Mein Freund, echt ohne Worte

Hallo,

ich bin Coco, 33 Jahre alt und es ist zwar nicht direkt ungewollt, mein Freund und ich sprachen uns ab und wir beide waren dafür in spätestens ein paar wenige Jahre Kinder zu bekommen, aber geplant war es nun wirklich nicht und auch wenn es mir nicht gerade passt, freue ich mich sehr auf mein Kind.

Er, 29 Jahre, jedoch änderte sich plötzlich als ich ihm davon berichtete. Er sagt, er komme damit nicht klar ich solle abtreiben blablabla. Etliche Diskussionen weiter, auch nach dem Termin bei Pro Familia hat scheinbar nichts gebracht. Ich sagte ihm, selbst wenn ich es wollte, könne ich nicht abtreiben, weil ich mir für den Rest meines Lebens Vorwürfe machen werde und ich keine Lust habe einen Knacks für den Rest meines Lebens zu haben. Wir führten wirklich viele und lange Gespräche.

Mittlerweile denke ich, er lügte mich wohl an, er will gar nicht reden und vor allem, seine Liebe zu mir war wohl mehr geflunkert. Klar spielt es sicher auch eine Rolle, dass er kein bisschen Rücksicht auf mich nahm, seitdem er weiß, dass ich ein Kind erwarte.

Irgendwie bin ich ziemlich sauer. Ich dachte jetzt schon mehrfach, ich wäre darüber hinweg, immerhin bin ich schon lange Erwachsen. Vllt hat er einfach zu viel versucht zu tricksen und ich bin keines Weges blind. Wohin nur mit meiner Wut ?

Ich meine, ich bin dennoch ziemlich ruhig. Hatte ihm gesagt in höflicher Form wie ich fühle und so und auch wenn ich ihn liebe jetzt Schluss ist, weil ich seine unreife Art und sein "selbstbezogenes" Ego nicht mehr ertragen will und kann, und dass er erst gar nimmer kommen braucht, weil es von meiner Seite aus keine zweite Chance geben wird.

Es fühlte sich sehr befreiend an, endlich kein Stress mehr von seiner Seite aus zu bekommen. Allerdings schleicht sich ohne das ich es möchte die erwähnte Wut ein. Ich staune nicht schlecht über manche meiner Gedanken bei denen ich mich ertappe. Vermutlich ist es irgendwo auch normal, dennoch würde ich es gerne schaffen diese Wut komplett beiseite zu schieben, immerhin mag ich mein Leben leben und mich gedanklich nicht immer wieder mal daran zu denken, wie sehr ich ihn dafür verachte und so manches anderes..

1

Hallo Coco,
gut ist schon mal, dass du die Wut bemerkst!
Und dass du offensichtlich die richtigen Schlüsse gezogen hast. Es war dir schon länger mulmig und im Zusammenhang mit dem Kind wurde dir nun sehr deutlich, worum es ihm ging. Das macht natürlich traurig und auch wütend.
Aber nun fühlst du dich erstmal befreit. :-D
Die Wut schleicht sich immer wieder ein. Woher kommt sie? Wohin mit der Wut?
Wahrscheinlich wird dieses Gefühlsmischmasch eine Weile lang so bleiben oder immer wieder kommen. Damit du diese Zeit verarbeiten und abschließen und gut weitergehen kannst.
„Wut muss raus“ – sagt man ja immer. Oder hört man.
Halt möglichst ohne jemanden (auch nicht sich selbst) zu beschädigen.
Aufschreiben ist schon mal gut. Worte finden. In Worte fassen.

Aber auch körperlich „abarbeiten“. Hast du da Möglichkeiten?
Bis du deine Kraft wieder spürst und dann auf das richten kannst, was dir wichtig ist.
Ich fand mal superstark, Sandsack zu boxen.
Aber auch einfach Laufen oder irgendeine Bewegung, die Kraft braucht.

Und dann kommen auch neue Gedanken, und das, was man will und nicht mehr will, wird klar.
Und ein Schmerz wird sicher auch dabei sein und die Wut auf dich selbst, wie du nur konntest ...
Das braucht auch Zeit, bis man mit sich selbst wieder „friedlich“ ist. Vielleicht magst du den Gedanken: „Was ich jetzt kann, konnte ich halt nicht früher.“ Das versöhnt einen mit sich selbst.
Du richtest dich jetzt auf das Kind aus. Da kann durchaus manches „beschleunigt“ in Ordnung kommen für dich, weil du einfach gar keine Zeit hast, dich länger aufzuhalten.
Aber wegschieben würde ich die Wut nicht.
Sie ist zu wertvoll und zeigt uns was über uns selbst.
V.a. unsere Kraft. #huepf
Liebe Grüße von Kyra

2

Sehr schön geschrieben Kyra!
Ich würde auch das rauslassen empfehlen: Brief schreiben (und nicht abschicken!), Sport, mit Freundinnen mal ein Abend sich auskotzen..

Ich hab Ähnliches hinter mir. Und er hat sich per WhatsApp getrennt mit netten zusätzlichen Worten.. ich war soooo sauer, und hab drauf gehofft, ihn endlich mal wieder zu sehen, um ihm all das sagen zu können, und weisste was? Es ist erstaunlich, wie die Zeit heilen kann.. nach 4 Monaten war mir ein Treffen mit ihm egal, ich war froh, dass ich meine Ruhe hatte. Die Wut war verraucht..

3

Die Wut wird nicht weggehen.

Sie ist mal besser mal schlechter.

