Kind eigenbrödlerisch oder ausgeschlossen?

Guten Morgen.

Ich habe hier ein Thema, wobei mir als Mama schon ein wenig das Herz blutet.
Es geht um meine Jüngste. Es ist nicht, dass ich mir Sorgen mache, aber nur nicht recht weiß wie ich mit der Situation umgehen soll.
Meine Jüngste ist 4 Jahre und ein doch schon ziemlich autonomes Kind. Sie ist sehr selbstständig und willenstark. Hat oft ihre Fantasie mit der sie spielt und auch früh mit Rollenspielen begonnen. Sie geht gern joggen, reiten oder schwimmen. Ist neugierig und auch vielseitig interessiert. Ich nehme sie auch als empathischen und offenen Menschen wahr (wobei das ja auch i der Kita wieder anders sein kann).
Nun habe ich mehrfach beobachtet, dass sie Spielverabredungen anderer Kinder ausschlägt und sich oft nur an ein Kind aus ihrer Kita-Gruppe heftet.
Sie versucht da Kontakt aufzunehmen, aber von dem Kind/Mutter kommt da eher nur sehr müßig etwas.
Mein Mann ist jetzt einige Male an der Kita vorbei gefahren und sah auch dann unsere Jüngste immer allein spielen.
Ich habe bereits die Erzieher gefragt, die eben bestätigten, dass sie einen starken Charakter hat und eben was sie nicht will, das auch kund tut.
Ansonsten sei sie angekommen, wobei das mit den ständigen Wechseln der Notbetreuung und eingeschränktem Betrieb coronabedingt eben auch länger dauerte bis sich die Gruppe fand.
Vielleicht ist hier die ein oder andere Mama, die Erfahrungen mit ihrem Kind teilen kann wo es ähnlich ist... würde mich über Austausch freuen, wie ich damit umgehen kann... weil aufzwingen oder ausreden möchte ich ihr keinesfalls was.
Sie ist für uns perfekt so wie sie ist und ich bin dankbar für so einen tollen Menschen in meinem Leben!

Vielleicht mag jemand mal berichten.

Danke, LG

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Sie ist 4. Sie sammelt gerade ihre ersten sozialen Erfahrungen in einer Gruppe Gleichaltriger.
Ich würde mir da noch nicht so einen Kopf machen, wobei ich den Wunsch aus Muttersicht total nachvollziehen kann, dass das eigene Kind gut integriert ist.

In dem Alter hat mein Sohn an einem "Froschkurs" Schwimmen mitgemacht mit anderen Kindern aus seiner Kindergartengruppe und hat mit Fußball begonnen.

Wären nicht solche Aktivitäten etwas? Mir hat es geholfen, meinen Sohn unauffällig in sozialen Kontexten zu beobachten und zu schauen, ob er vielleicht hier und da etwas Unterstützung brauchen könnte, um Beziehungen zu anderen zu knüpfen.

Mein Sohn ist bis heute jemand, der nicht viele, aber einige gute Freunde hat und mit denen am liebsten in einer 1 zu 1 Situation spielt. Er ist halt nicht so das Gruppentier. Und er ist auch sehr gerne alleine und liest und pröddelt vor sich hin.

Für mich ist da manchmal schwer, ihn so zu sehen wie er ist und nicht meine Vorstellungen auf ihn zu projizieren. Dabei bin ich wie er.
Dennoch, klar, am liebsten sähe ich ihn als Klassenliebling mit dem immer alle ständig spielen wollen. Was fürn Quatsch eigentlich, oder?

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Ja, ist ja echt Quatsch so zu denken. Sie wollte erst zum Fußball, aber dann war es ihr zu viel Trubel.
Da traute sie sich nicht recht. Sie kommt mit mit oft 2-3 km joggen, Radtour oder reiten oder schwimmen. Sie ist eine richtige Sportskanon, aber eben noch keine Mannschaftssportarten.
Manchmal denke ich, dass sie sich da oft selbst noch schwer tut mit dem integrieren. Sie ist auch ein sehr witziger Typ und sprudelt vor Ideen.
Aber ich denke, Klassenlieblinge haben es nicht unbedingt leichter... 😅

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Meine Tochter ist introvertiert.

