Millas schwerer Start

Kopier aus dem Tagebuch für meine Tochter.

Liebste Milla!!
Du bist bei uns! Bei mir fließen die Tränen...
Einen Tag nach errechnetem Termin, also am 31.12.2011, bist Du zu uns gekommen! Nun wurde es also doch Sylvester. Ich bin nicht böse drum, dass ist der Tag, an dem Du kommen wolltest und ich bin mir sicher, Du wirst in Zukunft das beste daraus machen!

Weihnachten war noch sehr schön. Die Tage zwischen Weinachten und Sylvestern schlichen dahin. Am 27.12 war ich noch mal zur Akupunktur und hatte abends noch einen Termin beim Dr. M.. Papa und Enna waren mit. Er nahm mir sämtliche Hoffnung, dass es bald los gehen sollte, da keine einzige Wehe auf dem CTG war, Muttermund noch zu..

Wir machten einen neuen Termin für Freitag, den 30.12, der errechnete Termin und sein letzter Arbeitstag, ab dem 31.12 hatte dann der Schulze Dienst.

Donnerstagabend merke ich schon, dass sich was tut. Ich wehte ein bisschen mehr und sagte auch zu Papa, dass ich das Gefühl hab, es tut sich was.

Habe fast jeden Tag gebadet, da es einfach nur gut tat!

Freitagmorgen war es dann so weit!!

Ich verlor blutigen Schleim!! Juhuhu!! Ich war voller Vorfreude auf die Geburt und hoffte sehr, dass es los geht!! Rief dann beim Dr. M. an, ob ich trotzdem um 9h kommen soll, da ich denke, dass wir uns heute eh noch im Krankenhaus sehen. Bin trotzdem noch in die Praxis. CTG zeigte schönen Wehen, aber am Muttermund war noch nocht viel los. Der M. sagte trotzdem, dass er auch denkt, dass wir die Geburt noch machen. Ab morgens dem 31.12 hätte ja sein Kollege der Sch. Dienst.
Was war ich aufgeregt!!
Mama hatte ich auch schon angerufen, da sie ja kommen wollte, sobald es los geht.

Ich berichtete ihr morgens, wie die Lage ist und dass ich mich noch mal bei ihr melde, sobald wir vom Arzt wieder zu Hause sind.
Und wer war nicht bereits da, als wir vom Arzt wieder zu Hause waren?!?! Die Oma!!! Sie konnte einfach nicht anders, als direkt los fahren!!

Jetzt komm ich dem schweren Teil immer näher und ich muß mich sehr überwinden, aber ich will es für Dich festhalten! Es tut so weh und ich schäme mich so, dass ich Dir nicht viel Schönes von Deiner Geburt erzählen kann, aber es ist nun mal leider so.

Ohje, mir fließen jetzt schon die Tränen...
Also weiter im Text!!

Deine Oma war also schon da, sie konnte einfach nicht anders! So ist sie halt. ?
Wir haben dann einen gemütlichen Mittag gemacht. Ich habe noch Käsespätzle gekocht. Die Oma ist dann später noch mal mit Deiner Schwester los gefahren, ein neues Buch kaufen und abends haben wir dann gemütlich Abendbrot gegessen.

Ich habe mir ein Glas Rotwein gegönnt. Tja, und um 21h bin ich dann bereits ins Bett.

Ich habe genau gemerkt, dass es langsam los geht... bzw dass die Wehen sich verändern! Ach, was war ich freudig aufgeregt!!

Gegen 23h war für mich klar, dass liegen nicht mehr geht. Ich habe Durchfall bekommen ( was ich schon kannte, vom Geburtsbeginn bei Deiner großen Schwester ) und ich mu0te sogar langsam anfangen, die Wehen zu veratmen.

Hui, und dann ging es eigentlich relativ schnell. Gegen Mitternacht, habe ich dann Papa geweckt, der mal wieder ein bisschen länger brauchte... ich war schon schwer am veratmen, saß immer wieder auf dem Klo und habe nebenbei Sachen gepackt und angezogen ( extra Sport-BH, denn ich auch bei der Geburt Deiner Schwester an hatte, in der Wanne... ).

Papa meinte sogar noch, sich einen Kaffee warm machen zu müssen in der Mikro, ich dachte ich spinne!! Wir müssen los!!!! Naja, er kam dann auch... Oma und Jule waren inzwischen auch wach und fieberten mit.

Nur Enna schlief die Nacht ausnahmsweise komplett durch... verrückt!!

Ich rief vorher noch im KKH an, ob viel los ist und ob der Kreissaal mit Wanne frei ist. Antwort: Ja, sie können kommen!

