die schmerzhaft schöne Hausgeburt von unserem Überraschungsei

vorweg sei gesagt, dass meine erste Geburt wie nach Lehrbuch verlief - nach einer Übertragungszeit von 12Tagen begannen die Wehen und hörten nicht mehr auf und nach etwas über sechs Stunden im Krankenhaus war meine Tochter geboren.
Geburtsbericht siehe http://www.urbia.de/forum/43-geburtsberichte/2048825-einleitung-geplant-und-dann-doch-noch-spontan-mara-josefine/13084596

Diesmal hatte ich mit dem positiven Schwangerschaftstest sofort den Gedanken
"nicht nochmal entbindest du im Krankenhaus". Ich hatte kein Geburtstrauma oder so, aber Fakt war, ich wurde damals ohne mein Einverständnis von der Hebamme geschnitten, die Tage auf der Wochenbettstation waren ein Graus und es tat mir im Herzen weh, dass mein Partner immer nur zu bestimmten Zeiten kommen konnte.

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Die Schwangerschaft verlief an sich super. In der 14. Woche wurde mir aufgrund eines erhöhten Nüchternwertes vom vorgezogenen OGTT eine Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert. Die Diabetologin verhängte das vernichtende Urteil "sie werden auf jeden Fall Insulin spritzen müssen ab Mitte der Schwangerschaft"

Ich hatte eine Hebamme für die Hausgeburt gefunden und verstand mich mit Judith von Anfang an super. Für sie war Insulinpflicht ein Grund der Hausgeburt nicht zuzustimmen, aber sie riet mir mich noch nicht verrückt machen zu lassen, solang es nicht wirklich soweit war. (Jedem der eine Hausgeburt plant bzw. sich eine wünscht rate ich im Nachhinein es bloß nicht zu früh preiszugeben und schon gar nicht vor Ärzten oder Medizinern die sich eher der Schulmedizin verschworen haben.)
Wir sind viel auf Widerstand gestoßen und das hat mich mehr als einmal stark verunsichert, aber ich wünschte es mir sosehr und als ich auch zum Zeitpunkt der Rufbereitschaft (38.SSW) noch keiner Insulinpflicht unterlag, wollte ich es umso mehr.

Und dann kamen eine Woche vor ET die ersten Wehen, doch immer wieder gingen sie weg. Der ET (12.4.) verstricht und gegen Mitternacht am 18.4. hatte ich sehr starke tiefe Wehen alle 8Min, sodass ich Judith rief. Sie war auch der Meinung es würde nun wohl doch losgehen, wir verbrachten die Stunden zusammen, während dein Papa und deine Schwester Mara noch seelig schliefen, doch gegen vier Uhr bemerkte ich, dass die Wehen wieder schwächer wurden und dann ganz aufhörten :-(
die Untersuchung durch Judith ergab dann gegen sieben Uhr (nach etwas Schlaf) GBH ganz verstrichen, Mumu 3cm.
Wir aßen alle zusammen Frühstück und verabschiedeten Judith. "Nicht verzagen" war ihr Motto.
Den Tag über hatte ich immer mal wieder starke Wehen, aber viiiieel zu wenig und nicht regelmäßig.
Zum Abend hin, Papa und Mara essen Abendbrot, bin ich schon in der Stube und veratme regelmäßige 10min Wehen, ich muss ab und an mal tönen.
Papa bringt Mara ins Bett, die Wehen werden stärker, ich hänge mich an ihn, wir entscheiden gegen neun Judith zu rufen und bereiten die Stube für die Geburt vor. Wir entzündet Kerzen, wir machen Witze (aber aua, davon bekomm ich auch Wehen) und aus der Stube entsteht ein heimiliges Nest.
Judith ist da und gegen halb elf halte ich es vor Neugier nicht mehr aus - "bitte untersuch mich ich will wissen ob es voran geht" bitte ich, sie tut es, will eine Wehe abwarten und PENG platzt die Fruchtblase. Judith mit großen Augen und nasser Hose: "siehst du das?? damit hab ich jetzt auch nicht gerechnet:-p"Du willst also wirklich kommen - JUHU!

