Gleichgültigkeit

Hallo zusammen! Mein Thema passt nicht ganz in dieses Unterforum, aber es ist mir irgendwie unangenehm.
Mein Mann und ich befinden uns nunmehr im 13. ÜZ. Am Anfang, als der Entschluss noch neu war, ein Kind zu bekommen, waren wir beide Feuer und Flamme. Mittlerweile sehe ich das Ganze nicht mehr so rosig. Ich habe mir von Anfang an keine Illusionen darüber gemacht, wie anstrengend nicht nur die Schwangerschaft, sondern vor allem das Elternsein ist, ich habe in unserem Freundeskreis genug Beispiele und Kinder nahezu aller Altersstufen. Wieviel Verantwortung das bedeutet und wieviel Einfluss es auf das bisherige normale Leben hat. Aber schon vor zwei Monaten kam ich an einen Punkt, indem ich am liebsten wieder mit der Pille angefangen hätte. Ich wollte kein Kind mehr, allein der Gedanke daran machte mir Angst und mich auch ein wenig zornig. Ich war mit mir nicht im Reinen, mit mir persönlich nicht und mit meinem Job auch nicht. Ich fühlte mich orientierungslos und der Gedanke, einen kleinen Menschen dabei zu haben, für den ich Verantwortung habe und dem ich eine Richtung und Werte und Selbstachtung und alles vermitteln soll, löste in mir Panik aus. Ich kann das nicht! Nicht jetzt! Und nicht in ein paar Jahren! Am besten nie mehr!
Mein Mann sah das nicht so eng, er meinte, wir könnten natürlich auch wieder Pause damit machen, aber er würde sich schon freuen und alles würde sich ergeben, wenn das Kind erst einmal da ist.
Heute habe ich keine Panik mehr. Sie ist eher einer Art Gleichgültigkeit gewichen. Ich habe das Gefühl, dass es vorherbestimmt ist und ich mich in einer Einbahnstraße befinde. Ich tu aktiv alles dafür, schwanger werden zu können, einfach, weil es so sein muss. Ich habe keine Ahnung, inwieweit ich mich selbst dabei verliere oder finde. Ich will nicht nur Mutter sein, auch wenn das sicher nicht weniger anspruchsvoll ist, als mein normaler Job...
Wir wollten schon immer mehrere Kinder, aber warum geht es mir so schlecht mit dem Gedanken? Ich kann mir diese Zukunft nicht vorstellen, ich warte einfach, wie die Dinge sich entwickeln und habe das Gefühl, eh nichts mehr selbst bestimmen zu können. Klar, könnten wir aufhören mit Üben, aber das widerspräche unseren Plänen und den Erwartungen von uns selbst und allen anderen. Das würde keiner verstehen. Und ich hätte das Gefühl, schwach zu sein, es nicht durchziehen zu können. Aber wenn wir es tun, so mein Gefühl, würde ich mich selbst (wer bin ich überhaupt, was will ich, wohin und wann, etc.?? Keine Ahnung...) nicht mehr finden und verwirklichen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Erfüllung nicht im Nur-Muttersein liegt!

Habt ihr ein paar Gedanken dazu? Gab es eine Zeit, in der es euch ähnlich ging?

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Hallo tjawasnun,

dazu könnte ich einen Roman schreiben!

Ich werd mal versuchen, Dir ein paar Inputs zu geben.

Von außen betrachtet ist es für mich auch nicht so oft schön, Eltern zu sein. Die (anderen) Knirpse beeinflussen den Rest Deines Lebens, rauben Dir den Schlaf, stellen Deine Beziehung auf Probe, nerven, wüten, müssen überredet werden, diskutieren, beleidigen, machen Sorgen...,

aber lieben Dich so sehr, wie Dich noch keiner geliebt hat (außer Deiner Eltern vielleicht). In den Augen Deines Kindes siehst Du Dich selbst! Du hast Gefühle, die Du bisher nicht kanntest. Jeder, der ein Kind bekommen hat, hat es nicht bereut! Ängste, Panik, nicht wissen, was auf einen zukommt ist dabei völlig normal. Mein Kind ist mit das BESTE, was mir je passiert ist. Er ist einfach wunderbar. Und andere finden ihn sicherlich auch nervig (von außen betrachtet eben).