Unterwegs im Auto merkte Papa, dass er seine Brille vergessen hat.. das war mir scheiß egal!!! ?

Tja, beim KKH ausgekommen parkte Papa direkt beim Haupteingang und wir klingelten. Es kam jemand runter und mich überrollte in dem Moment eine heftige Wehe.

Hui, da mussten alle mal kurz warten, bevor sie mich dann in den Rollstuhl verfrachteten. Oben angekommen fing das Desaster an....

Ich war doch so voller Glück, freute mich über jede Wehe und fieberte dem Augenblick entgegen, wo ich Dich in den Arm schließen durfte...

D. K. heißt die gute Hebamme, die ich auch vorher schon am Telefon hatte und die uns dann in Empfang nahm..

„Frau B., ich hab grad ihre Unterlagen rausgesucht und ich gelesen ,dass sie eine Wassergeburt wünschen. Ich muß ihnen leider mitteilen ,dass die Elektronik von unserem CTG kaputt ist und sie nicht in die Wanne können!“

BUM!! Das war wie ein Schlag ins Gesicht!

Ich sehe ab dem Zeitpunkt alles nur noch wie in einem Film vor mir...

Ich fing an Vorschläge zu machen ( „Ich unterschreib ihnen was sie wollen, lassen sie mich ins Wasser!“ ). Ich wollte noch nach O. fahren... also schnell nach dem Muttermund gucken, dann fahren wir nach O.!!
„Also Ihr Muttermund ist vollständig auf, ich würde nicht mehr nach O. fahren Frau Berger!“
....was hätte ich da machen sollen....?!?!

Ich mache mir Vorwürfe, dass wir nicht mehr gefahren sind... zu mindest nach Hause, dann hätte ich meine Hebamme anrufen können und in meine Wanne steigen können oder sonst irgend wie.... ich habe dass Gefühl, nicht gut für uns gesorgt zu haben! Es tut mir so leid!!

Dabei hatte ich doch im Vorfeld echt versucht mich wirklich abzusichern, dass genau so was nicht passiert... ich habe mich angemeldet im KKH, mit ausdrücklichem Wunsch auf Wassergeburt, ich habe sogar vorher angerufen... was hätte ich noch machen können?!

Ich lag dann im Kreissaal auf diesem schrecklichen Bett, ein Hosenbein raus und fühlte mich nur noch hilflos...

..also sind wir geblieben...

Der Dr. M. kam auch kurz darauf. Er untersuchte auch noch mal... „es fehlt noch ein kleiner Saum! In spätestens einer halben Stunden haben sie ihr Baby!“
Ich dachte: „Na dann schaffen wir das auch so!!!“

Ich fühlte mich so unwohl auf diesem Bett und überlegte, was es für alternativen gibt.. hatte ich nie vorher drüber nachgedacht, da für mich klar war, dass ich ins Wasser gehe...
Da fiel mir ein, dass es doch einen Gebärhocker gibt!! Ich fragte danach, die K. sagt sofort: „ Ja gern, hol ich!“

Jajaja.... wie der Dr M. hinterher einräumte, war das wohl mein Verhängnis...
Es war zu dem echt kalt im Kreissaal und die Wehen waren heftig und ich hatte die ganze Zeit schon einen Pressdrang... Wasser hätte mich so schön entspannt und mir das Veratmen so viel leichter gemacht...
Der Dr. M. bliebt zum Glück da und guckte nach geraumer Zeit auch wieder nach meinem Muttermund..
„ Oh Frau B., sie sollten vom Hocker, der Muttermund-Saum ist ganz dick und angeschwollen. Gehen sie bitte wieder aufs Bett!“
Wie er mir später erklärte, wird wohl die Schwerkraft und der Druck nach unten, so wie mein bereits leichtes mit pressen Schuld sein. Bei jeder Wehe klemmte es wohl diesem Saum ein, zwischen Beckenknochen und Kopf... er schwoll an, wurde immer dicker und blau..

Dr. M. gestand mir gegenüber später sogar, er glaubte nicht, dass die Frau K. das Problem rechtzeitig erkannt hätte...

Dann bekann eine Odyssee von zwei guten Stunde mindestens... Dr. M mit seiner Hand in mir, versucht den Saum zurück zu schieben, und ich versuche zu pressen, bei jeder nächsten Wehe.. Papa sagt, dann sah richtig, wie es seine Hand wieder zurück schob, so bald ich presste, also der Saum sich wieder vordrückte..
Es war furchtbar und ich wollte so sehr, dass Du diesem Saum schaffst und dran vorbei rutschst.. dann wärst Du kurze Zeit später da gewesen..
Irgendwann konnte ich nicht mehr, es tat so weh und ich fing an zu jammern... hätte ich das nicht tun sollen? Hätte der Dr. M dann noch weiteres probiert?! Hätte es noch Möglichkeiten gegeben?
Zwischendurch fuhr er mich mal an, ich müssen schon mit helfen.. ich wollte es doch so sehr!!

