1. Elternabend im Kindergarten - Realsatire

Huhu,

also wenn es nicht so entsetzlich zäh und langwierig gewesen wäre, wäre es wirklich schon fast eine Comedyshow gewesen...
Ich war gestern das erste Mal bei einem Elternabend. Boah, die Vorhölle. Ich bin da das erste und letzte Mal gewesen, ab jetzt gehe ich noch zu den 1:1 Elterngesprächen, aber das geb ich mir nicht mehr!

Vorab: Es handelt sich um einen im Ort als "sehr gut" bezeichneten, evangelischen, integrativen Kindergarten.

Es fing damit an, dass eine Erzieherin den Wochenplan vorstellte. Morgens ist bis 10:30 freies Frühstück (an einem Tag auch gemeinsames), ab 9 Uhr ist entweder eine Märcheoma da, es gibt eine "Bewegungswerkstatt" (halbe Stunde, jeweils 4 Kinder), Musikstunde (jeweils 8 Kinder), Stuhlkreis (alle), Vorschule für die Maxi-Kinder, Freitags ist Kinderkirche, etc. Von 11:30 bis 12:30 wird im Freigelände gespielt. Ein Tag in der Woche ist immer Waldtag. Ansonsten ist Freispiel, auch nachmittags. Es gibt eine Bastelecke, eine Rollenspielecke, eine Bausteinecke, etc.

Daraufhin beschwerte sich sofort eine Mutter, dass nicht genügend gebastelt und gemalt würde. Ihr Sohn würde nie etwas nach Hause bringen. Eine andere Mutter meinte ganz entrüstet, ihr Sohn schon. Die Erzieherin meinte, bei 2 Leuten und 26 Kindern könne es schon sein, dass mal ein Kind, das eben nicht so gerne bastelt, durchrutscht, wenn sie Basteln oder Malen anbieten. Zwingen würden sie die Kinder aber nicht. Die Mutter wollte das gerne, schliesslich könne man ja in der Schule auch nicht machen, was man wolle. Und überhaupt wollte sie mehr konkrete Themen und Projekte. Eine zweite Mutter pflichtete ihr bei. Die Leiterin meinte, mit 2 Personen wäre das halt schwierig in so einer grossen Gruppe, weil eine immer damit beschäftigt sei, Hosen hochzuziehen, Hände zu waschen oder zu trösten.

Nun kam als Thema auf, eine 3. Vormittagskraft einzustellen, da eine der Mütter eine privat eine englische Erzieherin kennt, die gerne ein Auslandspraktikum machen wollte. Da es aber keine offizielle Stelle gibt, müssten das die Eltern privat finanzieren. Das wären pro Kind 10 Euro mehr im Monat (eben das mehr an Kindergeld dieses Jahr), denn wohnen könnte sie bei der bekannten Familie. Dieses Angebot hatte die Mutter per Elternbrief an alle gerichtet. Die meisten Eltern waren ja prinzipiell für eine 3. Kraft, haben das Angebot aber abgelehnt. Nicht, weil sie keine 10 Euro übrig hätten, sondern überwiegend, weil sie es blöd fanden, dass das als Brief geschrieben war. Jetzt gibt es also keine 3. Kraft, wegen eines "Formfehlers". Gerade die Mutter, die sich über mangelnde Basteleien beschwerte, regte sich extrem über den Brief auf.#klatsch

Dann wurde gesagt, dass das Frühstücksgeld (13 Euro im Quartal) jetzt auf 14 Euro erhöht würde, weil Eltern sich beschwert hätten, dass es in jeder Gruppe unterschiedlich wäre, in der einen 13 und in der anderen 14, jetzt ist es halt überall 14 Euro. Dies führte sofort zu einer Diskussion, warum unsere Gruppe jetzt auch mehr zahlen soll.

Die Diskussion ging nahtlos über in eine Diskussion über BIO Gemüse. Das wäre doch letztes Jahr vom Demeterbauern gewesen, und warum das jetzt nur noch vom ALDI wäre. Und ob es denn überhaupt noch BIO wäre, es wäre absolut inakzeptabel, wenn auf dem Tisch eine herkömmliche Paprika liegen würde! Eine Mutter im handgefärbten lila Sackleinenüberwurf war kurz vor dem Herzkasper und bekam Schnappatmung, denn sie hatte irrtümlich verstanden, dass es gar kein BIO mehr gäbe. 3 Sekunden später sagte sie, ihr Sohn würde ja eh keine Paprika mögen.
Tja, erst keine 14 Euro zahlen wollen, dann aber Demeterbiobauernhofprodukte haben wollen, wie passt denn das zusammen??? #kratz

So, jetzt höre ich mal wieder auf. Ich gehe da jedenfalls nie wieder hin. 2,5h auf Kinderstühlchen zu sitzen verkraftet schon mein Rücken nicht. ;-)

Ich habe volles Vertrauen in die Erzieherinnen und mein Sohn hat Spass im Kindergarten. Das ist das Wichtigste.

Ist es bei euch auch so schlimm????

LG

Hanna

1

Hallo,

na, das war ja wohl echt grosses Kino!!!
Unser erster Elternabend ist kommenden Dienstag, ich bin gespannt.

