Mein 2. Geburtsbericht

Schon ganz zu Anfang der Schwangerschaft habe ich mir den Mondkalender angeschaut und gesehen, dass am 02.08. Vollmond ist. Errechneter Termin war der 24.07.12 und irgendwie war mir klar, dass ich über Termin gehen würde und dass Marcel bestimmt zum Vollmond am 02.08.12 das Licht der Welt erblicken wird.

Der Termin rückte näher und die Verwandt- und Bekanntschaft fing an zu fragen wann es denn endlich soweit sei. Beim nächsten Kind, das schwöre ich mir, nenne ich definitiv einen späteren Termin. Nun war es aber so und nichts tat sich. Was ich auf keinen Fall wollte war eine Geburt wie beim ersten Mal und schon gar keine Einleitung, ich wollte meinem Kind die Zeit geben, die es braucht und mich diesmal nicht aus der Ruhe bringen lassen. Meinen ersten Sohn hat man zwei Wochen vor Termin aus mir raus geprügelt, das werfe ich mir heute noch vor.

Jedenfalls habe ich natürlich auch gewartet, aber nichts passierte. Meine Hebamme hat dann ein paar Dinge probiert, Eipollösung, Uterusmassage, manuelle Muttermundweitung, Akupunktur, Globuli, Bäder empfohlen, usw – nichts passierte. So langsam rückte ET+10 näher, der Tag an dem ich vermutlich doch wieder in die Klinik gefahren wäre, um einleiten zu lassen. Dabei wollte ich das doch nicht!

Am Mittwoch, den 01.08.12 habe ich mir eine Auszeit gegönnt. Mit der Hebamme abgesprochen, in der Klinik erzählt, dass sie nach mir schauen würde (räusper) genoss ich einen Tag mit meinem Sohn und meinem Mann bei meiner Mama. Sie kochte was Feines und niemand untersuchte an mir herum, herrlich. Abends bevor ich ins Bett ging schaute ich aus dem Fenster in die Nacht und sah den Vollmond. Ich dachte mir „tu doch was! Ich will übermorgen nicht zur Einleitung“ Und er tat….

Am Vollmond Donnerstag, den 02.08.12 kam meine liebe Hebamme vorbei. Um 13.00 Uhr trank ich den von ihr gemixten Wehencocktail. Der Picollo Sekt gab mir ziemlich den Rest und so schlief ich kurz danach zusammen mit meinem Sohn ein, ein gemeinsamer Mittagschlaf quasi. Kurz vor drei wurde ich wieder wach weil es klingelte, die Hebamme war da, wollte nach den Herztönen schauen. Alles super und es sei toll, dass ich geschlafen hätte, dann hätte ich ja nun Energie. Sie sagte, dass sie heute Abend gegen neun wieder vorbei schaut und wenn was sei solle ich anrufen.

Um 16:00 beim Essen (Resteessen vom Mama-Essen vom Vortag *g*) spüre ich die ersten Wehen. Ach nee! Ich merke sofort, dass es echte Wehen sind und dass es wohl offensichtlich losgeht. FREUDE!! Das gibt es ja nicht. In meiner 1. Schwangerschaft hatte der Wehencocktail gar nichts bewirkt, nun ja, heute weiß ich: Kein Wunder, vor ET bei geburtsunreifem Befund bringt der auch nichts. Danach ist man immer schlauer!

Um 18.00 hocke ich schon auf dem Pezziball und veratme. In den Wehenpausen packe ich meine Kliniktasche zu Ende und bespiele meinen Sohn, der schon bald zum „Großen“ werden soll mit seinen 2 Jährchen.

18.30 mir ist irgendwie nicht mehr so wohl. Mein Mann ruft die Hebamme an, ob sie wohl auch früher kommen kann? Ohja, acht Uhr ist super! Danach ruft er meinen Bruder an, der meine Mutter abholen und zu uns bringen soll. Aus meinem Plan, sie selbst zu holen um im Auto die Wehenzeit gut zu verbringen (ich lach mich schlapp) wird nichts, ich will nämlich nirgendwo anders mehr hin als auf meinen Pezziball.

