Kinder, die viel betreut werden

Hallo,

das ist eine ernstgemeinte Frage, die sich an alle Mütter richtet, die ihre Kinder sehr früh und sehr viel in eine Betreuung gegeben haben / geben. Es soll keine Provokation sein. Ich frage aus Interesse.

Ich selbst bin Mutter einer vierjährigen Tochter, die mit zwei in die Kita gekommen ist. Seitdem arbeite ich halbtags, während sie vormittags betreut wird. Nun hat mich meine Chefin gefragt, ob ich nicht langsam wieder Vollzeit arbeiten möchte, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen, meine Tochter so lange in der Kita zu lassen. Ich habe jetzt schon das Gefühl, dass sie viel zu schnell wächst und ich möchte möglichst viel Zeit mit ihr verbringen.

Meine Chefin selbst hat vier Monate nach der Geburt ihrer Tochter wieder Vollzeit gearbeitet. Ihre Tochter ist in der Zeit bei einer Tagesmutter. Ich habe kein enges Verhältnis zu meiner Chefin und möchte deshalb keine persönlichen Fragen stellen.

An alle Frauen, die ähnlich früh wieder Vollzeit gearbeitet haben:

1. Fiel es euch schwer, euer Baby abzugeben, und ihr habt dieses Gefühl unterdrückt? Oder gibt es vielleicht auch Mütter, die keine Schwierigkeiten damit hatten?

2. Hattet / habt ihr Angst bzgl. der Bindung zu euren Kindern?

3. Habt ihr schon vor der Schwangerschaft überlegt, dass ihr es so handhaben werdet?

4. Habt ihr Angst davor, diese Entscheidung später zu bereuen?

Ich hoffe, die letzte Frage wirkt nicht zu provokant. Ich habe bloß neulich mit meinem Vater darüber gesprochen, der immer sehr viel gearbeitet hat und immer noch arbeitet, und es im Nachhinein schade findet, nicht während meiner Kindheit kürzer getreten zu haben.

Ich danke allen für ihre Antworten und bitte darum, dass dieser Thread nicht in eine Diskussion darüber ausartet, welches Lebensmodell besser ist, denn das muss jeder selbst wissen.

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Das hast du aber schön vorsichtig formuliert. Und nicht mal in grau. Chapeau!

Ich selbst habe leider etwas Angst vor Anfeindungen.

Ich habe wieder Vollzeit gearbeitet, als unsere Zwillinge sieben Monate alt waren. Dann hat mein Mann Elternzeit genommen und mit einem Jahr waren sie für 42 Wochenstunden bei einer Tagesmutter. Inzwischen gehen sie in die Kita und wir haben eine Nanny.

1. Es fiel mir unglaublich schwer. Es fiel mir schwer, sie bei meinem Mann zu lassen. Und dann fiel es mir noch mal schwerer, sie bei der Tagesmutter abzugeben. Aber ich wollte meine Karriere nicht aufgeben.

2. Nein. Ich habe gestillt. Sie waren abends und nachts bei uns, es gibt Wochenenden, freie Tage. Sie sind natürlich nicht durchgehend woanders.

3. Ja. Wir wollten uns nicht zwischen Kindern und Karriere entscheiden und haben uns deshalb für Kinder und Karriere entschieden. Das mussten wir natürlich vorher gut durchplanen.

4. Manchmal. Aber ich hätte auch Angst, es zu bereuen, meine Karriere aufgegeben zu haben.

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Ich möchte mich für deine Ehrlichkeit bedanke.
Mir sind die Beiträge teilweise suspekt die von Überzeugung nur so strotzen.
Du stehst zu deinen Zweifeln und teilst sie auch noch ehrlich mit uns.
Danke dafür!

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Hallo,

Wo ist dein Mann in der Rechnung ?
Bei meinem Bruder lief es quasi abwechselnd. Beide Kinder kamen mit 16/17 Monaten in die Kita. Meine Schwägerin hat bis Ende letzten Jahres ihren Facharzt und Notarzt Ausbildung in Teilzeit fertig gemacht. Seit Jahresbeginn arbeitet sie Vollzeit und mein Bruder hat auf 28 Stunden gekürzt. Er ist technischer Zeichner mit Techniker bei einem recht großen Unternehmen. Er hatte bis dahin Team Verantwortung und war z.T. weltweit unterwegs.
Er genießt es gerade sehr mehr Zeit für die Kinder zu haben. Diese gehen von 8.00 Uhr bis 14.30/15.00 Uhr in die Kita und das sehr gerne. Sie sind jetzt 2 und 6 Jahre alt.

LG
Tanja

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Nicht jeder hat einen Mann, der bereit ist, sich einzubringen in Form von Elternzeit.

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Wer spricht von Elternzeit ? Mein Bruder hatte die zusätzlich. Jetzt hat er seine Arbeitszeit vorerst gekürzt.

Warum soll sich nur die Frau Gedanken um ihre Karriere machen und zurückstecken ?

