Die Geburt meines definitiv letzten Kindes... ein Brief an meinen Sohn

Kleines Mäusebaby,

ich möchte dir in diesem Brief von deinem Weg auf diese Welt erzählen, während du neben mir in deinem Bettchen liegst und gerade satt und zufrieden einschläfst (hoffe ich zumindest).

Wir dachten schon am Tag vor deiner Ankunft, dass du nun zu uns kommen würdest, und so habe ich mich am Freitag, den 7.10.2011 schon einmal mit dem RTW auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. Bis der RTW kam, hatte ich ganz tolle Wehen, und Martina, die Hebamme, meinte, es wäre besser zu fahren.
Dein Papa ist zu Hause geblieben, denn er musste später deine großen Geschwister aus dem Kindergarten abholen.
Leider wurden die Wehen, je näher ich der Klinik kam, immer schwächer, und im Kreißsaal am CTG waren dann auch nur noch Miniwehen zu sehen. Am „Ausgang“ hatte sich nichts weiter getan, im Gegenteil, die Hebamme in der Klinik schätzte ihn sogar auf einen cm weniger geöffnet als Martina.
Während ich noch am CTG lag und mich fragte, wie viele Fehlalarme es noch bis zu deiner Geburt geben würde, kam plötzlich dein Papa rein, und ich hab mich riesig gefreut. Auch, wenn du nicht zur Welt kommen solltest zu diesem Zeitpunkt, war es doch gut, dass er da war.

Wir sind dann wieder nach Hause gegangen, zu Fuß, den ganzen langen Weg. Über eine Stunde waren wir unterwegs, haben zwischendurch noch beim Bäcker ein deftig belegtes Riesenbrötchen gegessen und einen Kaffee getrunken (das letzte Mal zu zweit für lange Zeit… als hätten wir’s geahnt) und haben dann so getan, als wäre nix.
Die Aufregung war weg, die Wehen waren fast weg, und das Leben konnte normal weitergehen… dachten wir.

Am Abend sind wir nochmal gemütlich baden gegangen. Ich hatte immer noch Miniwehen und habe gehofft, die würden dann weggehen, so dass mir noch eine Nacht ruhiger Schlaf bleibt.
Erst war das auch so, die Wehen waren weg, und wir wollten ins Bett gehen. Das war schon spät am Abend, halb 11, glaube ich. Auf einmal kamen die Wehen wieder, und diesmal waren sie doch schon stärker. Ich wollte trotzdem lieber ins Bett und versuchen, noch zu schlafen, auch wenn dein Papa mich am liebsten sofort in die Klinik gescheucht hätte… er wusste eher als ich, dass du dich nun wirklich auf den Weg machen würdest.
Wir haben erst überlegt, Martina noch anzurufen und um Rat zu fragen, aber weil es mitten in der Nacht war, haben wir das gelassen. Ungefähr um halb 12 musste ich die Wehen dann schon ordentlich verschnaufen, und ich habe mich doch lieber auf den Weg ins Krankenhaus gemacht.
Dein Papa musste ja leider zu Hause bei deinen Geschwistern bleiben, also habe ich einen RTW gerufen, habe dem Papa gute Nacht gesagt und bin dann abgeholt worden.

Der Sanitäter im RTW hat die Zeit zwischen den Wehen gestoppt und wurde doch ein bisschen nervös, weil dazwischen nur noch drei Minuten lagen. Wenn ich gerade keine Wehe hatte, haben wir uns unterhalten und Witze gemacht, ob er denn zur Not auch Hebamme spielen könnte.

Im Krankenhaus angekommen, konnte ich schon kaum noch laufen. Jetzt war ich auch überzeugt, dass das echte Wehen waren, die dich auf die Welt befördern würden. Die Kollegin von dem nervösen Sanitäter hat einen Rollstuhl geholt und mich erstmal durch die Notaufnahme geschoben- und eine Schwester gebeten, mich im Kreißsaal anzumelden. Asserdem brauchten die beiden noch irgendwas schriftliches- und ich habe nur gehofft, dass es bald weitergeht.
Ging es nach ein paar Wehen dann auch, mit dem Fahrstuhl ins dritte OG, wo ich schon erwartet wurde.

Die Hebamme (die EINZIGE Hebamme an diesem Abend) hat mich in Empfang genommen und mich erstmal untersucht (der Muttermund war, wie am Tag davor, 5cm offen, und dein Köpfchen war noch nicht ins Becken gerutscht) und ans CTG angeschlossen, um zu schauen, wie es dir in meinem Bauch so geht. Es war alles in Ordnung, und so lag ich erstmal im Bett und hab zugeschaut, wie der Wehenschreiber die Wehen aufgezeichnet hat.
Zwischendurch kam noch die Ärztin und hat mir einen Zugang gelegt.
Ich muss kurz vor Mitternacht in der Klinik angekommen sein, und ab da hatte ich kein Zeitgefühl mehr (und nirgends hing eine Uhr).

