Grenzen austesten, bin gerade total sauer!

Hi,
Tim (16 Monate) testet seit ca. 5 Monaten, wie jedes Kind, scheinbar seine Grenzen aus. Ich weiß einfach nicht, wie ich ein NEIN durchsetzen soll. Beispiel: Herdknöpfe, Kühlschranktür: Egal, wie ichs versuche, es wird ignoriert: Ein "Nein" in allen Lautstärken = sinnlos. Nehme ich ihn irgendwo weg, hängt er sich an meine Arme und sieht es als Spiel an und freut sich. Oder ich werde gebissen oder gekniffen (habe jetzt schon mal zurückgekniffen, weil er mir echt weh tut dabei).

Gibt sich das irgendwann???

In meinere Verzweiflung habe ich ihn dann in sein Bett gesetzt oder zumindest in sein Zimmer gebracht und versucht ihm das zu erklären. Sinnlos. 2 Minuten später geht alles von vorn los. Langsam bin ich wirklich richtig wütend und ratlos.

Heute ich es besonders schlimm. Tim ist völlig überdreht (kein Schlaf heute und Besuch bei den Großeltern, die beide meine Grenzen völlig übergehen und bei denen jedes Nein ein Ja ist). Raus kann ich bei der Hitze einfach nicht, bin kurz vorm umkippen.

Hoffentlich ist dieser Scheißtag bald vorbei. Wie soll ich Tim blos beibringen, das er eben manche Sachen nicht darf????

LG Mary

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Hallo Mary,

bietest Du ihm denn dann Alternativen?

Wenn ein Kleinkind sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann will es das auch machen - und ein "NEIN" stört da nun wirklich nicht. Das bringt das Kind ja von seinem Plan nicht ab ;-)

Biete im etwas als Gegenstück dazu!! Wenn er irgendetwas machen will, dann sag z.B.: Hilf mir doch mal beim Ausräumen vom Geschirrspüler, magst Du beim Staubsaugen helfen? Lass uns etwas malen! Irgendetwas braucht das Kind, das gar nichts mit dem eigentlichen Plan zu tun hat.

Manchmal sieht man es den Kinder ja schon an, dann kann man schon vorher eingreifen #schwitz, manchmal erst wenn sie schon dabei sind.

Strafen bringen da überhaupt nichts, denn das Kind möchte ja nur die Welt erkunden (wie funktioniert die Tür? Geht sie IMMER auf und IMMER zu oder nur manchmal?

Gruß

Karen

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Hallo Mary,

ertsmal tief durchatmen - du steckst in einer Erziehungsphase, die so gut wie jeder durchläuft.

Es gibt in der Erziehung ein paar Grundprinzipien.

Als erstes: Nicht aufgeben - konsequent bleiben. Dein Kind testet Grenzen aus, um Grenzen zu bekommen. Klingt blöd, ist aber so. Das Kind will geführt werden (von dir, oder demjenigen, der erzieht). Das heißt, du darfst dem Kind nicht die Führung überlassen, denn dadurch wird es überfordert. Dein Sohn ist kooperativ - er will dass alles "in Ordnung ist" - Kinder sind nicht von Natur aus Böse, oder wollen Unruhe stuften.

Manchmal muss er testen wie die Welt funktioniert - dadurch lernt er das gesellschaftliche Leben und soziale Kompetenzen, den Umgang mit anderen. Er will, dass ihm jemand zeigt,wie das geht - ihn leitet. Denn das gibt ihm Sicherheit in der großen unbekannten Welt. Kinder baruchen diese Sicherheit. Und die erhalten sie nur durch Grenzen, die du ihnen setzt.

Das ist nicht immer einfach, führt gelegentlich bis oft auch zu starkem Protest. Da musst du durch.

Natürlich gibt es auch kleine Entscheidungen, die dein Kind treffen kann, ob es mit dem Auto oder der Puppe spielt, ob es zuerst die Kartoffeln, oder zuerst die Erbsen isst usw. Das ist natürlich in Ordnung und hilft dem Kind auch seinen eigenen Willen und Charakter zu finden. Aber Entscheidungen, wie den Herdknopf an zu machen oder nicht, obliegt nun mal dir und das MUSS er lernen. Du bist die Mama, du führst.

Wichtig ist auch dass du auf gleiche Situationen möglichst auch immer gleich reagierst. Also wenn der Schatz an den Kühlschrank geht, dann IMMER "nein" antworten (oder eben ein anderes Wort, so wie du es eben immer machst). Wenn er es einmal darf und ein anderes mal nicht, dann ist er mit der Situation schon wieder überfordert.

Wichtig ist auch: Wenn er dir weh tut - deine Grenzen überschreitet, dann musst du das "körperlich" regeln (den Konflikt körperlich austragen). Das heißt natürlich NICHT mit Züchtigung (also auch KEIN Zurückkneiffen - obwohl ich deine Reaktion verstehe), sondern, dass du das Körperteil, was dir weh tut (die Hand beim Kneifen, der Fuß beim Treten etc.) festhältst, sanft - ohne deinem Kind weh zu tun, aber eben mit Nachdruck.

Arbeite mit deiner Stimme. Dabei ist zu beachten, dass du für jede Situation EINE Stimmlage hast. Damit dein Mäusl weiß "oh Mama wird energisch / laut - jetzt ist was verkehrt". Wenn du allerdings bei jeder Kleinigkeit lauter wirst, dann kann er das nicht mehr unterscheiden.