19.45 die Hebamme trifft ein, kurz darauf auch meine Mutter, die von meinem Bruder gebracht wird. Wir unterhalten uns noch in den Wehenpausen und er wünscht mir alles Glück und sagt „Maria, wir alle freuen uns so sehr!“ Dann ist er auch schon wieder weg und ich auch, muss dringendst auf die Toilette. WEHE! Ich kann nicht sitzen bleiben, warte also im Stehen die Wehe ab und pinkel eben erst danach ?. Dann schnell zurück zur Hebamme und zum Pezziball. Ich muss schon ordentlich veratmen und spüre die Wehen im Kreuzbein. So fühlt sich das also an, fies! Die Hebamme massiert mir das Kreuzbein unter jeder Wehe, ohne dass ich etwas sagen muss sieht sie genau wann was mit mir passiert. Hey, mit dieser Massage kann ich noch Stunden durchhalten, das tut gut. Dann kommt sie dazu, mich erstmalig zu untersuchen. Muttermund ist bei 4-5cm! Wow. Ich bin im Glück. Wohlgemerkt, ich bin die ganze Zeit im Kinderzimmer meines Sohnes ?. Welch vertraute Umgebung.

Die Wehen werden heftiger und ich weiß nicht wie viel Uhr es ist, als sie mir ein Bad vorschlägt. Trotz langer (kommt mir jedenfalls so vor, aber so lange kann es nicht gewesen sein) heftiger Wehen bleibt mein Muttermund nämlich bei den 4-5cm und nichts geht mehr. Waaas? Wie lange soll das so gehen? Ok, ich stimme dem Bad zu. Sie lässt mir Wasser ein, legt mir ein warmes, nasses Handtuch auf meinen Kugelbauch und schiebt mir ein paar Kügelchen in den Mund. Die Wehen werden richtig ordentlich aber im warmen Wasser komme ich gut damit zurecht. Meine Hebamme lobt mich, massiert, verabreicht mir zwei Buscopan Zäpfchen. Kurz darauf sagt sie, der Muttermund sei immer noch unverändert aber es würde ja doch schon heftiger zugehen, ob ich dann wieder raus käme und wir Richtung Klinik fahren. ?? Na gut. Hui da kommt auch schon die nächste Wehe und ich frage mich wieso ich nicht einfach für immer hier drin liegen bleiben und/oder einen Ausknopf drücken kann. ?

Die nächste Wehe ist vorbei und ich schaffe es aus dem Wasser. Die nächste Wehe kommt und danach werde ich hinten abgetrocknet. Die nächste Wehe kommt und danach werde ich vorne abgetrocknet. Die nächste….und ich werde angezogen. Die nächste….mein Mann inklusive meiner Mutter und meinem Sohn werden schon mal runter geschickt, ins Auto. Die nächste…sie hilft mir in die Wäsche. Die nächste…sie hilft mir in die Schuhe. Die nächste….wir laufen zum Auto. Die nächste…ich steige ins Auto. Auf die Rücksitzbank, neben meinen Sohn. Knie mich auf alle Viere, halte mich mit dem linken Arm an der Kopfstütze fest, mit dem rechten Arm an der Türe. Die Wehen sind HEFTIG.

Wir fahren los – STOP – Hebamme hat ihre Mappe oben vergessen. AAAAARGGGGH. Ok sie ist wieder da, fährt uns bis zur Klinik hinterher (verdammt, wieso ist sie keine Beleghebamme). Mein Mann gibt Gas und ich verfluche die 15 Minuten lange Strecke. Ich verfluche die Straßenbauer und alle, die damit zu tun haben. Es ist mittlerweile 21.45 und ich weiß nun, dass HEUTE NOCH mein zweiter Sohn zur Welt kommen wird. Der Mond leuchtet und wir fahren durch die Nacht. Ich töne urgewaltmäßig und spüre wie alles nach unten drückt. Mein Sohn schaut mich verwundert an, meine Mutter sagt vorne keinen Ton und mein lieber Mann versucht, ordentlich zu fahren. Ich sehe wie uns immer wieder das Nummernschild der Hebamme einholt und bete, dass wir es noch in die Klinik schaffen. Ich spüre den ersten Pressdrang und mir fällt ein, dass wir das Auto zwei Tage zuvor quasi grundgereinigt haben. Bitte jetzt keinen Blasensprung (bescheuert!).

