3 Tage Wehen, und dann kam alles anders...

Geburtsbericht Ole

Vorweg: Geplant war die Geburt im Krankenhaus mit einer unserer zwei Beleghebammen, Maria und Anna. ET war der 5. Juni 2011.

Nacht von Freitag, 27.Mai 2011 auf Samstag, 28.Mai 2011: 5 Stunden lang Wehen im Abstand von 5 Minuten
Samstag, 28. Mai 2011: ab 21:25 Uhr Wehen im Abstand von 5-10 Minuten
Sonntag, 29. Mai 2011: 2 Uhr morgens Anruf bei Maria, sie kommt, fährt aber wieder, irgendwann am Tag bade ich, Luca und ich machen einen Spaziergang am Kanal inklusive Wehenveratmen am Nachmittag, ansonsten bin ich an verschiedensten Plätzen in unserer Wohnung (Boden, Sessel, Bett…) mit Dösen und Veratmen der Wehen beschäftigt, Maria sagt: Muttermund auf 1 cm auf, es tut sich nichts, ich solle „loslassen“, verstehe nicht, was sie mir da erzählen will
Montag, 30. Mai 2011: Maria kommt früh morgens (2/3 Uhr) vorbei und übernachtet auf dem Sofa, ca. 3 Uhr morgens Spaziergang (Luca/ich) ums Amt, gemeinsames Veratmen der Wehen alle paar Meter auf dem Parkplatz, Luca schläft dann auch auf dem Sofa, ich veratme weiter Wehen im Bett, anstrengend!, Maria sagt morgens, dass es wenn sich der Muttermund nicht weiter öffnet, wir ins Krankenhaus fahren müssen. Sie fährt wieder. Um 10 Uhr kommt sie wieder und schlägt vor, dass ich baden könnte. Ich bin dann ca. 5 Stunden in der Wanne. Diese Zeit ist gut, ich kann die Wehen gut veratmen und viel besser aushalten. Maria macht zwischendurch entspannende Musik an, die mich fast in Trance bringt. Nachmittags sagt Maria, dass der Muttermund schon 3 cm auf ist, damit ich etwas motivierter bin. Eigentlich hat er sich wohl noch gar nicht weiter geöffnet, das sagt Maria aber nur Luca. Nach der Wanne soll ich anders atmen, damit der Muttermund sich öffnet. Maria fährt noch mal weg. Nun beginnt für mich die anstrengendste Phase: Mit Schmerzen von den Knien aufwärts bis zur Brust stehe ich an verschiedenen Stellen in unserer Wohnung, am Fernseher, am Hüpfball, der auf einem Sessel liegt, an der Gefriertruhe, an einer Kommode, am Wickeltisch und puste gegen die Schmerzen. Luca fragt sich, ob Maria wirklich gesagt hat, dass ich so atmen soll. Ja. Wie durch einen dünnen Strohhalm. Ich muss mir extrem gut zureden, dass auszuhalten und mich nicht immer wieder auf den Boden zu werfen vor Schmerz. Meine Oberschenkel machen mir am meisten Probleme, wenn das nicht wäre, wäre alles besser auszuhalten. Irgendwann kommt Luca zu mir ins Schlafzimmer. Es ist so ungefähr 17:50 Uhr. Ich halte es nicht mehr aus und fange heftigst an zu heulen, an zu schreien und strampeln, ich wälze mich auf dem Schlafzimmerboden und sage, dass sie Schmerzmittel haben will, dass die Beine so weh tun und dass ich schlafen will und es nicht mehr aushalte. Luca ruft Maria an, die fragt, ob ich eine PDA im Krankenhaus haben will. Ich sage nur „ja“, weil ich auf jeden Fall die Schmerzen nicht mehr aushalten möchte. Maria macht sich also auf ins Krankenhaus. Luca packt die letzten Sachen während ich weiter schreie. Ich denke wirklich, dass ich das nicht mehr aushalten kann. Ich habe keine Ahnung, was kommt, aber alles ist grausam. Luca fährt das Auto vor das Haus, packt alle Sachen hinein, schaut zwischendurch bei mir rein, gibt mir Rescue Tropfen, und lässt das Auto mit offenen Türen vor der Haustür stehen. Dann möchte er mich holen, doch ich sage, dass ich es nicht zum Auto und schon gar nicht bis zum Krankenhaus schaffe. Ich glaube, ich werde im Auto nur rumtoben, Luca wird nicht fahren können und unser Sohn wird irgendwann auf einem Parkplatz oder am Straßenrand geboren. Luca ruft Maria an, die mich sprechen will. Wenn ich keine Presswehen habe, dann solle ich mich ins Auto setzen, das würde ich schon schaffen. Ich lege auf und schaffe es mit Luca bis in die Küche, wo ich mich dann aber schreiend mehrfach auf den Boden fallen lasse und am Küchentisch festklammere. Ich sage, dass ich nicht mit kommen kann und sterben will. Luca weiß nicht, was er machen soll und möchte mich hochziehen und mit ins Auto zerren. Ich halte mich aber vehement am Küchentisch fest. In dem Augenblick platzt die Fruchtblase. Ich schreie bzw. jammere „Die Fruchtblase ist geplatzt!“, Ich sagt „Wirklich?“, guckt nach und sieht, dass meine Hose durchnässt ist. Ab dem Zeitpunkt glaube ich wirklich, dass es losgeht und bekomme ein gemischtes Gefühl aus Angst und Erleichterung. Definitiv überwiegt aber die Erleichterung. Ja, endlich, ein Geburtszeichen! Ich simuliere nicht! Luca ruft wieder bei Maria an und erzählt ihr vom Blasensprung. Maria sagt, sie kommt. Währenddessen hocke ich im Vierfüßlerstand in der Küche und sage „Luca, das Kind kommt jetzt gleich“, Luca legt Bettwäsche unter und fragt mich, ob er die Hose ausziehen soll. „Ja!“ und dann sehe ich beim Ausziehen, dass die Unterhose voll mit Blut ist. „Luca, die Unterhose ist voll mit Blut!“, Luca sagt „Ja“ und dann tropft noch mehr Blut und Schleim auf die Bettwäsche. Es ist ungefähr 18:20 Uhr, ich hocke im Vierfüßler mit dem nackten, blutigen Po zum Fenster, jeder kann reinschauen. Angeblich, so Maria später, hat sich erst jetzt der Muttermund innerhalb weniger Minuten von 1 cm auf vollständig geöffnet und Blut und Schleim sind vom Muttermund. Ich frage mich, warum das bei anderen Frauen weniger brutal vonstatten gehen kann. Anna kommt rein und möchte den Muttermund tasten. Ich weigere mich „Nee, das geht nicht!