Meine Geschichte, leider ohne Happy End.

Ich hatte eine sehr schöne und überwiegend beschwerdefreie Schwangerschaft die ich sehr genossen habe, denn es sollte die letzte sein. Nach unsere wundervollen Tochter bekamen wir nun einen Jungen. Perfekt, ein Päärchen, damit war unsere Familienplanung abgeschlossen. Klar, es war nicht immer einfach, den meine Tochter war erst sechs Monate alt als ich wieder schwanger wurde, mit schonen und ausruhen war da nicht viel. Aber die beiden würden nur 15Monate Altersunterschied haben. In meinen Augen das ideale Alter.
Nach unserem Jungenouting dachten wir unser Sohn würde immer namenlos bleiben auch über den Geburtstermin, es wäre der 07.08.12 gewesen, hinaus. Mein Mann und ich kamen einfach auf keinen gemeinsamen Nenner. Doch dann, ganz plötzlich, stand es fest: Amelies kleiner Bruder wird ein NICO. Von da an hieß das Baby in meinem Bauch NICO. Wir sprachen immer mit seinem Namen von ihm. Wir redeten auch mit ihm, er war unser Traum.
Wir konnten es kaum erwarten, alles stand bereit. Der Geschwisterwagen war gekauft, das Bettchen aufgebaut, die Sachen gewaschen und eingeräumt, die Wiege wollten meine Eltern bringen, wenn der Kleine geboren ist.
Am 30.07.12 war es dann endlich soweit. Unser kleine Mann wollte auf die Welt. Um 0.45uhr hatte ich einen Blasensprung. Da unsere Tochter in dieser Nacht bei meinen Eltern schlief, welch Zufall, waren wir bereits eine halbe Stunde später im Kreisssaal.
Nach den ersten Untersuchungen und den Formalitäten bezogen wir erstmal unser Zimmer. Voller Vorfeude packte ich direkt meine Tasche aus. Dann machten wir uns wieder auf den Weg in den Kreissaal, es war der grüne, unsere Tochter wurde im rosanen geboren...., denn solangsam kamen die ersten Wehen.

So zog es sich. Die Eröffnungsphase lief super, seine Herztöne waren die ganze Zeit perfekt. Ich brauchte keine Schmerzmittel. Während der gesamten Geburt hatte ich keine PDA oder sonst irgendetwas. Irgendwann wollte ich pressen, ich hatte einen unheimlichen Druck nach unten. Da der Muttermund vollsändig war, durfte ich dann endlich. Die Ärztin kam dazu, ein paar Mal pressen und sein Köpfchen war geboren, zumindest fast. Doch dann nahm das Drama seinen Lauf. Seine Schulter verkantete sich unter meinem Symphysenknochen, die Ärzte nennen das Schulterdystokie, und er steckte fest. Er konnte nicht raus, aber auch nicht mehr rein das man einen Notkaiserschnitt hätte machen können. Er steckte in mir fest, ich spürte seine Bewegungen, seinen Kampf ums Überleben......
Plötzlich wurde es hektisch, ich mußte mich bewegen um die Schulter los zu bekommen. Also schnell in den Vierfüßlerstand und pressen......nichts tat sich,hinstellen, wieder nichts, also wieder auf den Rücken, Dammschnitt, Saugglocke, nichts rührt sich. Mein Sohn hängt fest. Auf einmal stehen zwei weitere Ärzte im Kreisssaal, nun sind sie zu fünft, mit den beiden Hebammen. Plötzlich merke ich das die Ärztin beide Hände in mir drin hat um meinen Sohn zu befreien, die eine Hebamme wirft sich auf meinen Bauch um ihn raus zu schieben.

Ich habe in diesem Moment jedes Zeitgefühl verloren. Dann die Erleichterung, er kommt, er ist draussen.......Aber warum schreit er nicht??? Ich will mich vorbeugen und gucken, aber dazu kommt es nicht mehr, er muß schnellstmöglich abgenabelt werden und kommt vorne auf den Tisch. Da seh ich ihn dann liegen, er rührt sich nicht. Die Ärzte reanimieren und beatmen ihn, jagen ihm eine Spritze nach der anderen rein. Ich frage was los ist, als Antwort bekomme ich zu hören das sein Herz nicht schlägt. Dann, auf einmal die Worte: "Es schlägt!!" Doch im gleichen Moment sehe ich wie die Ärztin wieder den Kopf schüttelt.
Sein kleines Herz wird nie wieder schlagen, er hat den Kampf verloren. Wir verlieren unseren Sohn, bevor er bei uns war. Der größte Alprtraum einer sonst so glücklichen jungen Familie ist wahr geworden. Unser NICO ist tot.
Er wurde mir dann in den Arm gelegt, man hat uns allein gelassen. Auch mein Mann, der die ganze Zeit dabei war und alles mit angesehen hat, hat ihn im Arm gehalten. Doch dann wurde es Zeit das meine Nachgeburt kommt und ich genähnt werde. Ich habe sehr viel Blut verloren. Am Ende wurde es für mich auch noch eng, beinahe wäre auch ich gestorben. Ich wurde in eine Kurznarkose gelegt, damit die Ärztin in aller Ruhe alles zunähen kann. Mein Mann hat in der Zeit alle benachritigt. Unser Sohn wurde gebadet und angezogen.
Als ich wach wurde habe ich gedacht, alles nur ein Traum, wo ist mein Kind? Da kam auch schon die Hebamme und brachte mir meinen Sohn......es war leider kein Traum, er lebte nicht.

