Arbeitet ihr Teilzeit? Würdet ihr es wieder so machen?

Hallo!
Irgendwie kommt mir dieses Thema in letzter Zeit häufig in den Kopf.

Ich bin studierte Diplom-Kauffrau, verheiratet, 2 Kinder (8 Jahre).

Für mich war immer klar, wenn ein Kind kommt, bleib ich zu Hause und arbeite danach Tz. Ich habe damals das gleiche wie mein Mann verdient.

Nun blieb ich also 2 Jahre zu Hause und arbeitete danach Tz (20 Stunden/Woche). In meinen alten Beruf vor der Elternzeit konnte ich nicht zurück, da dieser nicht in Teilzeit möglich gewesen wäre (vertrieb mit Außendienst, Kunden in ganz Dtl.) und auch der tägliche Arbeitsweg von 45 km pro Weg einfach nicht erstrebenswert war.

Soweit, so gut. Mein Mann kletterte die Karriereleiter immer höher, ist super zufrieden und verdient gut.
Ich habe nach der Elternzeit keinen guten Job mehr gefunden. Ich wurde für TZ zwar gut bezahlt, inhaltlich waren die Jobs allerdings anspruchslos.

Durch einen Schicksalsschlag haute es mich komplett von den Socken (Depression) und ich war 1,5 Jahre krankgeschrieben. Da ich mit danach nicht mehr 20 Stunden zutraute, find ich erstmal mit einem 450 Euro Job an. So mussten die Kinder auch nicht mehr in die Betreuung nach der Schule, sondern ich kümmerte mich nach der Arbeit um Mittagessen und Hausaufgaben.

Und so bin ich nun komplett abhängig von meinem Mann. Ich mach den kompletten Haushalt, da ich ja nun auch die meiste Zeit zu Hause bin, kümmere mich um die Kinder etc.

Ich habe nun die Möglichkeit einen anspruchsvolleren Job zu bekommen, eine komplett neue Branche. Ich freue mich, auch wenn ich großen Respekt davor habe. Es wird kein Minijob mehr sein, aber bei weitem nicht mehr so gut bezahlt wie ich es vor der Krankheit kannte.

Die Kinder wollen auch nicht mehr in die Betreuung zurück, sondern lieber nach Hause kommen und hier essen und Hausaufgaben machen. Für mich wird das Stress bedeuten.

Und dann Sitz ich hier und denke: ich hab es falsch angepackt. Ich hätte nie weggehen dürfen aus der alten Firma. Mein Mann und ich hätten jeder 30 Stunden arbeiten sollen und uns die Betreuung aufteilen sollen.

Ich habe eine Erbschaft erhalten, dieses Geld lege ich fürs Alter zurück und ich habe einen guten Riesterrenten-Vertrag und unser Haus wenn es denn dann abbezahlt ist, aber ansonsten bin ich hier die „Mutti“ die den Haushalt macht und die Kinder versorgt.

Bereut es noch jemand?

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Es gibt irgendwo ne Zeichnung "Was viele Leute denken und was Erfolgreiche wissen".

Man hat nicht Erfolg wegen einer einzigen Entscheidung, man Scheitert aber auch nicht wegen einer einzigen Entscheidung. Im Berufsleben kommen alle paar Jahre Kreuzungen an denen man sich entscheiden kann. und auch um erfoglreich zu bleiben muss man sich immer wieder anpassen, immer wieder neue Entscheidungen treffen. Für Deinen Mann hätte eine Reduzierung vielleicht auch Karriereschritte verhindert.

Natürlich hat man Angst vor neuen Herausforderungen, aber sieh es so: Hättest Du deine berufliche Zukunft wirklich mit dieser Entscheidung damals komplett verkackt - bitte entschuldige die derbe Ausdrucksweise - dann würdest du heute nicht da stehen und über das tolle Angebot nachdenken! Man traut Dir doch was zu! Es ist in den Augen vieler ganz normal dass es mal ein auf und ab gibt, dass man mal ne Zeit kürzer tritt für die Kinden. Genau SO funktioniert Karriere doch! Jetzt erst mal diese eine Stufe und wenn die Kids dann 11 sind und auf der weiterführenden Schule dann kannst du schauen wo die nächste Stufe kommt.