#ole
J.

2

*lach*

Ich war noch nicht bei einem Elternabend aber freue mich nun schon auf die Alltagscomedy :-p

wäre gern bei Eurem gewesen...

3

Hi Hanna,
schöner Bericht!!
das ist bei uns nicht so schlimm, aber was ich bestätigen kann, ist daß es etliche Mamas gibt, die beim Thema Essen total durchdrehen. Die können dann stundenlang auf Gesamtelternbeiratssitzungen darüber diskutieren, ob das Essen in den Einrichtungen gesund genug ist für ihre Sprößlinge. Komischerweise sind das dann oft so Mamas mit einem BMI jenseits der 30. Also man hat den Eindruck, sie sind mit den Folgen ihrer eigenen ungesunden Ernährung unzufrieden und kompensieren das nun auf dem Rücken der Kindergartenleitung.
LG

4

Oh weia da bin ich aber froh das es bei uns gestern abend ganz locker und fröhlich ablief!!!!
Das hört sich ja schlimm an...
LG
Nursy

5

"Eine Mutter im handgefärbten lila Sackleinenüberwurf "

#rofl#rofl#rofl

6

Bin ich froh, dass es nicht nur bei uns so zugeht...

Kein Geld für die Kinder ausgeben wollen, aber alles sollen die Kinder kriegen - das aber natürlich immer von Dritten... Das ist leider bei einem Großteil der Eltern in "meiner" Gruppe auch so. Da schüttelt es mich immer wieder!

Wegen jedem Cent, der den Kindern ja schlussendlich zugute käme, wird diskutiert und dann steht eine gewisse Clique vor der KiTa und pafft eine Zigarette nach der anderen, wo man sich gerade eine Essengelderhöhung von insgesamt 3,50 Euro (Frühstück, Zwischenmahlzeit, Mittagessen und sämtliche Getränke) im Monat nicht leisten konnte...

Ich wurde schon angekeift, weil ich mir erlaubt habe, meinen "Leitspruch" bei einem Elternabend loszulassen. Ich bin nicht Raucher-feindlich, Bennis Vater raucht auch und ich habe selbst auch bis kurz vor der Schwangerschaft geraucht, aber ich finde, dass man keinen Grund zu jammern hat, dass kein Geld für das Kind/gesunde Ernährung u. ä. da ist, so lange man sich für sich selbst Zigaretten/Alkohol&Co. leistet.

Bei uns auch jedes Jahr wieder wunderschön: Es gibt ja insgesamt 3,5 Wochen im Jahr (nicht am Stück), in denen die KiTa geschlossen hat. Es wird aber immer (für Berufstätige) ein Ausweichplatz/eine so genannte Notgruppe gestellt. Diese Notgruppe ist auch meist in unserer KiTa, weil es einfach die größte Einrichtung ist.

Ich gebe Euch 3 Versuche, zu erraten, welche Mütter/Eltern sich am allermeisten über diese Schließzeiten aufregen...


7

Oha, da freu ich mich ja schon auf nächsten Donnerstag. Da haben wir Elternabend. #zitter

8

Hi,
sagen wir mal so, das mit dem Malen und Basteln kann ich gut verstehen, das jede Kind gefördert werden muss.

Wir hatten vorher eine Kiga-Gruppe, in der kaum gemalt worden ist, da die Erzieherinnen zu zweit bei 12 Kindern überfordert waren. Zwei aus dieser Gruppe kommen jetzt nicht in die Vorschule, weil sie schlecht Malen und Zeichnen können. Nicht altergerecht, etc.

Daher finde ich schon das jedes Kind in Maßen gefördert werden muss! Die Erzieher haben meiner Meinung nach auch einen Bildungsauftrag!!!

Die andere Kiga-Gruppe bei uns hat 25 Kinder und zwei Erzieher und da funktioniert es super. Mindestens 1x die Woche haben sie ein Mal-/BAstelthema, wo jedes Kind sich aktiv beteiligen muss. Das sind sooo schöne Sachen, da ist (fast) jedes Kind begeistert dabei.

Aber dieses Hickhack haben wir auch bei uns im Kiga. Und es sind immer die gleichen Eltern, meistens die Alt-Einheimischen, die denken, überall Bestimmungsrecht zu haben - ist ja IHR Dorf.

Trotzdem bin ich bei solchen Abenden dabei. Nur um sich ein eigenes Bild zu bilden und zu sehen, wie die Erzieherinnen diese Gespräche managen.

Aber sehr oft muss man einfach die Ohren auf Durchzug stellen.

Gesundes Frühstück finde ich den totalen Schmarrn im Kiga. Da wird den Kindern 1x/Monat etwas "gesundes" vorgesetzt und fertig. Da sollten die Eltern doch täglich drauf schauen, was sie den Kindern in die Box stecken.
Bei uns wird in der Gruppe 2-3x/Monat Obst von den Eltern mitgebracht und Obsttage mit den Kindern gemacht. Die müssen dann selber waschen/schneiden. Oder auch Müsli-Tage, etc..
Die Kinder sollen doch lieber selber mit gesunden Lebensmittel umgehen, selber Brot-/Brötchen backen, Korn mahlen, Erdbeeren, oder Obst pflücken gehen, damit sie wissen, von wo es kommt.
Das verändert doch das Bewußtsein und nicht das vorgesetzte sogenannte "gesunde"Frühstück.

