Tochter 4 Jahre hat Schwiegermutter mehr lieb

Hallo Zusammen!
Ich bin seit einiger Zeit stille Mitleserin, möchte jetzt aber doch was schreiben.

Meine Tochter ist 4,5 Jahre alt und war und ist ein absolutes Wunschkind. Mein Mann und ich sind beide Einzelkinder und hatte nie das „Bedürfnis“ nach einem 2. Kind bzw als wir es dann drauf ankommen lassen wollten, wurde festgestellt dass wir keine weiteren Kinder mehr bekommen können. War für uns aber kein Weltuntergang, immerhin haben wir eine tolle Tochter mit der wir viel unternehmen und sind glücklich mit unserer kleinen Familie. Das nun erstmal vorweg.

Wir wohnen in einem Doppelhaus mit meinen Schwiegereltern (vor 10 Jahren neu gebaut) und das Verhältnis ist grundsätzlich gut, manchmal aber auch angespannt (vor allem wenns um unsere Tochter geht).
Meine Schwiegermutter ist eine komplizierte Frau die einen sehr starken Charakter hat und andere oftmals einschüchtert (mich eingeschlossen). Meine Tochter ist relativ viel bei Oma (wir teilen uns den Garten und meine Schwiegermutter ist täglich zu Hause). Was immer sehr von Vorteil war. Wenn ich mal zum Arzt muss oder seit ich wieder 2 Tage (16 std) zu arbeiten angefangen habe. Da ist sie einen fixen Nachmittag immer bei Oma und das genießen beide sehr.
Am Wochenende darf sie bei Oma und Opa übernachten (seit ca. einem halben Jahr fast immer Samstags) und auch das genießen wir alle (natürlich auch mein Mann und ich ;-))
Gestern hat meine Tochter aus heiterem Himmel erzählt, dass sie eig viel lieber bei Oma ist und lieber immer bei Oma und Opa übernachten wollen würde. Ich hab sie dann gefragt warum und sie hat gesagt, dass sie oma einfach viel mehr lieb hat. Lieber als alle anderen Leute. Das war ein ganz schöner Schlag in die Magengrube. Ich habe ihr dann gesagt, dass mich sowas traurig macht und warum sie das sagt, und dann hat sie gemeint das wäre die Wahrheit. Sie mag uns (mama und papa) einfach nicht so gerne wie oma und opa.
Die Befürchtung hatte ich schon einmal, damals habe ich sie abgeholt und sie hat geweint als sie mich gesehen hat weil sie nicht mitgehen wollte.

Meiner Schwiegermutter sind solche Bemerkungen nicht unangenehm. Ich merke wie sie es genießt.

Ist noch Jemand von euch in so einer Situation?

Bin ganz schön mitgenommen, da zur Zeit eigentlich alles immer so harmonisch war.

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Das ist denke ich normal. Oma verwöhnt vermutlich sehr. Wenig Regeln, viele Freiheiten. Ihr erzieht.
Mein Sohn schien auch anfangs lieber bei Oma zu sein. Nach 2 Nächten aber vermisst er mich. Aber wir leben auch nicht zusammen. Ich könnte in so einer Situation mit einer Abhängigkeit nicht umgehen. Also dass meine Schwiegermutter quasi soviel Zeit mit meinem Kind verbringt. Insofern ist das die Medaille eurer gewonnenen Freiheiten. Würdet ihr ggf. mehr Zeit mit eurem Kind verbringen und es weniger dort wäre, wäre die Bindung eine andere. Also denkt mal drüber nach, ob es sinnvoll ist, dass es jede Woche dort übernachtet. Das finde ich schon krass. Ihr habt doch gerade dann freie Zeit und seid entspannter und könnt die Zeit als Familie geniessen. Ab und zu okay. Aber jede Woche? Aber letztlich eurer Entscheidung. Euer Leben.

VG

2

Mein Bruder hat das gleiche Problem mit seinem Sohn und dem Schwiegervater/Opa.
Er arbeitet und pendelt täglich 100 km auf Wunsch seiner Frau und ermöglicht es ihr, mit ihren Eltern Tür an Tür zu wohnen.

Die Schwägerin nutzt das voll aus und hat das Kind von kleinauf sehr, sehr viel zu den Eltern abgegeben, ganze Tage, Wochen und Monate dort verbracht, auch oft nachts. Permanent bei den Großeltern obwohl sie bis heute nicht arbeitet (Kind ist jetzt 8 Jahre). Wochentags war das Kind öfters zur Übernachtung bei Opa, tagsüber bei Opa, keine KiTa sondern ständig bei Großeltern etc.