Gegen halb zwölf starke schmerzhafte Wehen, wir probieren verschiedene Stellungen und Geburtshocker, aber ich kann deinen Kopf nicht spüren und auch keine Presswehen. Irgendwann knie ich vor der Couch (und vor deinen Papa der drauf sitzt mit nem Kissen im Schoß), das ist angenehm, aber es tut doch sehr weh - ich werde zynisch "das ist das letzte Kind was ich bekomme - sowas mach ich nich nochmal mit, da musst du dir jemand anderes suchen"
Es wird nach zwölf sein als die Presswehen beginnen, doch das Gefühl für Zeit geht in einem Schwall unterschiedlichster unbeschreiblich tiefer Emotionen verloren.
Aufregung, Erschöpfung, Schmerz - Judith schützt meinen Damm mit Kaffeeauflagen und Öl.
Der enorme Druck, instinktiv taste ich nach unten und fühle deinen Kopf ein wenig, ich denke "oh nur so wenig" fühle soviel Schmerz, muss wieder pressen, schreie ins Kissen. Ich kann kaum atmen, Judith und dein Papa sprechen mir positive Worte zu, ich muss pressen fühle deinen Kopf kommen, es brennt unglaublich stark ich schreie wieder ins Kissen.
Lediglich die Zeit um einmal Luft zu holen bleibt mir (ich soll uff uff uff machen, schaff ich aber nicht) dann muss ich wieder pressen und merke wie enorm schnell du aus mir heraus kommst. Ein letzter Schrei der Erleichterung entweicht mir und dann höre ich dich, Judith legt dich zwischen meine Beine ich ziehe mein Hemd aus, nehme dich so blutverschmiert und voller Schleim, aber das spielt keine Rolle denn es ist alles von uns und du gehörst zu mir - bist ein Teil von mir kommst gerade aus mir.
Ich lache und weine gleichzeitig und sehe den tränenverklärten Blick deines Vaters, wir küssen uns und dich und dann steht alles still.

Erst Minuten später der Gedanke daran zu gucken welches Geschlecht du hast - das wussten wir ja neun Monate lang nicht. Ich schaue unter das Handtuch - ein Junge! Dein Name wird SAMUEL, deine Daten
3500g
53 cm
35cm KU
geboren am 19.4. um 00:42 Uhr

Du wurdest mit der Hand am Kopf geboren, weshalb ich einen Dammriss zweiten Grades davon trug der von Judith genäht wurde, aber das war schnell vergessen.

Und deine große Schwester???
Die hat alles verschlafen und staunte nicht schlecht, als sie am Morgen zu uns ins Schlafzimmer kam um wie üblich mit Mama und Papa zu kuscheln. Sie war ganz aufgeregt und wir völlig kraftlos, doch wir alle fühlten - dieser Tag wird von nun an einen ganz besonderen Platz in unserem Herzen einnehmen.

Ich bin deinem Papa unendlich dankbar dafür, dass er mich in meinem Wunsch für eine Hausgeburt unterstützt hat, durch alle Widrigkeiten währende der Schwangerschaft begleitet und gegen alle negativen Stimmen verteidigt hat. Ich bin Judith dankbar für alles was sie tat und tut und weiß, sie wird für uns immer mehr sein als nur "unsere" Hebamme.

Die Hausgeburt von Samuel hat mich in meinem Vertrauen zu mir und meinem Körper gestärkt, über die eigenen Grenzen zu gehen und festzustellen "du könntest noch einen Schritt tun" eröffnet einem Welten.

Danke fürs Lesen - Kristin

1

na toll...

jetzt weine ich#heul

hast du wirklich sehr schön geschrieben...
#herzlich en glückwunsch und eine schöne zeit zu viert

lg kattam

2

Ich muss heulen!#heul
Voll schön!
Danke für deinen Bericht!!!

#heul

3

Super toll Dein Bericht #pro

Lg
#blume beni

4

#heul ich finde diesen bericht sooo toll geschrieben mir laufen immer noch die tränchen #heul

alles gute wünsche ich dir und deiner familie

5

toll #klee

6

wunderschön geschrieben,

es ist wunderbar, dass du euch und eurem Körper vertraut habt!

Genießt die Zeit!

#winke

7

Ein toller Bericht. Danke, dass du uns an diesem besonderen Ereignis teilhaben lässt :-)

LG Gloria

8

glückwunsch. mir laufen due tränen kanndie tastatur nicht mehr sehen Ein letzter Schrei der Erleichterung entweicht mir und dann höre ich dich, Judith legt dich zwischen meine Beine ich ziehe mein Hemd aus, nehme dich so blutverschmiert und voller Schleim, aber das spielt keine Rolle denn es ist alles von uns und du gehörst zu mir - bist ein Teil von mir kommst gerade aus mir. Ich lache und weine gleichzeitig und sehe den tränenverklärten Blick deines Vaters, wir küssen uns und dich und dann steht alles still.

hier su mir de tränen runtergelaufen. habs zweimal gelesen einfach toll geschrieben...

eine schöne kennlernzeit.

LG

9

Danke für eure lieben Beiträge und wie schön, dass euch der Bericht gefällt.

#danke#liebdrueck

Kristin

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