Kurz vor 22.00 Uhr wir verlassen die Schnellstraße und stehen an einer ROTEN AMPEL. Wir sind doch hier nicht im Film!! Sie ist rot und rot und rot…..ich denke mir SCHEISSE und eben dieses Wort entfährt mir auch. Meine Mama sagt nur „ja“ und ich male mir aus, auf der Stelle auszusteigen und mein Baby auf dem Grünstreifen zu gebären. Es drückt so!! „Grün!“ ruft mein Mann.

22.00 wir fahren die Rampe der Nacht- und Notaufnahme hoch. Die Hebamme lässt die Lichter aufleuchten und dreht ab. „Danke Evelyn“ denke ich mir und „meine Güte, genauso wollte ich es haben“. Wir parken und ohne ein Wort (dafür mit viel Ton) steige ich aus und lasse meine verdatterte Mutter mit meinem verdatterten Sohn zurück, der augenblicklich anfängt zu heulen. Mein Mann holt noch meine Tasche aus dem Kofferraum und eilt mir hinterher, die Wehen kommen – ohne Pause. Ich rufe KREIßSAAL und die Nachtdame meint „Sie kennen sich aus oder?“ „Ja!!“ Töne ich und wir laufen bis zum Aufzug. Vorbei an der Notaufnahme, Wehe, an der Anmeldung anhalten weil Wehe, die Leute gucken alle komisch, mir egal. Bin ich angezogen?! Wurscht! Wehe, weiterlaufen, Wehe, Aufzug da, Wehe, einsteigen, Wehe, aussteigen. Wieso massiert mir niemand mehr das Kreuzbein. Ich blöke meinen Mann an „Drück doch!!!“ er denkt ich meine den Aufzugsknopf….
Wir kommen im 1. Stock an. Wehe, Tür auf, Wehe, vor zum Kreißsaaleingang, Wehe, klingeln, Wehe, Tür geht auf und die Hebamme muss nichts mehr wissen, denn sie hört mein Tönen und sieht meine Bewegungen, angelehnt an der Wand.

Wir dürfen rein, jemand sagt „Sie haben Glück, die Wehenzimmer sind voll aber der Kreißsaal wurde gerade fertig sauber gemacht“ und da bin ich wieder, im selben Kreißsaal wie damals.

Sie legen mir noch einen Zugang, nehmen Blut ab, legen das CTG an. Zwerg geht es super, Herztöne bei 140, na der ist relaxt. Mein Mann will nochmal raus zum Großen + meiner Mutter. Sagt die Hebamme „also wenn Sie bei der Geburt dabei sein wollen dann bleiben Sie noch hier, das dauert maximal eine halbe Stunde oder auch nur fünf Minuten“ ?? Sie untersucht mich, Muttermund ist weg! Wo ist er hin? Unglaublich, auf der Autofahrt ging er seine restliche Hälfte auf. Wahnsinn. Ich darf pressen. Ich weiß nicht wie oft, es sind keine vielen Male, die Hebamme und Ärztin setzen zu einem Schnitt an, da ist der Kopf da. Und wieder verpasse ich es, hinzuschauen. Mein Mann schaut und nickt lächelnd. Dann kommt die nächste Wehe so schnell, dass sich die Schultern nicht aus der Querlage drehen, ich presse und mein Sohn rutscht quer aus mir heraus.

JETZT aber schaue ich und wieder muss ich erst nach meiner Brille rufen. (5 Dioptrien also blind wie ein Fisch ohne) Ich bekomme sie von meinem Mann und da sehe ich ihn. Marcel, geboren am 02.08.12 um 22.37 Uhr. 3.880 Gramm schwer, 53cm lang und einen Kopfumfang von 37cm.

