Ich schaffe das psychisch nicht mehr...

Guten Morgen,
da mir der Kopf momentan irgendwo steht, möchte ich meine Gedankengänge gerne mal mit euch teilen. Ich hoffe auf jemanden zu treffen, dem es vielleicht ähnlich geht oder erging. Und zwar geht es um meine derzeitige Arbeitsstelle.
Vielleicht kurz als Vorgeschichte. Ich habe mein Abitur erfolgreich im Jahr 2016 abgeschlossen. Für mich war damals klar, dass ich im Büro arbeiten will. Danach habe ich ein Jahr Berufserfahrung in einem Autohaus gesammelt (natürlich im Büro). Da war die Bezahlung allerdings ziemlich mies unter dem Kollektiv (ich war einfach nur froh direkt nach dem Abitur einen Job zu finden) und so habe ich in meine derzeitige Arbeitsstelle gewechselt und arbeite derzeit 3 Jahre im Tätigkeitsbereich „Normierung/Qualitätsmanagement“ in einem internationalen Automobilindustrieunternehmen. An sich ist mein Job sehr interessant und wird für mich sehr gut bezahlt. Nur fühle ich mich wirklich einfach nicht wohl. Ich habe es so lange versucht zu unterdrücken, aber ich komme mit dieser Arbeitsstelle einfach nicht klar. Ich wurde unzureichend eingeschult und musste mir alles selber erlernen. Daher fehlt mir auch jetzt einiges an Information oder technischem Verständnis für meine Tätigkeiten. Ich bin sehr lernbereit und ich langweilige mich manchmal total, da ich einfach mehr wissen möchte und lernen möchte.
Ein anderes Manko ist mein Arbeitsumfeld. Ich sitze in einem Büro wo ich absolut nicht dazugehöre (abteilungsmäßig sowie menschlich)…. Der Altersunterschied ist einfach teilweise zu groß und es redet KEIN Mensch mit mir… Nicht mal meinen Einstandskuchen wolle jemand essen. Mein Chef weiß das, denkt aber, dass es für mich kein Problem ist, weil ich nie wirklich darüber mit ihm gesprochen habe. Das war es auch nie, aber mittlerweile belastet es mich sehr. Ich sitze wirklich 8 Stunden vor dem Rechner, mache alleine 30 Minuten Pause und ansonsten habe ich keinerlei Ansprechpartner mit denen ich mich mal unterhalten könnte (es ist also wirklich sehr anstrengend). Ich habe oft Kopfschmerzen, wenn ich nach Hause komme. Mein Chef und meine Kollegen sitzen leider in einem anderen Werk. Ich bin mittlerweile einfach nur müde, habe keine Lust mehr meinen Tätigkeiten nachzugehen, überhaupt in die Arbeit zu gehen UND es belastet mich psychisch extrem. Ich könnte nur noch heulen, wenn ich daran denke, 5 Tage in der Woche 40h zu arbeiten. Die Arbeit staut sich an, weil ich es mittlerweile nicht mal mehr schaffe normal zu arbeiten.
Da ich mit der jetzigen Situation einfach nur unglücklich bin, habe ich mich dazu entschlossen eine Weiterbildung anzufangen. Ich möchte gerne berufsbegleitend studieren um so mein Wissen im Bereich der Automobilindustrie zu verbessern. Das Studium dauert 3 Jahre und fängt nächstes Jahr im September an. Mein Chef findet das wirklich toll und ich habe wirklich die perfekte Schnittstelle zu meiner Arbeit, hätte da auch schon ein Thema für eine Bachelorarbeit bekommen. Das würde mir das berufsbegleitende Studieren enorm erleichtern, da mich auch mein Chef 100% unterstützt und ich bereits im passenden Umfeld arbeite (Automobilindustrie, Prozessmanagement, Qualitätsmanagement). Und ich eben nicht ewig in dieser Stelle sitzen bleiben möchte. Und ich muss wirklich sagen, ich könnte mir auch keinen besseren Chef vorstellen.
Jetzt bin ich also wirklich in der Zwickmühle, dass ich meine Arbeit an diesem Standort mittlerweile schon hasse, keine Kollegen oder Freunde auf der Arbeit habe, 8 Stunden alleine vor dem PC sitze, ABER gute Aufstiegsmöglichkeiten und ein nahes praxisbezogenes Studium habe.
Ich weiß nicht mehr was ich machen soll. Mit dem Chef sprechen, bringt mir jetzt nach drei Jahren auch nichts mehr und versetzen lassen kann ich mich nicht. Würde ich den Job wechseln, finde ich vielleicht kein passenden Angebot mehr (kein Qualitätsmanagement, keine Automobilindustrie), aber psychisch belastbar für 4 Jahre in dieser Stelle bin ich bestimmt nicht, schon gar nicht mit Vollzeit-Job und Studium. Ich habe mir mal eine Pro/Contra Liste zusammengeschrieben und außer dass es mir um mein Gehalt, die flexiblen Arbeitszeiten und das praxisbezogene Studium geht, hält mich in dieser Firma nichts anderes.
Ich habe einfach Angst einen Schritt zu weit zu gehen und vielleicht mit einer Kündigung alles falsch zu machen, zumal ich nicht weiß ob es in einer anderen Firma besser laufen würde oder ich überhaupt ein passendes Angebot finde.
Kennt jemand von euch so eine Situation? Ich bin wirklich verzweifelt. :-(