Bei mir ist es ähnlich, ich arbeite gerade auch unter meinen Möglichkeiten, und hätte jetzt die Chance gehabt wieder durchzustarten, aber da wir noch ne Einschulung vor uns haben die durch Vorgeschichte anspruchsvoller werden wird habe ich es nicht wahrgenommen sondern warte einfach auf die nächste Gelegenheit

Also, nutze die Chance, was soll denn passieren? Die Kinder können mit 8 auch erst mal alleine zu Hause ankommen, sich ne Schnitte machen und mit den Hausaufgaben anfangen bis du kommst. Sie können nur wachsen! Mein Bruder war 7 als meine Mutter wieder mehr gearbeitet hat und er hatte im Nachhinein wesentlich weniger Probleme dann auf der weiterführenden Schule irgendwann selbständig zu arbeiten als ich die bis 11 zu Hause angeleitet war.

Eine alte Weisheit aus meiner etwas hügeligen Heimat lautet "Man muss das Tal erst durchschreiten bevor man auf den nächsten Berg kann"

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Danke für deine tolle Nachricht. Der Gedanke, dass es einfach nur eine Phase ist, die sich auch noch mal ändern kann, ist sehr gut und tröstlich. Tatsächlich habe ich ein bisschen aus den Augen verloren das die Kinder noch selbständiger werden.
Eine „Karriere“ strebe ich im klassischen Sinne auch nicht an. Ich möchte eine Arbeit die mir Spaß macht und und ich möchte den Respekt für die Dinge die ich schon mitbringe.

Alles Gute euch. Auch für die Einschulung. Wünsche euch, dass es so läuft, wie ihr es euch vorstellt.

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Hallo,

ich kann dir nur sagen wie wir das machen.

Ich werde 8 Wochen nach der Geburt wieder TZ einsteigen, meine Frau nimmt ab dann 12 Monate EZ, nach den 14 Monaten gehen wir beide wieder 30 Stunden arbeiten.
Ich habe auch einen privaten Rentenfond, verdiene aber bei weitem nicht soviel wie meine Frau. Vielleicht gehe ich auch 35 Stunden arbeiten und sie "nur" 30 Stunden, da sie deutlich mehr verdient.
Dauerhaft 20 Stunden wäre mir (!) persönlich zu wenig auf Dauer, da hätte ich Angst vor einem Karriereknick

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Hi,
Das ist doch super schwierig, was zu raten, jeder kann nur von seinen Umständen sprechen.

Als ich 2008 anfing zu arbeiten, gab es noch keinen Kindergartenplatz für unter 3 jährige. Also ging ich 2x 8 Stunden. Betreuung durch die Omas.

Durch Viel Glück, konnte er 4 Monate vor dem 3. Geburtstag doch gehen, 8-12, 14 - 16.30, Freitags bis 13 Uhr. Ich nahm alle Urlaubs und Krankheitsvertetungen meiner Kollegen, aufstocken ging angeblich nicht.
Mann von 7.30 bis 19.30/20 Uhr aus dem Haus.

2. Kind, er ging mit 10 Monaten im Nachbarort in die Krippe, ich ging 5 x von 8 bis 13.30 h.
Mann von 6.30 bis 20 Uhr aus dem Haus.

Dann war ich Arbeitssuchend, und fand nur was von 13 bis 17 Uhr. Kindergarten und Schulkind. Der Mann hatte inzwischen wieder wechseln müssen, ging von 6 bis 14.30, von 5 bis 16 Uhr aus dem Haus, ich kam um 18 Uhr.

Befristung vorbei, nächster Job, 8 bis 15 Uhr.
Befristung vorbei, nächster Job, 3x 8 bis 13 Uhr, 2x 13 bis 17 Uhr.
Befristung vorbei, 2x 8 bis 14 uhr, 2x 8 bis 12 Uhr, Freitags frei, nach 6 Monaten, 4x8 bis 13 Uhr.
Befristung vorbei, 4 x 8 bis 17 Uhr, 8 bis 12.15 Uhr - Vollzeit. Dieser endet am 31.7. Und mal sehen, was dann kommt.

Ich hatte nie wirklich Auswahl, nahm es, um nicht arbeitslos zu sein. Karriere gab es in beiden Jobs nicht, Industriekauffrau und Speditionskaufmann-mit Industriefachwirt, über 25 Jahren Berufserfahrung.

Nehm das, was du bekommen kannst, was du in der jetzigen Situation auch gepackt bekommst. Die Kinder müssen halt wieder in die Nachmittagsbetreuung, da würde ich sie eigentlich nur informieren, und mir nicht rein reden lassen. Denn stundenlang alleine lassen ist ja keine Option bei 8 Jährigen.

