Bauch gelegt bekam.

Da war sie nun unsere Tochter, unser Wunder. Quälte sich jetzt auch ein zierliches quengeln heraus, ehe irgendwann auch mal ein Schrei kam. Die Hände waren blau, kalt und schlaff. Der ganze Körper war noch weit von rosiger Farbe entfernt. Die Augen fest zusammen gekniffen. Die Ärztin rubbelte an ihrem Rücken und langsam kam sie zu sich. Dann schimpfte sie eine Weile, versuchte die Augen zu öffnen während mein Mann und ich überwältigt heulten wie die Schlosshunde. Auch wenn es erstmal ein wenig gruselig war, da sie so blau war, wusste ich doch von Anfang an, dass alles gut ist.
Wir haben es geschafft und ich gratulierte unserer Elisa zum Geburtstag und überhaupt zum Menschwerden und ich war so stolz. Sie hat es geschafft!
Der Papa bekam die Schere in die Hand gedrückt und auch wenn er es sich erst nicht trauen wollte, trennte er die Nabelschnur durch und somit war Elisa ihrem eigenen Kreislauf überlassen.
Ich bekam über den venösen Zugang Oxytocin und die Plazenta rutschte sofort raus, die ich leider gar nicht weiter zu Gesicht bekam.
Nun folgte die übliche Prozedur, ich bin ein wenig gerissen und wurde verarztet. Das war ganz schön unangenehm und ich war immer noch total verkrampft aber unsere wunderhübsche Elisa lenkte mich ab. Sie hatte Haare, ganz lange Fingernägel und duftete so unbeschreiblich gut wie es eben nur Neugeborene tun.
Ich wunderte mich ein wenig, warum das Bett so nass war. Wirklich klatschnass! Das Kopfkissen, das Bettlaken – alles richtig nass. Die Hebamme erinnerte mich dann, dass ich doch in der Wanne war und sagte mir, Zeit zum Abtrocknen hatten wir nicht mehr. So langsam kam ich zu mir und realisierte die letzten Minuten und bedankte mich bei der Hebamme.

Die Hebamme sagte, ich hab das richtig toll gemacht und es kann beim zweiten Kind schon mal passieren, dass gerade der Schluss so schnell geht. Sie erklärte mir das Elisa unter Stress stand und der PH-Wert nicht ganz so gut war, aber das ist alles nicht so schlimm und dann war das ja auch noch mit der Nabelschnur. Wie mit der Nabelschnur? Was war denn mit der Nabelschnur?
Die Hebamme sagte es so locker, als wäre es nichts, dass sie zweimal um Elisas Hals gewickelt war. Deshalb brauchte sie auch einen Moment, ehe sie mir Elisa auf den Bauch legte. Beruhigte mich aber, dass das wirklich nicht tragisch ist und oft vorkommt. Na bloß gut, dass wir das vorher nicht wussten.
Elisa war inzwischen schon recht agil und suchte die Brust. Ich legte sie auch direkt an und genoss das erste Stillen. Es verging noch eine ganze Weile bis die Ärztin fertig war, mich zu nähen und dann wurde die U1 bei unserer Elisa gemacht. Der Papa hielt ein wachsames Auge auf Elisas erste Untersuchung. 50cm und 3490g war sie groß und schwer. Der Kopfumfang war 34cm und auch sonst war die Hebamme zufrieden mit ihr und zog sie auch gleich an.