Danke und glg #klee

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Hast du eine Ausbildung gemacht oder arbeitest du ungelernt?

Meine erste Eingebung war: Kündigen, Vollzeit studieren und nebenbei als Werkstudent arbeiten, lohnt sich finanziell sehr und mit deiner Erfahrung bist du sicherlich heiß begehrt. Ich hätte absolut keinerlei Ehrgeiz, in so einer Situation zu arbeiten und das ertragen zu müssen. Du bist vermutlich noch sehr jung (Abi 2016?), du musst nicht einem Arbeitgeber die ewige Treue schwören. ;)

Ich würde allerdings generell schauen, dass du dich nicht zu sehr auf die Automobilbranche spezialisiert, das könnte dir später auf die Füße fallen. Also lieber ein generelles Studium Richtung QM (oder einfach BWL) und ruhig währenddessen mal in andere Branchen schnuppern.,.

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Nein, also ungelernt arbeite ich nicht. Wie gesagt ich habe Abitur/Matura und bin jetzt 23 Jahre alt. Habe deshalb eine Ausbildung als Bürokauffrau, Sachbearbeiterin, Hotelmanagement, Sprachenkorrespondenz usw..
Habe mich aber in Richtung Automobilindustrie bewegt, weil mich das Umfeld sehr interessiert - also ins Büro. Mein Partner und ich möchten uns nach meiner weiteren Ausbildung selbständig machen im Automobilbereich bzw. etwas technisches.
Aber wie du schon sagst, ich habe keinerlei Ehrgeiz mehr in meiner jetzigen Stelle...

Und ich denke ein Studium wäre schon mal die richtige Richtung. Nur habe ich die 3 Wahlfächer dabei. Entweder Automobil, Handel oder Medizin...
Ich werde mich mal nach anderen Studien umsehen. Auf jeden Fall kann es so nicht weitergehen.

Vielen Dank und lg

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Zum Verständnis:

Hast du ein österreichisches Matura mit Berufsabschluss dabei?
Statt allgemeinbildend 8 Jahre eben die 9 Jahre mit Spezialisierung?

Wenn ja, ist es ein sehr wichtiger Hinweis.

In D kenne ich nur das Abitur, das noch keine Ausbildung beinhaltet.
Je nach Bundesland sind es 8 oder 9 Jahre. Allgemeinbildend oder berufsorientiert.
Mit dem Abitur hat man aber noch keine Ausbildung!
Damit kann man im Anschluss eine Ausbildung machen, bei der man die Lehrzeit verkürzen kann.

Mit Fachhochschulreife (eingeschränkt) oder Abitur kann man studieren. Oder Ausbildung machen. Das Abitur alleine ist nur ein Schulabschluss, der dazu befähigt zu studieren/Ausbildung zu machen. Mehr auch nicht.


Mit deutschem Abitur würde ich dir DRINGEND eine Ausbildung empfehlen.
Mit österreichischem Matura mit Berufsabschluss sieht es komplett anders aus.
Da würde ich zwar das Studium weiter in Betracht ziehen, aber durchaus mal andere AG checken. Wer sucht in deiner Umgebung? Initiativbewerbungen? (nur weil du zum Vorstellungssgespräch eingeladen wirst, heißt das noch nichts. Weder dass du dann dort anfangen musst, noch dass du automatisch kündigst. Erst mal deine Chancen prüfen. Wenn es gut läuft: Vertrag unterschreiben - Arbeitsbeginn nach Kündigungsfrist - dann fristgerecht kündigen).
Wenn du nichts passendes findest, weißt du wenigstens, warum du bleibst, wo du bist und es später noch mal versuchst.

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Du hast Abitur gemacht und bist dann ins Büro gegangen und arbeitest ohne Ausbildung?

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Dann schleunigst anfangen mit Studium oder Ausbildung!

