Warum legen so viele von euch kein Geld zurück?

Angeregt durch Beiträge in einem kürzlichen Beitrag zum „Ersparten im Alter von Ende 30“, ist mir eine weitere Frage gekommen:

Viele von euch scheinen - selbst wenn genug Einkommen vorhanden ist - nach dem Motto „ich will jetzt leben“ zu wirtschaften. Natürlich will nicht jeder seine Sparquote maximieren, das ist mir klar. Aber gefühlt haben diese Beiträge zu sämtlichen Altersarmut-Reportagen gepasst. In diesen ergibt sich oft ein ähnliches Schema: Die Person hat „hart gearbeitet“ und „gut gelebt“, aber eben auch zu jedem Zeitpunkt genau das ausgegeben was reinkam. Endergebnis: Weder für‘s Alter, noch für einen eventuellen Jobverlust waren Rücklagen vorhanden. Die Schuld sehen viele dieser Personen nicht bei sich selbst.

Dieses Verhalten verstehe ich nicht. Ich würde mich freuen, wenn sich hier der/die eine oder andere äußert, warum er/sie nach dem Motto „ich lebe heute, was interessiert mich morgen“ lebt.

Viele Grüße

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Hey,

Vielleicht verdienen die Leute zu wenig oder haben viele ausgaben (Kinder) um viel Geld zu sparen.
Vielleicht fahren/fliegen sie lieber in Urlaub, der kostet ja schon oft ehr viel....

Oder sie mussten im näheren Umfeld öfter mit erleben wie Menschen viel zu früh sterben mussten und deswegen lieber das Leben genießen?!

Und realistisch gesehen muss niemand in unserem Sozialstaat hungern, auch nicht im Alter.....

Ich denke der Mittelweg ist der richtige.....

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Hallo,

ich/wir habe auch keine Reichtümer angehäuft und das hat verschiedene Gründe:

1. haben wir ein "gebrauchtes" Haus gekauft, dass nach und nach renoviert werden muss. Somit geht ein Großteil des gesparten Geldes einfach dafür drauf, dass es ins Haus fließt.

2. Sehe ich es wirklich so, dass man, wenn man stirbt, kein Geld mitnehmen kann.

3. Bezüglich Altersvorsorge sehe ich den Sinn nicht in einer privaten Rentenversicherung. Diese hätte schon Ewigkeiten abgeschlossen werden müssen. Eine Rentenversicherung, die Du heute abschließt, wird bei Auszahlung nochmal versteuert.
Was ich mir aber vorstellen könnte, wäre, mal noch ein oder zwei Eigentumswohnungen (Studentenwohnungen) zu kaufen und die zu vermieten.
Das hat meine Mutter gemacht aber ganz ehrlich, sie hat da kaum Gewinn rausgezogen. Auch hier ist dauerhaft etwas zu renovieren usw.

Jetzt macht unsere Tochter Abitur, da müssen wir mal sehen, wo sie einen Studienplatz bekommt - auch wieder Kosten - also wieder nichts mit Reichtum anhäufen.

Aber ich würde mich zu Tode ägern, wenn ich mir mein Lebtag vieles verkniffen hätte, damit ich einen 6-stelligen Betrag auf dem Konto hätte und würde dann mit 50 vom Auto überfahren werden.

Allgemein würde ich sagen, dass bestimmt viele Leute mehr sparen wollte aber wie immer, wird das Leben dazwischen gekommen sein :-)

LG
Tiffy

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Hallo. Ich befinde mich aktuell in Elternzeit und wir können aufgrund von Hausbau auch nicht so viel sparen und mich belastet das schon. Wir haben zwar immer was auf der hohen Kante, aber das Leben ist leider sehr teuer geworden, auch Immobilienpreise usw... Ich konsumiere sehr wenig für mich und wir können trotzdem nur max 500Euro zur Seite legen...aber dann kommt immer etwas Unerwartetes und das Gesparte geht wieder drauf.... Auf Dauer könnte ich so wie jetzt nicht leben, vielleicht sehe ich das auch zu ernst - ich weiß es nicht... Gerade jetzt im Januar kamen sehr viele Versicherungen, eine Stromnachzahlung , AutoReparatur usw..-nur mal als Beispiel...Als wir beide Vollzeit gearbeitet haben, haben wir uns das Eigenkapital angespart, was wir für das Haus gebraucht haben. Man schläft ruhiger, wenn man finanziell abgesichert ist, das ist Fakt.

