Ja, ich habe mein Kind zur Adoption freigegeben!

Endlich habe ich ein Forum gefunden in dem man auch Anonym einfach mal drauf los texten kann. Wenn ihr diesen Beitrag angeklickt habt, habt ihr vermutlich direkt wieder weg geklickt da ihr vor lauter Text völlig die Lust zum Lesen verloren habt. Aber dieser Text ist auch ein Teil von meinem Buch an dem ich momentan schreibe. :-)

Ich habe mir lange, sehr lange, überlegt ob ich dies hier posten soll oder nicht. Während meinem Mutterschutz habe ich wie gesagt angefangen ein Buch zu schreiben, doch momentan komme ich nicht mehr weiter. Ich weiss selber nicht woran das liegt, habe irgendwie einen Schreibstau.

Warum genau im "Ungeplant Schwanger"-Forum, es ist nicht nur wegen dem anonymen schreiben.

Ende 14 wurde ich schwanger. Daraufhin trennte sich mein Freund von mir, und meine Mutter warf mich aus der Wohnung sie verwehrte jede Unterstützung. Zunächst dachte ich an Abtreibung.

Mit 13 Jahren hatte ich einen vier Jahre älteren Freund. Wenn wir zweimal allein sein wollten, durften wir dies weder bei seinen noch bei meinen Eltern. Auch zum Thema Aufklärung sagte meine Mutter damals: "Das wirst du schon irgendwie selbst herausfinden."

Ein Jahr später bekam mein Freund seine eigene Wohnung, und ich zog zu ihm. Leider konnten wir in unserer Beziehung nicht offen über alles reden. Und dann geschah das Unmögliche. Ich vermutete, schwanger zu sein. Lange ignorierte ich die ersten Symptome der Schwangerschaft, traute mich nicht, mit irgendjemandem darüber zu reden. Ich war hin- und hergerissen. Warum? Ja, diese Frage stelle ich mir noch heute. Mögliche Gründe hierfür könnten sein: Ich konnte mir ein Leben mit unserem Kind vorstellen. Es hätte alles so schön sein können. Er war fast fertig mit der Ausbildung und ich bald mit meinem Schulabschluss. Ich wollte diesem Kind Liebe geben …

Diese Gründe reichten aus, um meine Vermutung erst mal geheim zu halten. Der Gang zum Gynäkologen bestätigte dann meine Vermutung: Ich war Ende des dritten Monats schwanger. Was sich als sehr schwierig erwies, war, es nun kundzutun: meinem Freund, der sich daraufhin von mir trennte und mich aus der gemeinsamen Wohnung warf; meiner Mutter, die nur eiskalt sagte: "Ich will noch keine Oma sein. Falls du das Kind nicht abtreiben lässt, suche dir bitte eine eigene Wohnung, von mir kannst du keine Unterstützung erwarten."
Ich habe damals ein Praktikum als Krankenschwester gemacht – da traute ich mich auch nicht, jemandem zu erzählen, dass ich schwanger war.

Die schlimmste Vorstellung damals für mich war, 15/16 Jahre alt, alleinerziehend und ohne Freund, mit einem Beruf, in dem ich im Dreischichtsystem arbeiten musste.
Ich war hin und hergerissen zwischen behalten und abtreiben, das abtreiben wäre dann aber nur noch in Holland oder England möglich gewesen. Ich entschied mich dafür, mein Kind am Leben zu lassen und mich mit der Vorstellung auseinanderzusetzen, dieses Kind zur Adoption freizugeben. Wichtig war mir nur, mein Kind in liebevolle Hände und gesicherte Verhältnisse zu geben!! Wenn sich diese beiden wichtigen Punkte nicht ergeben hätten, hätte ich mein Kind allein großgezogen, wie auch immer.

Nach der Entbindung hatte ich acht Wochen Zeit, mir meine Entscheidung erneut zu überlegen, es war eine entsetzlich schwere Entscheidung, ich machte es mir wirklich nicht leicht. Hilfe von meiner Familie war nach wie vor nicht zu erwarten, der Vater des Kindes setzte mich enorm unter Druck, und finanziell hätte ich auch schlecht dagestanden. Nun wurde meine Tochter im Sommer 16 Jahre alt. Einer meiner größten Wünsche ist es, dass sie alle diese Gründe verstehen wird, warum ich sie damals weggab. Auch frage ich mich oft, was ich ihr damit wohl angetan habe und ob sie überhaupt davon weiss, ob irgendwann eine hübsche junge Frau vor mir steht und sagt „Mama“.
Ich muss meine Entscheidung akzeptieren und mit ihr leben. Unter den damaligen Umständen war diese Entscheidung die beste.

Seit der Schwangerschaft und vorallem seit der Geburt meiner zweiten Tochter (März 2012) ist alles nur noch viel schlimmer, die zwei sehen sich verdammt ähnlich und ich muss jedes Mal an sie denken. Es kommt alles wieder hoch, alte Erinnerungen usw.
Ich will und kann so nicht weiterleben, ich würde so gerne wissen wie es ihr geht, was sie macht beruflich, Ausbildung, Abitur etc.
Ganz schlimm ist auch, wenn ich in der Stadt Teenager in ihrem Alter sehe, da muss ich jedes Mal daran denken. Ich rede nicht mit vielen Leuten darüber, darum habe ich auch begonnen ein Buch zu schreiben, ob ich es veröffentlichen will weiss ich noch nicht – wenn dann wohl lieber nur anonym. Meinem Mann habe ich Langezeit nichts erzählt, erst kurz vor der Hochzeit als ich mir zu 100% sicher war dass er einer der Menschen ist die es wissen soll.