“. Anna hilft mir dann beim Atmen und beruhigt mich wegen des Blutes. Dann kommt auch schon Maria und misst einfach trotzdem den Muttermund aus und sagt, „Ja, der ist vollständig“ und fragt mich, ob ich da auf dem Küchenboden bleiben möchte oder es vielleicht noch ins Schlafzimmer schaffe, das wäre doch so ein schöner Raum. Ich bin tierisch erleichtert über den Befund und sage „Ja, das schaffe ich“ und gehe mit Hilfe von Luca ins Schlafzimmer. Mein Hund möchte auch wissen, was los ist und läuft mir im Wohnzimmer entgegen. Luca holt Tücher zum Unterlegen, Handtücher für das Kind zum Einwickeln, Wasser, sagt Anna, wo sie Kaffeeprütt findet und hält mir den Rücken. Ich kniee vor dem Stillsessel auf Schafsfell und Tüchern und presse. Maria schlägt noch vor, den Hüpfball zu nehmen, aber ich ziehe den Sessel vor. Zwischen den Presswehen, ich schwitze wie wild, reisse ich mir das Stillkissen von der Sessellehne, Luca bringt mir etwas zu trinken (ich will unbedingt ein Glas, Maria meint, jede Schwangere könne aus einer Flasche trinken…) und Anna hält das Kaffeeprütt an meinen Damm. Es fühlt sich so an, als würde alles bei Durchtritt des Kindes durchreißen. Zwischendurch kann ich schon das Köpfchen fühlen, allerdings enttäuscht mich das etwas, weil ich dachte, es läge ganz wo anders und nicht so hoch oben im Scheidenbereich, sondern eher auf Dammhöhe. Zudem habe ich viel früher mit dem Köpfchen gerechnet, es war ja die ganze Zeit schon so ein irrsinniges Druckgefühl da. Nach etwa 4-5 Anläufen mit insgesamt ca. 16 Presswehen ist das Köpfchen von Ole da und nach zwei weiteren ist er um 19:01 Uhr vollständig geboren. Ich drehe mich sofort überrascht um. Die Schmerzen sind weg und: Ole ist da! Es ist unglaublich! Maria und Anna kümmern sich um Ole, rubbeln ihn und saugen ihm etwas Fruchtwasser aus der Lunge, weil er etwas blau ist und noch nicht richtig atmen kann. Er hatte wohl die Nabelschnur um den Hals. Ich höre Maria zwischendurch sagen „Nicht, dass Du uns wieder abhaust…“ Die Lage ist wohl relativ dramatisch, aber ich stehe so dermaßen unter positivem Irgendwas, Adrenalin oder Endorphinen oder Schock oder was weis ich, dass mich das gar nicht groß berührt. Ich vertraue darauf, dass schon alles gut ist. Ole ist da, das ist einfach unglaublich! Dieses Kind war vorhin noch in meinem Bauch! Dann darf er auf meinen Arm und ich soll ihn noch weiter fest rubbeln, was ich wohl erst zu sanft mache. Ich küsse meinen Sohn Ole auf den Kopf. Währenddessen klemmen Maria und Anna unsere gemeinsame Verbindung ab, die Nabelschnur. Luca darf sie dann mit einer Schere durchschneiden. Von nun an wird Ole nicht mehr über die Nabelschnur ernährt. Er darf nun auf Lucas nackte Brust und schreit nach einigem Rubbeln endlich aus vollem Rohr. Luca und ich schauen uns fassungslos liebevoll an und sind glücklich, wenn auch noch total überwältigt! Ich soll mich nun auf die Waschschüssel von Ole setzen und dann hilft mir Maria bei der Nachgeburt, sie löst sich fast von allein und flutscht regelrecht in die Schüssel, ich bin total überrascht, das tat absolut nicht weh und ging ja mega fix! Wow! Das habe ich nun auch geschafft! Maria muss nur ganz leicht an der Nabelschnur ziehen. Die Plazenta sieht überhaupt nicht ekelig aus, eher total interessant, spannend. Luca guckt sie sich zu dem Zeitpunkt allerdings noch nicht an. Dann darf ich mich, leicht schummerig im Kopf, aber laufen geht, auf’s Bett legen und mich erst mal ausruhen. Ich zittere ganz doll, aber Anna oder Maria sagt, dass ist ganz normal. Mein Blutdruck ist allerdings erst noch bei 160/80, dann aber schnell wieder bei 120/80. Maria und Anna kontrollieren meinen Damm, ist er gerissen? Nein, nur ganz leicht geschürft, es muss nichts genäht oder anderweitig verarztet werden. Damit habe ich auch gar nicht gerechnet und bin heilfroh! Ich bekomme noch Anweisungen, wie ich mich „unten rum“ im Wochenbett „ausstatten“ soll. „Immer schön die Beine kreuzen, keinen Schneidersitz!“ Luca sitzt noch immer mit Ole im Sessel und ist ganz baff. Ob wir noch etwas essen, weis ich gar nicht mehr, nur, dass ich nach der Geburt einen tierischen Hunger habe. Anna verabschiedet sich irgendwann, Maria bleibt noch ein bisschen, schenkt uns einen wunderschönen Abdruck der Plazenta auf Leinwand und regelt irgendwelche Sachen mit Luca. Glaube ich. Oder schlafen wir direkt? Wo schläft Ole? Ich weis es nicht mehr 
Ich bin unglaublich glücklich, dass mein Sohn zu Hause geboren ist! Obwohl es ja gar nicht geplant war. Ich wollte ja im Krankenhaus entbinden und unbedingt dort betreut werden. Aber so war es so wunderbar, ich kann mir nun absolut nicht mehr vorstellen, ein weiteres Kind nicht zu Hause zu gebären. Die Ruhe hier, das Gewohnte, mein Bett, unsere Wohnung, ich habe mich so wohl gefühlt. Und obwohl mir alle vorhersagten, dass ich einen starken Baby-Blues oder sogar eine Wochenbettdepression bekommen würde (ich sollte sogar eigentlich eine Therapeutin im Voraus aufsuchen), da ich vor Jahren mal eine Depression gehabt habe, bin ich völlig darum herum gekommen. Das Wohlfühlen zu Hause, das nicht Hineinreden in Irgendetwas, der regelmäßige Besuch meiner top Hebammen, und natürlich die unglaublich gute Unterstützung durch meinen Freund haben das möglich gemacht! Dankeschön an alle!