Irgendwann stand im Raum, dass es keinen Sinn mehr hat.. das das Risiko zu hoch wird. Risiko für mich, da die Gefahr bestand, dass mein Muttermund reißt...
Tja und dann ging es ganz schnell...
..er spritze mir noch einen Wehenhemmer, den ich aber überhaupt nicht spürte! Ausziehen, OP-Hemd an, noch Piercings und Kontaktlinsen raus...
Ich lag dann in diesem Bett, wurde in OP geschoben, auf die Liege verfrachtet.. schon wurde mein Bauch rot eingepinselt, meine Beine angeschnallte.. ich hatte immer noch furchtbare Wehen. Dann kam die Maske auf mein Gesicht und ich weiß nur noch wie ich die ganze Zeit sagt: „Ich krieg keine Luft ich kriegt keine Luft!...“ Dann war ich weg...

Geboren bist Du am 31.12.2011
Um 2.37h
mit 52cm und
3690gr

3

Meine Meinung ist, dass du dich im Vorfeld viel zu sehr auf eine Wassergeburt versteift hast. Du weißt ja auch nicht, wie es im Wasser gewesen wäre. Wenn es Schwierigkeiten gibt, können sie überall auftreten. Ich hatte ganz immense Schwierigkeiten bei der ersten Geburt und ich wollte auf gar keinen Fall einen Kaiserschnitt beim zweiten Mal. Dennoch habe ich mir vernünftigerweise den Rat zweier Ärztinnen eingeholt und auch noch mal während der zweiten Geburt Ärztin und Hebamme auf die erste Geburt hingewiesen und ihnen gesagt, dass ich im Falle eines Falles zur Sicherheit einen Kaiserschnitt haben wolle. Ich habe Gott sei Dank keinen gebraucht, weil alles optimal lief. Ich wusste aber jederzeit, dass ich, wenn es meinem Kind schlecht geht, einen Kaiserschnitt vornehmen lassen muss. Ich denke, dass man bei dir letztlich dennoch richtig gehandelt hat und vielleicht war es sogar dein Glück. Stell dir vor, man hätte ich dich in die Wanne gelassen und Komplikationen nicht erkannt.

Bei meiner ersten Tochter war es sehr knapp. Die Geburt war zwar schlimm und sowas wünsche ich niemandem. Aber ich bin im Nachhinein froh, dass die Ärztin so schnell gehandelt hat (auch wenn das nicht schön war). Mir war so eine Geburt mit Saugglocke lieber als am Ende ein behindertes Kind zu haben, weil es stecken geblieben ist. Ich denke, man muss da immer zwei Seiten sehen.

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Mir fällt noch ein: war das Gerät ganz sicher kaputt? Oder hat man vorher vielleicht schon gemerkt, dass es schwierig werden könnte und hat dich deshalb nicht gelassen, wollte dich aber nicht beunruhigen? Weißt du. Bei mir haben die auch nicht gesagt: "Wir rufen jetzt die Oberärztin. Das ist ein Notfall und wenn ihr Kind jetzt nicht binnen kürzester Zeit raus kommt, kann es ersticken und sterben." Und man hat mir auch nicht gesagt: "Wir holen jetzt die Saugglocke und das wird jetzt sehr unschön." Hmm. Manchmal wollen die Hebammen und Ärzte einen auch einfach nicht beunruhigen, weil das die Geburt noch weiter erschwert. Bei meiner zweiten Geburt, ich hatte eine total gelassene und scheinbar super erfahrene russische Hebamme, hat sie das CTG sogar am Ende ab gemacht und als die Ärztin gelaufen kam, präsentierte sie ihr schon das Kind... Die Ärztin kam zu spät. Ist nur so ein Gedanke von mir. Aber wie dir im anderen Forum schon viele geschrieben haben. Es ist wirklich so. Am Ende zählt das Ergebnis. Das sage ich mir immer wieder, wenn ich ein in etwa gleichaltriges Kind sehe, das (so erzählt man) wegen ähnlicher Schwierigkeiten bei der Geburt Sauerstoffmangel erlitten hat und sein Leben lang behindert sein wird. Ich weiß, dass ich so einem Schicksal nur knapp entkommen bin. Ich habe sehr lange mit der Geburt gehadert. Aber nüchtern betrachtet muss ich, genau wie du, dankbar sein, dass ich ein gesundes Kind bekommen habe. Egal wie die Umstände wären.