Meine sind 10 und bald 14 Jahre, sie gehen sehr gerne in die Nachmittagsbetreuung, selbst der Große will immer noch, seit 2 Jahren wird er gefragt.

Alles gute

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Nein, ich bereue nichts. Alles, was ich getan und auch was ich gelassen habe, hat mich an diese Stelle meines Lebens geführt und darüber kann ich mich nur freuen.

Eine Sache, die ich gelassen habe, war : Seiteneinstieg Lehrer. Meine Tochter war damals erst 8 Jahre, wollte auch nicht in die Betreuung und zu Hause alleine mit ihrem Bruder, das wollte ich nicht.

Die doppelte Belastung, eigentlich vierfache :Studium, arbeiten, Kinder und Haushalt wollte ich nicht. Jetzt wird sie bald 12 Jahre, ihr Bruder 16 und jetzt geht so viel mehr.....

Laste dir nicht so viel auf. Das Leben wird auch mit Kindern ruhiger, dann bist du nicht mehr so in der Zwickmühle. Und : Fachkräfte werden auch in 4 Jahren gesucht, sicherlich mehr noch als jetzt.

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"Und : Fachkräfte werden auch in 4 Jahren gesucht, sicherlich mehr noch als jetzt. "

Oder in Bereichen in denen man es nicht vermutet.

Ich machte meine Ausbildung, da war in dem (späteren) Bereich alles voll. Seit Jahren keine Ausbildungen mehr. Daher hatte ich es nicht auf dem Schirm.

Gearbeitet
krank geworden
Glück gehabt.

Das, was zu meiner Ausbildungszeit NULLLLstens machbar war
wurde händeringstenst gesucht, als ich aus der Krankheit zurückkehrte.

Weil so lange nicht ausgebildet wurde und überlaufen war, gehen diejenigen nun in Rente und es besteht sooo viel Bedarf.
Mein Glück.
Schulbank gedrückt

neu angefangen. Deutlich mehr verdient als vorher ;-)
In meinem alten Bereich hätte keine Chance mehr. Zu begehrt, zu viele, die das machen wollen, zu viel Nachschub.

Bei mehr Gehalt mir noch besser zu mir passenden Aufgaben, genial.
Ohne Krankheit wäre ich nicht in den Genuss gekommen. Dann hätte ich mich nicht getraut die Schulbank uz drücken auszufallen (Angst weggedrängt zu werden) , kann ich wirklich wechseln....

So musste ich und das Glück hat sich mir aufgetan #winke

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Nein, ich habe es nie so gemacht, aber ich hatte auch keine Möglichkeit dazu.

Ich finde, du hast keinen Grund zu hadern... wenn die 78 in deinem Nick dein Geburtsjahr ist, dann hast du noch ne Menge Arbeitsleben vor dir also noch alle Möglichkeiten durchzustarten.

Und sorry: an diesem Punkt ist es egal, was deine Kinder wollen. Wenn du wieder arbeiten willst und nicht zu Hause bist, dann ist das eben so. Wenn zum Mittag zu Hause zu sein, stressig wird, dann wird es wohl weniger stressig 2h später da zu sein und das bringt deine Kinder nicht um, wenn sie 2h Fremdbetreuung bekommen...

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Danke dir für deine Antwort. ☺️
Und es stimmt.. bis zur Rente bleiben noch viele Jahre zum durchstarten.

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Nein, ich bereue es nicht. Ich bin aber auch nicht abhängig. Weder im Kopf noch real.

Ich bin alleinerziehend und arbeite TZ. Aktuell nicht, da leider krankgeschrieben.
Um sinnvoll VZ arbeiten zu können, hätte ich einen langen Arbeitsweg und abzüglich aller Kosten, hätte ich netto weniger gehabt.

Kleinkindbetreuung + Tagesmutter für die Randzeiten
hohe Fahrtkosten oder sehr viel höhere Wohnkosten
höhere Ausgaben für sonstige Unterstützungen
Dafür dass ich noch früher krank geworden wäre und mein Kind kaum gesehen hätte.

Mit TZ hatte ich weniger verdient, aber auch einiges eingespart.
Dann wurde ich krank, habe mich neu orientiert und bin bewusst wieder TZ eingestiegen. Damit das finanziell so machbar bleibt, habe ich noch mal die Schulbank gedrückt. Das hat sich gelohnt.
Super Job gefunden mit tollen Kollegen.

Leider hat es mich aus anderen gesundheitlichen Gründen rausgehauen.
Ok, mit Krankengeld ist es knapp und sparen ist da nicht sooo sehr. Aber es reicht.
Ich achte mehr aufs Geld als sonst und habe in der Zeit davor einiges zurückgelegt.