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Äm ,aber Versicherungen,Stromnachzahlungen, Autoreparatur dafür legt man sich jeden Monat Geld beiseite.

Wir haben alle Kosten die im Jahr unregelmäßig (vierteljährlich/halbjährlich usw) kommen zusammen gerechnet und dann durch 12 geteilt.

Das erste Jahr war blöd. Zurückgelegt und bezahlt, aber seit dem ist es mir egal, wenn 2000€ Rechnungen kommen-liegt ja.

Von daher habe ich kein Verständnis.

Und von so einer Summe bei euch beiden zusammen, könnt ihr nur 500€ sparen????

Dann läuft etwas gewaltig schief. Ich war auch 2 Jahre zu Hause und haben so weitergelebt wie vor dem Kind. Dann geht man halt mal ans Ersparte ran. Mit etwas Einsparungen kann man auch so vom Elterngeld leben. Wir haben zwar weniger Ausgaben wie ihr und Netto auch weniger, dennoch war alles drin. Aufs Sparen haben wir dann verzichtet.

Du jammerst auf ganz schön hohem Niveau.

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Ich weiss nicht, auf welche Reportagen Du anspielst, aber wenn man sich die Statistiken zum Thema Altersarmut anschaut, tauchen die, die ihr Geld mit vollen Händen ausgegeben haben, eher in geringer Zahl auf. Alleinstehende Frauen, Langzeitarbeitslose und Niedrigqualifizierte haben insgesamt das größte Risiko, von Altersarmut betroffen zu sein. Und ich denke nicht, dass die ihr Geld verprassen - die haben schlicht nix bis wenig übrig wenn Miete und Lebenshaltungskosten bedient sind.

Und auch bei dem Thread, auf den Du vermutlich anspielst, hatte ich nicht den Eindruck, dass die Antworterinnen ausgaben was 'reinkam. Viele hatten Immobilien, private Altersvorsorgen. Und jeder Vermögensberater wird Dir bestätigen, dass Geld auf einem Sparkonto momentan eine ziemlich unsinnige Form der Altersvorsorge ist.

Nein, ich spare nicht. Ich sorge für einen gewissen Puffer auf dem Girokonto und habe eine Immobilie und investiere monatlich in einen Fondsparplan. Was dann noch übrig bleibt wird verprasst.

Grüsse
BiDi

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Aber der Fondssparplan ist doch sparen?

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Sind wir mal realistisch... Sparen ist schwierig, denn das Leben wird immer teurer. Bereits als Durchschnittsverdiener muss man in diesem Staat doch so gut wie alle Lücken selbst stopfen. Wofür soll man denn nicht alles vorsorgen: die eigene Rente, Einkommensverlust durch Kinder oder Krankheit, eventueller Jobverlust, Krankheit bzw Zuzahlungen bei Arzt/ Medikamente, Pflegeheime für die Eltern, Kita/ Studiengebühren für die Kinder,... Die Liste lässt sich doch beliebig fortführen.

Zudem ist Sparen auch immer wie eine Wette bzw Glücksspiel. Weiß man denn, was in 30 Jahren noch was wert ist? 🤔 Man kann jetzt zB versuchen die eigene Rente mit privaten Versicherungen aufzustocken. Und dann beschließt der Staat nächstes Jahr, dass genau diese Sparform plötzlich mit Sondersteuer xyz versteuert werden muss... Alles schon dagewesen - auch das rückwirkend Steuern erhoben worden.
Oder ich investiere in ein Haus fürs Alter und nach der Grundsteuerreform (die ja gerade in der Schwebe hängt) muss ich plötzlich jährlich Unsummen für die Grundsteuer zahlen. Oder wer weiß was da auch demnächst fürs Klima beschlossen wird...
Oder ich spare etwas an und es kommt etwas völlig Verrücktes wie eine globale Pandemie und ich muss alle meine Ersparnisse aufbrauchen, bevor ich staatliche Hilfe bekomme.

