Wann ist das Kind empfänglich? (lang)

Guten Morgen. Mein Mann und ich hatten eben eine Diskussion. Mich interessiert, wie ihr das seht.

Es ging darum, dass unsere 18 Monate Tochter wirklich hart von der Eckbank gefallen ist. Sie krabbelt da ständig rum und all unsere Bemühungen, ihr dies auszureden/verbieten, scheitern. Nun, jetzt ist es passiert. Sie ist da runter gefallen und hat wahnsinnig geweint. Ehrlich gesagt, hatte ich Angst. Es klang nach Schädelbruch aber schlussendlich hat sie sich „nur“ etwas auf die Zungenspitze gebissen. Dennoch sass der Schock tief und sie hat geschluchzt und hatte eine Schnappatmung.

Währenddessen ich sie tröste und ihr Atmung wieder versuche auf Kurs zu bringen, drillt mein Mann auf sie ein: siehst du, du musst hören, das ist gefährlich, ich habe es dir gesagt, du bist selbst schuld blablabla.. irgendwann habe ich ihn angeschnauzt, er soll die Klappe halten und es sei gerade absolut nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Er solle sich endlich in Empathie üben (was sowieso ein grosses Problem in unserer Beziehung ist). Da meinte er, es sei eben gerade der richtige Zeitpunkt, jetzt sei sie empfänglich dafür! Zur Erinnerung: sie schnappt gerade nach Luft zittert, wimmert und verarbeitet den Schock..

Nun ich habe dann gesagt, ich diskutiere nicht darüber, sie braucht mich jetzt. Er soll jetzt bitte einfach ruhig sein und ich werde es ihr erklären, sobald sie sich beruhigt hat. Er ist dann weggestampft..

Wie seht ihr das? Ich finde seine Art schrecklich. Und auch unglaublich schade für mein Kind. Es ist aber wirklich eine Grundsatzdiskussion, die wir in der Form oft haben.

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Guten Morgen. Wenn ich mich stark verletze, und wirklich weine oder zitter vor Schmerzen, könnte sich der Papst persönlich vor mich stellen und mich würde das absolut nicht interessieren. Dein Mann hat sich also eher seinen Mund fusselig geredet.

Die lieben kleinen MÜSSEN ihre Grenzen selbst kennenlernen um so ein gesundes Gefühl zum eigenen Körper entwickeln zu können. Das muss ihm dringend klar werden. (Starke Gefahrensituationen natürlich ausgeschlossen)

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Da hast du recht. Wir waren erst neulich beim KiA. Der meinte zu uns, es erstaune ihn immer wieder, was die Eltern versuchen ihren kleinen Kindern (unter 3) zu erklären und zu verbieten. Das Kind könne das rational noch garnicht verstehen.

Es ging eben darum, dass sie nicht hört, wenn wir ihr sagen, sie soll nicht auf den Esstisch klettern oder auf der Eckbank rumturnen. Sie versteht es aber nicht und macht es trotzdem immer wieder. Ich bin dann einfach der Typ, der sie auf dem Tisch sitzen lässt. Gesichert und fixiert und immer im Blick. Dann strahlt sie und isst genüsslich ihren Brokkoli. Wenn sie aber im Stuhl sitzten muss, isst sie ihr Essen nicht. Weil auf den den Tisch zu klettern, dann einfach Prio hat.

Darum ist mein Mann jetzt auch so ausgerastet. Dabei war er beim KiA dabei und hats gehört. Es bringt nichts. Jetzt ist sie gestürzt und kanns vielleicht etwas besser einschätzen. Wer weiss das schon.. aber diesen Drillmaster finde ich einfach nur schrecklich.

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Also da versteh ich deinen Mann aber schon, bei AUF dem Tisch essen wäre bei mir auch eine Grenze überschritten.

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Hast du Mal versucht ihm vor Augen zu führen wie das ist? Also zum Beispiel, dass er sich doch vorstellen soll alle warnen ihn davor ein Motorrad zu kaufen, er kauft sich dennoch eins und wenn er dann einen Motorrad-Unfall hat kommt der Krankenwagen und erklärt ihm erstmal wie gefährlich der Straßenverkehr ist, statt ihn zu versorgen. Er ist ja in dem Moment empfänglich dafür. Vielleicht bewegt ihn ein solcher Vergleich zur Einsicht.

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Werde ich so kopieren und ihm vorführen. Danke dir.