Das Leben, das ich trotzdem habe und neben der Arbeit hatte, kann mir kein Geld der Welt ersetzen. Auch die Zeit für mich.


Bei meinen Eltern sah es so aus:
Vater immer gearbeitet, immer für die Rente. Versicherung hatte er.
Dann wurde er zum Pflegefall. Die Versicherung zahlte nicht. Streit bis zum gesetzlichen Rentenalter. Sie meinten sie wären jetzt raus. Eigentlich hätte er das Geld noch bekommen müssen. Sie harrten aus. Dann war er tot.
Gesetzliche Rente wollte nicht zahlen. Da war vor dem gesetzlichen Alter zum Pflgefall wurde. Mit Abzügen, gar nicht ohne Abzüge, müsste noch geklärt werden, erst ab 65 und dann starb er.
Nix war's.

Meine Mutter hat immer gearbeitet nebenher. Nicht immer Vollzeit, aber immer irgendwas. Mal mehr mal weniger. So wie es mit den Kindern passte.
Sie verdiente ihr eigenes Geld und fühlte sich zeitlebens abhängig. Von ihrem Mann. Davon dass sie nie genug Rente bekommen würde.

Als er zuerst zum Pflegefall wurde und nichts bekam, verdiente sie das Geld.
Abhängig fühlte sie sich trotzdem. Es würde nicht reichen. Die Rente wäre zu niedrig.

Letztlich starben beide. Er knapp nach Rentenalter ohne etwas davon zu haben. Sie vor dem Rentenalter und war ebenfalls Pflegefall. Beide haben sich krank geschuftet. Nachdem sie zuvor nur für die Rente gelebt hatten.

Mein Vater hat die zweite Chance genutzt und doch noch gelebt. Nach einer langen Tiefphase. Obwohl meine Mutter das Geld verdiente in der Zeit, fühlte er sich nie abhängig von ihr.
Als gepflegt werdender fühlte er sich schon manchmal abhängig (persönliches im Alltag in den existenziellen Bereichen) und wollte wieder selbst aktiv werden. Aber nicht finanziell. Wenn es so ist dann ist es so. Als Familie unterstützt man sich gegenseitig. Beide übernehmen ihre Aufgaben und haben all die Jahre dazu beigetragen, dass sie soweit gekommen sind. Hätte sie sich von ihm getrennt (gab es im Bekanntenkreis) als er Pflegefall wurde und sie noch nicht, dann hätte er sich neue Wege gesucht.

Und diese Einstellung habe ich von ihm übernommen. Zumindest die nach seinem Schlaganfall. Lebe so, dass es für dich passt und du niemandem schadest. Finde neue Wege, wenn die alten nicht mehr passen.
Trotz Einschränkungen hat er neues gelernt und sich angeeignet. Einfach weil es gut für ihn war. Er lässt sich nicht von seinen Einschränkungen abhängig machen, sondern probiert einfach aus, was geht.
Meine Mutter fühlte sich da abhängiger und hatte immer Angst, dass seine Einschränkungen noch mehr Einschränken.

Als ich das erste Mal krank wurde, war ich froh, dass es aus der TZ heraus war. So war der Differenzbetrag nicht so hoch und ich konnte meine finanziellen Planungen weiter führen.


Bis zum zweiten Mal habe ich das Leben bewusster genommen und mehr angespart. Durch das Schulbank drücken hatte ich danach mehr Einkommen. Die mehr Arbeitserfahrung haben natürlich auch dazu beigetragen.

Als ich krank wurde, wurde ich gefragt, ob ich Angst hätte. Immerhin sei ich abhängig vom Job.

Hm..... was ist abhängig?
Wenn ich verheiratet wäre, hätte ich die Option arbeiten zu gehen. Auch nach Trennung kann frau (man) wieder damit anfangen.
Wenn ich alleinerziehend bin, bin ich dann abhängig vom Arbeitgeber? Jein. Von ihm bekomme ich Geld gegen Leistung. Aber ich habe die Option den Job zu kündigen und neu anzufangen.

Wenn ich also einen Job kündigen kann um woanders neu anzufangen,
dann kann ich das doch auch bei einer Trennung.

