Trotzphase extrem, wir sind am verzweifeln!

Hi,

Tim ist jetzt 2 j. und 2 Monate alt. Habe gestern schon mal gepostet und ein bischen erzählt. Jetzt hätte ich aber doch gern noch mal eine Antwort, ob das noch "normal" ist. Manchmal bin ich kurz davor zu verzweifeln und mein Mann auch.

Seit ca. Oktober haben wir diese Wutanfälle, mal mehr mal weniger. Im Moment kommt noch dazu, das unser 2. Kind da ist (8 Wochen alt und pflegeleicht). Tim wird definitiv nicht vernachlässigt, außerdem findet er das Baby sehr spannend und darf auch Schnuller geben, kuscheln etc. Er hat auch weiter seine Spielgruppe und ist überall mit dabei (Ausflüge zum Spielplatz, Einkaufen, Besuche etc.)

Diese Wutanfälle in den letzten Tagen waren sowas von extrem, ich konnte ihn nicht mehr bändigen. Tim schlägt dann auf mich ein, versucht mich zu beißen, kneift, kratzt und sabbert, schiebt sich die Hand in den Mund bis zum übergeben. Heute hatte ich eine solche Situation nach dem Einkaufen (Tim und ich waren allein einkaufen). Bis zum Einsteigen ins Auto war alles ok, dann gings los. Wir standen eine dreiviertel Stunde auf dem Parkplatz und Tim hat getobt wie nichts Gutes. Ich habe versucht ihn zu beruhigen, aber seine Wut ist grenzenlos, da ist er einfach taub. Ich habe ihn schließlich festgehalten, kann ihn ja schlecht weglaufen lassen zwischen den Autos. Ich würde mich nicht wundern wenn Montag das Jugendamt anruft. Schließlich bin ich mir ihm nochmal eine Runde spazieren gegangen, er hat richtig nach Luft geschnappt und danach war gut. Zuhause war er wieder bester Laune und ich bin immer noch fix und fertig. Bin mit knallroter Birne und völlig durchgeschwitzt zuhause angekommen.

Vor ein paar Monaten, also bei einem der ersten Wutanfällle hat er sich ohnmächtig geschrieen. Darauf war ich natürlich sofort mit ihm im Krankenhaus, der KIA dort meinte das sei normal, manche Kinder sind eben so.

Ist das alles noch normal? Ich war schon mal bei der Erziehungsberatungsstelle, die fanden das auch alles normal.... Hat noch jemand so ein Rumpelstielzchen zuhause?

LG Mary

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Oh ja! #schwitz

Ich hier, ich meld mich auch mal!
Joel ist jetzt 29 Monate und sein kleiner Bruder jetzt grad 5,5 Monate jung. Joel wird auch nicht vernachlässigt. Er geht gern in die Krippe, wir gehen oft auf den Spielplatz oder fahren in den Wald. Er darf jeden Freitag bei Omi schlafen und er hat seine festen Zeiten mit uns Eltern zum Spielen, Kuscheln usw.

Und trotzdem kommen immer wieder die Hörner durch. Zuhause hält es sich in Grenzen, hier kann man gut eingreifen, aber unterwegs komme ich auch so extrem oft ins Schwitzen, dass ich manchmal am liebsten zuhause bliebe. Letztens zum Beispiel als wir Schuhe kaufen waren. Es muss ja nun mal sein und anprobieren ist ja auch in gewisser Hinsicht notwendig. Da hat er ganz plötzlich der Verkäuferin beim Kontrollieren den Fuß an den Kopf gestoßen #schock Mir war das echt unangenehm und die Verkäuferin hat auch so dämliches Zeug geantwortet. Tja, aber so ist es nun mal. Hab mir von vielen sagen lassen müssen, dass ich viel zu inkonsequent sei und muss sagen - sie hatten Recht.

Mittlerweile greif und setze ich mich durch. Es kann Kompromisse geben, aber die Grenzen bestimme ich und nicht mein Sohn. Wenn es gefährlich ist (wie du schon sagst, auf dem Parkplatz, Straße, etc.) gibt es keine Diskussion. An die Hand - fertig!

