Mit den Kindern zuhause bleiben

Hallo,

wir stehen momentan vor einem Dilemma, das vielleicht keins ist.

Unsere Tochter ist dreizehn Monate alt. Ich habe sie im Studium bekommen. Momentan schreibe ich meine Abschlussarbeit und könnte dann im Sommer ein Volontariat beginnen. Leider geht das nur in Vollzeit. Ich habe bei mehreren Stellen angefragt und auch meine Professorin auf das Thema angesprochen. Wir finden unsere Tochter einfach noch viel zu klein, um sie jeden Tag so lange abzugeben. Hinzu kommt, dass ich die Arbeit ok fände, um Geld zu verdienen, aber nicht dafür brenne. Auf der anderen Seite genieße ich es sehr, Mama zu sein. Außerdem haben mein Mann und ich beide noch einen Kinderwunsch.
In den letzten Tagen hat er mir ein paar mal vorgeschlagen, möglichst bald noch ein Kind zu bekommen und dass ich dann mit den Kindern zuhause bleibe. Finanziell wäre das auf jeden Fall möglich. Und es erscheint mir wie eine Traumvorstellung.

ABER es fühlt sich einfach unglaublich komisch an. Ich weiß nicht, ob ich das an der gesellschaftlichen Sicht liegt, weil die Frauenrolle heute eine andere ist, oder ob tatsächlich etwas dagegen spricht. Deshalb würde ich mich für eure Perspektiven interessieren.

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Also die gesellschaftliche Sicht kannst Du getrost vernachlässigen. Die Leute finden immer Grund zu reden. Arbeitest Du nicht, ist es falsch. Arbeitest Du, ist es auch falsch. Es liegt alleine an EUCH, diese Entscheidung zu treffen und zu leben.

Ich habe 2 Kinder (Grundschule und 11. Klasse). ICH für mich, kann mir HEUTE ein Leben als Nur-Hausfrau gut vorstellen. Mein Mann sagt aber immer, dass er mich kennt, und dass er weiß, dass mir das ein paar Monate, vielleicht 1 Jahr gefällt und dann wird mir langweilig. Und recht hat er. Auf Dauer ist es wohl nichts. Für MICH. Allerdings hab ich meine Arbeit nie ganz aufgegeben die letzten 17 Jahre. Derzeit Teilzeit, wäre es auch kein Problem, Vollzeit etwas zu finden. Will ich nicht. Was ich sagen will: ICH hab eine Ausbildung, 26 Jahre Berufserfahrung. Dazu kommt, dass in meinem Umfeld tatsächlich die besten Ehen auseinander gehen. So mit Mitte 40 geht es wohl los. Vor 3 Jahren noch, als uns ein älterer Bekannter das von seinem Umfeld erzählte, konnte ich es gar nicht glauben. Aber es ist so. Es rappelt bei vielen in der Kiste. Selbst bei mir und meinem Mann (sind jetzt 20 Jahre zusammen) bröckelt es ab und zu schon arg. Und wir sind und waren eigentlich immer DAS Paar. Es schockt mich, es zugeben zu müssen. Aber man muss tatsächlich dran denken, dass sich alles ändern kann. Ich bin sehr wohl schon auch ein verwöhntes Frauchen, welche derzeit nur 20 Stunden arbeitet und lieber nicht will. Finanziell wär es locker drin. Trotzdem sollte man sich als Frau nicht ganz aufgeben. Wenn man schon was hat und ein paar Jahre Jobpause macht ist das sicherlich kein Thema. Aber von vornherein nur Hausfrau...... könnte auf Dauer schwierig werden.
Aber wie gesagt: EURE Entscheidung, EURE Familie. Es geht niemanden etwas an. Ihr müsst für Euch den richtigen Weg finden.

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Ich verstehe dich, denn mir fällt es auch schwer, unser Kind abzugeben.