Ich hatte ähnliche Gedanken wie du.


Allerdings hat sie immer einen sehr zufriedenen Eindruck gemacht und macht ihn jetzt mit 10 Jahren auch noch.

Kommt sie aus der Schule ist sie erstmal in ihrer "Blase" um sich zu entspannen. Sie muss nicht gleich sofort los um Kinder zu treffen. Sie kann auch stundenlang alleine mit dem Rad umher fahren, alleine. Vereine sind ihr ein graus, zu laut,zu viele Kinder.

Braucht oder möchte sie Kondakt zu anderen,dann sucht sie ihn sich einfach.

So war es schon im Kindergarten, so war ein den Ferienspiele,so ist es daheim.

Sie sagt auch ganz deutlich, wenn sie ihre Ruhe möchte. Es kann passieren, daß sie in der Pause lesend alleine auf den Schulhof sitzt.

Ich dachte auch immer sie wird ausgeschlossen. Aber Lehrer wie auch früher Erzieherin, bestätigten das sie gut mit allen zurecht kommt.

Manche Kinder brauchen das einfach.

Eine Erzieherin meinte mal es hat etwas entspannendes meiner Tochter zu zuschauen ,wie sie sich ausklinkt,sich in ihre Welt begibt und dann Ewigkeiten mit dem Finger ,Kreise und Spiralen in den Sand malte. Und nein,sie ist autistisch oder so. Sie war dannach tiefen entspannend und konnte sich in aller Ruhe ihren Aufgaben widmen.

Jetzt ist die Frage: Wie äußert sich dein Kind? Ist es traurig? Fühlt es sich einsam? Beschwert es sich,weil es alleine ist? Das wären so für mich Anzeichen, das etwas im argen liegt. Macht dein Kind sonst einen zufriedenen Eindruck, würde ich mir nicht so viele Sorgen machen.

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Nicht autistische soll das heißen. Das Wort :'Nicht" fehlt.

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Sie macht einen zufriedenen Eindruck. Wenn ich sie frage, kommt dann" "Ja, dann eben nächstes Mal." Sie stellt sich oft außen hin und beobachtet auch viel.
Und ich erkenne meine Tochter in deinen Worten wieder mit den Fingerspielen oder in ihre Welt beim Spielen tauchen mit Hüpfen/Singen.

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Hallo,

Als jemand der schon immer genauso wie deine Tochter war und sich deshalb schon als Kind ständig von allen Erwachsenen anhören musste wie anormal das wäre: Mache dir keine Gedanken! Wenn deine Tochter glücklich und zufrieden wirkt, dann ist sie das auch.

Ich habe mir die wenigen Menschen mit denen ich mich tatsächlich beschäftigen wollte und will auch immer gut rausgesucht, und war oft lieber für mich alleine als im Trubel einer grossen Gruppe. Und meine Mutter hat mich in so ziemlich jeden Mannschaftssport gesteckt der ihr nur einfiel weil auch sie es als problematisch empfand, dass ich mich oft lieber zurückzog zum lesen oder träumen als mich mit einem Dutzend anderer Kinder zu umgeben. Im Nachhinein denke ich, dass sie einfach nicht schlau aus mir wurde und nicht wirklich was mit mir anfangen konnte.

Ich würde das weiter im Auge behalten und wenn es dich später immer noch sorgt, dann würde ich das Thema mit deiner Tochter direkt ansprechen. Bitte setze sie bloss nicht unter Druck, das hat bei mir zwischendurch immer mal für viel Leid gesorgt weil ich immer den Eindruck hatte, dass mit mir etwas nicht stimmt.


