Haben viele extrem (zu?) hohe Erwartungen an KiTas?

Hallo,
mir fällt seit einiger Zeit (sowohl hier im Forum als auch im Bekanntenkreis) auf, wie hoch offensichtlich die Erwartungen an die KiTas sind.
Mir persönlich kommen sie häufig ehrlich gesagt viel zu hoch vor.
Ich persönlich bin grundsätzlich der Meinung, daß die Erziehung in erster Linie den Eltern obliegt. Natürlich soll auch in einem Kindergarten und/oder der Schule erzieherische Arbeit geleistet werden. Aber diese sollte doch eher als Ergänzung diesen.
Damit meine ich z.B., wenn ein Kind sehr schlecht oder überhaupt nicht erzogen ist, kann man nicht erwarten, daß dies im Kindergarten ausgebügelt wird. Aber erwarten nicht gerade dies, sehr viele Eltern? In Gesprächen, die ich so mitbekomme, habe ich den Eindruck jedenfalls häufig.
Hier ist nur ein öffentlicher Kindergarten in der Nähe. Bisher bekomme ich von anderen nur mit, daß kein gutes Haar daran gelassen wird. (Erzieherinnen unfreundlich, Leiterin zu oft krank, Essen schlecht, Kinder gehen bei Regen zu selten raus, Kinder werden überfordert, Kinder werden unterfordert, etc. habe ich alles schon gehört.) Ich habe mir den Kindergarten jetzt mal angeschaut und ich muß sagen, es macht alles einen super Eindruck dort, sowohl von den Erzieherinnen als auch den Konzepten und der Einrichtung her.
Oft ist es mir wirklich ein Rätsel, was von Eltern verlöangt oder erwartet wird.
Kann mich evtl. mal jemand aufklären? Ich verstehe es wirklich nicht.
LG
olegre

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hmm ich bin da hin und her gerissen. einerseits kann ich sagen, nein, die erwartungen sind nicht zu hoch. die betreuungssituation ist in deutschland einfach viel zu schlecht. in der krippe, in der meine tochter war, sind sie fast nie rausgegangen. dafür war das essen wiederum sehr gut udn selbstgekocht. man hat nie alles beisammen. man muss berücksichtigen, dass 12 kleinste kinder auf eine erzieherin und eine kinderpflegerin kommen bzw später dann 25 (!) kinder auf nur eine und eine. das ist doch ein unmöglicher betreuungsschlüssel. in der krippe zahlte ich 380 euro, jetzt noch 270. insofern gebe ich den eltern schon auch recht. auf ein einzelnes kind kann doch da gar nicht eingegangen werden. gut man wird auch anspruchsloser, wenn man die realität erst mal erkannt hat. ich erwarte keine wunder mehr, wie man es tut, wenn man sein kind zum allerersten mal abgibt. aber kommt man recht schnell zum boden, zumindest in deutschland. die erzieherinnen bei uns sind gut und nett und gerecht. das essen passt bei uns auch. aber wieviele kigas kriegen fertigprodukte aus tiefkühltruhen nur warm gemacht? das ist doch kein essen für kleine kinder. insofern, es gibt vieles, das verbesserungswürdig ist. ich bleibe geteilter meinung.

lg sina

2

Gerade zu den Elternabend erlebe ich die Eltern von denen du erzählst. Die meckern übers Essen, warum nicht dies oder das gemacht wird und was weiß ich.

Oftmals sind das gerade diese eltern, die (ob gewollt oder ungewollt) den ganzen tag zu hause sind. Da frag ich mich echt: Haben die zu viel Zeit???

Sicherlich, es gibt und gab auch das ein oder andere, was mich störte. aber eagl was es war, ich konnte es klären und wir haben eine Lösung gefunden. Was bleibt mir auch übrig, ich geh schließlich den ganzen tag arbeiten. Und selbst wenn ich vllt mit einer Erzieherin ein Problem habe, oder mir das Essen zu matschig erscheint (das gabs auch schon, die Eltern beschweren sich, dass das essen nicht schmeckt und die Kinder essen alle auf#kratz): Wichtig ist doch, ob sich mein Kind wohl fühlt und er mit Freude dahin geht.
Leider vergessen das viele.