1

Ganz ganz #herzlich-lichen Glückwunsch zur (ungeplanten) Hausgeburt!!! Sehr schöner Bericht. Man kan richtig mitfühlen wie es dir ging. Ich hatte selber schon 2 HGs und weiß, wie schön es ist, im vertrauten Umfeld zu sein und danach das Wochenbett in den eigenen 4 Wänden zu genießen.

Genieß die erste Zeit - eh du dich versiehst ist der Alltag wieder da. Also schön Kuscheln und Schmusen #verliebt

LG, Magic mit Robin und Raphael

2

Dankeschön! :-)

3

Duuuu, du darfst ja weitere Kinder haben, sogar ganz viel, wenn ich immer wieder deine Geburtsberichte lesen darf.






Es war soooooooooooooooooooooooo WUNDERSCHÖN!



Vielen Dank, dass du uns teilhaben läßt.





Undddddd alles Liebe für deinen Nachwuchs!

4

#blume HERZLICHEN GLÜCKWUNSCH! #blume

Ein schöner Bericht. Vielen Dank für`s schreiben. Kuschelt noch schön weiter.

Liebe Grüße 440hz

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Herzlichen Glückwunsch zur wunderschönen HG von Ole #liebdrueck

Aber nur so am Rande, eine Wochenbettdepression kommt nicht kurz nach einer Geburt, das ist der Babyblues, die Depression kommt später. Bei mir waren es 5 Monate nach der Entbindung. Kann aber bist zu 2 Jahre später auch noch so sein.

Wir gehen aber bei dir mal davon aus das es nicht passiert, ja #klee

Lg

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Danke für den schönen, langen Bericht!

Und: Deine Hebis heißen wie meine Töchter! ;-)

Liebe Grüße!
Tina mit Maria *10.09.09 und Anna 33+1

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