Ablauf ist der gleiche: Bewerbung schreiben und meine Arbeitskraft anbieten.
Wenn ich gut bin und selbstbewusst rangehe, dann habe ich in beiden Situationen gute Chancen.
Wenn ich nicht gut bin oder nicht will oder es mir nicht zu traue, dann habe ich in beiden Situationen schlechte Chancen. Nur dass ich einmal abhängig bin vom Mann und das andere mal vom AG, dass der mir behält, nicht Pleite geht, niemanden entlassen muss, ich meine Arbeitsleistung gleich gut erhalte....

Abhängig bin ich (gefühlt für mich) dann, wenn ich keine andere Wahl habe
oder zu große Angst davor die Wahl zu treffen
oder das andere auszuprobieren.

Ich habe die Option VZ arbeiten zu gehen, wenn ich das möchte (und gesundheitlich kann). Je größer mein Kind wird, desto einfacher wird es sein.
Ich muss nur bereit sein, meine Muster dafür herzugeben und/oder mich neu einzuteilen.

Abhängig bin ich eigentlich nur von dem was ich selbst kann.
In manchen Branchen hätte ich zurecht keine Chancen. Das ist auch ok. Ich muss ja nicht genau das machen.

Aktuell bin ich abhängig von meiner Gesundheit. Vieles geht nicht so, wie ich es will. An arbeiten ist leider nicht zu denken :-(

Um nicht von andern Stellen abhängig zu sein, habe ich mich finanziell so aufgestellt, dass es machbar ist. Besser ist anders, aber gut machbar. (Noch) bin ich keiner Willkür von Ämtern/Versicherungen ausgesetzt.
Angst davor habe ich nicht.
Sollte der Punkt kommen, dass es nicht mehr geht gesundheitlich, dann bin ich dankbar, dass ich nicht davon abhängig bin, sondern dass auch da ein Auffangsystem gibt.

Selbst arbeiten und Geld verdienen, wäre mir natürlich lieber. Aber ich mache nicht meine Gesundheit durch Angst kaputt, dass es soweit kommen könnte. Angst hat schon bei meiner Mutter nicht ans Ziel geführt.

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P.S. ich kenne viele, die mit Ü40 eine zweite Ausbildung oder ein zweites Studium gemacht haben?

Warum?
- Weil sie es aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr konnten
- Weil ihre gelernte Goldeselbranche nichts mehr abwirft.
Technisch überholt / kann jeder Haushalt selbst / weil ihr Studium so viel wert war, wollte es jeder und daher gibt es zu viele einer Branche ....
- Weil sie Spaß daran hatten

Mein Glück war, ich habe eine Niesche gefunden nach Krankheit.

Es war viele Jahre überlaufen. Deswegen wurde niemand mehr ausgebildet. Die Fachkräfte gehen jetzt nach und nach in Rente .... und schwupps gaaaaaaaaaaaanz viele freie Stellen und händeringendes suchen für viel Geld #winke



So gesehen könnte man sagen, dass diejenigen davor auch abhängig waren. Abhängig davon, dass ihre Branche sich konstant hält.
Das hat sie aber nicht.

Also blieb die Wahl : ganz aufhören zu arbeiten
gleicher Beruf für fast kein Geld

oder neu anfangen
sich unabhängig machen von der Branche und sich von der Vorstellung befreien, dass immer alles gleich bleiben muss. Un-abhängig machen von der Vorstellung : Job von der Ausbildung bis zur Rente. #winke

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Ja, ich bereue auch, dass ich nach der mittleren Reife von der Schule in einen Beruf gegangen bin.
Dadurch hatte ich in meinem erlernten Beruf niemals eine Chance ähnlich viel Geld zu verdienen wie mein Mann. So war ganz klar, wer beim ersten Kind beruflich zurück steckt. Muss noch dazu sagen, dass ich was Ordnung und Strukturiertheit einen absoluten perfektionistischen Mann habe. Das habe ich leider erst festgestellt, als ich zuhause war. Die Wohnung hat geblinkt und alles war ordentlich. Nur mein Sohn hatte sein Spielzeugauto im Gang liegen lassen und das war für meinen Mann Anlass zu sagen: "Bei uns sieht es aus wie im Saustall"

Mittlerweile haben wir zwei Kinder und die sind leider alles andere als ordentlich und mein Mann musste sich daran gewöhnen. Aber wie oft habe ich in der ganzen Zeit gewünscht, dass wir die Zuständigkeiten einfach mal umdrehen und ich gehe morgens arbeiten und er kümmert sich um Haus und Kinder. Gearbeitet habe ich jeweils ein Jahr nach der Geburt der Kinder erst im Minijob und endlich nach 5 Jahren auch wieder Teilzeit. Die Hausarbeit bleibt trotzdem größtenteils an mir hängen.