Grundsätzlich erwarte ich aber schon, dass der Kindergarten einen Teil erziehungsarebit leistet oder zumindest mitzieht, schließlich ist mein Sohn einen großteil des Tages dort. Wobei ich - das behaupte ich mal - sehr pflegeleicht bin. Wenn ich merke, wovor die erzieherinnen manchmal "Angst" haben oder was sie NIE machen würden, weil die Eltern sonst meckern ... Mensch, soviel Zeit möchte ich auch mal haben, dass ich mich über sowas aufregen kann...#schein

vg, m.

3

Hallo!

Ich finde es hängt auch immer von der jeweiligen persönlichen Situation ab.
Ich selbst bin der Meinung, dass die Haupterziehungsarbeit bei den Eltern liegt und die Kita unterstüzend wirkt.
ABER meine Kinder sind von 8.00 bis 16.30 Uhr in der Kita. Da brauche ich auch eine, die "mehr" erzieherische Arbeit leistet. Diese sollte aber Hand in Hand mit den Eltern gehen. Es ist jedoch nicht einfach eine Kita zu finden, die den eigenen Erwartungen entspricht. Ich bin froh so eine Kita gefunden zu haben. Dort werden meine Erwartungen erfüllt, dafür muss jedoch ein wenig weiter fahren.
Die Kita vor der Haustür ist jedoch in meinen Augen schlecht. Dort wurde mir gesagt, dass ab und zu mal ein Ausflug gemacht wird, aber dann auch nur zum Wochenmarkt und höchstens mit 6 Kindern. Da habe ich nicht das Gefühl, dass meine Kinder gut aufgehoben sind.

Meine Erwartungen an eine Kita wären wohl nicht so hoch, wenn meine Kinder nur halbtags dort wären und ich am Nachmittag selbst vieles machen könnte!

Klar hört man von jedem etwas anderes über eine Kita. Die Kita die total schlecht finde, finden andere Eltern toll und die wir gut finden, gefällt dafür anderen nicht. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass man über eine Kita mehrere verschiedene Aussagen erhält.

LG

4

hi,

ja, wir haben sehr hohe erwartungen an eine kita bzw. in unserem fall an eine (private) krippe :-). ist völlig legitm als eltern. schließlich möchten wir das beste für unsere große (2), wenn sie fremdbetreut wird, und das über einen längeren zeitraum und seit sie 4 monate alt ist. eine bestmögliche betreuung zu erwarten / verlangen ist also nichts außergewöhnliches. diese dienstleistung wird ja auch entsprechend vergütet.

damit wir uns richtig verstehen: ich sehe es so wie du, dass die erzieherische arbeit in der kita lediglich eine ergänzung sein kann. im idealfall geht beides hand in hand und bestimmte regeln werden beispielsweise gefestigt. viele kita-konflikte, die im forum angesprochen werden, sind uns fremd und ich bin sehr(!) dankbar dafür (unangemessenes verhalten von erziehern/-innen; anrufe auf der arbeit damit mutter/vater das kind wickelt etc.).

viele grüße

belly72

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Hallo,

im großen und ganzen stimme ich dir zu. Die Eltern tragen die Verantwortung für eine gelungene Erziehung. Allerdings lernen Kinder im Kindergarten enorm viel, was sie daheim nicht so mitbekommen würden, z.B. Einfügen in eine Gruppe, Probleme alleine lösen, Freundschaften knüpfen und pflegen, Umgang mit fremden,etc.
Damit das aber auch gelingt, muss eine gute Bildungs und Erziehungspartnerschaft zwischen Eltern und Kita bestehen, d.h., Eltern dürfen und sollen meiner Meinung nach auch einen gewissen Anspruch haben (dürfen).

