Hin -und Hergerissen

Hallo liebe Alle,

ich habe ein Anliegen und möchte die konservativen Moralapostel bitten, nicht zu hart mit mir ins Gericht zu gehen.

Also kurz zu mir. Ich bin 41 Jahre alt und mit meinem Mann seit 25 Jahren zusammen und davon 13 Jahre verheiratet. Unser Kind ist erwachsen. Wir führen eine sehr gute Ehe. Er ist ein liebevoller Mann, zuvorkommend und legt mir die Welt zu Füssen. Diese Enge nimmt mir den Atem. Natürlich haben wir bereits viel darüber geredet und er lässt mir meine Freiheiten. Aber die Freiheit, die ich gerne hätte, kann ich ihm nicht sagen und er würde das niemals akzeptieren.

Ich hatte zwei Affären, die kurz waren und die ich von mir aus beendet habe. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich kein großartig schlechtes Gewissen hatte. Ich kann Sex und Liebe wunderbar trennen. Anscheinend wäre ich perfekt geeignet für eine offene Beziehung. Aber darauf würde sich mein Mann niemals einlassen. Dazu kommt, das ich experimentierfreudig bin. Das liegt ihm nicht wirklich und unser Sex ist zwar schön, aber immer vorhersehbar. Nach so vielen Jahren sehnt man sich doch mal nach anderer Haut. Dazu muss ich sagen, dass ich vor ihm keinen anderen hatte.

Unser Altersunterschied von 10 Jahren kommt uns leider auch in die Quere. Unsere Interessen unterscheiden sich massiv. Ich bin gern draußen und unternehmungslustig, reise gern. Aber das muss ich mit Freundinnen machen.

Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, wie ich aus diesem Teufelskreis rauskommen soll. Eine Trennung möchte ich eigentlich nicht, wir haben soviel zusammen aufgebaut und ich glaube, er würde untergehen.
Wenn ich mir selbst sage, ich mach das nie wieder, merke ich nach einer Zeit, dass ich wieder Lust darauf habe. Diese verbotenen Dinge reizen ungemein.

Steinigt mich bitte nicht. Ich möchte nur einen Rat von Außen.

LG

1

Liebst du ihn denn noch wirklich? Oder ist es eher eine bequeme Zweckgemeinschaft für dich geworden?

Häufig glaube ich dass Leute, die eine offene Beziehung wollen einfach gern einen anderen Partner hätten; dies vor sich selbst aber nicht zugeben können. (Natürlich nicht immer, für viele mag das eine erfüllende Beziehung sein)
Dass du keinerlei schlechtes Gewissen hast, ist irgendwie komisch. Und zwar nicht weil DU das trennen kannst, sondern deinem Mann generell gegenüber.

2

Ganz ehrlich? Ich weiß es nicht. Ich fühle mich ihm tief verbunden. Wir unterhalten uns gerne. Lachen zusammen. Haben unsere Rituale. Allerdings kann ich nicht sagen, ob es Gewohnheit oder noch Liebe ist. Wenn ich über eine Trennung nachdenke, kommen mir schon Tränen und ich fühle eine aufsteigende Panik.

8

Wessen Beziehung nach 25Jahren zumindest phasenweise eine liebevolle Zweckgemeinschaft geworden ist, der werfe den ersten Stein.

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Rede mit deinem Mann.... und zwar viel ... in deinem Alter an diesem Punkt zu sein ist normal.
Sehr viele Mensfhen öffnen die Beziehung, werden Swinger oder versuchen polyamore oder Freundschaft plus Konstrukte. Oder machen eine Paartherapie. Es gibt kaum andere Möglichkeiten.

Verurteile dich nicht dass du so fühlst ... nur dass du gelogen und betrogen hast.

Drücke Eich die Daumen einen ehrlichen Wegczu finden.

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Ich kann dir nur den Rat geben, dass du ihn fragen solltest...mir geht es genauso...Und das bei 14 jahren beziehung und 3 Kindern! Mein mann ist so wie deiner...Und weil ich ihn nicht verlieren möchte, habe ich ihn gefragt. Und ich hätte es nie für möglich gehalten, aber er sagte, dass er darüber auch schon nachgedacht hat. Nicht aktuell, aber vor Monaten...Wir haben nun die Einigung, dass wir nix davon wissen wollen wenn es mal passiert, aber das wir uns gegenseitig schöne Kontakte gönnen können! Alles Gute dir!