Nicht falsch verstehen, ich bin auch ein Freund von "Sorge in der Zeit" und habe auch ein gutes finanzielles Polster. Aber wenn ich mir so überlege, wofür ich eigentlich alles noch Geld zurücklegen müsste, was so alles kommen könnte, dann glaube ich ernsthaft mir hilft da nur ein Lottogewinn, um genug sparen zu können. Zwischendurch will man ja auch noch mal leben. Immerhin geht man dafür ja auch arbeiten. Und zu oft habe ich leider auch das Gefühl, dass der Sparsame in diesem Staat leider der Dumme ist.

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>>>als Durchschnittsverdiener muss man in diesem Staat doch so gut wie alle Lücken selbst stopfen.<<<

Logisch, wer denn sonst #kratz?

Das nennt man Eigenverantwortung.

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Ich erwarte vom Staat, dass dieser auch vernünftig haushaltet. Dazu gehören für mich, dass essentielle Dinge bezahlbar bleiben, wie Pflege oder Erziehung/Ausbildung. 1800Euro für einen Pflegeplatz - dass muss man erstmal haben, wenn die Eltern zum Pflegefall weden und man selbst vielleicht noch Kinder hat, die auch noch 400 Euro Kita kosten! So etwas finde ich unverschämt.

Aber an anderer Stelle wird das Geld vom Staat dafür mit vollen Händen rausgeworfen (jüngste Beispiele: BER oder Corona Warnapp). Sowas macht mich dann schon sauer, dass der Staat seine Bürger viel zu oft als Melkkuh missbraucht.

Auch habe ich zum Beispiel selbst mein Studium finanziert. Aber denk nicht dran, vom Staat Hilfe zu bekommen, wenn man fertig ist und 1-2 Monate überbrücken muss bis zum Job, und noch eine Wohnung finanzieren muss. Da darf man auch schön selbst gespart haben. Aber die Steuern nimmt der Staat dann jeden Monat dankbar mit vollen Händen.

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In dem von dir genannten Beitrag war ich eine, die durch wenig Geld auf der hohen Kante aufgefallen ist.

Tja, das Leben ist teuer. Wir zahlen unser kleines Haus ab und werten es stetig auf. Das ist auch Kapital nur eben kein flüssiges.

Meine Gründe gegen das Sparen: es bringt nichts. Meine Mutter ist mit 61 Jahren gestorben und hatte keinen Tag etwas von ihrer Rente.
Meine Eltern haben für mich als Kind eine Lebensversicherung abgeschlossen in die monatlich 50DM eingezahlt wurden und werden. Wenn ich 55 Jahre bin wird die ausgezahlt. 25.000€. Und das ist lächerlich.
Mein Mann und ich haben jeweils eine Risikoleben um das Haus abzusichern.
Mein Arbeitgeber zahlt in eine Betriebsrente ein die bisher ganz angenehme Zahlen verspricht, aber auch die Betriebsrenten werden immer kleiner und bei Auszahlung besteuert.

Ich habe derzeit (wegen Elternzeit und Mann mit geringem Einkommen) keine grossen Möglichkeiten enorme Summen anzusparen. Es reicht für 2-3k€ falls mal was kaputt geht. Mehr ist eben nicht drin. Aber da ich der Meinung bin, dass Erspartes im Alter nichts bringt...

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Hallo,

55 Jahre lang monatlich 50 DM (von Anfang an und ohne Unterbrechungen) einzahlen bedeutet 33.000 DM. Zum Kurs DM/€ von 1,95583 umgerechnet, macht das 16.872,63€:

(55Jahre x 12Monate x 50 DM)/1,95583 = 16.872,63€

Du bekommst 25.000€ ausgezahlt.

Wieviel hättest Du für angemessen gefunden? Das interessiert mich wirklich, denn oft ist es so, dass die Zahlen so nie angeschaut werden.

(Ja, die Verzinsung ist nicht so toll, aber da die genaue Laufzeit & sonstige Vertragsbedingungen hier unklar sind, möchte ich darauf nicht eingehen)

VG

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Richtig die Verzinsung ist nicht toll. Und das bei einem Vertrag der über diesen enormen Zeitraum ging und in einer Hochzinszeit abgeschlossen wurde!

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Ich muss mich mehr oder weniger entscheiden.
Leben oder sparen.

Klar könnte ich gewisse Ausgaben lassen, aber in der Summe: wenn was auf dem Konto ist, dann fahre ich mit meinem Kind in den Urlaub oder wir machen was schönes.