Was mich aber immer wieder erstaunt, ist, dass von Erziehern alles gefordert wird (gesunde Ernährung, Ruhe und Zeit zum ausgedehnten Spiel, reichlich Förderung und Angebote zur Unterhaltung, große Fleibilität in der Betreungszeit aber konstante Bezugsperson), aber von den Eltern sehr, sehr wenig geleistet wird (mit Schokobrötchen und Brezel um 7 in die Kita bringen, um 17 Uhr holen, dann noch einkaufen oder ein Angebot wie Turnen und ab nachhause, was Schnelles essen und ins Bett. Schuhe binden - Kita Job, Essen mit Messer und Gabel - Kita Job, etc.)

6

Ja ich habe auch Erwartungen an den Kiga! Hohe ...mmm doch ein bisschen,gerade da wir auch viel zahlen, selbst wenn wir nur Mindessatz zahlen - ich vertrauen dem Kiga MEIN Kind an!

Aber eigentlich habe ich (selbst Erzieherin) endlich mal höhere Erwartungen an den Staat oder wer auch immer an den Rahmenbedingungen etwas bewirken kann!

Ich möchte:
den Kindern gerecht werden......gerade da sie oft sehr lang am Tag bei uns sind: ABER 10/12 Krippenkinder (8Wochen bis 3Jahre in einer Gruppe) auf 2 Erzieher/SPAs oder 22-25Kinder auf 2Erzieher/SPAs (im Krankheitsfall nur 1 Betreuer) macht vieles unmöglich!
Zum NACHTEIL der Kids! Zum Frust der Erzieher und zum Frust der Eltern die (wie ich auch) sehr viel Geld dafür zahlen das die Kids betreuut sind (gut!) , "nur" damit man arbeiten gehen kann!

7

Hallo,
ich glaube daß viele Eltern viel zu hohe Erwartungen stellen, bzw. auf Dinge achten, die für einen Kindergarten nicht wichtig sind. Hier bei uns gibt es 5 Kindergärten, obwohl wir auf dem Lande wohnen. Jeder hat seinen Lieblingskindergarten und lästert über alle anderen. Ich persönlich bin der Meinung, daß es egal ist, ob die Spielgeräte frisch lackiert sind, oder ob es das schickste und neueste zum Spielen gibt, nur weil gerade irgendein Psychologe das für pädagogisch wertvoll erklärt hat. Auch finde ich es übertrieben den Kindern ein Frühstücksbuffet vorzusetzen. Mein Kind soll sich einfach wohlfühlen und lernen mit anderen Kindern klarzukommen. Pascal ist im ev. Kindergarten. Dort werden Werte und Regeln vermittelt. Die Kinder gehen viel raus...

Mir hat eine Mutter erzählt, sie würde ihre Tochter in diesen Kindergarten bestimmt nicht geben, sie hätte am Wochenende durchs Fenster geschaut und die Kaffeemaschine war noch an...wie verantwortungslos...was ist denn wenn der Kindergarten brennt...hmmm am Wochenende wäre mein Kind doch garnicht da. Und auch eine Erzieherin ist doch nur ein Mensch und kann dementsprechend nicht perfekt sein.

Soviel dazu, bevor ich mich in Rage schreibe..
LG
Nicole

8

Ja das stimmt, neverending Story.
Man hat oft viele zufriedene Eltern, aber genauso viele die nörgeln.
Teilweise sind es verständliche Dinge, teilweise.............fasst man sich doch etwas an den Kopf.
Viele sehen vieles aus erwachsenen Augen. Den Kids geht es total gut und die fühlen sich super, aber die Eltern finden doch noch was.........

9

Hallo!

Ich als Erzieherin sehe das so:

Die Eltern dürfen natürlich hohe Erwartungen an die KiTa haben. Diese sollten aber immer im Rahmen des Leistbaren sein.
Wie oben schon geschrieben ist der Betreuungschlüssel hierfür ein Ausschlaggebender Maßstab.

Bis zu meinem Mutterschutz habe ich in einer Altersgemischten Gruppe mit 2 - 6 Jährigen Kindern gearbeitet - am Nachmittag kamen dann noch 2-3 Kinder zur Hausaufgabenbetreuung. Die Gruppe war mit 2 Vollzeitkräften (Erzieherin + Kinderpflegerin) besetzt.

Erwartung darf natürlich sein, daß ich auf jedes Kind so gut wie möglich eingehe. Jadem sollte aber Klar sein, daß eine Einzelförderung in diesem Rahmen nicht möglich ist.