Geh auf Augenhöhe. Sieh ihm in die Augen. Halte diese Situation, bis du merkst, dass er es versteht. Mache es ihm klar, dass du es ernst meinst - halte ihn fest und sieh in die Augen... wenn du das ruhig, aber mit Nachdruck tust, wird er nicht mehr lachen, oder alles für einen Spaß halten.

Noch was: Mit Erklärungen kommst du nicht weit, das funktioniert dann erst frühestens im Grundschulalter - dein Kleinkind KANN es rein kognitiv einfach noch nicht verstehen, selbst wenn er wollte. In diesem Alter kann man nix über die Vernunft regeln. Du sollst es aber natürlich trotzdem kurz ansprechen. "Mama darf man nicht hauen. Der Kühlschrank bleibt zu." etc, damit er es hört und natürlich auch weiß worum es geht. Kurz und kanpp.

Das alles wird nicht beim ersten Mal funktionieren, lass dich nicht entmutigen. Vor allem bleib ruhig und zeige nicht deine Unsicherheit, sonder trete souverän auf. Du bist die Mama - schon bald wird Tim das auch wissen. ;-)

So jetzt ist es doch ganz schön viel geworden. Ich könnte hier noch Seiten schreiben - Erziehung ist und bleibt ein weites Feld und es gibt bestimmt viele andere Meinungen oder Erweiterungen. Hör auch auf deine innere Stimme.

Liebe Grüße,
Sylvi

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"Noch was: Mit Erklärungen kommst du nicht weit, das funktioniert dann erst frühestens im Grundschulalter - dein Kleinkind KANN es rein kognitiv einfach noch nicht verstehen, selbst wenn er wollte. In diesem Alter kann man nix über die Vernunft regeln. Du sollst es aber natürlich trotzdem kurz ansprechen. "Mama darf man nicht hauen. Der Kühlschrank bleibt zu." etc, damit er es hört und natürlich auch weiß worum es geht. Kurz und kanpp. "

Kinder können Erklärungen erst im Grundschulalter verstehen #kratz#schock?
Sorry, aber wo hast du DAS denn her ????

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vielleicht aus der Entwicklungspsychologie???

Kinder lernen zunächst über Motorik und Sensorik, haptisch und imaginativ - die kognitive Ebene kommt viiiiiiiel später; bei jedem Kind anders; aber ein Kind von unter 2 Jahren wird definiv nicht verstehen, WARUM es jetzt den Kühlschrank nicht aufmachen soll etc.

die Posterin hat m.E. nur zugespitzt erklärt, WARUM ewige Belehrungen wenig bringen

LG Elanor

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hallo,

mein Kind ist auch 16 Mon. und zwischendurch habe ich auch immer mal wieder so das Gefühl: "aha, jetzt fängt wohl langsam das an, was man allgemeinhin Erziehung nennt"

kann mich dem hervorragenden Beitrag von Sylvi nur anschließen

und denke (nach Jesper Juul) das Kind testet nicht seine sondern DEINE Grenzen aus - wobei ich diesen TEST-Begriff ganz furchtbar finde; es möchte offenbar (das ist ja kein geplantes Programm) unbewusst die Regeln des menschlichen Zusammenseins herausfinden und außerdem und in erster Linie seine Welt entdecken!!!

ich bin immer wieder fasziniert, wieviel mein Kind schon annimmt und wieviele Regeln (z.B. in Steckdosen nicht herumpopeln, Mama nicht in die Brustwarzen beißen etc.) es bereits verinnerlicht hat

ich finde es auch ganz wichtig, NEIN nur auf wirklich wenige Dinge zu beschränken

nach Juul ist es wesentlich, dabei authentisch zu sein: Nein, ICH möchte nicht (dabei kann man auch hinterfragen, ob die Sache wirklich nicht geht - wenn du nämlich nicht voll dahinter stehst, merkt das Kind das und dann ist das Problem bei Dir, Du setzt die Grenzen nicht wirklich und daran "testet" das Kind dann)

und dann wirklich Alternativen anbieten; die Herdknöpfe sind bei uns z.B. automatisch gesichert -

den Kühlschrank darf er z.B. immer zumachen - das macht er mit großem Stolz und voller Freude

manchmal sage ich auch NEIN (nehme ihn davon ggf. weg), kurze Begründung, und: mach lieber etwas anderes, z.B. ...

und dein Kind hat das Recht wütend über dieses NEIN zu sein, bei deinem scheint es sich in Beißen und Kneifen zu äußern - meiner schreit oft furchtbar los, schwer auszuhalten dann

aber wütend brauchst du überhaupt nicht zu werden, wenn du dir die Situation klar machst

LG Elanor

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Meine ist 20 Monate und hört auch oft nicht

Ich verwarne sie zweimal, warne sie dann, dass sie in den Laufstall kommt, wenn sie nicht hört

Dann macht sie es trotzdem und schaut meine Reaktion

Dann kommt sie (unter lautem Gebrüll) für 5 Minuten in den Laufstall (oder Buggy)

nach ein paar Minuten beruhigt sie sich, ich hole sie raus und in 70 % der Fälle hat sie es dann verstanden und macht das auch nicht mehr

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