Alles Liebe,

Dragonflies 🌺

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Ich möchte noch hinzufügen: Ich war nie ausgeschlossen, im Gegenteil. Ich bin immer sehr gut mot allen zurecht gekommen. Nur brauchte und wollte ich auch öfter einfach meine Ruhe. 😊

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Es tut gut eure Erfahrungsberichte zu lesen und bestärkt mich, dass ich da nicht zu viel hinein interpretiere.
Mir ist es wichtig, dass sie sich wohlfühlt. Ich bin auch überzeugt von, dass sie ihren Weg geht. Und ich handhabe es auch so, dass ich sie hier zu nichts an Sport zwinge. Ihr macht jetzt schon joggen unheimlich Spaß und ist da bei der Sache. ICh glaube, dass sie sich da entspannen kann und einfach den Kopf frei bekommt

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Hallo Newcommer,

ich erkenne meine Tochter wieder :-) - und auch meine Ängste und Sorgen.

Als sie klein war, lebten wir in einer Siedlung mit vielen Kindern. Immer wenn ich vom Balkon geschaut habe, saß sie alleine auf der Schaukel. Was hab ich mir Sorgen gemacht, dass sie ausgeschlossen wird, dass niemand mit ihr spielen mag... Bis eine Nachbarin mir erzählte, dass sie sehr wohl mitspielt, sich aber rausnimmt, wenn es ihr zu viel wird.

Als sie in die Schule gekommen ist, hat sie 3 Monate kein Wort mit der Lehrerin geredet. Sie hat alles ihrer Freundin ins Ohr gesagt, wenn sie gefragt wurde. Die hat es dann laut gesagt.

Bis heute sind ihr viele Menschen einfach zu viel. Jede Klassenstärke übersteigt ihr Wohlfühlempfinden, Straßenfeste, Freizeitpark - überall zu viele Menschen. Vereine findet sie furchtbar.

Dafür ist sie ein unfassbar geerdeter Mensch, von klein auf mit sich im Reinen und sie weiß irgendwie ganz genau, was ihr gut tut, was sie braucht und ist auch von klein auf in der Lage, das um- und durchzusetzen. Sie ist gerne und viel mit sich alleine. Sie hat auch Freunde, eine Hand voll, aber das reicht ja auch.

Mittlerweile ist sie 16.
Vor Kurzem haben wir gemeinsam einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht. Wir machen beide gerade den Motorrad-Führerschein. Da habe ich sie das erste Mal erlebt, wie sie mit Fremden umgeht - und ich war sehr überrascht. Sie antwortet, sie fragt nach, sie bringt sich ein - leiser als andere Jugendliche in ihrem Alter, aber sie hat sich enorm entwickelt in den letzten 16 Jahren.
Es hat mir gut getan, sie so zu sehen - und es macht mir keine Sorgen mehr, dass sie im Herbst für die Oberstufe auf eine andere Schule wechselt.
Sie ist vielleicht leiser als andere, aber sie wird ihren Weg gehen.

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Als eher extrovertierte Mutter einer introvertierten Tochter, die genau die Sorgen & Ängste hat, wie sie von so vielen hier geäußert werden und die ich fast 1:1 in vielen Beschreibungen der introvertierten Kinder hier wiedererkenne, tut Dein Erfahrungsbericht unfassbar gut zu lesen. Danke.

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Ich würde von meinem Sohn behaupten er ist ein eigenbrötler.
Es kommen immer Kinder auf ihn zu aber von meinem Sohn kommt nicht viel. Er hat einen festen Freundeskreis. Wie er sagt seine Bande. Aber er hat zuhause gerne seine Ruhe. Wenn er jemanden zum spielen finden möchte findet er immer jemanden. Ich muss ihn öfter anschubsen Verabredungen wahrzunehmen weil er es von sich aus nie in Angriff nehmen würde. Aber er ist glücklich.
Laut Erzieher ist er immer irgendwo mittendrin oder zumindest dabei.
Solange dein Kind zufrieden ist würde ich mir keine Sorgen machen.

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