Erfahrungen:Ergotherapie und Logopädie parallel sinnvoll?

Hallo zusammen,

ich war heute mit unserem Großen (gerade 5 Jahre alt geworden) bei der Kinderärztin zur U9.
Die hat ihm im Anschluss an die Untersuchung 10 Mal Logopädie und 10 Mal Ergotherapie aufgeschrieben.
Jetzt frage ich mich gerade, ob es sinnvoll ist beide Therapien parallel zu machen, oder ob es doch besser wäre erst die eine zu machen und dann die andere. Ich könnte mir vorstellen, dass 2-4 Therapie-Termine pro Woche für ein Kind ganz schön anstrengend sind.
Wie sind da eure Erfahrungen?
Liebe Grüße!

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Mein Kinderarzt - genauso wie auch unsere Logopädin und der Ergotherapeut- waren alle der Ansicht, dass wir das nacheinander machen sollten.

Wir haben mit Logo angefangen, dann nach ein paar Monaten, als wir dort nicht weiterkamen, zu Ergo gewechselt und später wieder zu Logo zurück.

Die Argumentation war zum einen der Stress und Druck und zum anderen, dass das Kind sonst schnell das Gefühl bekommt, nicht "in Ordnung" zu sein, wenn man so viele Baustellen gleichzeitig aufreisst.

ABER: das gilt für meinen Sohn und muss nicht pauschal gelten. Er ist recht intelligent, hatte aber ein sehr geringes Selbstbewusstsein und war schnell voller Selbstzweifel. Zudem waren seine Defizite nicht gravierend.
Für uns hat es so gepasst.

Ein emotional stabiles Kind mit gravierenden Defiziten hätte von den gleichen Fachleuten evtl eine andere Empfehlung erhalten... Darum würd ich auf dein Bauchgefühl bzgl des Kindes hören- du kennst es am Besten. Und dann sprich ggf deine Bedenken nochmal an.

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Wir hatten beides lange parallel laufen. Es hat gut funktioniert und es war zwischen beiden Terminen immer genug Pause. Der eine war Montag, der andere Donnerstag oder Freitag.
Zwei Monate zu Beginn lief nur Ergo, weil mein Kind, damals 4 Jahre alt, erstmal Dinge lernen musste, die eine erfolgreiche Logo ermöglichten. Dann lief es parallel. Mein Kind kam gut damit zurecht und hat sich auf jeden Termin gefreut.
Kommt aber vllt auch auf das Kind an, wie es mit solchen Dingen umgeht.

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Hallo,
man sagt mehr als 3 Therapietermine in der Woche auf Dauer sollte niemand haben. Blockweise sind jedoch deutlich mehr Termine möglich.
Daran hält man sich auch bei behinderten Kindern.

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Wir hatten auch beides zusammen laufen und es hat super geklappt. Es war alles in einer Praxis und die Beiden haben sich untereinander immer abgestimmt

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Gibt es bei euch eine Praxis, die beides anbietet? Kurze Kommunikationswege sind Gold wert.

Mein Sohn hat 2 Therapietermine pro Woche, auf eigenen Wunsch sogar an einem Tag, weil er nicht öfter in der KiTa fehlen möchte. Selbst das klappt super, aber er hat auch eine entsprechende Motivation.

Ansonsten sind die Praxen derzeit alle unglaublich überlaufen. Wir waren auf Warteplatz 97, wurden aus Dringlichkeit und weil wir zeitlich komplett flexibel waren aber vorgezogen und mussten nur 2 Monate warten.

Zur Not kann ein Rezept auch abgebrochen werden.

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Meine Kollegen sind nicht nur Ergotherapeuten sondern auch Logopäden.. Wir arbeiten zusammen. Die Kollegen können sich untereinander gut absprechen und ihre therapien aufeinander abstimmen.
Je nach Problem kann es sehr sinnvoll sein beides gleichzeitig laufen zu lassen.

