Mein Geburtsbericht (achtung sehr lang)

Hier mal mein Geburtsbericht, wie ich ihn auf meine Homepage gesetzt habe:

26.09.2011

Liebe Bella,

heute war es also soweit. Nach fast 9 Monaten sollst du nun also schlüpfen. Eigentlich solltest du erst am 6.10. das Licht der Welt erblicken, aber da die Mama aufgrund einer Schwangerschafts-Vergiftung einen zu hohen Blutdruck hat und dann auch noch Diabetes, soll die Geburt eingeleitet werden. Durch das Diabetes würdest du sonst wohl zu groß in Mamas Bauch werden und die Geburt dadurch für uns beide zu anstrengend, was aufgrund des hohen Blutdrucks echt gefährlich werden kann.

Schon seit letzter Woche Mittwoch (21.9.) bin ich schon im Krankenhaus und da ich hier sowieso nicht so gern bin, darfst du wirklich langsam mal kommen ;-)

Kurz vor halb 8 kam schon die Hebamme ins Zimmer und meinte, ich soll in den Kreißsaal kommen. Also hab ich mich fix „hübsch“ gemacht und bin dann mit meinem Kugelbauch dort hin gewatschelt.

Dort wurde ich erstmal ans CTG angeschlossen. Das zeichnet deine Herztöne auf und ob die Mami schon Wehen hat.

Alles noch in Ordnung und noch keine Wehen, also kann ich auch noch fix was frühstücken, denn ich brauch an diesem Tag noch jede Menge Kraft.

8:15 ungefähr bin ich dann wieder im Kreißsaal und dort bekomme ich eine Vaginaltablette, die die Geburt einleiten soll. Irgendwie bin ich gar nicht aufgeregt. Ich hab nur ein bisschen Angst, dass sie das Ganze über mehrere Tage hinziehen wird.

Wenn du heute kommst, dann hast du mit deiner Tante Yvonne Geburtstag und sie würde sich riesig darüber freuen. Wenn du übermorgen (am 28.9.) kommst, dann wärst du ein tolles Geschenk zu Mamas und Papas 9. Jahrestag. Aber egal wann du kommst: Ein tolles Geschenk wirst du auf jeden Fall für uns!

Gegen halb 9 werde ich wieder ans CTG angeschlossen. Nun soll ich hier eine ganze Stunde liegen bleiben. Ich weiss noch gar nicht, wie ich das aushalten soll, denn immerhin kann ich zur Zeit sowieso so schlecht liegen. Aber kurze Zeit später, kommt schon dein Papa und kann mich ein bisschen ablenken. Ich bin wirklich froh, dass er bei mir ist.

Die Stunde vergeht schneller als gedacht und das mit dem Liegen klappt komischerweise auch recht gut. Also ich vom CTG abgemacht werde, schaut die Hebamme, wie weit mein Muttermund schon auf ist. Einen knappen Finger breit: Das ist wohl zirka 1cm, also nicht viel, wenn man mal bedenkt, dass es 10cm sein müssen, dass du endlich raus darfst.

Deinem Herzchen ging es noch gut und die Mama hatte auch schon leichte Wehen.

Jetzt heisst es 2 Stunden warten und dann soll ich wieder ans CTG.

Ich soll mir ein bisschen die Beine vertreten. Das ist wohl wehenfördernd sagt man und ich will ja, dass es so schnell wie möglich los geht.

Nach dem Mittagessen um 12 heisst es also wieder Wehenschreiber und siehe da: Die Wehen werden schon etwas mehr. Allerdings ist es noch gut auszuhalten und nach 20 min darf ich schon wieder aufstehen.

Halb 3 sollte ich dann wieder kommen und dann sollte entschieden werden, ob ich noch einmal eingeleitet werden soll. Doch so weit kam es gar nicht…

Eigentlich wollte ich mit Papa nochmal in den Park spazieren gehen, doch da die Wehen schon etwas schmerzten, hab ich entschieden auf dem Zimmer zu bleiben und Papa ist kurz nach Hause gefahren, um mir noch eine bequeme Hose zu holen und fix eine Kleinigkeit zu essen.