5

Du weißt also von vornherein, dass es sinnlos ist mit ihm zu reden.

Wenn das wirklich so ist, gibt es doch nur zwei Möglichkeiten:
Du betrügst ihn weiter.
Du betrügst ihn nicht mehr.

Ansonsten kann man dir nur den Rat geben, dir selbst gegenüber ehrlich zu sein und zu hinterfragen, warum du konkret an einer Beziehung unverändert festhalten möchtest, in der du nicht ehrlich sein kannst, Gespräche mit ihm von vornherein keinen Sinn machen, sich die Interessen massiv unterscheiden, der Altersunterschied ein Problem ist, die Enge dir den Atem nimmt und er im Gegensatz zu dir nicht experimentierfreudig ist und du nicht weißt, ob es nur noch Gewohnheit, Ritual oder Liebe ist. Du denkst nicht an Abwege, du betrügst ihn bereits. Es ist ja nicht mal mehr so viel Loyalität und Respekt da, dass du auch nur ein schlechtes Gewissen hast. Würde es dich eigentlich groß interessieren, wenn er dich auch betrügt?

Es ist also gar nicht so, dass in der Beziehung alles OK ist und dich nur die neuerdings so viel besungene Lust auf fremde Haut reizt. Da stimmt doch über die lieb gewonnene Gewohnheiten hinaus gar nichts mehr.

Ich würde tatsächlich - auch wenn du das für aussichtslos hältst- das Gespräch mit ihm suchen. Die Beziehung ist ja aus vielen Gründen nicht in Ordnung. Vielleicht erlebst du ja eine Überraschung und er ist zugänglich, nachdem er womöglich für sich früher entschieden hat, dass Gespräche mit dir sinnlos sind.

Die Vermutung, er gehe im Falle einer Trennung unter, erscheint mir als Ausrede, denn Tränen und Panik gibt es schon beim Gedanken daran auf deiner Seite. Einen Tod wirst du sterben müssen - oder du führst dein Doppelleben eben weiter.

Ob sich hier viele User beteiligen, wird sich zeigen, denn wenn von vornherein Forenteilnehmer so freundlich als "konservative Moralapostel" bezeichnet werden, vergeht so manchem die Lust an einem Austausch. Fehlende Loyalität ist kein Zeichen für eine freigeistige Einstellung, auf Verurteilungen kannst du verzichten, aber schönreden musst du dein Verhalten auch nicht.

6

Ergänzung:

Und ich würde mich fragen, welchen Anteil an deinen Wünschen diese Aussage spielt:
"Diese verbotenen Dinge reizen ungemein."

Ist es nicht mehr verboten, wäre der Reiz jedenfalls weg.

7

Danke für deine klare und konstruktive Kritik. Ich habe meinen Eingangssatz tatsächlich unschön gewählt. Sorry dafür. Ich verstehe Kritik und kann damit auch umgehen. Ich möchte diese nur in einem vernünftigen Ton haben.
Ich verurteile mein Handeln selbst und gestehe mir die Schuld ein.

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Ich plädiere auch für Reden trotz großer Skrupel. Dabei keine ich gar nicht, dass du die Affären beichten sollst, aber dein Partner sollte wissen, was für Sehnsüchte Du im Verborgenen mit dir herumträgst.
Ich glaube, es tut einer Partnerschaft nicht gut, wenn man anfängt, Dinge mit sich selbst auszumachen. Man schlägt ein Loch damit in die partnerschaftliche Intimität, aus dem langsam das Restleben, dass noch in der Beziehung steckt, herausrinnt und irgendwann bleibt nur noch Fassade und glaube mir, dein Partner wird das spüren, wenn vielleicht auch nicht begreifen, dass die Substanz verloren geht.
Ich meine, was hast du zu verlieren, wenn du dich erst Mal offenbarst? Wenn dein Partner deine Wünsche gar nicht nachvollziehen kann, dann kannst du danach immer noch entscheiden, wie du weitermachen möchtest, ob Du ihm zuliebe verzichtest oder dich aber trennst oder heimlich weiter machst. Aber er ist dann zumindest im Bilde und kann sich positionieren, was ich nur fair fände.