Und es ist tatsächlich so, dass man da reinwächst und oft in der Mutterrolle aufgeht. Letztendlich ist Dein Leben auch nicht vorbei, sondern bereichert. Mit Hilfe von Babysitter, Oma usw. kann man trotzdem noch das Leben auskosten.

Bevor Du Dich aber ins Unglück stürzt, solltest Du

1. Deine Beziehung in Frage stellen (bist Du wirklich glücklich?)
2. eine Übungspause einlegen und klarstellen, ob Du wirklich JETZT ein Kind willst!

Wichtig ist:

es ist DEINE Entscheidung!!!

Niemand sonst kann sie treffen, darf darüber urteilen. Du musst also nichts "durchziehen", bist nicht schwach, sondern stark, wenn Du sie triffst!

Ich kenne einige Frauen, die bereits über 50 sind und nie Kinder wollten oder nicht den richtigen Partner hatten. ALLE bereuen es!

Nun noch zum Schluss:
Vielleicht spielt Dir auch Deine Psyche einen Streich (will Dich schützen), weil Ihr schon im 13. ÜZ seid!?

Ich drücke Dir die Daumen, dass Du DEINE Entscheidung findest & triffst und Du damit glücklich wirst!

Alles Gute

#klee

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Danke für diesen schönen Beitrag! :-)

Mein Hasi und ich haben eine wunderschöne Beziehung, er ist alles, was ich brauche und will und umgekehrt genauso ...jedenfalls wäre er ein hervorragender Schauspieler, wenn nicht, und ich habe ihn schon einmal Theaterspielen gesehen... ;-).

Da ist auch schon gleich so ein Punkt erreicht: ich habe nicht (mehr) das Gefühl, dass jemand fehlt. Ich fühle mich und uns nicht unvollständig. Ich muss uns und mir nichts beweisen, indem ich schwanger werde, und ich brauche keinen neuen Lebensinhalt.
Ich möchte mich aber auch nicht bewusst dagegen entscheiden, als wäre ich frustriert oder ein moderner Karrieremensch. Ich bin eigentlich ein Familienmensch und auch nicht mehr die Jüngste - wenn ich jetzt sage, ich will nicht und in zehn Jahren anfangen will und es dann zu spät ist, was mache ich dann?

Ich habe Angst, einen Fehler zu machen, egal wie ich mich entscheide. Ich bin mir sicher, dass ich mein Kind zwar nicht als Fehler ansehen werde, aber irgendetwas in mir rebelliert zu Zeit so sehr dagegen... :-(

Vielleicht wäre eine Pause wirklich das Beste, vor allem, um im Kopf neu anzufangen.
Das ist alles verwirrend.

Danke nochmal, LG

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Was du schreibst, ist schwarz-weiß-Malerei..keiner hat es je bereut, ein Kind bekommen zu haben.. alle, die aber keine haben, bereuen es in jedem Fall.. das stimmt so nicht.. es gibt genug Frauen, die hadern damit Kinder bekommen zu haben und bereuen es sogar, diese Bürde auf sich genommen zu haben..umgekehrt gibt es auch Frauen, die keine Kinder haben und damit sehr gut leben und glücklich sind.. und auch die Gefühle, die du beschreibst, sind wünschenswert, aber nicht immer gegeben..du schürst Erwartungen, die so nicht eintreten müssen

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hallo du :-)

ich kann deine achterbahnfahrenden gefühle ganz gut nachvollziehen! ich selbst habe erst vor ein paar tagen von meiner ss erfahren und war anstatt von freude nur von angst überwältigt. angst davor, dass ich das alles nicht schaffe und was wird dann aus mir und meinem leben? bin ich dann nur noch mutter oder darf ich auch noch frau sein? alles solche gedanken...10 minuten musste ich heulen, dann wieder 10 minuten lachen, wieder 10 minuten heulen, etc....