Mich haben Eltern geärgert die von uns z. B. erwartet haben, daß wir die komplette Sauberkeitserziehung übernehmen. Damit meine ich nicht, ein Kind das zuhause sauber ist im Kiga aufs Klo zu begleiten oder daran zu erinnern. Sondern ich meine Eltern, die beschlossen haben, daß das Kind keine Windel mehr will und braucht und dieses Kind über 6 Wochen jeden Tag wärend eines Vormittags 1 großes und 2 kleine Geschäfte in die Hose gemacht hat. Das heißt denn für uns als Personal, daß 1 Person rund eine halbe Stunde mit Umziehen eines einzigen Kindes beschäftigt ist.
Elternwunsch wäre es zudem noch gewesen die Kindertoiletten wärend dieser "Umziehzeit" zu sperren, damit die anderen Kinder das nicht mitbekommen.

Das ist jetzt ein einzelnes Beispiel. Aber solche Dinge kommen sehr häufig vor. Wenn jeder ein bisschen mehr an die gesamte Gruppe und nicht nur an sein Kind denken würde wäre es um einiges einfacher.

3- jährige kamen bei uns ständig mit Fingerhandschuhen - Zuhause wenn nur ein Kind angezogen wird mag das ja kein Problem sein - aber wenn ein Erwachsener 25 Kinder mit voller Wintermontur anzieht, treiben einen die Fingerhandschuhe fast in den Wahnsinn. Wenn ich dann Eltern sgen höre, nachdem sie darum gebeten wurden andere Handschuhe anzuhiehen, "na die Handschuhe werden ja wohl kein Problem sein - die sind doch nur zu Faul dafür" denke ich schon, daß zumindest FALSCHE Erwartungen an die Kita gestellt werden.

Dann kommt dazu, daß man sich als Erzieherin ja nicht nur mit Pflegerischen Aufgaben abgibt.
Bei uns lief ein spezielles Sprachprogramm für die Vorschüler was täglich stattfand. Dazu kommt das tägliche Angebot für die Gesamtgruppe, Nachmittagsangebot wie Englisch, musikalische Früherziehung und Kreatives Arbeiten an 3 Nachmittagen der Woche, Ausflüge und Exkursionen, die Hausaufgabenbetreuung am Nachmittag, jeden Morgen ein Morgenkreis und nicht zu Vergessen die Büroarbeiten (ist auch nicht gerade wenig).
Dann stehen immer feste Jahreszeitliche Dinge und da Sommerfest der KiTA an.

Jedem sollte da klar sein, daß da keine Einzelförderung oder Sonderwünsche mehr möglich sind.

Also, natürlich dürfen die Eltern den Anspruch für gute Arbeit an eine KiTA haben, jedoch manchmal vielleicht auch schauen, was unter diesen Rahmenbedingungen überhaupt möglich ist.

LG Peppa

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Sag nur PisaStudie und Bildungsleitlinien.........#augen

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Ja, davon kann ich auch ein Lied singen.

Habe in einem eingruppigen Kindergarten gearbeitet. War also einer vom uns krank oder auf Fortbildung etc. war der Kindergarten nur noch mit einer Person besetzt.

Da stellen allein die vorgeschriebenen Pausenzeiten ein riesiges Problem dar. Nicht selten hat einer von uns von 7 uhr bis 16 Uhr ohne Pause durchgearbeitet, da es nicht anders zu machen war.

Bildungs- und Erziehungsplan?!? Gerne hätten wir viel mehr davon umgesetzt, dann das ist ja eigentlich der Kern unserer Arbeit und der Grund diesen Beruf zu wählen - Allerdings stößt man bei diesem Personalschlüssel immer wieder an seine Grenzen.
Zudem wurde bei uns die Altersspanne immer größer, Zweijährige brauchen nunmal mehr Aufmerksamkeit und auch die Schulkinder die für die Hausaufgaben dazu kamen. Diesen Spagat zu schaffen und trotzdem noch allen Kindern gerecht zu werden war manchmal extrem schwierig.

LG Peppa

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