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Mich irritiert gerade dein beruflicher Werdegang etwas. Hast du denn jetzt ne Ausbildung gemacht? Dann kannst du aber noch nicht lange ausgelernt sein, sprich du stehst am Anfang des Berufslebens...ganz am Anfang.
Oder du hast keine Ausbildung gemacht und bist jetzt ungelernte Hilfskraft.

Ist aber für meine Antwort eigentlich auch egal und möchte dir etwas anderes mit auf den Weg geben.
1. Ich habe das Gefühl, das du eine falsche Vorstellung vom Berufsleben hast. Ja, man geht da hin, arbeitet und geht wieder nach Hause. Es ist nicht mehr wie in der Schule, das man unsagbar viel zeit für unwichtiges Gedöns hat. Hast du jetzt einen Job, ohne Teamarbeit/-kollegen, dann ist das einfach so. Wenn man dann zufällig jemanden trifft, mit dem man menschlich auf einer Wellenlänge ist, dann ist das schön, aber kein muß. Zu enge private Verbindugen können nämlich massig Konfliktpotential bieten und auch von der Arbeit ablenken.
2. Du bist jung, wenn dir ein Job nicht passt, dann such dir einen neuen, probiere deine Möglichkeiten aus, bilde dich weiter. Logisch das sich dann einige Türen schließen , dafür aber andere öffnen.
3. Solltest du jemals von den Plänen mit deinem Freund auf der Arbeit erzählt haben, dann ist klar, warum du dich nicht dazugehörig fühlst, denn niemand wird sich die Mühe mit dir machen....weil du ja eh bald weg bist.
4. Von einer ausgebildeten Arbeitskraft (ich benutze mit Absicht dieses Wort) erwartet man Sicherheit in ihrem Beruf. Bei dir das Kaufmännische. Wechselst du in eine andere Branche, dann wird verdammt viel Eigeninitiative erwartet, um die Materie zu begreifen. Sprich, wechselst du von Autos zu Möbeln, dann nimmt dich niemand mehr an die Hand und erklärt dir alles von der Pike auf.
5. Natürlich interessiert den Chef nicht, ob du in der Firma Freunde findest. Solange du nicht gemobbt wirst, ist alles gut. Nur die Leistung zählt.
6. Reine PC Arbeit macht gerne Kopfschmerzen, dagegen kann man etwas unternehmen.
7. Wenn dich der normale Arbeitsalltag schon überlastet, wie willst du dann berufsbegleitend studieren?
8. Vielleicht hast du beruflich auch komplett auf das falsche Pferd gesetzt, das könnte auch den totalen Durchhänger erklären.

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Ok, ich glaube ich habe da einiges falsch verstanden. Da ich aus Österreich komme, habe ich natürlich eine Matura mit Ausbildung. War dazu 5 Jahre in der Schule und habe da eben sehr wohl ausgelernte Berufe dabei. :-D
Dachte das ein Abitur in DE mit der Matura in Ö gleichgesetzt wird. Sorry für das Missverständnis.

Es ist mir klar, dass ich nicht unbedingt Freundschaften auf der Arbeit erzwingen muss, ABER wie eine Aussätzige behandelt werden ohne das ich irgendetwas erzählt oder getan habe muss nicht sein. Es erschwert mir meinen Arbeitsgang.
Es weiß absolut keiner von meinen Plänen mit der Selbstständigkeit und die anderen im Büro schon garnicht, weil die nicht mal Hallo oder Tschüss zu mir sagen....
Die Überlastung wird definitiv zum Problem werden.

Und ich denke auch, dass ich beruflich damals auf das falsche Pferd gesetzt habe, da ich absolut nicht wusste, was ich später machen möchte. Jetzt habe ich den Salat.

Eine Weiterbildung möchte ich dennoch in Betracht ziehen, da mir mein jetziger Stand nicht reicht. Dazu sollte ich mir aber definitiv eine Arbeit suchen, die mir passt.
Nur brauche ich da einfach noch mehr Denkanstoß von außen, da mir Veränderungen nicht so leicht fallen.

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Hmm also ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass in einem ganzen Büro nicht ein einziger Mensch mit dir redet?! Gehst du denn offen auf die Leute zu? Grüsst du sie wenn du kommst? Oder wartest du an deinem Schreibtisch bis sie zu dir kommen?

Auch das mit dem Einstandskuchen.. hast du den bereits am ersten Tag mitgebracht? Wenn ja, sowas käme bei uns total schleimig rüber. In der Regel bringt man den, wenn überhaupt, nach der bestandenen Probezeit. Aber da sagt man was dazu. Wenn du ihn wortlos in die Küche gestellt hast ist klar, dass den niemand anschneidet.