Ich heule nicht aber ich könnte es, vor Glück. Ich bin fassungslos und stammle „boah, so machen wir das wieder!“ und schon liegt er da und ich rieche ihn auf meinem Oberkörper. Wie gut Ihr riecht, Ihr Neugeborenen, ich habe das vergessen, WIE GUT Ihr riecht…. Ich bin erneut fassungslos.

Die U1 wird gemacht, er kommt wieder zu mir auf die Brust. Die Plazenta kommt ohne Probleme und dann geht mein Mann kurz raus zum Großen und zu meiner Mutter. Wir verabreden uns für gleich, vorne an der Kreißsaaltüre ?. Während ich genäht werde schaue ich meinen zweiten Sohn an und kann mein Glück kaum fassen. Danach dürfen wir ins Bett, wir werden vor geschoben an die Türe und da sind sie auch schon, meine anderen drei und dürfen rein zu uns auf den Gang und mir und Marcel hallo sagen. Mein Großer gibt ihm einen Kuss und lächelt als ich ihm sage, dass Mama jetzt wieder mehr mit ihm spielen kann weil der Bauch weg ist. Die knappe halbe Stunde ohne mich hat er gut verkraftet und weil es mittlerweile spät geworden ist (23.30ca) sagen wir Gute Nacht und sie fahren nach Hause.

Und wir zwei, was machen wir jetzt? Marcel schaut mich mit großen Augen an während wir noch auf dem dunklen, ruhigen Gang stehen und die Ärztin leise ihren Bericht tippt. Na dann, denke ich mir, stille ich Dich mal, Du hast bestimmt Hunger. Er fängt an zu saugen und ich versinke mit dem Kopf im Kissen und denke über den Vollmond, meine Hebamme, über Kopfumfänge und über das Glück von natürlichen Geburten nach.

Ich danke dem lieben Gott oder wer auch immer seine Hände im Spiel hatte dafür, dass ich eine gesunde Familie habe und ab sofort werde ich meine Kinder nur noch auf diese Art gebären oder evtl. gleich ganz zu Hause.

Und wer will, der kann den Geburtsbericht meines ersten Sohnes hier nachlesen.

http://www.urbia.de/forum/index.html?area=thread&bid=43&tid=2795922

Ich kann nur sagen, egal wie eine Geburt verläuft, auch wenn es nicht so war, wie man es sich gewünscht hat, die nächste kann so viel besser werden. Wenn man fest daran glaubt!!

1

#heul Ich sitz hier und mir laufen die Tränen. Ich freu mich so für Dich das diese Geburt für Dich so schön war.

#liebdrueck Dich ganz fest!!!!

LG
Inka

2

ein sehr, sehr schöner Bericht.

#herzlich Glückwunsch und alles Gute #blume

3

Ich glaube, das ist der beste und schönste Geburtsbericht, den ich je gelesen habe!!! Mir sind eben auch ein paar Tränchen gekullert!

Vielen Dank für deinen Bericht #herzlich

4

Oh Maria! #heul... Ich hab noch keinen schöneren geburtsbericht gelesen...ich freu mich sehr, dass alles so toll gelaufen ist und ich wuensch euch von ganzem #herzlich alles gute#liebdrueck

Du schreibst toll - solltest viell später buecher schreiben ;-)

Glg c.

5

Herzlichen Glückwunsch!!!!
und Hammer hast du den Bericht super geschrieben.
ich lese hier echt viel und find auch vieles schön und emotional.
aber heulen musste ich noch nie...
diesmal ja. ich freu mich auch wieder wahnsinnig auf den Geruch :-)
alles gute euch

moehnchen mit bennet (fast 3) und Muckelmaus (27 ssw)

6

Ich sitze da und heule und freu mich einfach. Bin grade ziemlich sprachlos...

Ich würde dich jetzt gerne in den Arm nehmen und dir so sehr danken, weil du mit diesem wirklich wunderschönen Geburtsbericht unglaublich viel Hoffnung machst. Vor allem, wenn man weiß, wie dein 1. Kind auf die Welt kam....

Danke dir fürs aufschreiben!

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