Wir durften ihn den ganzen Tag bei uns haben. Er durfte mit aufs Zimmer und hat den ganzen Tag mit in meinem Bett gelegen. Meine Eltern waren mit unserer Tochter da, alle konnten ihn im Arm halten und Abschied nehmen. Auch unsere Tochter durfte ihn sehen. Sie hat ihn gestreichelt und ihn geküsst. Herzzerreissend......
Am Abend wurde er dann aus unserem Zimmer geholt, aber er durfte die Nacht im Kreisssaal verbringen, so hatte ich die Möglichkeit jederzeit nochmal hin zu gehen. Das habe ich dann in der Nacht auch noch mal gemacht. Die Hebamme hat ihn mir in den Arm gelegt und mich dann auf meinen Wunsch hin mit ihm allein gelassen. So konnte ich mich ganz in Ruhe von ihm verabschieden, mit ihm sprechen und am aller wichtigsten: mich bei ihm entschuldigen das ich es, als seine Mama, nicht geschafft habe, ihn auf die Welt zu bringen. Am nächsten Morgen kam mein Mann und wir sind gemeinsam wieder zu unserem Sohn, auch er hatte dann noch mal die Möglichkeit seinen Sohn zu halten. Die Seelsorgerin des Krankenhauses kam noch, sie segnete unseren Sohn und wir beteten gemeinsam.

Irgendwann war es dann soweit und der Bestatter stand in der Tür. Und wir als junge Eltern die gerade ihen Sohn verloren hatten mussten nun eine Beerdigung organisieren. Der Bestatter brachte einen weißen Sarg mit, gemeinsam wickelten wir NICO in seine Kuscheldecke und legten ihn in den Sarg. Dazu kamen zwei kleine Stofftiere, die wir für ihn gekauft hatten. Wir durften ihn noch einmal küssen, dann wurde der Sarg geschlossen. Doch der Bestatter versicherte uns, das wir ihn nochmal sehen können wenn er im Leichenschauhaus aufgebahrt ist.

Ich mußte dann noch auf die Ärztin warten wegen der Abschlussuntersuchung und bin dann nach Hause gegangen. Ich hätte zwar noch bleiben sollen, aber da die gynäkologische Station die gleiche ist wie die Neugeborenenstation wollte ich nach Hause, ich wollte nicht die ganzen glücklichen Familien sehen dessen Babys schreien und leben. Natürlich gönne ich jedem sein Baby und sein Glück, aber ich wollte das so kurz nach dem Tot unseres Sohnes nicht sehen.
Noch am gleichen Nachmittag kam der Bestatter zu uns nach Hause und wir besprachen die Einzelheiten der Beerdigung. Wir machten auch eine Uhrzeit aus, am Abend durften wir dann nochmal zu NICO. Er lag ganz friedlich in seiner Decke. Von aussen an seinen Sarg klebten wir seinen Namen, ursprünglich waren die fröhlichen bunten Buchstaben an seiner Zimmertür. Wie legten die Stofftiere in seinen Arm, deckten ihn richtig zu und nahmen dann in aller Ruhe nochmal Abschied. Mein Mann, unser Sohn und ich. Wir weinten und weinten. Naja, irgendwann mussten wir uns trennen und sein Sarg wurde für immer geschlossen.
NICO *30.07.2012 , 8.32uhr, 4270g, 54cm, 35cm Kopfumpfang
NICO +30.07.2012

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Liebe Rita,

Deine Geschichte hat mich sehr berührt. Ich habe sie gelesen und musste mit den Tränen kämpfen. Mein Mann saß mir gegenüber und schaute mich ganz entgeistert an und fragte mich, was denn plötzlich mit mir los sei. Ich reichte ihm mein Laptop rüber und sagte nur: "Hier. Ließ das und Du wirst mich verstehen." Und er verstand mich - mit feucht glänzenden Augen.