Es gab aus diesem Grund sehr, sehr viel Streit.
Ihr Argument war immer, es ist doch schön wenn das Kind eine tolle Beziehung zu den Großeltern hat.
Eingelenkt hat sie erst, wenn es ganz deutlich wurde, dass der Kleine sowohl sein eigenes Zuhause wie auch den Vater faktisch nicht akzeptiert hat und Opa die männliche Bezugsperson in der Familie wurde. Die Komfortzone des Kindes war im Haushalt der Großeltern.

Mein Bruder hat viel kämpfen müssen und seine gesamte freie Zeit sehr dafür eingesetzt, die Beziehung zu dem Sohn zu stärken.
Es wurde langsam besser, aber ein sehr mühsamer Weg, die Fixierung auf Opa zu lösen. Zumal seine Frau bis heute weiterhin sehr viel Zeit „nebenan“ verbringt und er permanent in freier Zeit laufend Exklusivzeit ohne Großeltern durchsetzen muss.

Es half nur, ganz bewusst alles links liegen zu lassen und sich bewusst und gezielt aktiv dem Kind und insbesondere schönen Aktivitäten mit ihm zu widmen. Eine Konkurrenz, wer mit dem besseren Bespaßungsangebot aufwartet.

3

Es ist nun mal so, dass sich Gefühle nicht erzwingen lassen. Es scheint so zu sein, dass deine Tochter eben IM MOMENT die Oma lieber hat als dich, und das ist absolut okay und man darf ihr da auch keine Vorwürfe machen. Das ist emotionale Erpressung. Es wäre ein besserer Ansatz, eure Beziehung POSITIV zu verstärken, mit schönen Erlebnissen, die ihr beide zusammen habt. Also, dass du mit ihr einen schönen Nachmittag im Freibad, Tierpark, Spielplatz oder so verbringt und das regelmäßig und oft über einen langen Zeitraum. So könnt ihr für euch beide schöne Erinnerungen schaffen und die Beziehung wird sich wieder vertiefen.

Mein Sohn ist ein Scheidungskind, er ist mittlerweile 13 und sucht sich quasi aus, wo er seine Zeit verbringen will. Er war jetzt fast eine Woche beim Papa und jetzt vermisst er mich und kommt heute freiwillig wieder zu mir. Da wir beide in der selben Stadt wohnen, ist das hier so unkompliziert möglich. Es gab immer Zeiten, da war der Papa die Nummer 1 und mal ich und mal die Oma. Es ist normal und es hilft sehr, den anderen nicht als Konkurrenz wahrzunehmen, sondern als Erziehungspartner und als wichtige Bezugsperson für das Kind. Ich werde immer die Mutter bleiben und du auch. Das ist nicht ersetzbar.

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Hey 👋🏻 also ich würde das nicht überbewerten. Das Kind wird sicher bei Oma verwöhnt und klar ist dann dort immer alles toller als bei Mama, die halt nicht jeden Tag ein Eis erlaubt oder so...

Aber was ich nicht so optimal finde ist, dass du ihr sagst, dass dich das traurig macht. Du setzt das Kind damit emotional ganz schön unter Druck - noch ist es ja eher so, dass sie solche Gefühle noch ehrlich und frei heraus sagt, was richtig und gut ist. Mit solchen Sätzen verunsicherst du sie und irgendwann ist sie in der Lage, darauf bedacht zu sein, dich nicht zu verletzten. Dh sie bespricht ihre wahren Gefühle dann nicht mehr mit dir und ist emotional unter großem Druck, weil sie Mama auf keinen Fall traurig machen möchte.

Sehe es wie die anderen, schafft schöne Momente zwischen euch :)

Liebe Grüße
Juju

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Meine Tochter hat auch eine total enge Bindung an Oma und Opa, ähnlich wie bei euch. Sie verbringt von Anfang an sehr viel Zeit mit den beiden und würde am liebsten auch ständig dort übernachten. Hier gibt es auch oft Theater, wenn ich eine Übernachtung mal nicht erlaube, ich musste mir auch schon anhören, dass es hier viel langweiliger ist als bei Oma und Opa... Naja.

Ich würde sagen: Nimm es nicht zu persönlich. Ich glaube nicht, dass es Ausdruck einer schlechten Bindung zu euch Eltern ist.
Bei Oma und Opa dürfen die Kurzen ja oft etwas mehr, bzw. sind sie die "spannende" Alternative zu dem Alltag bei Mama und Papa. Das spüren und genießen die Kinder natürlich.

