5-jährigen auf Beerdigung mitnehmen. Wer hat Erfahrung?

Hallo meine Lieben,

Leider ist mein Opa heute Nacht verstorben. Mein Sohn ist gerade in einer Phase, in der er viel Angst vor dem Tod (von sich aber auch anderen) hat, weshalb es ihn sehr treffen wird (und weil er seinen Uropa sehr liebt). Ich hatte ihn beim Tod meiner Oma schon bei der Beerdigung dabei aber da war er noch so jung, dass es keine allzugroße S Sache war. Er war währendher bei mir in der Manduca, ich war auch eher ruhig (war leider ein monatelanger Todeskampf gewesen also hatten alle Anwesenden vorneweg schon sehr viel Zeit zum Verarbeiten gehabt und es war auf Wunsch meiner Oma auch im kleinen Kreis) und hinterher beim Leichenschmaus saß er bei meiner Cousine auf dem Schoß etc. Ein Jahr später bei meinem anderen Opa habe ich ihn nur mit zum Leichenschmauß genommen was ja von der Stimmung her auch eher ein entspannter Zeitpunkt ist und bin dann mit ihm hinterher alleine ans Grab aber langsam finde ich ihn alt genug, um dabei zu sein. Ich möchte ihm nicht die Möglichkeit geben, sich richtig zu verabschieden. Hat jemand Erfahrungen damit gemacht? Ich denke ich werde ihn fragen, ob er "Opa" noch ein Bild malen und ins Grab legen möchte und ich möchte mit ihm vorher den Ablauf durchsprechen und thematisieren, dass es vielleicht Tränen geben wird von allen Seiten aber weiß nicht genau, was uns da erwartet.

Über Tipps und Erfahrungen würde ich mich freuen.

Liebe Grüße

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Mein Herzliches Beileid!

Unsere Kinder sind immer mit auf Beerdigungen gekommen, wenn es die Möglichkeit gab. Wir haben sie entsprechend darauf vorbereitet und danach noch einmal mit ihnen darüber gesprochen. Sie haben es ziemlich gut verstanden und sind auch gut damit umgegangen. Und mein Eindruck ist, dass es auch ihnen immer gutgetan hat, sich zu verabschieden. Der Tod ist ja in dem Alter noch abstrakter und schwerer zu verstehen als für uns. Gerade da finde ich es nötig, dass die Kinder Rituale wie Beerdigungen miterleben.
Tod und Trauer werden in unserer Gesellschaft meiner Meinung nach eh zu sehr tabuisiert. Ich möchte, dass meine Kinder einmal einen offenen Umgang damit haben.

Als die Tante meines Mannes (von unseren Kindern heißgeliebt) gestorben ist, lag sie noch eine Weile in ihrem Schlafzimmer im Bett, damit alle sich verabschieden konnten. Eine völlig reglose Person war unseren Kindern ein wenig unheimlich, aber sie sind sehr schnell aufgetaut und haben sich rührend von ihr verabschiedet, auch später bei der Beerdigung.

Achte einfach bei der Beerdigung genau auf deinen Sohn, dann wirst du merken, wann er dich wie braucht.

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Vielen Dank für deine Worte und die Erfahrungen! Das beruhigt.

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Ich habe unsere Mädels nicht zur Beerdigung ihrer Großtante mitgenommen.
Nur zum Leichenschmaus.
Es war die richtige Entscheidung, alle Erwachsenen haben Rotz und Wasser geheult.

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Danke für die Antwort und die Erfahrung

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Bei uns werde so kleine Kinder zuhause gelassen. Ich persönlich finde nicht, dass ein 5 Jähriges Kind auf eine Beerdigung gehört. Er kann vorher nicht einschätzen, was er will oder nicht will. Die Erwachsenen weinen und oft sind das nicht nur kleine Krokodilstränen, da kommen emotionale ausbrüche öfter vor. Kann ein 5 Jähriger sich vorstellen, dass Opa jetzt in einer Kiste liegt und eingebuddelt wird? Ich persönlich bin dagegen.

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"Kann ein 5 Jähriger sich vorstellen, dass Opa jetzt in einer Kiste liegt und eingebuddelt wird? Ich persönlich bin dagegen."

Genau das war bei der Beerdigung des Opas (Schwiegervater) ein Grund, dass ich meine damals 6 jährige Tochter nur zum Trauergottesdienst mitgenommen habe und nachher zum Beerdigungskaffee. in der Zeit, als wir am Grab waren, hat sich meine Mutter mit ihr anderweitig beschäftigt.

War für meine Tochter ok, wir sind dann am nächsten Tag zum Grab und sie hat ein Bild für den Opa dort hingelegt.