Am ergriffensten war ich, als Du beschrieben hast, wie Du das Leben Deines Kindes durch seine Bewegungen in Dir gespürt hast. Und noch ergriffener war ich, als Du Dein totes Kind um Entschuldigung geben hast, dass Du es nicht geschafft hast, ihn auf die Welt zu bringen. Da spürte ich einen richtigen Stich im Herzen.

Es war nicht Deine Schuld. Du hast nichts falsch gemacht. Die Natur und das Schicksal hat sich gegen das Leben Deines Kindes entschieden - aber es war nicht Deine Schuld.

Liebe Rita, ich wünsche Dir viel Kraft für die Verarbeitung Deiner Trauer. Ich wünsche Dir liebe Menschen an Deiner Seite, die Dich und Deine Familie auffangen werden. Ich wünsche Dir mitfühlende Umarmungen, liebe Worte, tröstende Hände und unterstützende Taten, die Euch als Familie die nächste Zeit erleichtern können.

Dein Nico wird immer in Deinem /Euren Herzen sein. Er wird immer Dein/Eurer sehnlichst erwünschter erstgebohrener Sohn sein. Niemand wird seinen Platz in Deinem/Euren Herzen wegnehmen können.

Fühl Dich unbekannterweise gedrückt und still umarmt.

Alles Liebe für Dich.

minimöller

1

Oh Gott....das tut mir so unendlich leid...ich weiß garnicht, was ich sagen soll...
Ich bin grad voll am heulen...
Wenn du hier wärst, würde ich dich umarmen.

Ich wünsch euch ganz ganz viel Kraft in dieser schweren Zeit...ich weiß nicht, was ich dir schreiben soll...ich denke an euch! #herzlich

2

Ich bringe dir meinen ganzen Respekt entgegen! Es tut mir wahnsinnig leid. Ich hatte Tränen in den Augen. Es ist sicher eine ganz schreckliche Zeit. Ich hoffe es geht euchund eurer Familie bald besser, und ihr könnt irgendwann an Nico denken, ohne zu weinen.
Viele Umarmungen und gute Gedanken!

Alles gute, Lina! :-(

3

Oh mein Gott, es tut mir so leid was euch passiert ist.
Ich sitze hier und weine.

Es muss so schrecklich sein. Mir fehlen dafür grade die Worte.
Ich wünsche euch trotzdem alles erdenklich gute für die Zukunft.

GLG

4

Es tut mir so unendlich leid für Euch! Etwas Schlimmeres kann ein Mensch nicht erleben.
Ich habe beim Lesen bis zum Schluß gehofft, dass es doch noch gut gegangen ist.

Bin voll am heulen. Fühl Dich ganz fest gedrückt, ich habe gar keine Worte, bin total fassungslos.

Manuela#liebdrueck

5

oh mann, das ist wirklich eine tragische Geschichte. Mir fehlen die Worte. :-(

Mach dir keine Vorwürfe, du hast alles richtig gemacht, wie soll man den wissen wie man in einem solchem Moment reagiert.

sei ganz fest gedrückt #herzlich

6

Erstmal tut es mir so leid,was ihr erleben musstet.

Ich habe das selbe bei der Geburt meiner Tochter durchlebt aber mit Happy End.
Auch Sie blieb mit den Schultern stecken.

Danach habe ich mich nie wieder getraut es normal zu versuchen und habe aufgrund dessen nur noch per KS entbunden.

Deine Geschichte zeigt mir mal wieder warum.

7

auch mir fehlen die worte.

ich finde es gut, das du darüber reden kannst und es auch tust. für mich ist es unvorstelölbar, wie sehr ihr nun leiden müsst.
aber lass dir gesagt sein, es ist NICHT deine schuld! niemand ist daran schuld.

mein sohn war damals auch stecken geblieben. einen tag zuvor hatten sie ihn auf 4100g geschallt und hatten es nur runter gerechnet, mit den worten "das passt, seine schwester passte ja auch". das ergebnis war nur ein schlüsselbeinbruch. kein arzt sagte mir damals, das er mit KS geholt werden müsse, was im nach hinein besser gewesen wäre.

ich wünsche euch ganz viel kraft, um dieses schreckliche erlebnis verkraften zu können. redet viel miteinander, nehmt euch in den arm und verzweifelt nicht daran. die zeit heilt alle wunder, nur es braucht auch zeit.

fühl dich gedrückt #liebdrueck und dir im himmel, alles gute nico #kerze, pass schön auf deine große schwester auf, als schutzengel.

#winke bettina

8

Auch ich sitze nun hier und weine,es tut mir so leid für euch.
Ich wünsche euch ganz viel Kraft und eine liebe Familie und Freunde die euch unterstützen und immer für euch da sind wenn ihr sie braucht.

Eine #kerze für euren Schutzengel Nico.

LG Denise#liebdrueck

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