Nur in allen Situationen in denen du alleine bist, andere dich nicht als vollwertig anerkennen weil du „nur“ alleine mit deinem Kind bist, dich überfordert fühlst, immer mehr leisten musst weil man ja schon erwartet dass du es nicht schaffst, dein Kind krank ist und du Daheim bleiben musst, du alleine 70 Ferientage abdecken musst, finanziell alles alleine wuppen musst und am Ende darf der Papa kommen wenn/wann er will und ein vollversorgtes, genährtes, erzogenes Kind bespassen.

Also rappelt euch zusammen denn so ein Leben macht keinen Spaß.

5

Hallo Sumsum,

nun, ich bin bereits Mutter. Mit 18 bekam ich meinen Sohn und ich kann davon berichten, es war manchmal wirklich nicht leicht, man hatte begleitete Jugendamttermine, damit der Vater ihn sehen konnte und es folgten mehrere Gerichtsverhandlungen.

Dennoch kann ich im Großen und Ganzem sagen, da ich meinem Sohn von Anfang an über alles was geschah ehrlich berichtete und ich ihm den Raum gab sich seine eigene Meinung zu bilden, habe ich in der Hinsicht eher weniger Probleme gehabt.

Warum sollten Ferientage ein großes Problem darstellen ?
Wenn ich mich doch dafür entscheide es zu bekommen, dann muss ich auch dafür sorgen, ausreichend geplant zu haben damit Kind gut versorgt ist.

Ich bin einfach sehr enttäuscht gewesen. Klar falle ich für mindestens 1-3 Jahre weg vom Beruf. Dennoch wäre es schön gewesen mit dem Mann den ich liebte. Man hätte sich auch einfacher organisieren können, aber vermutlich ist das nur eine Träumerei, wenn ich so manche Paare sehe, bin ich doch ganz glücklich alleine zu sein

7

Hallo,

da man hier meist nur Posts ala „alles ist möglich wenn man will“ liest wollte ich ein bisschen Realität reinbringen.

Natürlich versucht man alles und gibt sein Bestes. Ich bin seit Jahren in der selben Situation und als Alleinerziehende sind es selten die Schwierigkeiten zuhause sondern die einem von außen gemacht werden.

Und da haben wir aus den Vollen geschöpft (leider). 🙈
Und heute ärgert es mich noch nachträglich dass soviel verlangt wird und es alles als selbstverständlich angesehen wird.
Daher schreibe ich gerne etwas dazu wenn es darum geht dass sich Frauen bewusst in so eine Lage bringen.

Natürlich kannst du besser einschätzen wie es wird bzw. aus deinen Erlebnissen raus handeln.

Für deinen Weg wünsche ich dir auf jeden Fall das Beste und wenig Steine 😊

4

Hallo,

Bei deiner Sitaution heißt es wirklich nur abwarten, du brauchst Zeit, denn nach einer Zeit heilen deine Wunden immer mehr und immer mehr. Deine Wut wird nach einer Zeit hoffentlich weniger werden, irgendwann lachst du ihn aus, spätestens dann wenn du dein Kind das erste mal laufen siehst, den DU darfst die ersten Schritte erleben. Denn Alleinschon nach der Geburt und du dein Wunder anguckst, bist du in dem Moment der glücklichste Mensch auf dieser Welt, was dir keiner nehmen kann. Ich spreche aus eigener Erfahrung, ich hatte nie wirklich einen Vater, wie meine Schwestern, meine Mutter kannte ihren Vater nicht, aber durch die Mutterliebe merken wir gar nicht, dass irgendwas fehlt. Ich wünsche dir viel Glück, hör auf dein Herz und lass los mit diesem Mensch. Achte mehr auf die positiven Aspekte, für Negative haben wir in diesem keine Zeit für. Liebe Grüße ❤️

6

Danke, vielen Dank

Ja, tatsächlich klingt meine Wut langsam ab. An dem Tag wo ich das Thema erstellte hatte ich den Entschluss gefasst ihn zu blockieren und zu ignorieren und ich merkte, wie weh es tut von jemanden allein gelassen zu werden, der meint sein Herz würde nur für mich schlagen..

Ich finde es toll, wie gut ihr durchs Leben kommt #herzlich
-----------------------


Ich möchte mich hier auch an Alle bedanken. Eure Antworten haben mir geholfen ein Stück weit über ihn hinweg zu kommen. Vielen vielen Dank#herzlich

9

Glückwunsch. Find es super dass du es geschafft hast. Wie weit bist du denn jetzt schon? Und wie geht es voran?

ps. hab deinen letzten Post zu spät gelesen umso mehr freu ich mich dass du so entschieden hast. Immer öfter hört man von Schwangeren dass der Vater das Baby nicht will, teilweise zur Abtreibung fordernd usw. da kommt mir echt die Galle hoch.

Alles Gute dir/euch. 🌹🌞

8

Hallo Liebes,

ich kann dich sehr gut verstehen. Mein Freund hat auch sofort aggressiv reagiert und mich gedrängt dann (wenn es dann so sei) abzutreiben.

Ich denke jede Frau, wirklich jede schwangere Frau, sollte das ganz für sich entscheiden. Er hat gewusst was er tut und nun so zu reagieren ist nicht okay.

Er sollte dich lieber unterstützen und ein vernünftiges Gespräch mit guten Argumenten suchen.
Aber lass dir bitte nichts einreden. Ich würde ein Kind auch nicht wegmachen um mir dann ewig vorzuwerfen was ich nir getan habe.

"Die Wahrheit ist, die Männer bleiben meistens nicht bis ans Ende unseres Lebens,so schade es ist,aber unsere Kinder haben wir für immer."
Das hat mir mal eine Frau gesagt,die diese Situation auch durch hatte. Sie hat jetzt eine wundervolle 8 jährige Tochter.

ganz liebe Grüße

Top Diskussionen anzeigen