Meine kleine ist jetzt neun und ich kann mich mehr auf den Job konzentrieren. Habe auch wieder Stunden aufgestockt.

Ich kann ganz gut nachvollziehen wie es dir geht, würde aber denken, dass es bestimmt eine Lösung gibt? Mit etwas Phantasie?
Flexible Arbeitsmodelle von deinem Mann und dir zb. so dass immer einer von Beiden für die Kinder da ist. Wenn ihr finanziell gut gestellt seit ein Aupair Mädchen? Oder eine Tagesmutter die ins Haus kommt?

Fairerweise sollte dein Mann deinen Wunsch respektieren und ihr solltet euch gemeinsam an den Tisch setzen und überlegen, wie "beide" ein zufriedenes und erfülltes Leben haben!

Wünsch dir alles gute!

Viele Grüße
Jenny

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Ich kann noch keine Langzeiterfahrung mitteilen. Aber habe da auch von meiner Mutter „gelernt“. Mit 3 Kindern ging sie nicht mehr arbeiten, Mann sehr erfolgreich und entsprechendes Einkommen, viele Dienstreisen, zu Hause gab es immer was zu tun, die Kinder haben sich auch über den Daueransprechpartner gefreut und ein weiteres Gehalt war nicht nötig. Tja, dann waren wir 14 aufwärts und haben unseren Tag selbst organisiert, brauchten keine Hilfe mehr bei den Hausaufgaben, etc. und am Ende war meine Mutter nur noch Taxi und hatte es leid. Sie hat wieder „was eigenes“ gewollt, konnte aber nach jahrzehntelanger Pause nicht wieder was mit Anspruch finden. Hat dann in kleinen Läden gejobbt, aber hatte auch Schwierigkeiten sich da unterzuordnen. Sie hat es dann gelassen und sich stattdessen intensiv ehrenamtlich engagiert. Heute sagt sie, sie würde es nicht wieder so machen. Und das war mir eine Lehre.

Ich hab mein Kind auch recht spät bekommen, genau so wie meine Mutter ihr letztes. Ich habe vorher 2 Studiengänge absolviert und etliche Jahre Berufserfahrung gesammelt, richtig rein geklotzt und mich ins mittlere Management vorgearbeitet. Damit verdiente ich vor der Geburt doppelt so viel wie man Mann (nicht studiert). Wir haben dann ordentlich gespart und ich habe mit trotz enormen Einbußen beim Haushaltseinkommen ein Jahr Elternzeit ohne Arbeit gegönnt. Dann hat mein Mann 3 Monate genommen und die Kita-Eingewöhnung gemacht und ich bin wieder TZ eingestiegen.

Für mich war immer klar, dass ich so viele Stunden mache, dass ich mind. das gleiche verdiene wie mein Mann um kein Gehaltsgefälle zu produzieren und vor allem so viele Stunden, dass ich die gleiche inhaltliche Arbeit mit Projektverantwortung machen kann wie in Vollzeit. Hab dann mit 25 Std angefangen, schnell erhöht auf 27,5 Std. Damit verdiene ich schon deutlich mehr als mein Mann in Vollzeit. Wenn dieser ganze Corona-Wahnsinn vorbei ist und die Kita wieder Normalbetrieb anbietet, werde ich nochmal aufstocken. Vermutlich auf 32 Std. Das will ich dann so lange machen, bis meine Tochter ca. 4 ist. Dann will ich nochmal 2 Jahre bis zur Schule Vollzeit arbeiten, und dann ggf. zum Schuleintritt nochmal reduzieren.

Was ich sagen will: Es ist sehr individuell und hängt auch an der Frage was man selbst und der Partner verdient. Mit ist es für mich wichtig, dass ich nicht weniger verdiene als er, sondern mind. genauso wichtig bin für das gemeinsam Haushaltseinkommen. Und, dass ich mich dadurch nicht abhängig mache. Und, dass ich bei der Arbeit nicht als „Teilzeit-Mutti“ wahrgenommen werde, sondern als Mitarbeiter, der mit seinem Wissen und seiner Erfahrung, die er einbringt, ein stückwerk wertvoll und unverzichtbar ist (unverzichtbar ist zum Glück niemand wirklich).

So würde ich es aus Sicht heute, Kind 2 Jahre, wieder machen. Und ich finde, damit wird mein Kind auch für sein alter noch nicht zu krass fremd betreut.

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