mittlerweile empfinde ich mehr stolz und vorfreude. sicherlich kann sich das wieder ändern aber was ich sagen will: man wächst doch mit seinen aufgaben! es gäbe wohl keine 7 milliarden menschen auf dieser welt, wenn deren eltern über jeden einzelnen nur gegrübelt hätten....manchmal müssen kinder einfach "passieren" :)

du brauchst nicht denken, dass du anderen menschen rechenschaft schuldig sein musst. selbst wenn du dich entscheidest keine kinder zu bekommen, ist das doch völlig in ordnung! das ist deine/eure entscheidung! keiner kann von dir verlangen, dass du kinder bekommst, wenn du es nicht möchtest und dich erstmal um dich selbst kümmern willst! versuche dich nicht unter druck zu setzen! es geht keinen anderen etwas an, wie du/ihr enstcheidet! klar, gibt es diese eingeschworene "mütter-mafia", die kinderlose frauen bemitleidenswert anschauen aber es sagt ja auch keiner was, dass sie kinder haben! man kann nicht von jeder frau erwarten, dass sie automatisch auch einen kinderwunsch hat. nicht jede frau verspürt diesen wunsch und das ist auch gar keine schande! :)

versuche einfach dich etwas zu entspannen, rede mit deinem mann und dann entscheidet nochmal gemeinsam wie euer weg aussehen soll! du scheinst weder neugierig noch abgeneigt einem eigenen kind gegenüber :)

alles gute!

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Danke für deine Antwort!
Ich denke, ich werde wahrscheinlich auch alles oder vieles anders sehen, wenn ich erstmal in anderen Umständen bin und wenn das Kleine dann auf der Welt ist. Zur Zeit fühlt sich diese Fokusverschiebung aber wie ein Ablenken von meinen Problemen und Verrat an mir selbst an. Klingt so hart... etwas in mir weigert sich, das als normal anzusehen und ich glaube, das ist nicht richtig....
Wenn ich mir einer Entschedung sicher bin, ziehe ich sie auch durch und lasse mir kaum reinreden. Aber hier bin ich mir nur unsicher. Ich wünschte wirklich, ich könnte diesen wirren Kopf und dieses Gefühls"chaos" einfach abschalten! Entspannung ist wohl wirklich angebracht. Wir fahren bald in Urlaub an die Küste, die Zeit könnte ich wohl sehr gut nutzen.
Danke auf jeden Fall für deinen Zuspruch!

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Liegt deine Gleichgültigkeit vielleicht daran, dass es mit dem schwanger werden noch nicht geklappt hat und du dich persönlich nicht unter noch mehr Druck setzen willst?

Ich habe drei Wunschkinder und hatte beim Üben der Kleinen jedesmal echt Muffensausen ob das alles so richtig ist...wie du schon sagst, ein Berg Verantwortung steht dir da bevor...

Aber spätestens mit Beginn der Schwangerschaft und der Geburt des Kindes, findet sich wirklich alles. Sorgen um das Kind, bedingungslose Liebe und Verantwortung harmonieren gut miteinander.

MfG

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ich kann dazu nur sagen : Lass dich einfach nicht drängen! Schon gar nicht von den erwartungen der anderen! bekommen sie das kind oder du?

"ich habe dann das gefühl es nicht durchzuziehen"

wie schlimm bitte ist es wenn du ein kind bekommst damit die anderen denken das du es "durchziehst"?

nimm es mir nicht übel aber ich finde du schreibst als seist du noch etwas "unreif" (nicht böse gemeint mir fällt nur kein treffenderer begriff ein)

Mein tipp:

Verhüte doch einfach nochmal ein paar monate und schau wie es dir dann damit geht!
Wenn du dann glücklich bist ist alles super und wenn du dann doch weider den wunsch nach einem Kind bekommst weist du auch bescheid!!!!