Grundsätzlich strahlt man sein Befinden auch aus. Wenn du dich so dermassen unwohl fühlst, könnte ich mir vorstellen dass du von aussen betrachtet total unnahbar und angepisst rüberkommst so dass alle automatisch auf Abstand gehen. Ich würde ein bisschen mein Verhalten reflektieren "wie wirke ich auf die anderen?" und dann daran arbeiten.

Auf keinen Fall würde ich diese Chance hergeben, das klingt zu traumhaft und sowas fällt dir kein zweites Mal mehr in den Schoss. Dein grösstes Problem scheint ja die Einsamkeit zu sein, daran kann man arbeiten da bin ich sicher. Beteilige dich mehr am Sozialleben vom Team.

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Ich habe den Kuchen 3 Monate später mitgenommen, für den Einstand im neuen Büro und zum Geburtstag. Hab ihn direkt ins Büro gestellt und dazu gesagt, dass sich jeder ruhig etwas nehmen soll..
Ich beteilige mich auch öfters an Gesprächen. Anfangs war ich noch TOP motiviert für den Job, habe wirklich alles versucht, aber jetzt habe ich einfach keinen Bock mehr..
Und ich glaube dase ich einfach auch nicht mal 100% weiß ob ich da angekommen bin wo ich hinwollte. Denn mittlerweile wird mir auch klar, dass ich nicht mehr 8 std. vor dem Computer sitzen will..

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Nun, ich würde trotzdem die Zähne zusammenbeissen und die Ausbildung machen. Gerade im Bereich QM sitzt man ha dann nicht mehr der Grossteil der Zeit am Computer sondern an den Produkten. Wenn dir das QM grundsätzlich gefällt, dann bleib dran! Nebenbei könntest du vielleicht einen Psychologen aufsuchen. Mir scheint nämlich, dass dort (Büro) alles ok ist aber du sonst einfach irgendwie unzufrieden bist. Du klingst leicht depressiv..

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Ich sehe es auch wie Diva2020.
Das Arbeitsleben ist anders als die Schulzeit und Ausbildung. Man geht jeden Tag hin um seinen Job zu machen. Mein Chef hat Mal gesagt, wenn die Leute den ganzen Tag Spaß haben möchten, müssen sie heute mitbringen, dafür werden sie nicht bezahlt. Ich finde, er hat Recht. Natürlich muss einem der Job liegen, aber man geht eben nicht hin, um zu quatschen, Freunde zu finden oder eben Spaß zu haben.

Grundsätzlich stellt sich für mich auch die Frage, warum du das auch noch studieren willst, wenn du jetzt schon merkst, dass die Arbeit dir nicht gefällt. So wie ich es verstanden habe, arbeitest du jetzt im QM, möchtest das studieren und wirst ja dann im Anschluss auch einen ähnlichen Job haben.
Es gibt halt nun Mal viele Arbeiten, die man einfach für sich allein am PC erledigen muss und dafür keinen Kontakt zu Kollegen braucht. Bei dir ist es ja anscheinend auch so, denn dir fehlt der private Kontakt zu Kollegen und nicht der berufliche um deinen Job zu machen. Vielleicht sehen es die Kollegen einfach auch so, dass sie da sind um ihren Kram fertig zu machen.

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Hallo

Du sagst, du habest Mühe mit Veränderungen. Deshalb hier der erste konkrete Tipp: Mach einen Myers-Briggs-Test (https://www.16personalities.com/de). Aber beachte: Jeder Stärken-/Schwächentest hat auch seine... Stärken und Schwächen.. d.h. mit Bedacht herangehen. Soll dir einfach ein weiterer Input, ein kleiner Wegweiser sein.

Der zweite Tipp: Automobilbranche schön und gut, aber denke weiter und eröffne dir weitere Perspektiven im Umfeld. Mach deine Weiterbildung in "Mobilität". Das ist ein Riesenthema, denn es besteht steigender Bedarf, neue Technologien in der E-Mobilität inkl. E-Ticketing, steigende Fahrgastzahlen und der Umgang damit (sicherheitsrelevante Produkte im Zusammenspiel mit der Digitalisierung -> QM), Wechsel von Benzin/Diesel auf Elektro, Bedarf an Infrastrukturerweiterungen, uvm. Ist also sehr zukunftsgerichtet und beinhaltet die Automobilbranche, aber nicht nur.

Die Situation mit 'nicht-kompatiblen' Kollegen kenne ich. Ich habe jeweils die Zähne zusammengebissen, obwohl ich dachte, das kann es ja nicht sein. Fokussiere dich viel stärker auf deine Ziele und mach dir viel weniger 'nen Kopf wegen deinem Umfeld. Auch wenn ein Austausch auf Arbeit eigentlich besser fürs Geschäft ist.. wenn der Wunsch nur einseitig ist, dann ist das halt so.

LG und alles Gute.

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