Was du beachten solltest:
- Finanzen klar regeln, damit du deinen Mann nicht vor jeder neuen Anschaffung fragen musst
- Rente
- was machst du, wenn die Kinder älter sind? Hättest du dann gute Einstiegschancen in deinem Beruf oder wäre es für dich auch ok, in einem anderen Bereich zu arbeiten?
- wie stabil ist eure Beziehung?
- wie sicher ist seine berufliche Lage?

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Na ja , es ist ja Eure Sache und muss für Euch passen. Ich ging wieder arbeiten, als mein erstes Kind 10 Monate alt war: halbtags, Oma hat auf die Kleine aufgepasst. Mit 18 Monaten ging sie schon in den Kindergarten: wieder zuerst halbtags. Mit meinem zweiten habe ich das wieder so gemacht. Mir war es wichtig, gut finanziell da zu stehen, und wofür habe ich denn studiert? Ich habe es nie bereut. 10 Jahre später verdiene ich auch in Teilzeit super und habe Zeit für die Kinder. Wie lange dauert so ein Volonteriat? Ein Paar Monate oder ein Jahr? Berufliche Erfahrung ist wichtig. Hast Du Omas in der Nähe? Es geht aber darum, was Du machen möchtest. Wenn ein Volonteriat über 1 Jahr dauert, würde ich es angehen, Betreung organisieren und gegen Ende noch schwanger werden. Dann hast Du kurzen Abstand zwischen Kinder und hast doch dich beruflich weiterentwickelt.

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Na, wenn du das Volontariat nicht antreten kannst, weil du schwanger oder in Elternzeit bist, dann ist das wenig förderlich für dein berufliches Dasein, oder? #gruebel

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Die Frage ist ja eher, was du willst.
Wie sehen die Chancen aus, nach einer Auszeit beruflich Fuß zu fassen in deinem angestrebten Job? Ist es eine einmalige Chance die du nicht verpassen möchtest oder gibt es solche Angebote öfters? Möchtest du das überhaupt oder wäre es auch für dich in Ordnung, dich wieder neu zu orientieren?
Möchtest du in dne nächsten Jahren Vollzeit oder Teilzeit arbeiten?

Wie sieht es mit Rentenvorsorge aus? Ist es finanziell auch noch machbar, privat dort für dich vorzusorgen?

Nur, weil andere es so machen, würde ich mich nicht für das eine oder das andere entscheiden.

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Hi,
Ich kann deine Überlegungen gut verstehen.
Als ich 19 war, starben meine Eltern. Meine Schwester war 3. Für mich war klar, die kleine bleibt. Hab dann mein Studium umgeworfen, da mein Freund und ich beschlossen hatten, dass wir ganz viele Kinder haben wollen. Hab erst mit 25 mein erstes Kind bekommen aber die Betreuung meiner Schwester war immer so'ne Sache.
Alls ich mit dem Studium fertig war haben wir ein echt riesiges Haus mit Praxis für mich und Wohnung für Aupair gebaut...
Bin jetzt NOCH 39, hab 5 Kinder + meine kleine Schwester (die ist schon 23 😝) und bin seit fast 24 Jahren mit meinem Mann zusammen (fast 14 Jahre verheiratet).
Der hat übrigens nicht studiert, falls das wichtig ist...
Ich will sagen, es kommt drauf an, wie Frau plant, dann muss sie nicht ausschließlich zu Hause bleiben.
Ich wünsche dir und deiner Familie alles Gute und bleibt gesund 💐🍀🎈
LG
GESPENST 👻

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Wow, von mir bekommst du meinen tiefsten Respekt.

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Danke ❤️

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Kannst du das Volontariat dann auch in sagen wr 4, 5 Jahren machen oder ist der Zug dann abgefahren?

Ich bin zu Hause geblieben bis unser Kleiner 3 Jahre alt war.
Gegenwind kam auch nur von einem Teil der "Gesellschaft", es gab auch viel Zuspruch von gerade älteren Menschen die sagten Karriere sei nicht alles im Leben.