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Hallo amypower,
Es ist ja leider so, dass weniger die anderen Menschen mich drängen, als dass ich das schon selbst tu. Wahrscheinlich sehen das die anderen auch nicht so eng, aber ich fühle mich irgendwie "unter Zugzwang". Genauso das "Durchziehen": ich erwarte von mir selbst, dass ich meine Pflichten, seien sie natürlich oder von mir selbst auferlegt, effülle und Aufgaben halt durchziehe und nicht durch labile Momente einknicke. Aber wenn ich nicht mehr weiß, was ich will, was ich muss, was Sinn hat...?
Ich kann mich durchaus von außen betrachten und objektiv darangehen und würde mir wahrscheinlich auch die gleichen Ratschläge geben. Aber wenn man selbst in einem Knäuel unterschiedlicher Erwartungen und Gwfühle seckt, ist das schwieriger. Immer wieder verschiebt sich der Blickwinkel und mit ihm auch die Bewertung der Situation - von Freude zu Hoffnunglosigkeit zu Gleichgültigkeit zu Sicherheit zu Innerer Stärke zu Hilfebedürftigkeit, Alleinsein, Überforderung und so weiter.

Ich habe vorhin meinen Mann gefragt, was er fühlt. Er ist sich sicher, dass ein Kind, egal wann wir es bekommen, eine neue Facette unsere Lebens ist. Auch er vermisst nichts bei uns, dennoch sieht er dem Ganzen sehr optimistisch entgegen. Mein Fels in der Brandung...
Ich werde es weiter auf mich zukommen lassen, der Beginn des nächsten Zyklus dauert ja noch ein wenig.
Danke!

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Hallo!

Mir geht es ganz ähnlich, nur dass ich seit 10 Jahren nicht mehr verhüte. Ich denke, ich würde mittlerweile eher in Panik geraten, wenn es doch noch klappen sollte.

Irgendwo habe ich mich einfach damit abgefunden, dass es halt nicht sein soll, mich damit arrangiert, habe ein gutes Leben auch ohne Kinder, und der Gedanke an eine künstliche Befruchtung ist jetzt auch nichts, was ich unbedingt machen muss. eher noch eine Adoption, aber nicht unbedingt jetzt. Ich bin 33, also ein wenig Bedenkzeit habe ich noch.

Nur-Mutter würde ich sowieso nicht sein wollen, sondern ganz klar mein Kind sobald es vernünftig laufen kann in eine Krippe geben (und im Büro der Krippe wieder arbeiten wie jetzt). Ich liebe Kinder, aber ich muss nicht mehr auf biegen oder brechen eigene haben.

Ich glaube, das gehört ein Stück weit zur Verarbeitung, wenn es eben nicht klappt. Man kann nicht die nächsten Jahre immer heulend zusammen brechen, wenn man seine Tage bekommt, und auch Sex nach Fahrplan ist nun nicht wirklich ein Zukunftsmodell. Einfach weil man auch mal getresst ist wenn man Eisprung hat, und einfach nicht will.

Wenn es doch passieren sollte, naja, dann soll es so sein, und wir werden das schon hinkriegen. Aber ich muss mich nicht durch die Mühlen der Kinderwunsch-Industrie drehen lassen. Ich will keine Hormonspritzen, keine Eizellentnahme, keine ICSI. Wirklich nicht.

Ich sehe es also eher als gesundes Zeichen einer erfolgreichen Verarbeitung. Nach 13 Zyklen ist die Hoffnung sowieso nicht mehr soooo groß. Und nur aus Pflichtgefühl der Gesellschaft gegenüber brauchst Du auch keinen Sex nach Zykluskalender haben.

Wenn ich Dir etwas Raten darf: Schluss mit Zyklusblättern und Sex zum Eisprung, habt Sex wenn euch danach ist, und das in Stellungen die euch Spaß machen, nicht in welchen, die eine Befruchtung begünstigen. Nicht gleich die Pille nehmen, sondern einfach nur gelassen angehen lassen. Lass es den lieben Gott, das Universum oder das Schicksal entscheiden - und wenn es nichts wird, dann wirst Du auch leben.

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