Totale Ignoranz

Hey,

Ich verzweifle momentan an meinem Sohn. Er wird im Januar 3, ist ein aufgeweckter, schlauer Bursche, der um seinen Charme weiß. Grundsätzlich ist er ein sehr liebes Kind, absolut nicht bösartig, bisweilen jedoch sehr unbedarft und sich absolut nicht bewusst, was sein aktuelles Handeln für Konsequenzen hat. Aber er ist ja auch erst fast 3, die Voraussicht kommt langsam.

Was mich an den Rand der Verzweiflung treibt, ist seine "Ignoranz". Es ist, als würde er von einem Moment auf den anderen komplett taub werden. Egal, was ich mache! Seinen Namen sagen, rufen, er reagiert nicht. Ihn berühren, aus dem Spiel holen - keine Reaktion. Sich in sein Sichtfeld begeben, sich vergewissern, er weiß, dass wir mit ihm reden - nach maximal zwei Worten ist seine Aufmerksamkeit dahin.
Ich weiß, dass das bis zu einem gewissen Grad dem Alter, und bei uns auch definitiv den Genen geschuldet ist (Papa und dessen Mutter können auch "passiv zuhören", also sofort vergessen oder überhaupt nichts mitbekommen).
Ich würde es ja auch verstehen, wenn er von uns diese Art von Ignoranz vorgelebt bekäme, aber wir geben ihm immer sofort Rückmeldung, wenn er uns anspricht. Können (oder wollen) wir nicht sofort, dann sprechen wir trotzdem mit ihm und erklären, dass er jetzt noch etwas warten muss, und auch warum.
Schon das stößt auf taube Ohren, er hat absolut keine Geduld. Aber auch hier - er ist ja noch nicht mal 3. Irgendwann wird das schon. Hoffe ich.
Es ist auch völlig Situationsunbhängig. Mal frage ich ihn, was er essen will, mal geht es um eine Regel, die er einzuhalten hat, mal dies, mal das. Sprachlich ist er meiner Meinung nach fit genug, dass er mich verstehen würde.

Was machen wir falsch? Was haben wir falsch gemacht? Ist das Teil des Grenzen austestens? Ist das normal? Soll ich doch mal zum HNO und schauen lassen, ob dem Kind, das Gras wachsen hört und jedes Wort nachplappert, die passenden Härchen im Gehörgang fehlen, um meine und Papas Stimme zu erkennen? Liegt es doch an der kleinen Schwester, die jetzt 3 Monate alt ist, die er aber abgöttisch liebt, und wegen der er noch nie veränderte Wesenszüge zeigte?

Ich bin absolut ratlos. Was kann ich tun?

Hallo, sag mal schaut er dabei irgendwohin in die Ferne? Ich meine ist er dann "voll" bei euch oder kommt er dir "abwesend" rüber?

Meine Kleine ist noch zu klein daher kann ich dir da leider nicht helfen ob es "normal" ist. Ich kann aber von mir berichten (und merke es auch bei meiner Tochter). Ich bin manchmal "abwesend". Ich bin zwar körperlich und geistig da, aber schaue dabei auf irgendwas oder in die Ferne und reagiere nicht. Ich höre alles und verstehe auch alles aber ich kann in diesen Momenten nicht direkt reagieren. Mittlerweile habe ich gelernt zumindest zu antworten ohne dabei den Blickwinkel zu ändern. Ich bin aber auch schon erwachsen. Es ist irgendwie unheimlich auch für mich selbst, aber es ist so wie es ist. Und nein, ich bin kerngesund.
Meine Tochter hat es auch ab und zu. Sie ist aber erst 20 Monate alt und kann noch nicht antworten. Ich weiß aber dass sie mich hört und versteht auch wenn keine Reaktion kommt. Vielleicht ist es bei deinem Sohn keine "gewollte" Ignoranz?

Alles gute für euch

Hallo,

Vielen Dank für deine Erfahrung.
Tatsächlich hat er das ab und zu, das ist wohl der genetishe Beitrag, den er von seinem Papa hat. In so Momenten weiß ich ganz genau, dass ich keine Antwort erwarten kann, und das stört mich dann auch überhaupt nicht. Ist es wichtig, dann versuche ich, ihn aus dieser Starre zu holen und warte auf Reaktion.

Ich gerate dann an Grenzen, wenn ich ihn auch mit Blickkontakt nicht ins Hier und Jetzt holen kann.
Er ignoriert mich dann bewusst. (Nicht immer, aber doch häufiger)
Mittlerweile ist es soweit, dass er mir sagt, dass er jetzt nicht mit mir reden will. Zu 95% in Situationen, in denen er Regeln verletzt hat und in denen ich ihm kurz und knapp (längere Predigten sind eh für die Füße in den Alter) erkläre, warum das grade blöd war. Auch auf die Frage "Hörst du mich nicht oder ignorierst du mich?" Kam schon "Ignorier.", auch wenn ich weiß, dass ich die Antwort nicht wirklich ernst nehmen kann.

Es ist also teils einfach gefangen im eigenen Kopf, teils aber eben auch gewollt taub.

Meine große Tochter hat das in dem alter, um den 3 Geburtstag rum auch gemacht. Ich war auch frustriert, hilflos und auch mal besorgt, ob sie gut hört. So wie es kam, ging es wieder. Es hielt wirklich nur ein paar Monate an. Ich erklärte es mir so, daß manchmal einfach viel im Kopf passiert und sie da eben in ihrer Welt war. Ihre kleine Schwester hatte sie zu diesem Zeitpunkt schon 1 Jahr, das war es bei uns nicht.

Die kleine ist jetzt auch 3, da konnte ich das Verhalten bisher aber nicht beobachten.

Aber ich muss zugeben, dass ich damals auch manchmal unbewusst meine Ohren auf Durchzug gestellt habe. Besonders abends wenn alle 3 (zwei Kleinkinder und Mann) auf mich eingeredet haben war es mir zuviel. Ich

Ich habe dann bewusst sofort, schneller reagiert. Und ich habe geschaut ob ich vielleicht selbst ein bisschen viel auf meine Tochter einrede und es ihr zuviel war. Das habe ich dann auch etwas reduziert.
LG

Danke dir für die Erfahrung.
Ich hoffe, dass es nur eine Phase ist 😅
Ich gehe mal in mich und schaue, ob ich auch auf Durchzug schalte. Wie versuchen aber wirklich immer, schnell zu reagieren und ihm vorzuleben, dass niemand ignoriert wird.
Ob ich ihn zulabere habe ich auch schon überlegt... er sagt mir mittlerweile, dass er in gewissen Momenten nicht mit mir reden will. Häufig geht es da um Sachen, die er angestellt hat. (Treten, Schlagen, Regelbrüche und sowas.)
Da er auch häufig schon überhaupt nicht auf seinen Namen reagiert, weiß ich nicht, ob ich wirklich zu viel rede. Es ist schwer, herauszufinden, wann er hört und wann nicht...

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