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Hallo du,
erst mal tut es mir leid, was heute passiert ist. Gute Besserung! Ich kann sehr gut verstehen, wie du dich fühlst. Zum Thema "empfänglich sein" kann ich nicht viel sagen, weil ich selber unerfahrene Mama bin, aber ich kann mich an eine Sache aus meiner e
Kindheit erinnern. Ich war damals 2 jahre alt und bin mit dem Kopf auf die Heizungsröhre geknallt. Ich hatte eine Platzwunde und hab geschrien wie am Spieß. Während meine Mama mich getröstet hat, schimpfte mein Papa mit mir. Dann sind wir zum Arzt.
Ich kann mich aber so gut erinnern, was mein Vater mir alles in dem Noment gesagt hatte. Ich habe daraus gelernt und bin nie wieder an die Heizung 😇🙈🙊

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Danke dir. Zum Glück ist nichts Schlimmeres passiert🍀 auch interessant, deine Erfahrung. Ich weiss es eben auch nicht. Was da der pädagogisch bessere Weg ist. Ich habe es ihr einfach danach noch erklärt. Als dann die Atmung stabil war und die Tränen getrocknet. Und wenn ich sie jetzt frage, wo bist du runter gefallen? - dann zeigt sie da hin. Sie weiss es jetzt. Hoffentlich😅

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Ich denke, dass sie daraus jetzt leider auf diesem weg gelernt hat :/
Gott sei Dank ist nichts schlimmeres passiert. Das, was du mit deinem Mann beschreibst: ich glaube das ist oft so ein "Männer Ding". Während wir Frauen gefühlvoller sind und empathisch reagieren, auf das Kind in solchen Momenten eingehen können, sind Männer da ein bisschen "Härter" - ist bei uns genauso.

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Hallo,
ich kenne die Anspannung, die man hat, wenn man das Kind trösten will und darauf konzentriert ist, es zu huscheln und dann noch das Gezeter des Mannes abhalten muss.
Ich finde, du hast es richtig gemacht, dein Kind erst zu trösten und später in Ruhe mit ihm darüber zu reden. Dein Mann möchte auch, dass das nicht wieder vorkommt und denkt deshalb, man muss in diesem Alter die Erklärung gleich hinterherschieben. Er übersieht dabei aber, dass "Lernen durch Schmerzen" sehr nachhaltig sein kann, denn eine heftigere Konsequenz als dein Kind jetzt für das Klettern auf der Eckbank hatte, kann es nicht geben und das wird es sich schon einprägen. Erklären würde ich es später trotzdem mal.
Problematisch finde ich es, ihn vor dem Kind anzuschnauzen, ich hab mir das meist verkniffen, hat aber auch nichts geholfen ;)

LG und alles Gute für die Kleine!

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Da muss ich dir recht geben. Ich hätte es mir verkneifen sollen. Das Thema triggert mich einfach wahnsinnig, weil dieser Mangel an Empathie oft auch mich trifft. Und dann versuche ich beruhigend auf sie einzureden und gleichzeitig zu checken, ob noch alles dran ist. Und er kommt da von der Seite mit seiner Keule🙄

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Gegenaktion:
wenn es ihm mal nicht gut geht, daneben stellen und Vorwürfe machen.
Daaaaaaaaaaaaaaaannn ist das natürlich was anderes und er wird es eher nicht verstehen.

Überlegt euch klare Regeln. Wenn er in solchen Situationen eine zusätzliche Belastung ist (egal ob er im Affekt so reagiert oder aus Überzeugung), dann vereinbart in einem ruhigen Moment, dass er dann rausgeht, wenn du etwas bestimmtes zu ihm sagst.

Damit ist er dann zwar keine Hilfe, macht aber nicht noch mehr kaputt.

Nein, auf Kinder einreden bringt GAR NICHTS.
Nur Wut, noch mehr Schnappatmung oder sonstiges.

Manche können besser mit Unfallsituationen umgehen als andere.
Als unsere Eltern Pflegefälle waren und häufiger der RTW gebraucht wurde, hatten wir eine klare Aufteilung
- wer bleibt beim Patient
- wer ruft den RTW

Eine Person hatte oft Schwierigkeiten in Aufregung am Telefon zu schildern, was passiert ist. Die 5 W-Fragen waren jedes Mal komplett weg. Eine andere Person reagierte am Patienten panisch und das machte es anderen schwieriger.
In ruhigen!! Minuten haben wir Notfallabläufe immer wieder abgesprochen. Sozusagen geübt.

Kinder sind dann empfänglich, wenn
- sie den Augenkontakt halten können.
Auch dann verstehen sie nicht alle Wörter, aber immerhin sehe ich an den Augen, ob überhaupt was ankommen kann.

Sprache ist noch was anderes.
Bei meiner half im Kleinkindalter nur handeln. Erst handeln !!! dann reden.
"Gefährlich" war natürlich auch bei der Begründung dabei.