Nach einer Weile habe ich es im Liegen nicht mehr ausgehalten und wolte mich lieber hinstellen. Guut, dass das CTG noch lief, denn im Stehen hat sich deine Nabelschnur wohl ein bisschen verklemmt und dein Herz schlug langsamer als es sollte. Die Hebamme hat mich ganz schnell wieder ins Bett befördert.

Von da an hiess es: liegen und lagern, damit du endlich mal ins Becken Richtung Ausgang rutschst. Erst auf die rechte Seite, dann links. Geholfen hat es nix, ausser dass ich irgendwann kaum noch liegen konnte. Ich wollte aufstehen, mich bewegen, aber das ging nicht, schliesslich wollte ich nicht, dass dir etwas passiert.

Irgendwann war mein Muttermund komplett offen- aber du warst immer noch kein Stück weiter nach unten gekommen. Ich hatte das Gefühl, mitschieben zu müssen, aber das durfte ich noch nicht.
Die Hebamme hat mir dann irgendwann einen riesigen Gymnastikball ins Bett gelegt und mir gesagt, ich sollte mich davorknien und den Oberkörper drauflegen. DAS tat gut… vor allem, weil sie mir in den Wehen den Rücken ein bisschen massiert hat, was seeeehr angenehm war.

Leider hatten in dieser Nacht auch die Babies von zwei weiteren Frauen beschlossen, zur Welt zu kommen, und so musste die Hebamme immer wieder rausgehen, während ich tapfer die Presswehen veratmet habe. Also war ich irgendwann alleine mit dem Gymnastikball- und die Gelegenheit hast du genutzt, um Richtung Ausgang zu rutschen. Autsch, das tat vielleicht weh… ich habe ganz schön Angst bekommen und wahrscheinlich die ganze Klinik zusammengebrüllt, und dabei ist mir auch noch die Fruchtblase geplatzt… PLATSCH hat es gemacht, und das ganze Bett war nass- und ich habe ganz laut nach der Hebamme und um Hilfe gerufen... ich hatte riesige Angst, dich ganz allein zu bekommen.

Die Hebamme kam zum Glück ganz schnell gelaufen, denn ich habe schon gemerkt, wie du dich weiter nach unten geschoben hast… da hat die Hebamme mich schnell auf die Seite gelegt und den Ball aus dem Bett geschmissen, ich habe ihr einen Fuß in die Hüfte gestemmt und dann durfte ich endlich mitdrücken.
Ich habe genau gemerkt, wie du immer weiter gerutscht bist, wie dein Kopf geboren war, deine Schultern und dann der Rest… ich glaube, das waren nur zwei Presswehen, also so richtige, und dann warst du da.
Du warst ganz blau im ersten Moment, und die Nabelschnur lag einmal um deinen Hals. Vielleicht wolltest du deswegen erst nicht rauskommen?
Nach einem kurzen Moment hast du dann angefangen zu schreien, aber nicht laut, die Hebamme hat die Nabelschnur durchgeschnitten, und dann konnten wir beide erstmal ausgiebig kuscheln.
Du hast die Augen aufgemacht, und ich habe als erstes gedacht: Er hat die Augen von seinem Papa. Mit genau dem gleichen Blick wie er hast du mich angeschaut.
Auch die dunkelbraunen Haare, die Geheimratsecken und die langen Finger hast du von ihm.
Ich hab dann erstmal den Papa angerufen und ihm gesagt, dass du da bist.

Alle haben gedacht, du wärst ein kleines, zartes Baby, aber da hast du uns das erste Mal überrascht: mit 3900gramm, 3656cm Länge und einem Dickkopf von 35,5cm bist du eher groß.

Geboren bist du übrigens um 2 Uhr 42, am 8.10.2011, an einem Samstag. Am gleichen Samstag gegen Abend sind wir dann nach Hause gegangen und suchen jetzt nach dem Geheimrezept für einen entspannten Alltag mit drei Kindern ;-) Es klappt nicht mal schlecht, auch wenn es manchmal noch ein klein wenig chaotisch ist, und du machst es uns meist echt leicht. Du schläfst viel, schreist kaum, fährst scheinbar gern Auto und bist allgemein ungeheuer pflegeleicht.
Ok, jetzt gerade magst du nicht so recht schlafen… aber das muss auch mal sein :-)

Deine Geschwister finden es ganz spannend, dass du jetzt da bist, und erzählen im Kindergarten ganz stolz von dir.
Und Mama und Papa sind froh, dass du endlich bei uns bist.

Du hast unsere Familie komplett gemacht, und es fühlt sich gut und richtig an, dass du jetzt da bist.
Ich liebe dich, mein kleiner Schatz, du hast den verbliebenen leeren Platz in meinem Herz ausgefüllt???

Schön, dass du da bist.

Deine Mami

1

Das hast du wirklich wunder-wunderschön geschrieben!! Ich hatte richtig Tränen in den Augen !
Dein Sohn wird sich bestimmt rießig freuen, wenn er diesen Brief eines Tages lesen wird und merkt, wie viel Liebe du schon immer für ihn empfunden hast!

2

Einfach nur wunderschön :-)#liebdrueck#

silvercats mit Niklas an der Hand (4) und Krümel im Bauch (14.)

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