Ist anfangs echt schwierig gewesen und hin und wieder muss ich mich zusammenreißen, dass ich nicht wieder rückfällig werde mit meiner Inkonsequenz, aber ich sehe ja die Erfolge. So langsam wirds was und naja, man muss sich eben doch oft genug in die Lage des Kindes versetzen, dann klappt es eigentlich ganz gut. Mir würden auch so einige Dinge nicht gefallen, wenn ich er wäre #schein

In Ohnmacht hat er sich noch nicht geschrien, aber er kratzt, beißt, haut, zwickt und hört überhaupt nicht!!!! Alles leider ganz normal. Da müssen wir durch und in ein paar Jahren lachen wir uns sicher schlapp darüber ...

Ich wünsche dir ganz viel Glück #klee

Alles Liebe #blume
Mandy mit #cool Joel (2,5) und Noah (5 Monate)

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Hallo!

Das ist tatsächlich alles normal!

Bei uns ist es auch manchmal sehr sehr schlimm! Als es damals losging, sind wir ins Krankenhaus gefahren, weil wir dachten, dass sie einen Sturzschaden hat oder so, aber offensichtlich war es einfach Wut, Zorn und Trotz!

Und seitdem wird es immer schlimmer!

Es hört sich so doof an, aber Trotz ist total wichtig und ist eine normale Entwicklung!

Ich bin ja ein Buchmensch, mir hilft es total, Bücher über Trotz bzw. über die Entwicklung von Kindern zu lesen, denn dann verstehe ich mein Kind viel besser, kann mich in mein Kind hineinversetzen und weiß, dass diese Anfälle nicht gegen mich persönlich sind. Ich weiß dann, dass ich nichts falsch mache, dass ich nichts dafür kann und dass mein Kind mich trotzdem liebt. Und ich bekomme Tipps, wie ich mich verhalten kann.

Ein Satz in "Babyjahre" von Remo Largo hat mir letztens sehr sehr sehr geholfen! Da steht so ungefähr drin: Nur, wenn ein Kind nicht trotzt, muss man Angst haben und sich Gedanken machen, denn dann ist die Ich-Entwicklung behindert! Ich finde, wenn man das mal so liest, kann man viel besser mit den Wutausbrüchen umgehen.

Und gerade gestern habe ich in "Warum Kinder trotzden" von Monika Kiel-Hinrichsen gelesen:

"Hat das Kind mit dem Erwachen des niederen ICHs nicht seine Hülle, sich mit der Welt eins zu fühlen, verlassen müssen und steht jetzt der Welt ausgegliedert gegenüber? Trotz - ein Schmerzerlebnis ähnlich wie bei der physischen Geburt? Es heißt, dass nun Wille und Trieb bewusster erwachen, das Seelische steht ungeschützter im Dasein. Das Kind muss lernen, sein Seelisches "zu beherrschen", ähnlich wie es sich nach der Geburt unter geistiger Führung zum Gehen, zum Sprechen und schließlich zum Denken entwickeln konnte. Ich habe den Trotz als Werkzeug bezeichnet, mit dem der neue, unsichere Boden bearbeitet werden muss. Man könnte auch sagen: "Das Kind schafft nun weiter an seiner "seelischen Behausung". Jeder weiß, wie es ist, wenn man nicht das rechte Werkzeug in der Hand hält. So muss das kleine Kind lernen, den Trotz, den "ungelenkten" Willen zu beherrschen und sich in seiner neuen ICH-Behausung sicher zu fühlen."

Man muss sich mal vorstellen, dass in unseren Kindern das Ich erwacht, der Wille, der Wunsch, das Selbertun und Selbermachenwollen! Und dann darf es nie das tun, was es will oder es muss etwas anderes machen, als es gerade vorhatte oder es wird gerade in einer Handlung gestört, die es unbedingt vollenden wollte oder man versteht nicht, was es will, weil es eben noch nicht oder noch nicht gut genug spricht. Das kann einen schon rasend machen!

Stell Dir mal vor, Du wärst das Kind und Dein Mann wäre die Mutter. Ständig willst Du was Bestimmtes und Dein Mann verbietet alles, versteht Dich nicht oder oder oder!

Man muss durch diese langen lange Trotzphase halt durch!

Aber weißt Du was!? Warte mal auf die Pubertät!!!!!

Liebe Grüße

Conny & die auch trotzende Madita (6.8.2007)

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