Angst vor Verschlucken

Liebe Community,

Ich habe furchtbare Angst dass sich mein Sohn an festem Essen verschlucken könnte.
Er ist 11 Monate alt und bekommt seit dem 6. Monat Beikost. Dies hat von Anfang an wunderbar funktioniert.

Nur leider habe ich wahnsinnige Angst vor dem nächsten Schritt mit festerem Essen/Stücken. Er hat sich irgendwann mal ein wenig verschluckt, wurde super rot/weiß fleckig im Gesicht. Seitdem bin ich sehr ängstlich.
Kleine Brotstückchen gehen super, er macht das toll. Das Problem ist MEIN Kopf. Wenn wir ihm die Stücke klein machen, geht es mit der Panik. Aber wenn ich was in die Hand gebe, ist es bei mir aus. Schweißausbruch, Herzrasen absolute Panik. Einmal musste ich weinen vor lauter Angst. Das dies für mein Kind nicht förderlich ist, ist mir völlig klar.
Das Schlimmste daran ist, ich bin Kinderkrankenschwester und weiß eigentlich was im Falle des Falles zu tun ist. Habe in meinem Beruf schon öfter mit heiklen Situationen zu tun gehabt und versorge intensiv medizinisch. Aber bei meinem eigenen Kind bin ich plötzlich so schwach und verletzlich.

Hat jemand Tips wie ich besser damit umgehen kann/die Angst ablegen kann? Schließlich soll er nicht mit 18 noch Brei essen🙈

Danke schonmal im Voraus

1

Ich hatte und habe auch immer Angst vorm Verschlucken. Mir hat es geholfen dass ich immer mundgerechte Stücke, eher zu klein, als zu groß gereicht habe. Eine ganze Kartoffel oder Brötchen habe ich nicht gegeben. Daran hat sich meine Tochter öfters verschluckt. Sie hat dann die halbe Kartoffel in den Mund gestopft. Die mundgerechte Stücke kann sie super mit der Hand greifen. Und dann fange mit weichen Sachen an (Himbeeren, weiches Brot, gedünsteten Gemüse, Banane, Nudeln, Kartoffeln usw.) Du siehst dann ja wie sie damit klarkommt. Ich habe auch erst mit 11 Monaten mit Brot angefangen, der Übergang zum Mitessen am Familientisch ging dann aber recht schnell. Am Anfang haben wir auch Brei und Fingerfood kombiniert. Erst konnte sie alleine ihr gedünsteten Gemüse essen und danach gab es noch Brei zum sattessen. Rohes Gemüse musst du übrigens noch überhaupt nicht anbieten. Mach ganz langsam und lass dich nicht beirren von Trends wie BLW. Das Ziel ist ja, dass dein Kind irgendwann regulär und ausreichend am Familientisch Mitessen kann und nicht so früh wie möglich nur noch stückige Kost bekommt. Für den Übergang macht es sicher auch eine Mischung. Und ganz ehrlich, dein Kind ist ja erst 11 Monate. In den nächsten 2 bis 3 Monaten wird sich noch super viel in Sachen Familienessen entwickeln.

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Wie ist es denn, wenn du ihm das feste Stück fütterst, also du hälst es und schaust, dass er nicht zu viel abbeist?
Unsere Tochter findet das gut und ich weiß immer, wie groß das abgebissene Stück ist, auch wenn sie dann mal komisch guckt oder ein bisschen würgt.
Wenn das mit den Stücken und dem Abbeißen an sich klappt, kannst du ja mal ihm die Führung überlassen.

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Im Endeffekt ist es halt so, dass er es ja irgendwann lernen muss. Kein Kind wacht morgens plötzlich auf und kann einfach so problemlos feste Nahrung essen. Das ist ein Lernprozess, den man eben auch unnötig nach hinten schieben kann. Der Vorteil bei den kleineren ist, dass der würgereflex noch sehr weit vorne ausgelöst wird. Das heißt, sie husten zwar schneller mal rum, verschlucken sich aber eben dadurch deutlich seltener (husten ist nicht verschlucken).

