Wer war bei einem FA für Phoniatrie oder beim Logophäden?

Hallo,

unser Sohn ist 5 und sprach bisher immer etwas undeutlich.
Er redet gerne und viel :-), verschluckt jedoch das R und hatte schon immer Schwierigkeiten "S" und "SCH" deutlich zu unterscheiden. Unser KA hielt es bisher immer für "normal", jeder kann ihn verstehen. Zudem hat er immer Fortschritte gemacht.
In den vergangenen Wochen gibt es diese aber nicht mehr. Er spricht nicht besser, im Gegenteil, er spricht wie immer gerne und viel und beginnt sich zu verhaspeln. Er stottert nicht, ich würde es eher als ein Stammeln beschreiben, er hat Schwierigkeiten den Satz zu Ende zu bringen.
Persönlich bin ich überhaupt kein Freund von unnötigen Therapien und finde es ganz furchtbar Kinder wegen dem kleinsten nichteinhalten irgendeiner Norm zu therapieren.

Unser KiA sieht dies ebenso. Wenn wir jetzt allerdings zu einem Logophäden gehen, wird er ganz bestimmt behandeln wollen. Was macht den der Facharzt für Phoniatrie? Kann man sich dort wegen einer ganz "normalen" Sprachentwicklungsverzögerung schon hintrauen oder ist das für ihn Pillepalle?
Ich möchte das ganze einfach von einem unabhängigen Arzt prüfen lassen und halte hierfür den Kinderarzt zwar als erste Anlaufstelle für OK, aber letztendlich fehlt ihm hierfür doch vielleicht die Erfahrung.

Danke fürs durchlesen & eure Erfahrungen!

1

Hallo,

ich war mir bei meinem Sohn auch unsicher und habe einfach bei zwei Logopäden angerufen und nachgefragt. Und ich habe von beiden die gleiche Aussage erhalten:
(mein Sohn ist gerade vier geworden und konnte R, S und SCH nicht - R kann er mittlerweile)
Beim R sollte man mit ca. 4,5 Jahren anfangen, nachzuhelfen. Die Zischlaute (S, SCH...)haben länger Zeit. Bis Schulanfang soll auf jeden Fall jeder Laut klar und deutlich sein.
Eine hat mir auch Tipps gegeben: Kinder lernen diese Buchstaben durch Lautmalerei. Um R zu üben, sollen sie gurgeln.
Für S etc. Schlange spielen, Zug imitieren....

LG

5

Vielen, vielen Dank für deine Antwort!

2

Hallo!

Mein Sohn ist deutlich jünger, hat aber eine Sprachentwicklungsverzögerung (Wortschatz ca. 25 Wörter).
Wir haben eine Überweisung vom HNO-Arzt für die Pädaudiologie bekommen. Die KiÄ wollte auch noch abwarten. Aber da ich gemerkt habe, dass André darunter leidet, sprachlich nicht fit zu sein, wollte ich nicht einfach nur abwarten und nichts tun.
In der Pädaudiologie wurde er von einer HNO-Ärztin untersucht und es wurden Polypen und ein Paukenerguss festgestellt. Deswegen wurde er gestern erfolgreich operiert.
Außerdem wurde André von einer Logopädin getestet. das Sprachverständnis war sehr gut, aber die Sprachproduktion...naja, kein Kommentar #heul Außerdem wurde festgestellt, dass Andrés zungen- und Lippenmotorik nicht gut ist (myofunktionelle Störung). So eine Vermutung hatte ich allerdings auch schon. Ein Hörtest wurde auch noch gemacht, aber schnell abgebrochen. André hat beim Test der Logopädin gemerkt, dass er nicht das kann, was er können sollte und war extrem frustriert über sich selber. Beim Hörtest hat er dann abgeblockt, obwohl ich (und auch der Arzt) an der Mimik gesehen habe, dass er alles hört.