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Das Gerät war sicher kaputt, habe 2 Tage später mitgekommen, wie der Haustechniker mit dem Arzt sprach, dass sie nun endlich ein neues besorgen sollten... und bei einer Bekannt war einige Wochen vor meiner Millas Geburt schon das gleich Problem.. wie ich leider erst im Nachhinein erfahren habe.

Wie hätte man denn vorher schon merken sollen, dass es schwierig werden könnte?!?

( Laut Geburtsbericht war mein MM auch erst bei 6cm bei Ankunft im KKH und nicht vollständig! Somit hat sie definitiv vermeiden wollen, dass ich noch in ein anderes KKH fahre. Was ich auch ein Unding finde, denn ich möchte immer noch selber entscheiden dürfen! )

Die Probleme entstanden erst als ich auf dem Hocker saß und wie der Arzt mir gegenüber einräumt, war es definitiv ein Fehler der Hebamme, mich so früh auf den Hocker zu lassen, vor allem weil ich schon so einen starken Pressdrang hatte und sie mich pressen gelassen hat.
( Den ich mit Sicherheit nicht gehabt hätte, wenn ich im warmen Wasser gewesen wäre und nicht in einem Kreissaal wo die Heizung kaputt war... )

Klar war ich versteift auf eine Wassergeburt, warum denn auch nicht?! Ich mußte das Kind zur Welt bringen, hatte bereits die Erfahrung das es mir hilft und hätte es mir mit Sicherheit auch dieses mal.

Der Kaiserschnitt wurde dann vorgenommen, da wohl Gefahr bestand, dass mein MM reißt. Die Herztöne meiner Tochter waren die ganze Zeit über gut!

Ich bin davon überzeugt, dass ich einen vom KKH "hausgemachten" Kaiserschnitt erleben durfte und darüber freue ich mich bestimmt nicht.

Vor allem da ich im Vorfeld echt versucht habe mich in alle Richtungen ab zusichern, dieser Krankenhausmaschinerie nicht zum Opfer zu fallen.

Das ich dankbar bin, ein gesundes Kind bekommen zu haben, habe ich nie in frage gestellt, genauso,dass es mir gut geht, darum ging es mir auch nie!!
Schade, dass das Einige hier nicht begreifen wollen..

Meine Grundfrage ging mir eigentlich darum: "Wie andere mit ihrem Notkaiserschnitt-Erlebnis zurecht kommen..."
...nur mal so zur Erinnerung!

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Hallo,

Ein typischer Bericht aus diesem kh. Ich hatte dir vorher schon im Club geschrieben als du nach kh gefragt hast da ses nix schlimmeres gibt als dieses.

Aber gib nicht dir die Schuld, das es war wie es war. Du bist nicht schuld,aber es hätte in der Wanne auch passieren können oder?

Lg Andrea

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Ach Mensch, das war ja wirklich nicht schön für Euch! #liebdrueck

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Hallo,

Ohje das war sicherlich nicht toll für dich!!!! Zum Glück ist deiner Maus und dir nichts passiert!!!! ;-) ( Bis auf die unangenehmen umstände!)

Du hast keinen Grund dich zu schämen weil es nicht anders geklappt hat und die Geburt nicht toll war! War meine 1. Geburt auch nicht und vor der 2. Hab ich Angst!!!!

Lg, Marie 30+2

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Hallo,
Erstmal wollte ich sagen das es mir leid tut das ihr keinen schönen Start hattet! Und ich habe mit dir "gelitten" als ich deinen Bericht gelesen habe!
Doch finde ich es unpassend zu sagen, die Hebamme oder der Arzt war Schuld! Du weisst nicht wie es gewesen wäre, wenn du ins Wasser hättest dürfen! Nur weil Kind 1 im Wasser geboren wurde und alles glatt lief, muss beim Kind 2 nicht das selbe sein!

Und aucg wenn du angeblich erst bei 6mm warst, und nicht ganz offen wie Hebi meinte, wärst du dann los gefahren? Was hättest du gemacht, wenn du im Auto presswehen bekommen hättest? Es waere dann zur Komplikationen gekommen, dann wäre die Hebi doch auch daran Schuld? Stimmts? Hätte dich nicht fahren lassen sollen...
Ich finde es immer schlimm zu hören wenn immer die Hebammen und Ärzte dran schuld sein sollen! Es kann IMMER zu Komplikationen kommen! Egal wie toll die Schwangerschaft war, egal wie viel Kinder man komolikationslos geboren hat!

Lg

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