Mein 10 jähriger war übrigens auch nicht mit dem Trauergottesdienst und am Grab. Er schrieb in einem Hauptfach die erste Klassenarbeit in der 5. Klasse und das sollte und wollte er nicht verpassen.
Etliche Jahre später meinte er mal zu mir, er sei froh gewesen mit der Arbeit einen Grund zu haben, nicht zur Beerdigung zu gehen. Er wäre sehr verunsichert gewesen, weil er nicht wußte, was da auf ihn zukommt. und er nicht erleben mußte, dass alle weinten.

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Danke für deine Antwort und deine Meinung

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Herzliches Beileid!

Direkte Erfahrung in dem Alter kann ich nicht teilen, aber eine Buchempfehlung zum Thema geben. Ich habe es mal besorgt, da das Thema Tod bei meiner Tochter (5) länger präsent war.

https://www.amazon.de/Abschied-Trauer-Wieso-Weshalb-Warum/dp/3473329568#aw-udpv3-customer-reviews_feature_div

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Danke dir! Das werde ich ausprobieren - hört sich nach einem guten Buch an

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Hallo.

Erstmal herzliches Beileid.

Ich würde ihn auch mitnehmen. Ich finde das gehört einfach zum Leben und aus meiner Sicht macht es nur mehr Angst wenn man das Thema außenvorhält und nicht richtig darüber spricht. Allerdings würde ich ihm alles vorher erklären und dann selbst entscheiden lassen ob er mit möchte.

Bei der Beerdigung vom Opa meines Mannes saß die damals 5 Jährige Nichte neben uns. Irgendwann hat sie gefragt: "Warum weinen die alle, der Opa ist doch jetzt im Himmel?" Wunderschöne Kinderlogik. Der Opa hätte sie sehr gefreut.

Liebe Grüße

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Vielen Dank für die Worte und die Erfahrung! Sehr schön, wie deine Nichte da ihre ganze eigene Sicht der Dinge hatte

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Ich war selber ca. 5 Jahre alt, als unser Opa starb. Meine kleine Schwester und ich waren mit auf der Beerdigung.
Es gab einen offenen Sarg, aber wir sind nicht nah ran gegangen, das war auch das einzig besondere für uns Kinder.
Ich habe nur noch bruchstückhafte Erinnerungen der Sicht von weitem und vom Gottesdienst.
Jedenfalls war es kein traumatisierendes des Erlebnis oder so.

Ich würde Kinder, sobald sie still sitzen bleiben können, mit zu allen Ereignissen nehmen
Weiß nicht, wieso manche sagen, dass Kinder da nichts zu suchen haben. Sind das vielleicht die, die sagen, Kinder hätten auf einer Hochzeit nichts zu suchen?
Es ist ein wichtiges Familienereignis und Kinder gehören zur Familie.
Früher oder später werden sie lernen was Trauer ist und 5 Jahre ist meiner Meinung nach nicht zu früh.
Manche Dinge "muss" man eben erfahren, wenn sie passieren und nicht alles geht dann, wenn es für das Alter "pädagogisch wertvoll" ist oder was auch immer.

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Vielen Dank für die Erfahrung und die Meinung. An sich sehe ich es auch so - man kann nicht alles negative von den Kindern fernhalten, man kann nur versuchen, sie bestmöglich zu begleiten...

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Herzliches Beileid!

Ich finde es kommt auf die Beziehung an. Waren sich die beiden nahe? Dann ja. War es eher ein Uropa ohne große Beziehung zu dem Kind sondern eher alle 2 Monate auf einem Familienfest? Dann nein.

Ist es eine liebevolle Gedenkfeier mit Anekdoten und Hommage an den Opa? Dann ja? Ist es ein (ich habe das bei katholischen Trauerfeiern so erlebt, sorry, soll kein Angriff auf eure Religion sein) staubtrockener Trauergottesdienst mit Predigt, alten Kirchenliedern und Vater-Unser-beten? Dann Nein.

Sind die Erwachsenen alle gefasst, sodass ihr in der Lage seid, euren Sohn aufzufangen und ihn zu begleiten? Dann ja. Seid ihr selbst alle fertig mit den Nerven und es ist zu erwarten, dass die Erwachsenen das Kind nicht anständig begleiten können sondern eigentlich Zeit für sich brauchen? Dann Nein.

Das wären so meine Gedankengänge. Als der Stiefopa von meinem Mann starb, waren unser Sohn und der Sohn von dem Cousin meines Mann 2. Der Sohn von Cousin kannte den Stiefopa quasi gar nicht, hat aber munter die Kirche vollgebrüllt, weil er einfach total gelangweilt war (konnte ich ehrlich gesagt verstehen, ich fand es auch langweilig und komplett am Thema, dem Tod eines von mir geliebten Menschen, vorbei). Ging gar nicht, habe mich für die Eltern fremdgeschämt die sich total pietätslos meiner Meinung nach Verhalten haben.