André geht zur Logopädin - und das sehr sehr gerne. Da er ein starkes Störungsbewusstsein hat, also weiß, dass gleichaltige Kinder viel mehr sprechen und er nicht das sagen kann, was er will, war es wichtig, zu reagieren. Wir haben ihn nie unter Druck gesetzt, aber er ist insgesamt sehr sensibel und will von sich aus alles richtig machen. Das erschwert es natürlich noch. Auch wenn es ansonsten gut ist.

Lass Dir vielleicht mal eine Überweisung zur Pädaudiologie geben. Das sind ja unabhängige Fachleute, die an einer möglicherweise notwendigen Therapie nichts verdienen. Ich denke, es ist wichtig, in nächster Zeit eine Diagnostik machen zu lassen, damit Du nicht irgendwann darüber nachdenkst, ob Du nicht vielleicht zu spät reagiert hast.

LG Silvia

3

Hallo,

ich bin zufälligerweise Logopädin und versuche dir mal als "Fachfrau" zu antworten. Das dein Sohn mit 5 Jahren das s und sch nicht auseinanderhalten kann ist nicht weiter tragisch. Die Kinder haben oft Probleme diese Laute zu bilden, es sind auch mit die schwersten im Deutschen. Das mit dem R müsstest du mal näher beschreiben, was heißt er verschluckt es? Bildet er es gar nicht? Oder ersetzt er es, macht z.b. für R immer H oder so?
Ich würde das Kind einer Logopädin vorstellen, erstmal zur Diagnostik, eine vernünftiger Logopädin, sagt dir ob Therapie nötig ist oder nicht. Niemand sollte einem Kind eine Therapie aufdrücken, das keine nötig hat.
Ich habe nur leider seeehhhr oft erlebt, das die Kinder beim Schuleintritt, bzw kurz danach echte Probleme wegen diesen anscheinlichen "Kleinigkeiten" bekommen und dann bricht so einiges zusammen. Dann macht man sich Vorwürfe, warum man sich nicht früher gekümmert hat undundund.
Und von uns Therapeuten wird dann erwartet, das ganze so schnell wie möglich "wegzumachen", was natürlich nicht geht.
Lieber einmal zuviel als einmal zuwenig nachsehen lassen.
Kannst dich gerne bei Fragen an mich wenden
Liebe Grüße Melanie

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Hallo,

ich bin zwar keine "Fachfrau" aus beruflicher Sicht, aber mittlerweile "Fachfrau" als Mutter einer Tochter mit einer Sprachentwicklungsverzögerung und mittlerweile 3 jähriger Logopädie-Erfahrung und sonstigen "Untersuchungen drumherum".

Dem Beitrag von Melanie (als "echte" Fachfrau ;-)) kann ich nur zustimmen.
Ich denke schon, dass Du Dein Kind einer/einem Logopädin/Logopäden vorstellen solltest. Hier würde ich mich mal umhören, wer speziell mit kleinen Kindern arbeitet. Ein erfahrener Logopäde sollte schon feststellen können, ob Dein Sohn einfach nur ein bißchen "Nachhilfe" braucht oder ob tatsächlich ein Problem mit dem Hören oder Hörverarbeitung vorliegt.
Dann wird Dir eh geraten, einen Facharzt aufzusuchen.

Sollte er nur ein wenig "Nachhilfe" benötigen, ist die Zeit der Therapie ja in etwa absehbar; ich halte auch nichst von "unnötigen" Therapien, aber lieber jetzt schon mal, als dass es später in der Schule Probleme geben sollte.

Ich kann und will natürlich keine Diagnose stellen, aber im Moment hört es sich für mich nicht nach einer Sprachentwicklungsverzögerung an, undeutliche (verwaschene) Aussprache kann z.B. auch von einer schwachen Mundmuskulatur/-motorik kommen - aber wie gesagt, das würde ich von einem Logopäden abklären lassen.

Bei einem Facharzt für Phoniatrie/Pädaudiologie wird nicht nur das Hörvermögen sondern u.a. auch die Hörverarbeitung getestet; Pillepalle sollte es für einen guten Facharzt nicht geben, da gehst Du mit einer Überweisung hin und dann macht er seine Arbeit.

Ich wünsche Euch alles Gute,
Gruß
Martina

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