Sag deinem Kind nicht, dass es dich traurig macht, so machst du ihr nur ein schlechtes Gewissen. Sag ihr lieber, dass du dich freust, dass sie Oma und Opa so lieb hat und sprich mit ihr darüber, warum sie es dort so besonders toll findet. Du wirst sehen, sie liebt euch nicht weniger.

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Hallo,

Ein Gedanke:
Du schreibst, dass deine Schwiegermutter "kompliziert" ist und andere einschüchtert.

Bist du sicher, dass deine Tochter diese Dinge nicht auch sagt, um die einschüchternde Oma gnädig zu stimmen, sie wohlgesonnen zu halten? Wenn die Frau selbst auf dich und andere Erwachsene einen solchen Eindruck hat, wird sie auf ein Kind kaum anders wirken. Und du sagst ja, die Oma "genießt" solche Äußerungen: sie hört sie also und sie stimmen sie positiv.

Ich frage, weil der Neffe einer Bekannten ein ähnliches Verhalten zeigt: er ist häufig bei seiner Tante und deren Lebensgefährtin. Die Lebensgefährtin ist oft (verbal) aggressiv und einschüchternd ihm gegenüber. Er gebärdet sich trotzdem sehr anhänglich und sagt ihr, wie lieb er sie hat, m.M.n., um sie zu besänftigen. Er kann sich ja nicht anders helfen.

Wenn du sicher bist, dass es das nicht ist, hilft es bestimmt, wenn ihr mehr Zeit bewusst mit eurer Tochter verbringt. Oder kannst du mit deiner Schwiegermutter mal darüber reden, dass du das problematisch findest?

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Qualitativ hochwertige Zeit miteinander zu verbringen, stärkt eben die Bindung und die Liebe zueinander.
Wenn du das nicht möchtest bzw. es dir zu viel wird, dann solltest du mehr Zeit mit deiner Tochter verbringen, so dass sie dir wieder näher wird.
Jedes Wochenende bei Oma und einen fixen Wochentag (wo ist das Kind die anderen 8 Stunden?) ist eben viel.
Dass sie die Oma lieber hat ist vollkommen legitim, auch wenn es dir weh tut, was ich verstehen kann, nur, dann musst du eben mehr Zeit mit ihr verbringen und sie weniger zur Oma bringen, dann verändert sich das auch wieder zugunsten in deine Richtung.

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Ich würde solche Aussagen ehrlich gesagt nicht allzu persönlich nehmen.

Wenn es dich dennoch besorgt, musst du halt mehr exklusiv Zeit mit deinem Kind verbringen. Ausflüge machen, mehr kuscheln, vorlesen, Fahrradtour, Schwimmbad was auch immer.
Dein Kind scheint ja schon sehr sehr viel Zeit bei Oma und Opa zu verbringen.
Aber wenn ich höre, dass die Schwiegermutter mit schwierigem Charakter nebenan wohnt bzw ihr den Garten teilt, klingeln bei mir die Alarmglocken. Ich könnte so definitv nicht leben (auch wenn's meine eigenen Eltern wären). Ich bräuchte da mehr Abstand.

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Hallo Glitzereinhorn,

bei uns ist es ähnlich. Unser Sohn wird bald 4 und hat teilweise auch einmal pro Woche bei meinen Schwiegereltern übernachtet. Sie wohnen allerdings eine halbe Stunde entfernt.
Er ist sehr gerne bei seinen Großeltern und wird dort auch sehr verwöhnt. Er hat öfter einen schlimmen Wutanfall, wenn wir ihn wieder abholen, weil er nicht nach Hause möchte und es kam auch schon die Aussage, dass er dort immer übernachten möchte.
Uns hat das auch sehr zu schaffen gemacht und es lag definitiv nicht daran, dass wir zu wenig Zeit mit ihm verbracht haben.
Es ist doch ganz klar, dass Oma und Opa ihn in der kurzen Zeit, die er dort ist deutlich intensiver bespaßen können. Das schafft man einfach im Alltag nicht jeden Tag.
Als er jetzt wirklich Mal ein paar Tage am Stück zu Oma und Opa musste, weil mein Mann und ich beide krank waren, hat er dann doch starkes Heimweh bekommen. Das hat uns irgendwie beruhigt und jetzt können wir besser damit umgehen.
Wie war das denn in deiner Kindheit? Wärst du nicht gerne bei Oma und Opa eingezogen?

Ganz liebe Grüße,

Paula

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