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Liebe TE,

ich habe über viele Jahre Logo, Ergo und Autismustherapie in der Woche laufen lassen, also 3 Therapietermine pro Woche. Und irgendwann wurde es meinem Sohn (frühkindlicher Autist mit geistiger Behinderung) auch zuviel trotz Therapiepause. Und selbst einem Kind mit Behinderung war es zuviel neben der Schule. Mir übrigens auch. Man hat kaum noch Zeit für etwas anderes. Ich habe auch noch Mann und großen Sohn (damals Teenager). Therapien fanden nach der Schule statt und so fast gleich nach meinem Feierabend von meiner Teilzeitarbeit. Ich reduzierte nach und nach mit Rücksprache mit Therapeuten und Kinderneurologe. Seit ein paar Jahren mache ich mit meinem immer nur eine Therapie. Zur Zeit ist es Autismustherapie. Und ich glaube in ein oder zwei Jahren werde ich komplett mit Therapien aufhören. Dann ist mein Jüngster nämlich 18 oder 19 Jahre alt.

Und dasselbe hatte ich mit meinem großen Sohn. Mit 5 Jahren fingen wir auch mit Ergotherapie an vom Kindergarten eingefordert und vom Kinderarzt verschrieben. Später mussten wir zum Kinderneurologen wegen einer zweiten Ergotherapieverordnung, weil
mein Sohn feinmotorische Probleme hatte. Am Ende der Grundschule kam nochmals Ergotherapie dazu in Form eines Hörtrainings und Legasthenietraining. Mein Großer hat auch noch AVWS (auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung. Und irgendwann wurden zwei Therapietermine auch zuviel. In der Schule gab es massenweise Hausaufgaben auf. Nach 20 mal Ergotherapie warfen wir das Handtuch und er machte nur noch sein Legasthenietraining (lief über die Eingliederungshilfe vom Jugendamt). Danach waren wir mit dem Thema durch.

Also ich finde 2 bis 4 Therapietermine einfach zuviel für das Kind. Als unser Großer die Therapien hatte, fanden Krankengymnastik, Musiktherapie in der Kita statt, weil er damals Integrationskind war. Logo fand am selben Tag und etwas zeitversetzt zur Legasthenietherapie statt. Und die beiden Therapiezentren waren nur ein paar hundert Meter entfernt. Den Großen ließ ich dort nur raus und fuhr zur Logo. Ansonsten hätte ich das alles nicht wuppen können. Mein Mann nahm mir zwar mal ein Therapietermin ab, aber wenn arbeiten mussten ging es halt nicht. Ich selber war auch noch berufstätig.

Es stellt sich bei dir die Frage, hat dein Sohn dann noch genügend Zeit zu spielen oder sich mit Freunden zu treffen. Du sagst er ist dein Großer, da vermute ich mal das da noch ein jüngeres Geschwisterkind da ist. Wenn du noch arbeitest, wird es stressig finde ich.
Max. 2 Therapietermine würde ich sagen und das ist wirklich zeitlich schon eine Hausnummer. Aber 4 Therapietermine würde ich nicht machen. Dann habt ihr alle keine Zeit mehr.

Ich finde Therapien sicher notwendig, sonst hätte ich das auch nicht gemacht. Aber über die ganzen Jahre wird man selber als Mutter auch therapiemüde. Vieles kam eben halt auch zu kurz.

LG nachdenkliches Hinzwife

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<<<<Also ich finde 2 bis 4 Therapietermine einfach zuviel für das Kind. Als unser Großer die Therapien hatte, fanden Krankengymnastik, Musiktherapie in der Kita statt, weil er damals Integrationskind war<<<

oh da hat sich ein Fehler eingeschlichten. Ich hatte vergessen zu schreiben als der Große seine Therapien hatte, fanden die für den Jüngsten in der Kita statt.

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Hallo,

mein Sohn geht zur Logo seit er 4 ist, d.h. Jetzt seit einem Jahr. Seit ca. März geht er jetzt auch noch zur Ergo. Er hat jeweils einen Termin in der Woche. Ergo immer Montag nach dem KiGa und Logo machen wir flexibel meist am Vormittag, da bring ich ihn später in den KiGa oder hol ihn früher ab. Ich habe nicht den Eindruck, dass es ihn stresst und er freut sich auf beide Termine.

Vielleicht habt ihr eine Praxis, die beides macht? Oder bietet Euer KiGa vielleicht etwas davon an? Unser KiGa hatte eine Ergotherapeutin, die einmal die Woche kam und mit den Kindern die Therapie gemacht hat. Aufgrund Corona konnte das leider erst mal nicht mehr stattfinden aber evtl klappt das ja im neuen KiGa Jahr dann wieder.

Alles Gute

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