Ich glaube tatsächlich, dass man da als Mama aktiv an sich selber arbeiten muss, damit diese eigenen Ängste nicht die Entwicklung des Kindes einschränken. Bei dir ist es das Essen, bei mir waren es die klettergerüste. Da stand und stehe ich auch teilweise daneben und möchte sie am liebsten runterreißen. Mache ich aber nicht. Zur Not mache ich kurz mal die Augen zu und atme tief durch oder ich frage Freunde oder den Papa, ob sie kurz schauen können.
Und das würde ich dir auch raten. Lass ihn mal mit dem Papa zusammen essen oder der Oma oder so. Deine Panik überträgt sich nämlich auch auf das Kind, ob du willst oder nicht. Vielleicht merkst du dann, dass er es schon ganz gut kann und kriegst mehr vertrauen in ihn.

Zusätzlich kannst du ihm auch solche Hirsekringel geben. Damit kann er üben abzureißen, sie lösen sich aber innerhalb von Sekunden im Mund auf.

Unsere Tochter hat übrigens ab 6 Monaten feste Nahrung bekommen und sich nur 2-3 mal am Anfang so verschluckt, dass ich das Gefühl hatte eingreifen zu müssen. Vielleicht hätte sie es auch selber geschafft. Die kleinen lernen das einfach super schnell, wenn man sie lässt 😉

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Halte dir am besten vor Augen, dass selbst verschlucken ein Entwicklungsschritt ist. Diese Erfahrung werden sie früher oder später sowieso machen. Ich gehe davon aus, dass du einen Erste-Hilfe Kurs für Babys und Kleinkinder schon gemacht hast aufgrund des Jobs? Dann ist es ja umso besser, dass du weißt was zu tun ist wenn was "schlimmes" passiert. Versuch dir immer selber zu sagen, dass du gewappnet bist für die Situation und diese auch meistern wirst. Probiere am besten mal aus, was dein Kind besser essen kann, kleine Stücke oder eher als ganzes geben, denn auch da sind große Unterschiede von Kind zu Kind. Taste dich langsam ran, dann wird das schon :-)

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Das klingt sehr hart und man spürt, dass du eigentlich weißt, was für dein Kind das Beste ist (nämlich freies erkunden von geeigneten Lebensmitteln in einer entspannten Atmosphäre), es dir aber sehr schwer fällt. Kann es sein, dass du durch deinen Beruf zu viele negative Erfahrungen mit dem Thema gemacht hast?

Ich kann dir nur empfehlen, dich zum Thema Baby led weaning einzulesen. Da erfährt man nicht nur viel darüber, welche Lebensmittel auf welche Art am besten geeignet sind, sondern es wird auch viel zu einer sicheren Sitzhaltung erklärt (Fußstütze ist zum raushusten sehr wichtig) und es wird darauf eingegangen, auf welche Art Babys sich selbst (z.B. durch frühzeitiges würgen) vor dem ersticken effektiv schützen. Das könnte dir etwas Sicherheit geben.

Ansonsten fürchte ich, musst du da deinem Baby zuliebe durch. Ganz nach dem Motto "Angst wird stärker, wenn man auf sie hört, Angst verschwindet, wenn man sich ihr entgegen stellt". Wenn du es durchhältst bin ich überzeugt, dass es von Mal zu Mal leichter wird, weil deine Emotionen sich beruhigen können mit "beim letzten Mal ist auch nichts passiert".

6

Lass es den Papa machen. :-)

Bei uns sind die Rollen umgekehrt: Der Papa stirbt tausend Tode, wenn das Kind hustet/röchelt, während ich es einfach nehme und umdrehe.

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Danke für eure Erfahrungen und Tips!
Werde versuchen ruhiger zu bleiben um es nicht auf ihn zu übertragen. Und hoffe dass es mit der Zeit einfach besser geht.

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