Der Kinderarzt kam nun auch noch hinzu, gratulierte mir und betrachtete unser Meisterwerk. Er wollte sie noch einmal mitnehmen, da er mit der Hautfarbe noch nicht so ganz zufrieden war. Der stolze Papa ging mit ihm mit und berichtete mir später, dass Elisa ins Wärmebettchen gelegt wurde und die Sauerstoffsättigung überwacht wurde. Die Hebamme ging kurz mit und beruhigte mich, dass der Kinderarzt unter dem anderen Licht schon wieder ganz zufrieden war. Ich durfte nun langsam aufstehen und mein Glück auf Toilette probieren. Natürlich erstmal erfolglos aber ich war froh aus dem nassen Bett zu sein. Ich zog mich dann um und als ich fertig war, war mein Mann mit unserer Tochter auch schon wieder zurück.
Wir gingen dann zusammen mit der Hebamme zu meinem Zimmer. Ich schob den Wagen mit unserer Tochter drin und mein Mann nahm die Tasche. Als wir in meinem Zimmer ankamen war dies aber bereits besetzt und mein Bett noch nicht drin. Ich probierte dort erst einmal erneut auf Toilette zu gehen – immer noch ohne Erfolg – und begrüßte dann kurz meine Zimmergenossin, die einen Tag vorher ihre Tochter geboren hatte.
Während die Schwester der Station mein Bett vorbereitete, gingen wir, mein Mann, Elisa und ich in den Aufenthaltsraum und ich nahm ein belegtes Brötchen zu mir.
Endlich im Zimmer angekommen als es fertig war konnte die schöne Kennenlernzeit beginnen und ich mich ein wenig erholen.

Vier Wochen nach der Geburt musste ich leider zur Ausschabung, da ein Stück Plazenta mit der Gebärmutterwand verwachsen war. Vermutlich handelt es sich dabei um einen kleinen Zwilling von Elisa. Das Ergebnis steht noch aus.
Die OP war nicht schlimm und ich konnte auch wenige Stunden danach wieder nach Hause. Ich hab sehr viel Blut verloren, was mir einige Tage zu schaffen machte.

Inzwischen ist unsere Elisa einen Monat alt und sie ist einfach das zauberhafteste Baby! Sie wird voll gestillt und wiegt inzwischen beinahe fünf Kg.

Es ist immer wieder erstaunlich, was einem so ein kleines Wesen Wert ist, wenn man an die Geburt zurück denkt. Doch wie ich es schon nach meiner ersten Geburt beschrieb:

Für diesen einen Menschen würde man immer wieder diesen Weg der Geburt, durch diese Schmerzen gehen!

1

Ich gebe zu, ich habe nur den Teil mit der Entbindung selbst gelesen, aber den hast du schön geschrieben.

Du hast das erlebt, was mir jetzt schon Sorgen bereitet: Du wurdest aufs Bett genötigt, obwohl du es nicht wolltest. Ich gebe zu, ich bin weder Arzt noch Hebamme und habe auch noch kein Kind geboren, aber frage mich doch: wäre die Entbindung nicht auch, trotz Nabelschnur um den Hals, in einer anderen Position möglich gewesen?

Alles Gute für dich und deine Kleine (und natürlich auch den Papa)!

2

Huhu,

also ich denke wenn die Herztöne nicht abgefallen wären, hätte ich in der Wanne bleiben dürfen oder aufrecht entbinden können. Aber sobald ich lag waren die Herztöne auch wieder besser. Manchmal ist das leider so :-(

Aber wichtig ist, so lange wie möglich in den Wehen aufrecht zu bleiben. Zur Geburt an sich kam ich liegend auch ganz gut klar. Immerhin habe ich nur 2 Wehen gebraucht um sie zu gebären und die braucht man so oder so mindestens.

Auch wenn es mir sehr wichtig war, aufrecht zu entbinden, muss ich im Nachhinein sagen, dass es trotzdem eine wunderschöne Geburt war.

Ich wünsche dir noch eine schöne Schwangerschaft und alles Gute für die Geburt #klee

5

Danke! #blume
Wenn es die Herztöne verbessert hat, dann ist es sicher doch besser gewesen.
Ich versuche auch mich nicht auf eine nicht liegende Geburt zu versteifen. Ich möchte halt nur nicht die ganze Zeit im Bett sein nur weil es der Hebamme oder dem Arzt besser passt.

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Zwar lang, aber echt voll der coole, ehrliche Bericht!!!

4

Wirkliche ein toller Bericht, hatte Gänsehaut an einigen Stellen :-)
Viel Freude mit der Kleinen #baby

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