Mit ca. 4 Jahren fragte sie mich dann beim Spazieren ganz plötzlich "Mama, was bedeutet eigentlich 'gefährlich' "?

Im Grunde könntest du deinen Mann auf chineisch anbrüllen. Die Wahrscheinlichkeit,d ass er versteht, was du ihm zu brüllst, ist serh viel größer, als dass euer gerade verletztes Kind kapiert, was er vom Kind will.


Das nächste sind die Schuldzuweisungen.
Was heißt hier selbst schuld?
In dem Alter haben die Eltern die Verantwortung !
Das heißt Eltern müssen abschätzen, wie gefährlich es wird.
- Lassen sie das Kind ausprobieren, müssen sie mit den Folgen leben.
- Schätzen sie die Gefahr zu groß ein, müssen sie handeln.

Natürlich können Unfälle auch passieren, wenn niemand Schuld hat. Auch die Eltern nicht.
Es ist aber Aufgabe der Eltern Gefahren einzuschätzen. Nicht die der Kinder.

Sollte er da nicht an sich arbeiten, kann das euer Kind langfristig traumatisieren (psychische Gewalt, wenn er es kontinuierlich macht und nicht einmalig im Affekt!).
Meine Vermutung wäre ja, dass er so erzogen wurde - und weil er jetzt nicht reflektiert, es so 1:1 an euer Kind weiter gibt. Vielelicht ein bisschen abgeschwächt, in dem er etwas von der Gewalt seiner Kindheit rausnimmt.
Um zu begreifen / begreifen zu lassen, dass sein Verhalten eurem Kind schadet, müsste er sich eingestehen, dass seine Erfahrungen als Kind NICHT gesund, nicht glücklich waren.

(Psychische) Gewalt wird daher oft über Generationen weitergegeben. Es ist einfacher für die Seele sich einzureden, dass alles in Ordnug war, als sich einzugestehen, wie schmerzhaft es war. Wenn es "gut "war, kann man es weiter geben.
Aber auch: man hat keine anderen Strategien gelernt. Also gibt man weiter was man kennt. Um das zu ersetzen müssten man sich erst mal eingestehen, dass das Gelernte NICHT gut war und das ist sehr schmerzhaft.


Falls er solche Sprüche in der Kindheit nie gehört hat und ein liebevolles Elternhaus hatte, keine Erwartungen wie Kinder zu funktionieren haben.....
Woher kommt dann sein Verhalten? Bzw. ist er bereit Empathie zu lernen?


Lässt er sich auf Veränderungen ein, Empathie zu lernen? Dann wäre extere Unterstützung gut. Du bist seine Partnerin, nicht seine Therapeutin oder Mutter.

Weigert er sich oder wird dann auch dir gegenüber ausfallend? Schiebt er dann dir die Schuld zu oder eben dem Kind, weil ihr ihn nicht versteht? Weil ihr übertreibt?
Dann überdenke die Beziehung genau.
Such dir selbst psyhische Unterstützung und hinterfrage, wie weit es bereits toxisch ist.

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Das hast du wirklich alles sehr gut und verständlich geschrieben. Vielen Dank. Ich habe auch wieder ein paar Dinge gelernt, mein Mann und unser Kind auch. Es ist nunmal ein ständiger Prozess. Und ich bin auch nicht allwissend und deshalb frage ich hier nach Feedback.

Wir waren neulich beim KiA und haben dieses Thema besprochen. Da es uns beschäftigt hat und wirklich jeden Tag mindestens 3x mit unserem Kind Reibereien gab. Sie versteht viele Grenzen, sie kennt Nein. Sie nutzt es auch selber. Aber das Thema Tisch und Eckbank kommt bei ihr nicht an. Dasselbe war bei barfuss. Bis sie dann mal barfuss aus dem Schatten raus gerannt ist. Tja und dann schrie sie wie am Spiess, stand wie angeklebt auf dem Beton und ich rannte los, habe sie gepackt und direkt in den Brunnen gestellt. Seither tastet sie IMMER den Boden ab, wenn sie barfuss ist. Oder zieht ihre Schuhe ohne gemecker an, wenn ich sage, der Boden ist heiss.

Zurück zum KiA. Der meinte zu uns, es bringt nichts. Sie können sich noch 2,5 Jahre wiederholen. Die Gefahr wird sie erst mit 4 verstehen können. Solange sie die Konsequenz nicht selber spürt/lernt. Und heute fiel sie von der Bank. Also die Sitzecke bei Tisch. Und wenn ich sie jetzt bitte, sich hinzusetzen, dann tut sie das. Ja, es hätte schlimmer kommen können. Zum Glück ist nichts weiter passiert, ausser der Schock. Wir haben heute alle was dazu gelernt.