Ich habe als leibliche Mutter keinerlei Rechte mehr auf mein Kind und ich will auch nicht einfach so in ihr Leben platzen und sie irgendwo aus geregelten Verhältnissen rauszerren – das ist überhaupt nicht mein Ziel. Ich denke einfach sie ist nun in einem Alter in dem sie verstehen würde warum ich sie damals wegegeben habe.

So ich hoffe ich kann nun gut einschlafen und berreue morgen dieses Posting nicht, und bitte keine Steine nach mir Werfen.

1

dein Buch würde ich gerne lesen....

brings auf Papier und lass es binden.

Deine Tochter wäre Stolz auf Dich.#herzlich

2

Du hast einem Kind das leben geschenkt.Du warst jung.Das du überlegt gehandelt hast finde ich sieht man daran das du erst 16 jahre später wieder ein kind bekommen hast.

Ich würde mir für dich wünschen das sie sich irgendwann meldet und ihr euch in die arme schliessen könnt #klee

3

Warum sollten wir Steine nach dir werfen??

Nein...du warst ein sehr junger Mensch der Verantwortung übernommen hat..

...der leichte Weg wäre die Abtreibung gewesen..du hast dich aber für einen sehr steinigen Weg entschieden...

Ich kann mir vorstellen das diese Sehnsucht sehr schmerzhaft für dich ist....dein Kind wird dich irgendwann suchen...da bin ich mir ganz sicher...und wenn du gefunden werden möchtest, dann findet sie dich auch#liebdrueck

Vielleicht könntest du einen Stein ins rollen bringen, wenn du dein Buch veröffentlichen würdest#schein

LG Daniela...die dir ganz fest die Daumen drückt, damit du deinem Kind alles erklären kannst!

4

Hallo,
Ich finde die Entscheidung die du damals in diesem jungen Alter getroffen hast viel erwachsener und reifer als manch ein Erwachsener je sein wird.
Du hast deinen Bericht so liebevoll verfasst, deine Tochter würde verstehen, dass du nur ihr Bestes wolltest.

Mir kamen die Tränen beim Lesen man spürt wie sehr du sie in deinem Herzen trägst. Bring die Zeilen zu Papier und veröffentliche sie.

Niemals würde ich jemanden verurteilen der sein Kind zur Adoption frei gibt.
Bei mir besteht ein Kinderwunsch und es hat bisher nicht geklappt, wer weiß für viele Paare mit unerfülltem Kinderwunsch ist eine Adoption der einzige Weg zu einem Wunschkind und das war es bestimmt auch für die Adoptiveltern deiner Tochter !

Ich wünsche dir alles Gute #herzlich

5

Ich frage mich immer wieder wie viele grausame Familien es gibt! Familien, die ihre eigene schwangere Tochter so im Stich lassen! Grauenhaft! Von deinem "Freund" will ich gar nicht erst reden ...

Hut ab vor dem weg den du gegangen bist! Ich wünsche dir echt alles erdenklich gute!

Ps.: auch ich würde dein Buch sehr gerne lesen!!

6

Ich denke du wirst irgendwann die Möglichkeit haben es ihr zu erklären.

Ich würde das Buch gerne lesen.

Du solltest dein Buch aber anonym veröffentlichen. Denn es wäre wohl der falsche Weg wenn sie so erfährt, dass sie adoptiert ist. Wenn bzw sobald sie es weiß, gib ihr dein Buch. Dann kann sie sich mit deiner Erklärung befassen wann es für sie richtig ist.

Ich drück dir ganz fest die Daumen, dass ihr zusammen findet.

7

Halte mich bitte auf dem laufenden und reservier mir ein buch wenns ertig ist, schoen waers mit signatur. Ich sag nur ! Du bist mutig Mein Respekt

8

Also meine Meinung #liebdrueck
Ich finde es sehr schön und tapfer das du in der schwierigen zeit nicht angetrieben hast :-) du hast deinem Kind leben geschenkt und sie wird es bestimmt sehr gut haben :-) das du an die denkst ist verständlich ;-) ich würde das Buch auch sehr gerne lesen.. Es ist bestimmt interessant und schön :-) warum sollte man dich mit Steinen bewerfen..? Du hast nichts schlimmes getan du wolltest einfach nur das es deinem Kind gut geht :-) und noch meinn Respekt du bist eine sehr starke Frau #liebdrueck#winke

9

Liebe +++.

Puh, dein Beitrag hat mich eben sehr berührt. Er ist voller Liebe für deine Tochter!

Ich kann dich gut verstehen - kann deine Gefühle nachempfinden.
Auch ich habe mein Baby zur Adoption freigegeben. Damals war ich 17 Jahre alt. Es war eine offene Adoption, d.h. wir haben auch Kontakt.
Mich haben die Gefühle auch oft genug zerrissen. Habe mir vorgestellt, wie es wäre, wenn er hier wäre usw. Wenn er mit seinen Geschwistern aufwachsen würde. Wie - ich könnte 1000 Dinge an dieser Stelle auflisten....

Aber ich konnte damals nicht für ihn sorgen, ich war alleine und selbst noch ein Kind. Es wäre nicht gegangen.

Du hast die wohl verantwortungsvollste Entscheidung getroffen, die eine Mama für ihr Kind treffen kann: DU wolltest, dass es deiner Tochter gut geht - und dafür hast du in dem Moment auch gesorgt!

Du kannst mich sehr sehr gerne anschreiben per PN. Ich habe auch niemanden, der in der Situation, der in der Rolle, der gebenden Bauchmama ist, mit dem ich mich austauschen kann.

Fühl dich umarmt.
Yvi

Top Diskussionen anzeigen