Grüße
Lisa

9

Guten Morgen,

ja ja bei uns ist es so ähnlich. Ein Grund mehr, dass es mir vor dem nächsten Elternabend im Oktober schon wieder mächtig graut.

Unsere Kinder haben dreimal die Woche Turnen und sind sonst sehr viel unterwegs und draussen, was mir persönlich auch sehr recht ist. Gebastelt wird eigentlich nur, wenn es Katzen regnet oder das Wetter wirklich erbärmlich ist. Auch bei uns gibt es nun diese Bastelfraktion, die immer bemängelt, dass zu wenig gebastelt wird.

Ebenfalls haben die Kinder einmal die Woche Englisch, dass macht eine Mama in ihrer Freizeit, die aus den USA kommt und Grundschullehrerin ist, dafür bekommt sie pro Kind € 15,00 im Monat. Das Lehrmaterial - und das ist nicht wenig - wird aber von ihr besorgt, gemacht und gestellt. ALso reich wird sie bestimmt nicht dadurch. Nun ist einmal Englisch aufgrund Krankheit ausgefallen und diverse Mamas wollten das Geld hierfür zurück. Wir sprechen hier von € 3,00 pro Kind. Für diese € 3,00 wurde dann ca. 2 Stunden herumpalavert. Es war ganz schlimm und stellenweise echt peinlich, wie sich manche Frauen wegen der € 3,00 aufgeführt haben. Am schlimmsten waren hierbei die sogenannten "Gutsituierten".

Vom Bio wollen wir gar nicht reden, wie bei euch.

Tja, unser letzter Elternabend ging von 19.30 Uhr bis 23.15 Uhr. Mein Mann und ich waren so fertig, dass wir zu Hause erstmal eine Flasche Wein geköpft haben und er sich sofort geweigert hat, beim nächsten Mal wieder mitzugehen.

Aber auch bei uns gilt, die Erzieherinnen und der Kindergarten sind top und das ist das wichtigste. Die meisten Eltern gehen mir eigentlich mehr oder weniger irgendwo vorbei.

LG

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Hihi, genau so!;-)

Wir haben auch erst mal nen Wein getrunken zuhause, und mein Mann meinte, er wird den armen Erzieherinnen morgen ein Blümchen aus dem Garten mitbringen, denn er fand es sehr unfair, wie sie angegangen wurden. Ich empfinde sie auch als sehr engagiert und einfühlsam.

Ich fand die Antwort der Erzieherin sehr gut, sie meinte zum Thema Basteln, dass es nicht die Aufgabe der Kinder ist, Dinge zu basteln, "damit sie für die Eltern was mit nachhause bringen", es dient ja ihrer persönlichen Entwicklung und nicht der Belustigung der Eltern.

Ich bin mir sicher, im Herbst werden sie mal was mit Blättern machen, eine Laterne basteln, zu Weihnachten Sterne für die Fenster etc. Das macht doch jeder Kindergarten, sowas hinterfrage ich gar nicht.

Wem es zu wenig ist, der kann ja gerne am Wochenende mit seinen Kindern zuhause basteln. Eine Mutter hat sich wirklich darüber beklagt, dass sie mit ihrem Sohn zuhause basteln müsste, da er es im Kindergarten nicht ausreichend tut. Ich mache sowas gerne...

Ausserdem, man muss doch echt nicht jeden Tag was basteln, oder???

LG

Hanna

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Hallihallöle...

viele Eltern haben leider noch nicht erkannt, dass Erzieher eben nicht mehr die kaffetrinkenden Basteltanten von früher sind, sondern dass wir einen Bildungsauftrag haben, der u.A. natürlich auch den feinmotorischen Bereich abdeckt.

Wenn ich jetzt ein Kind habe, der mit 3 und 4 gerne baut und dort seine feinmotorischen Fähigkeiten schult und seine Kreativität schult, warum muss ich ihn dann dazu zwingen-vor allem dann nur- für die Mama irgendwas zu basteln oder zu malen? Spätestens in der Vorschule wird er ab und zu den Stift in die Hand nehmen müssen.

Bei uns malen die Kinder Geburtstagsbilder. D.h. jedes Kind bekommt von jedem anderen Kind in der Gruppe ein Bild gemalt- das reicht uns. Natürlich, wenn wir sehen es besteht Förderbedarf versuchen wir es über die Interessen des Kindes ans Malen heranzuführen. Aber prinzipiell finde ich gerade das Erlernen der richtigen Stifthaltung und Kreativitätsförderung sollte auch in der Familie geschehen.

Kindergarten ist eine familienergänzende Einrichtung und nicht -wie von vielen Eltern erwartet- eine familienersetzende Institution. Manche Eltern versuchen wirklich alles an die Erzieher abzuwälzen (darunter auch die Sauberkeits'erziehung', Schuhe binden etc.).

Grüssle Silke

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