Er arbeitet übrigens daran, mit Hilfe. Aber es ist enorm schwierig. Ob er so wirklich daran glaubt, dass er ein Problem hat, daran zweifle ich manchmal. Meine Hilfe damals hatte mich gewarnt. Und jetzt mit Kindern bekommt man ja nochmal einen etwas anderen Einblick. Solange er aber an sich arbeitet und wir unsere Fehler eingestehen und die Dinge in Ruhe besprechen können, habe ich Hoffnung.

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In der Situation ist sie natürlich nicht empfänglich.

Das ist niemand. Man sagt einem Unfallopfer ja auch nicht „selbst schuld, warum fährst du auch zu schnell!“ während es noch im Autowrack liegt.

Ich sage zu Motte (ruhig) auch beim trösten „Hasi, deswegen sagt mama, du sollst nicht turnen!“ aber eher beruhigend, denn Motte beruhigt sich durch reden und es ist einfach so hin geplappert.

Trösten ist natürlich richtig und wichtig. Ich rufe manchmal auch im ersten Schock, aber nicht dauerhaft.

Prinzipiell finde ich es jetzt nicht dramatisch und dein Kind trägt sicher keinen Schaden davon. Aber wenn Empathie eh ein Problem ist, solltet ihr die Situation noch mal in einem ruhigen Moment reflektieren und analysieren (gemeinsam). Warum denkt er so? Wurde ER als Kind so behandelt? Man verfällt ja gerne in bekannte Muster. Vielleicht wurde er halt auch nie getröstet, sondern geschimpft?

Nur so kann man dran arbeiten. Sich IN der Situation auch noch gegenseitig Vorwürfe machen, bringt keinem was.

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Hallo,

es gibt Erfahrungen, die müssen Kinder selbst machen, um zu begreifen. Beispiel: "Faß das nicht an! Es ist heiß." Ja, woher soll das Kind denn nun wissen, was "heiß" ist? Und dann passiert es: Bügeleisen, Wasser, Heizung, Herd - es wird etwas Heißes angefaßt, tut weh, das Geschrei ist groß (meistens auch nur das), aber das Kind hat erfahren und begriffen, was das ist. Ebenso ist es mit dem Fallen. Kleinkinder fallen häufig, sie erfahren ihre Grenzen.
Eure Tochter hat nun eben die Erfahrung gemacht, warum ihr sie vor der Eckbank warnt. Zum Glück ist nichts passiert. Da wird das Kind getröstet. Vorwürfe und "Siehste, wir haben es dir doch gesagt." sind nicht hilfreich.

LG

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Das sehe ich auch so. Ich mag mich auch nicht ewig wiederholen. Wenn es nicht ankommt, muss sie manchmal auf die andere Art lernen oder eben dann, wenn sie es kann. Der KiA meint, das sei völlig normal. Wir haben es ja auch mit ihm besprochen, weil es uns schon geärgert hat, dass es nicht ankommt.

Ich fand seine Reaktion nicht angemessen. Klar war es genau dieses eine Thema, was wir ihr schon mehrmal gesagt haben. Trotzdem kann sie nichts dafür. Ich hätte es ihm auch in einem ruhigen Moment sagen sollen.

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in der phase wo sie brüllen und schreien und unsägliche schmerzen haben hören kinder bis denke ich kindergarten/vorschulalter eh nicht WAS man sagt. da ist das schon richtig: da sein, lieb haben, trösten, wunden lecken. wenn sie dann wieder halbwegs klar sind kann man ruhig mal sagen wie es dazu kam, und wie man das vermeiden kann.

wenn sie ein paar stunden später den selben blödsinn machen würde ich sagen" denk dran, du kannst da runter fallen wenn du so weiter machst" entweder erinnern sie sich dran, das wirst du merken, oder sie bekommen das wirklich noch nicht zusammen 8in dem alter ist beides möglich) und du musst eh weiter aufpassen.

ich habe auch immer gepredigt dass der topf heiß ist, ein kind hat es erst "geglaubt" nachdem er einmal angefasst hat, als ich mich umdrehte um die fischstäbchen dazuzustellen... seit dem wusste er GANZ GENAU was ich meinte, wenn ich sagte "finger weg, das ist heiß" die anderen 3 haben es mir so geglaubt und sich nie am kartoffelbreitopf auf dem tisch die finger "verbrannt"

da ist letztlich jedes kind anders, aber im prinzip lernen sie genau aus diesen missgeschicken. andersrum vermeiden sie auch nicht jede situation die weh getan hat. stell dir vor, die würden ja NIE laufen lernen, weil das beim ersten versuch weh getan hat.

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