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Hallo,

ich bin bei beiden Kindern recht früh wieder arbeiten gegangen. Dies war von Anfang an klar für mich.

Kind 1
Mit 6 Monaten zur Tagesmutti gegangen. Ich bin während der Elternzeit 27,5 h/Woche (5 Tage) arbeiten gegangen. Nach 1 Jahr habe ich auf 36 h/Woche aufgestockt.

Kind 2
Mit 7 Monaten zur Tagesmutti gegangen. Ich bin während der Elternzeit 26 h/Woche (4 Tage) arbeiten gegangen. Nach 1 Jahr habe ich auf 32,5 h/Woche aufgestockt. Seitdem ich 3 Tage die Woche Homeoffice machen darf, gehe ich 35 h/Woche.

1. Mir fiel es nicht schwer beide Kinder so zeitig abzugeben. Ich hatte bei unserer Tagesmutti einfach ein sehr gutes Gefühl und machte mir deshalb keine Sorgen.

2. Ich hatte keine Angst, dass die Bindung gestört werden könnte.

3. Beim 1. Kind reiften die Gedanken während der Schwangerschaft. Beim 2. Kind stand schon vorher fest, dass es wieder so laufen wird. Aber immer unter der Voraussetzung, dass das Kind gesund ist. Wenn da irgendwas gewesen wäre oder ein Kind sehr vordernd ist oder ein Schreikind oder was auch immer, dann hätte ich immer die Option gehabt, erst nach 1 Jahr oder noch später wieder arbeiten zu gehen.

4. Ich bereue meine Entscheidung nicht. Ich bin jeden Tag spätestens 15:45 zuhause und verbringe sehr viel Zeit mit beiden Kindern.

LG

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Hallo. Schön formuliert, dieses Thema hat ja wirklich das Potenzial, wie eine Bombe hochzugehen, aber naja... Ich antworte dir gern. Meine Tochter ist aktuell 13 Monate alt, ab September (14M) geht sie in die Kita. Wir haben ein mögliches Pensum von 35h, ausschöpfen werden wir wohl 30. Ich bin Alleinerziehend ohne anderweitige Familie in der Nähe - mit Ausnahme meiner 18jahrigen Nichte, die jedoch Schülerin ist, und sich aufs Abi konzentrieren soll - auch wenn sie gern ab und zu babysittet. Aber mehr konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, ich bin mehr als dankbar für ungestörte Friseurbesuche oder Kino alle paar Monate. Nun denn:

1. Ja es fällt mir schwer. Ich habe das Glück, ein nahezu klammerfreies, sehr offenes Kind zu haben, und auch ich bin froh, auch Mal Ruhe zu haben. Und dennoch genieße ich es sehr, diesen letzten Monat wirklich uneingeschränkt mit ihr zu sein, und ich bin ob der anstehenden Veränderung ein bisschen wehmütig.

2. Nein. Ich glaube fest daran, dass die Bindung nicht leiden wird. Ich selber bin unwesentlich später in die Kita gekommen, und war von 8-18h dort. Es war eine tolle Zeit, an die ich sehr gern zurückdenke, und sie hat der Bindung zu meinen Eltern nicht geschadet. Denn es ging mir in der Kita gut, und Zuhause auch.

3. Jein. Ich war einer Fremdbetreuung niemals abgeneigt, siehe eigene Erfahrung. Aber hätte ich es mir aussuchen können, dann wäre die kurze nicht ganz so früh in die Kita gegangen.

4. Nein. Es ist keine Entscheidung, sondern geht einfach nicht anders. Da bringt alles lamentieren und grübeln nichts. Man muss das beste draus machen. Klar fände ich es cool wenn es anders wäre, und die kleine dann sicher auch. Aber verhungern ist doof. End of Story.

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Ich musste wieder arbeiten, als mein Sohn 13 Monate alt war, da ich vor der Schwangerschaft eine neue Ausbildung begonnen hatte, die zu dem Zeitpunkt beendet werden musste. Mein Mann war dann noch ein Jahr in Elternzeit, damit wir ihn noch nicht in die Kita geben mussten. Mir ist das wahnsinnig schwer gefallen, 39 Stunden die Woche zu arbeiten und nicht bei meinem Kind sein zu können und ich hatte ein großes Problem damit. Die Bindung wurde dadurch aber nicht beeinträchtigt. Jetzt beim Zweiten werde ich definitiv drei Jahre zu Hause bleiben.

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Bei uns dauert die Elternzeit nur 14Wochen...also Normalität für ganz viele hier. Ich konnte noch viel Überzeit abbauen und so insgesamt 6Monate nehmen. Danach habe ich wieder voll gearbeitet, aber viel Nacht- und Wochenenddienste gemacht und meine Arbeitszeit in 4 Tagen runtergecoilt.
Mein Mann hat sich miteingebracht und auch auf 80% reduziert. So wurden die Kinder nur zu 50% fremdbetreut.

1. Nein, fiel mir überhaupt nicht schwer. Ich wusste, dass die Kinder - wir haben Zwillinge - in besten Händen waren. Ansonsten hätte ich es nicht gemacht.