Unser Sohn war bei meinen Eltern während der Beerdigung gewesen und obwohl ich eigentlich finde, dass Kinder auf einer Trauerfeier dabei sein müssen, war das die richtige Entscheidung. Ich war selbst auf einer Trauerfeier meiner Uroma als 6-jährige gewesen, die sehr schön war. Jeder hat eine Sachr erzählt, an die er sich dankbar erinnern wird, es wurden ihre Lieblingslieder gespielt, wir haben Ballons mit guten Wünschen in den Himmel geschickt etc.. da hätte ich auch meinen Sohn mitgenommen. Ich würde es wohl von den oben genannten Punkten abhängig machen, eine pauschale Antwort ist da schwierig.

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Vielen Dank für deine Worte und deine Erfahrungen. Das ist wirklich eine sehr differenzierte Sicht auf die Dinge und du hast so Recht damit. Eine Generelle Antwort gibt es nicht. Er bedeutet ihm viel aber ich weiß leider nicht, welche Art von Gottesdienst es wird. Wahrscheinlich ist die beste Idee, notfalls mit ihm rauszugehen in unserem individuellen Fall

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Erstmal mein beileid zu eurem Verlust.

Wir hatten die Situation leider auch im vergangenen Oktober. Mein Sohn war zu der Zeit 4,5. Bei uns war das besondere daran, dass wir mit meiner Oma zusammen im Haus gelebt haben und mein Sohn einen sehr innigen Kontakt zu seiner Uri hatte. So hat er auch mit erlebt, wie es ihr immer schlechter ging und war auch noch 2 Stunden vor ihrem Tod an ihrem Bett.

Zur Beerdigung war er auch dabei. Und im Nachhinein muss ich echt sagen, für ihn war es wichtig, diesen Prozess so "abzuschließen". Er vermisst seine Uri nach wie vor und besucht sie auf dem Friedhof.

Ein Jahr zuvor ist die Oma meines Mannes gestorben, damals hatten wir entschieden ihn nicht mitzunehmen, auch da hat er mitbekommen, dass Uri sehr krank ist. Und im Nachhinein muss ich sagen, wir hätten ihn da schon zur Beerdigung mitnehmen sollen. Er konnte nicht abschließen und möchte heute noch in die Wohnung von Uri.


Kinder gehen damit übrigens ganz besonders damit um und ich hatte mit davor auch viel zu viele Gedanken darüber gemacht.

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Vielen Dank für deine Worte und deine Erfahrungen und ebenso mein Beileid, dass ihr im Oktober deine Oma gehen lassen müsstet. Es hilft sehr, von jemandem zu hören, der die Situation kennt und gemeistert hat

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Hallo,

wir haben unsere knapp Dreijährige letztes Jahr mit auf die Beerdigung ihrer Oma genommen.
Sie war auch mit auf der Intensivstation.
Es ging alles wahnsinnig schnell und im Nachhinein kann ich sagen, dass es für uns richtig war.

Wir haben oft das Buch „Tschüss Oma“ gelesen und viel über die Oma gesprochen.
Warum sie gestorben ist, wo sie jetzt wohl ist, aber auch viele Geschichten die sie miteinander erlebt haben und uns Fotos angesehen.
Sie erzählt immer noch oft von sich aus eine Erinnerung, die sie in diesem Moment hat.

Wichtig finde ich, dass ein Erwachsener da ist, der das Kind gut begleiten kann, weil er von der Trauer nicht so intensiv betroffen ist. Also z. B. merkt wenn es dem Kind zu viel ist und kurz raus gehen kann.

Wir haben auch darüber gesprochen, dass alle sehr traurig sind und das viele weinen werden.

Ich bin mit ihr auf dem Friedhof spazieren gegangen und erst kurz bevor es losging in den Trauerraum gegangen. Einerseits wollte ich nicht, dass sie die trauernden Erwachsenen stört, andererseits wollte ich sie nicht dieser Stimmung aussetzen.

Zu Beginn der Trauerfeier stand sie dann eine ganze Zeit lang vor dem großen Foto ihrer Oma.
Irgendwann sagte sie:
„Tschüss Oma“ und kletterte auf meinen Schoß und schlief da irgendwann ein.

Ich hatte weder geplant wie es auf der Intensivstation, noch auf der Beerdigung ablaufen sollte. Ich habe in jeder Situation nur auf mein Gefühl gehört und es war gut so.


Lg

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Vielen Dank für deine Worte und deine Erfahrungen. Es hört sich so an als hättest du ein super Gespür dafür, was deine Tochter braucht. Ihr Abschied hört sich auch sehr "harmonisch" an. Den Trauerraum werde ich mit ihm vermutlich auch ausklammern, da ist es ja tatsächlich oft sehr intensiv von der Stimmung. Ist auch für mich als Erwachsene immer der härteste Teil.

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