Da stehe ich nun also gegen 14 Uhr im Zimmer an der Balkontür und merke, wie es ein bisschen nass in meiner Hose wird. Ach du Schreck – ein Blasensprung. Na das hatte mir ja gerade noch gefehlt!

Also geh ich ganz schnell ins Bad, zieh mir die Hose runter und setz mich aufs Klo. Und was nun? Auf die Klingel drücken will ich nicht, um die Schwester zu holen. Immerhin sitz ich hier quasi ohne Hosen da! Also ruf ich den Papa an, er soll doch schnell wieder ins Krankenhaus kommen. Der sagt mir natürlich das, was ich schon weiss: Ich soll doch klingeln und eine Krankenschwester kommen lassen. Aber das will ich doch nicht!

Also rufe ich auch gleich noch die Tante Yvonne an. Die hatte letztes Jahr immerhin auch einan Blasensprung und die war zu Hause und konnte auch niemand „heran-klingeln“. Aber sie meint zu mir: „Entweder du klingelst oder du stopfst dir jede Menge Zeug in die Hose und watschelst zum Schwestern-Zimmer“.

Doch das musste ich zum Glück nicht, denn der Papa kam kurz drauf auch schon und hat dann jemand geholt. Jaaaa, ich weiss: Da hätte ich auch auf das kleine rote Knöpfchen drücken können ;-)

Ich sollte dann schnell aufstehen und mich ins Bett legen. Na ganz toll: Jetzt sau ich also auch noch das Bett ein!

Ich werde in den Kreißsaal geschoben, denn viel laufen darf ich nicht mehr. Da dein Köpfchen noch nicht richtig in mein Becken gerutscht ist, könntest du nun sonst nämlich die Nabelschnur abdrücken, wenn das Fruchtwasser weniger wird.

Dort angekommen, komme ich wieder ans CTG. Bei jeder Bewegung die ich mache, wird es immer nasser in der Hose. Das das unangenehm ist, brauch ich hier wohl niemanden zu erklären…

Die Wehen sind nun noch mehr und langsam fängt es auch an richtig weh zu tun. Die Ärztin gibt mir über den Tropf dann irgendwann auch ein Schmerzmittel, dass es nicht zu heftig wird, denn mein Blutdruck soll ja auch nicht zu hoch werden.

Die Hebamme erzählt mir inzwischen etwas davon, dass ich keinen Bock hätte und überhaupt nicht motiviert bin. Was hat die denn bitte gefrühstückt? Wer hat denn schon Lust auf Schmerzen? Und dann soll ich auch noch rum laufen! Das macht sich besonders gut, wenn immer noch Fruchtwasser aus einem strömt und der blöde Tropf ist auch nicht grad flexibel. Ständig muss man aufpassen, dass man nirgends hängen bleibt.

Inzwischen ist mir einfach nur noch schlecht und schwindelig. Es ist mittlerweile so spät, dass es auf der Krankenstation das Abendessen gab, dass mir Papa nun bringt. Aber essen kann ich vor lauter Übelkeit nichts und nehme nur ein Traubenzucker zu mir, dass mein Zuckerwert nicht so weit in den Keller sinkt.

Auch die Schmerzen werden immer schlimmer und ich ziehe das in Betracht, was ich nie wollte: Eine PDA, also eine Betäubung der Schmerznerven. Mein Muttermund war inzwischen schon 4cm auf, sodass ich es nun machen lassen könnte. Als ich die Hebamme frage, ob ich es tun soll, meint sie, dass ich ja sowieso schon müde und erschöpft bin und die Geburt unter den Umständen bis in die Nacht hinein dauern würde. Ok, dass es dann wirklich noch bis in die Nacht dauern würde, war mir zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht bewusst.