Für mich war wichtig dass ich nach der Auszeit beruflich wieder einsteigen kann, habe kurz vor Wiedereintritt ins Berufsleben auch Fernlehrgänge mitgemacht. Und dass meine Rente trotzdem sicher ist, man kann zb auch freiwillig in die gesetzliche einzahlen und die privaten Vorsorgen sollten natürlich auch weiter bedient werden.

Für mich war es klar dass ich 3 Jahre zu Hause bleibe und danach auch nur TZ arbeite, aber ein komplettes zu Hause bleiben wäre für mich nicht in Frage gekommen. Man weiß nie was kommt, der Partner kann auch erkranken oder was auch immer, die Zeiten ändern sich, und ich möchte mich nicht dauerhaft auf ein Gehalt verlassen. Gerade die Krise jetzt zeigt ja wieder wie schnell vermeindlich sichere Jobs wanken. Wenn die Kinder erst mal in den Kindergarten gehen sehe ich keinen Grund zumindest diese Zeit wieder arbeiten zu gehen, auch wenn ich zu Hause immer was zu tun habe, wir haben einen großen Nutzgarten, versorgen uns so weit es geht selber, haben auch noch eine Streuobstwiese auf der immer was zu tun ist, aber so ganz ohne Arbeit würde mir was fehlen.

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"man kann zb auch freiwillig in die gesetzliche einzahlen"

Kann man machen, das sollten aber nicht nur 50 EUR sein. Für einen Durchschnittsarbeitnehmer mit einem Durchschnittsarbeitsgehalt (knapp 38 000 EUR Brutto) werden pro Jahr mehr als 7000 EUR an die Rentenversicherung gezahlt (AN- und AG-Anteil!)

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Hallo,

zum Verständnis:
Dein Mann hat vorgeschlagen, dass du dauerhaft zu Hause bleibst oder nur bis zum Ende der Elternzeit mit Kind 2? Kannst du deine berufliche Ausbildung auch später noch beenden oder hast du das gar nicht vor?

Natürlich muss das jeder für sich entscheiden, aber ich finde es gefährlich, keine (fertige) Ausbildung zu haben - egal ob Mann oder Frau. Jeder sollte in der Lage sein, sich und die eigenen Kinder zumindest theoretisch versorgen zu können. Was ist, wenn dein Mann arbeitsunfähig wird oder stirbt? Was ist im Falle einer Trennung? Wie wirst du abgesichert sein?

Weitere Fragen, die mir dazu durch den Kopf gehen:
Wie stellst du dir das Leben als Hausfrau vor? Bist du für den gemeinsamen Haushalt und die gemeinsamen Kinder dann allein zuständig? Willst du das wirklich? Wie viel Zeit verbringt dein Mann mit eurem Kind? Wie viel Zeit wird er mit euren Kindern verbringen können? Wie hoch ist der Preis dafür, dass er euch allein versorgen kann? Findet ihr das erstrebenswert?

Wenn du deine Ausbildung nur um die Elternzeit von Kind 2 verschieben möchtest, das problemlos möglich ist und ihr es euch leisten könnt, spricht nicht so viel dagegen. Es mag nicht optimal sein, aber auch nicht unmöglich.

LG

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Was hast du denn vor dem Studium gemacht? Hast du bereits gearbeitet oder waren es "nur" Schule und Studium? Sei dir bewusst, dass ein Einstieg in den Beruf mi Mitte 40, wenn die Kinder "groß" sind, sicherlich nicht einfach ist, sofern man keinerlei Berufserfahrung vorweisen kann.

Weiterhin gäbe es zahlreiche Faktoren zu berücksichtigen / abzusichern:

- Todesfall des Mannes
- (langfristige / schwerwiegende) Erkrankung oder Behinderung des Mannes
- Trennung / Scheidung (man geht selten im Guten auseinander)
- Rente
- Jobverlust des Mannes
- immerwährende Abhängigkeit / Abhängigkeitsverhältnis

Ich persönlich würde mich immer beruflich sortieren, bevor ich ein Kind bekomme. Allerdings hatte und habe ich auch immer den Anspruch, selbstständig "lebensfähig" und im Ernstfall finanziell unabhängig zu sein.

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