2. Nein, überhaupt nicht. Die Kids wissen schon ganz früh, wer Mama und Papa sind. Ausserdem heisst viel Zeit nicht zwingend viel Bindungszeit.

3. Wir haben uns immer gesagt, wir bleiben flexibel und ändern was, wenn es nicht mehr passt. Und so haben wir es gemacht. Ich habe z.B. das Gefühl, dass die Kinder mich nun viel deutlicher brauchen, um sich auszutauschen, mir ihre Gedanken anvertrauen etc. Somit habe ich meine Arbeitszeiten dem angepasst.

4. Nein, sonst würden wir das nicht so machen.

Ich glaube, man darf da nicht statisch verharren, sondern muss flexibel sein. Was heute gut ist, kann morgen total daneben sein. Ausserdem war es bei mir zB so, dass diese Jahre, die ich noch in die Karriere investiert habe, mir und uns als Familie heute vielfach zugute kommen. Ich konnte durch die Weiterbildung einen guten Sprung machen im Job, was mir nun viel Flexibilität zulässt (kann an wichtigen Terminen für die Kinder problemlos frei nehmen, später kommen, Ferien fast nach Bedarf beziehen etc) und dies zu einem sehr netten Gehalt.

Nicht zu vernachlässigen in dem Modell ist aber ganz klar, dass dies oft sehr anstrengend ist und man selber echt zurücksteckt. Wir hatten mehrere Monate, wo ich bedingt durch Stellenwechsel die Kinder vollumfänglich betreut hatte. Dieser Alltag war zwar auch nicht nur eitel Sonnenschein, aber um ein vielfaches relaxter für mich.

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Meine Tochter ist 18, das vorweg.
Zu 1.nein, sie kam mit 10 Wochen zur Tagesmutter.
Zu 2.nein, auch jetzt ist unser Verhältnis gut.
Zu 3.ja, es war schon vor der Schwangerschaft klar dass ich Vollzeit weiter arbeiten werde, ich kannte mich gut genug um zu wissen, dass Teilzeit oder zu Hause bleiben nicht in Frage kommt.
Zu 4.ich bereue nichts und hatte das auch nie befürchtet.
Ich hätte es bereut, beruflich nicht an meinen Zielen fest gehalten zu haben.

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Hallo,
Bei meiner Großen musste ich nach 3 Monaten wieder arbeiten gehen..mein Mann hat seinen Jib gekündigt und ist zuhause geblieben. wir haben damals noch im Ausland gelebt und ich habe einfach den besseren Vertrag und position gehabt. Ich habe es gehasst und hatte immer ein schlechtes Gewissen.. dem Job und dem Kind gegenüber.
Trotzdem habe ich nichts verpasst... Ihre ersten Schritte hat sie gemacht als mein Mann ein Wochenende nicht sa war.
Als sie 1,5 Jahre war sind wir zurück nach Deutschland. Da ist sie dann in die Kita gekommen.
Beim kurzen war ich ein Jahr in Elternzeit. Er geht seit seinem ersten Geburtstag in die Kita und ich wieder 30 Stunden in der Woche arbeiten.
Durch Corona bin ich noch in Kurzarbeit. 12 Stunden in der Woche.. und wenn ich es auf Dauer finaziell könnte würde ich es so lassen. Ich habe Angst vor dem Alltags-Stress-Monster das dann wieder über uns kommt.
Die große liebt allerdings ihre kita und ist sauer wenn ich sie um 2 abhole.. aber die zeit wurde ich für mich bzw. Hausarbeit etc. Gerne weiter nutzen.

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Nach einem Jahr Elternzeit bin ich wieder Vollzeit arbeiten gegangen. Und falls wir kürzer treten, dann Beide zu gleichen Teilen.

1. Fiel es euch schwer, euer Baby abzugeben, und ihr habt dieses Gefühl unterdrückt? Oder gibt es vielleicht auch Mütter, die keine Schwierigkeiten damit hatten?

Natürlich viel es erst schwer. Aber ich habe auch gemerkt, dass sie gern in die Kita geht und zu Corona Zeiten habe ich auch gemerkt, dass ich ihr das was sie in der Kita bekommt nicht bieten kann. Irgendwann findet sie nur Mama einfach unglaublich öde. Ich denke das ist aber von Kind zu Kind anders.

2. Hattet / habt ihr Angst bzgl. der Bindung zu euren Kindern?

Nein, Mama und Papa bleiben Mama und Papa. Es gibt genug Eltern-Exclusives wie kümmern bei Krankheit, Schmerzen und Ängsten, im Bett kuschel usw.

3. Habt ihr schon vor der Schwangerschaft überlegt, dass ihr es so handhaben werdet?

Ja.

4. Habt ihr Angst davor, diese Entscheidung später zu bereuen?

Nein. Wir sind alle so deutlich ausgeglichener. Wenn es irgendwann mal nicht mehr passt kann man immer reduzieren.

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