Gegen halb 6 kam dann der Anästhesist, um alles vorzubereiten. Ich soll mich hinsetzen und hinter mir wird alles Steril aufgebaut. Ich soll sagen, wann die Wehe vorbei ist, dass er die Nadel von dem Katheter, in den dann das Betäubungsmittel gespritzt wird, neben die Wirbelsäule schieben kann. Er sagt, dass nun ein elektrischer Schlag ins Bein kommt. AUA! Papa sitzt vor mir und opfert seine Hand und seinen Arm und was weiss ich nicht alles dafür, dass ich mich darin fest krallen kann. Ich glaub so sehr sollte das nicht weh tun. Also versucht der Arzt nen anderen Nerv zu treffen und die Schmerzen die dann kamen, waren unbeschreiblich schlimm. Das waren die Schlimmsten die ich je hatte. Er hat mich zwar vorgewarnt, dass es ein bisschen im Rücken weh tun würde, aber ich glaub, dass es so heftig war, war dem Arzt auch nicht so ganz geheuer, denn er zieht die Nadel wieder raus und ruft den Oberarzt. Als der nun ankommt, will er mich auch nochmal pieksen. Also los geht’s… Und siehe da: Es tut kaum weh. Ich bin ganz überrascht und frage, ob es das schon war. Er lacht nur und meint, ob ich denn noch einen Piekser wolle… Natürlich nicht!

Mir wird ein Schlauch über den Rücken gezogen, der da festgeklebt wird und der Port, wo das Medikament rein gespritzt wird, klebt dann irgendwo auf meiner linken Schulter.

Nun ist es ca. 18:15 und es wird Kalt am Rücken, als der Arzt das Betäubungsmittel gibt. Aber nicht lang und sehr schnell kommt ein wohlig warmes Gefühl im Rücken. Ich soll noch zeigen, dass ich meine Zehen bewegen kann, also dass nix schief gegangen ist und dann werde ich endlich in Ruhe gelassen. Die Wehen werden immer weniger und ich kann mich endlich etwas erholen. Allerdings sind sie so schwach, dass man sie auf dem CTG nicht mehr erkennen kann. Na jetzt darf Papa wenigstens ein bisschen aktiv werden und auf dem Zettel, der aus dem Wehenschreiber kommt, einen Strich machen, wenn ich denke, dass eine kommt. Denn gemerkt hab ich kaum noch etwas, so dass ich nur ein Ziehen erahnen konnte. Nach 2 Stunden können sie nochmal nachspritzen, doch leider lässt es schon eher nach. 1,5 Stunden später jedoch werden die Schmerzen wieder so schlimm, dass ich es kaum noch aushalte. Papa sagt, dass ich tief durch die Nase, in den Bauch einatmen und durch den Mund wieder ausatmen soll. Irgendwie klang das im Geburtsvorbereitungskurs alles viel einfacher und während der Geburt ist es mir fast unmöglich das umzusetzen.

Ich zähle die Minuten, bis die Ärztin mir wieder das Wundermittelchen spritzen kann und als es dann schließlich soweit ist, lieg ich wahrscheinlich nicht ganz optimal da, denn rechts wirkt es nicht mehr ganz so gut, sodass ich die Wehen jetzt im Rechten Bauch trotzdem merke. Ein komisches Gefühl, wenn man das nur so einseitig merkt.

Und dann kann ich mich auch nicht mehr wirklich an alles erinnern. Wahrscheinlich liegt das daran, dass das Schmerzgedächtnis gelöscht wird, sobald das Baby auf der Welt ist. Aber ich versuch trotzdem noch das zusammen zu bekommen, was in meinen Gedanken hängen geblieben ist…

Ich glaube ewig hatte das Mittel dann auch nicht mehr gewirkt, denn dass da Schmerzen waren, weiss ich definitiv noch, aber nur nicht mehr, wie schlimm wirklich.

Irgendwann kam ich dann noch an den Wehentropf, weil mein Muttermund nicht schnell genug aufgehen wollte. Er war nur gute 5cm geöffnet und dabei brauchten wir doch 10!

Dann auf einmal ein lautes Piepen am CTG. Oh nein! Was ist denn nun los? Die Ärztin kommt angestürmt und meint, dass du eventuell nicht mehr genug Sauerstoff bekommst. Das alles nur, weil ich nicht richtig geatmet habe? Sie bringen jetzt eine Sonde an deinem Kopf an und einige Zeit später wird ein bisschen Blut aus deinem Kopf entnommen und ins Labor geschickt, um zu prüfen, ob alles in Ordnung ist. Kurz darauf kommt auch schon die Entwarnung. Du musst doch nicht mit einer Saugglocke geholt werden.