Das ist es mir ehrlich gesagt wert.
Ich habe durch das Betreuungsmodell was mein Ex und ich haben so wenig Zeit mit meinem Kind. Da gebe ich mein Geld lieber für uns aus als es irgendwo anzusparen.

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Ich werde gut erben bzw. profitiere schon jetzt gut davon.

LG Claudi

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Ich glaube, da gibt es sehr unterschiedliche Gründe.

Ein Klassiker sind natürlich Kinder (mehr kosten, gleichzeitig verdient einer der Eltern meist weniger - und das ist meist die Frau). Bei einem durchschnittlichen Gehalt vor Kindern merkt man beide Effekte sehr deutlich.

Wenn man eine Immobilie abbezahlt, renoviert etc dann kann das auch ein Punkt sein. Das mag man zwar nicht als sparen betiteln, aber es ist immerhin ein Vermögensaufbau.

Manchmal ist es einfach ein von vornherein geringer Verdienst, da bleibt nicht so viel Luft.

Keine Frage, ein paar Euro im Monat kann man immer zur Seite legen, sollte man auch für die kaputte Waschmaschine oder das Auto oder die Jahreskarte für Öffis. Nur ist die Spanne da groß, sind 20 Euro oder 200 bei eher geringen Einkommen schaffbar?

Und natürlich gibt es dann auch Leute die nicht sparen wollen oder nicht können (weil falscher Umgang mit Geld).

Ein paar Beispiele aus meiner Umgebung:

In der Nachbarschaft gibt es eine Familie mit fünf Kindern und 1,25 Jobs (im öffentlichen Dienst, kein Managergehalt oder dergleichen). Ich kenne ihre Zahlen nicht, sie haben aber einmal gesagt, dass sie ihr Eigenheim halt Stück für Stück renovieren wie es gerade geht. Sie tun halt was sie können, aber die Mittel sind halt begrenzt, groß sparen wird da nicht sein bzw geht das halt dann in die Renovierung...

Eine Freundin von mir ist bei Geld etwas inkonsequent (mittlerweile ist es aber deutlich besser). Ach das Kleid ist so süß! 180 Euro hat es gekostet, mir wäre das - obwohl ich damals mehr verdient habe - zu teuer gewesen.

Ein Ex von ihr war auch nicht ideal. Sie damals in Ausbildung, sie hat Lebensmittel etc bezahlt, er hat sein nicht gerade üppiges Einkommen in Party und in die Konsole gesteckt.

Deutlich über 2000 verdienen und trotzdem nicht sparen? Geht auch!
Habe leider so ein Exemplar zu Hause sitzen...
Wo gibt er Geld aus? Für hochwertige Lebensmittel, Restaurant (ab 100 Euro pro Person kann man ohne Probleme ausgeben) und Urlaube (so ein Urlaub kostet dann schon Mal 1500 Euro oder mehr - pro Person und Woche). Wenn doch was übrig bleibt, dann wird es halt an der Börse verzockt. Ergebnis am Sparkonto: Null Euro.

Er schafft es nicht, und auch wenn ich es wirklich nicht verstehe, ich glaube es liegt irgendwo in seiner Natur. Ich will das jetzt und fertig. Keine Gedanken an Zukunft, keine Vorsicht.

Solche Leute gibt es auch!

LG

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Mir wurde immer von meiner Mutter auf den Weg gegeben, sparen sparen sparen!
Wenn später etwas sein sollte, dann...

So dann habe ich die Ausbildung zur Krankenschwester angefangen.
Habe Menschen mit 89 oder 99 Jahren sterben sehen, aber auch eben Sprösslinge und Kinder mit 14, 19 oder 9 oder zB eine frischgebackene Mama mit 33 Jahren.
Und was machen wir?
Wir sind damit beschäftigt, weiterhin alles auf ein Morgen zu verschieben etc, obwohl wir nicht mal wissen, ob es ein Morgen gibt.

Natürlich wird gespart, wenn es machbar ist, aber ich lege längst nicht mehr jeden Cent zur Seite für den Fall xx, sondern sehe zu, dass ich mit meiner Familie wichtige/kostbare Momente erleben kann und dass wir uns kleine Wünsche, wie zB Reisen etc gönnen.

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