Vielleicht belebt ein solches Gespräch eure Beziehung auch wieder und ihr seht Euch danach mit ganz anderen Augen. Da gibt es ja einiges, mit dem du unzufrieden bist. Wäre doch cool, wenn da mal Bewegung reinkäme.

Sollte dein Partner dich wegen eines geäußerten Wunsches in den Wind schießen, tja, dann weißt du zumindest, dass ihr gar nicht so gut zueinander passt.

Fazit: Ich glaube, ihr beide könnt nur gewinnen, wenn ihr Tacheles redet, auch wenn sich der Gewinn vielleicht zuerst anfühlt wie ein Verlust.

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Ich kann jetzt aus Deinem Beitrag nicht erkennen, dass Du Deinen Mann nicht mehr liebst. Wohl aber verändert sich diese Zuneigung über die vielen Jahre und wenig bleibt wie es war. Nicht umsonst spricht man bei langjährigen Beziehungen, die immer diese unmittelbare Nähe hatten, von einer Vergeschwisterung der Partner. Das tiefe Vertrauen zueinander ist ein Wert an sich, demgegenüber das fehlende Abenteuer und Aufregende fehlt.

Betrug ist sicher keine dauerhafte Option, allein schon deswegen weil mit der Zeit die Möglichkeit zunimmt, dass es doch ans Licht kommt. Der potentielle Vertrauensverlust wäre ungleich höher und der Schaden eventuell schwerer zu richten.

Das Gespräch zu suchen ist nach so langer Zeit, in der Deine Vorstellungen nie ein Thema war, bestimmt eine hohe Hürde. Es kann aber lohnend sein weil sich aus dem Gespräch und dem Dialog neue Sichtweisen ergeben. Auch wenn Du kategorisch ausschließt, dass Dein Partner Deine Wünsche toleriert oder sogar akzeptiert.

Ein Gespräch kann außerdem den Vorteil haben, dass ich der Partner integriert fühlt in Deine Gedanken- und Wunschwelt. Und selbst wenn er erstmal, wie von Dir vermutet, komplett ablehnend reagiert, so ist es doch ausgesprochen und man kann jederzeit wieder daran anknüpfen. Ich denke, zu einer respektvollen Partnerschaft gehört auch das Zuhören. Ein schlichtes Überhören der Gefühle des Partners ist ignorant.

Aber ich gebe zu, ein solches Gespräch zu beginnen, den richtigen Zeitpunkt und die richtige Gelegenheit zu finden, ist nicht unbedingt leicht.

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Ich denke hier kommst du mit Ehrlichkeit am weitesten. Du musst mit Ihm das Gespräch suchen und Ihm deine Vorstellungen erklären und Ihn fragen ob es für Ihn eine Lösungen gibt mit der er zurecht kommen würde?

Andererseits wenn er das nicht möchte musst du für dich eine Entscheidung treffen mit was du besser leben kannst.

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Hallo ihr Lieben,

ich bedanke mich herzlich für eure Antworten. Diese Woche war sehr turbulent für mich. Mein Mann und ich haben geredet. Leider konnte ich nicht klar sagen, was genau ich möchte, habe es allerdings angedeutet.
Wir haben ganz viel geweint, auch er. Allerdings ist er nicht bereit, mich zu teilen. Kann ich auch verstehen. Er möchte mich auf keinen Fall verlieren und liebt mich über alles. Ich habe ihm gesagt, dass ich auch nicht gehen möchte.
Ihm geht es seitdem besser -so scheint es. Er ist bemüht. Er versucht mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen.
Aber nun geht's mir noch dreckiger. Ich bin so hin- und hergerissen. Gebe ich die Partnerschaft, die Sicherheit auf und lebe ein lustiges Singleleben und fröhne meiner Lust? Oder kann ich diese Sehnsüchte unterdrücken und wieder in mein Leben zurück.
Ich weiss es einfach nicht.

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