Mein Blutdruck war zwischendurch auch bei 120/170, sodass ich ein schnell-senkendes Medikament zu mir nehmen muss.

Als ich dann zwischen den einzelnen Wehen gar keine Pausen mehr erkenne, dachte ich, dass es bald geschafft ist und die Hebamme (inzwischen die 3. an diesem Tag, denn die anderen beiden haben schon Feierabend) dann sagte, dass es in der nächsten Stunde geschafft sein müsste, hätte ich sie anspringen können. Wie in der nächsten Stunde. Länger als 15 min wollte ich auf keinen Fall mehr vor mir haben!

Der Muttermund war nun wohl 9cm auf. Also ging es wirklich zum Endspurt. Ständig waren der Papa und ich allein. Wo waren die denn alle? Sollte ich mein Kind ohne Hebamme und Ärztin auf die Welt bringen? Und dann merke ich auch noch, wie dein Köpfchen sich nach unten drückt. Jetzt wird es aber wirklich Zeit, dass da jemand kommt!!! Ich solle erst anfangen zu pressen, wenn sie wieder bei mir im Zimmer ist, aber das ist mir jetzt egal. Du sollst endlich da raus und da sie nicht aufpasst und mich ausschimpfen kann, leg ich eben alleine los. Naja, sie kam dann doch noch rechtzeitig in den Kreißsaal und nach Was-weiss-ich-wievielen Presswehen, warst du endlich da!

Du schreist ganz heftig und das ist auch gut so. Das bedeutet nämlich, dass soweit alles okay bei dir ist.

Dann darf der Papa die Nabelschnur durchschneiden und du wirst in ein Handtuch gewickelt und auf meinen Bauch gelegt. Dein Gesicht ist total Blutverschmiert und aufgequollen und trotzdem bist du grad das süßeste Baby der Welt für mich!

Zu meiner eigenen Überraschung fließen gar keine Tränchen bei mir, aber so gemein es klingt: ich bin wohl grad noch zuviel mit mir selbst beschäftigt. Jedoch kann ich ganz genau erkennen, dass Paps Augen ganz feucht sind. Alles tut noch weh und zugleich bin ich einfach nur glücklich, das alles vorbei ist. Nun muss nur noch die Plazenta aus mir raus (das, was dich 9 Monate lang mit Nahrung und anderem Zeug versogt hat). Ausserdem sagt mir die Ärztin noch, dass bei mir was gerissen ist, was sie nun noch nähen müssen. Die Hebamme nimmt dich in der Zeit schon mal zu sich und will dich baden. Ich sage deinem Papa, dass er ruhig mit zu dir gehen soll, aber er will mir noch kurz seine Hand zum drücken reichen, denn angenehm werden die Nadelstiche sicherlich nicht. Als auch dass endlich geschafft ist, geht Papa zu dir und hilft beim Messen und Wiegen. Auch ein Fußabdruck mit roter Farbe wird gemacht, sodass wir nie vergessen, wie klein deine Füßchen mal waren. Ein rosanes Armband bekommst du auch um, auf denen dein Name, dein Geburtsdatum und die Zeit steht, auf der du auf die Welt kamst. Das war übrigens 23:09 Uhr und deine Tante Yvonne hat nun doch noch ihr Geburtstagsgeschenk bekommen.

Jetzt lieg ich in meinem Bett und wir müssen noch 2 Stunden hier im Kreißsaal bleiben, zur Überwachung.

Ich bin so geschafft und zugleich so glücklich, dich endlich in meinen Armen zu halten… meine kleine Bella.

1

herzlichen glückwunsch

deinen bericht hast du wirklich sehr schön geschrieben

2

Soo schön =) zum ersten mal bekomme ich beim Geburtsbericht feuchte Augen.
Einfach so schön =)

3

Dankeschön ;-)

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