Ist das ein burn out?

Hallo.
Ich dachte hier finde ich vllt ein paar Erfahrungsberichte...
Zu meiner Situation.
Ich bin 28, verheiratet , habe einen 1,5 jährigen Sohn und arbeite 30 Std die Woche. Ich habe mit 22 mein Studium beendet und mein Diplom erhalten. Ich arbeite in der öffentlichen Verwaltung und bin auf Lebenszeit verbeamtet.
Ich bin ein sehr fleißiger Mensch. Ich liebe meine Arbeit und bin nach 10 Monaten EZ wieder in Teilzeit (75%) zurück auf meine alte Stelle. Ich habe einen sehr verantwortungsvollen Job und bin zusätzlich für unsere dualen Studenten und Auszubildenden verantwortlich. Ich mache jetzt also als Teilzeitkraft die gleiche Arbeit wie vorher in Vollzeit.
Als ich zurück kam, wurde ich auf die Stelle zurück gesetzt mit der Maßgebe meinerseits zukünftig Unterstützung durch eine weitere Kraft in unserer Abteilung zu bekommen. Wir sind bisher zu zweit und betreuen 25 Auszubildende/Studenten. Zusätzlich zu unserer normalen Arbeit. Tja die weitere Kraft kam natürlich nicht 🤦‍♀️
Mittlerweile gehe ich am Stock. Ich hatte Mitte der Woche einen halben Nervenzusammenbruch auf der Arbeit und habe eine Bewerbung für eine andere Stelle abgegeben, weil der Stress einfach zu viel wird. Mein Chef hat schnell erkannt, dass ich dort eigentlich gar nicht hin möchte sondern ich bloß die Flucht ergreife.
Ich konnte mich gar nicht mehr zusammen reißen und habe unter anderem vor meinem Chef die Tränen nicht zurück halten können.
Tatsächlich wurde reagiert und nächste Woche wird es Gespräche geben und wir bekomme endlich Entlastung durch eine weitere Kraft im Team.
Meine Kollegin hat ebenfalls eine Bewerbung eingereicht und möchte weiterhin die Abteilung verlassen. Das bedeutet für mich:2 Leute einarbeiten. Die Verantwortung zumindest vorerst alleine tragen😔
Ich bin völlig fertig. Ich weiß was da für Arbeit auf mich zu kommt und habe echt Angst vor dem nächsten Jahr.
Ich sitze jetzt oft einfach da, starre vor mich hin und schaffe es nicht mal meinen Sohn anzulächeln.

Hat jemand Erfahrung mit "burn out"? Fühlt sich das so an?
Oder ist es einfach nur Stress...

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Hallo meine Liebe,

das klingt nach sehr viel Stress auf der Arbeit. Den kannst du bei Feierabend nicht liegen lassen, sondern plagst dich dauerhaft damit rum, so klingt es.
Ich finde es toll, dass du versuchst etwas an deiner Situation zu ändern und vermutest Burnout zu haben. Jetzt kannst du da vielleicht noch aus fast eigener Kraft rauskommen.
Ich weiß nicht ob es dir hilft, aber ich schreibe dir kurz von meinem turbulenten Jahr 2019.

Ich habe im Januar 2019 nach nur 8 Monaten im Betrieb die Leitung übernommen, da meine Chefin krank wurde. Ich war eigentlich die einzige Option, es wurde mir mehr oder weniger aufgedrängt. Gleichzeitig gab es keinen Ersatz für meine eigentliche Stelle, also hab ich mehr oder weniger beides gemacht, aber keins mehr richtig. Ich dachte immer, ich werde schon noch reinwachsen, bald bekommen wir neues Personal, das wird schon alles. Wurde es aber nicht. Ich konnte nicht mehr gut schlafen, meine Freizeit nicht mehr genießen, habe ständig geweint. Aber wollte einfach weiter machen, ich sagte immer "Ich kann auf der Arbeit nicht ausfallen, dann haben sie keinen mehr". Bin wegen Kleinigkeiten zuhause komplett ausgerastet. Hab eingesehen dass ich ein Problem hab, bin zur Psychologin, bin zum Hausarzt wegen ständiger Übelkeit - Magenschleimhautenzündung. Und er sagte, da beginnt gerade ein Burnout. Schweren Herzens ließ ich mich zwei Wochen krank schreiben. Am ersten Tag als ich wieder arbeiten war, das war dann Ende Juni, nahm ich all meinen Mut zusammen und erklärte meinem Vorgesetzten, dass ich die Position nicht mehr haben will. Eigentlich wollte ich komplett weg aus dem Laden. Jetzt bin ich froh dass ich doch geblieben bin. Ein halbes Jahr arbeiteten wir ohne Chef, das war Chaos pur, und seit Ende Dezember ist die alte Chefin zurück. Ich bin noch immer ihre rechte Hand. Ich liebe die Arbeit plötzlich wieder, kann mir nicht vorstellen, wie ich vor einigen Monaten noch weinend hingefahren bin und immer gehofft habe irgendwas hält mich heute auf, weshalb ich nicht zur Arbeit kann. Ich mache jetzt nicht viel weniger Arbeit, aber ich trage die Verantwortung nicht mehr.
Und das scheint auch für dich das schlimmste zu sein. Du sollst die Abteilung am laufen halten, dabei bist du gerade selbst ein Wrack.

Ich will nur sagen, was ich daraus gelernt habe, ist dass REDEN immer hilft. Nicht jeder hat so einen tollen Vorgesetzten wie ich, aber deine scheinen ja nun auch zu reagieren.
Was mir auch geholfen hat war mir immer zu sagen: Die brauchen mich mehr, als dass ich sie brauche. Mach diesen Job zu DEINEN Bedingungen. Es geht immer irgendwie. Und wenn sie jemanden in in deine Abteilung versetzen oder der Chef selbst eben mehr machen muss.
Um deine Frage zu beanworten: Ja, so leer fühlt sich ein Burnout wohl an.
Lass dich krankschreiben um zu verschaufen. Verschaff dir einen klaren Blick. Du brauchst eine Pause. Da draußen gibt es Hilfe. Und wenn dieser Job dich kaputt macht, dann geh.
Ich bin mir sicher, du packst das #klee

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Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Ich finde mich tatsächlich in deiner Beschreibung wieder. Ich denke ich muss jetzt die Reißleine ziehen und hoffe sehr auf die Gespräche nächste Woche.
Mir geht es jetzt am Wochenende schon etwas besser und ich kann schon wieder halbwegs rational über die Situation nachdenken. Ich kann selber nicht nachvollziehen wieso es plötzlich so unerträglich für mich wurde.

Mir ist jedenfalls klar, dass es so nicht weitergehen kann.
Vielen Dank für deine lieben Worte!!!!

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Burn out ist als Begriff nicht klar definiert. Du bist völlig erschöpft und solltest dich dringend erholen! Rede mit dem Chef, dass du jetzt Urlaub brauchst, oder lass dich für 2 Wochen krank schreiben, damit du da schnell wieder raus kommst und nicht noch ernsthaft krank wirst und dann viel länger ausfällst.

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Als Außenstehender kann man das ganz schlecht urteilen, aber laut Deinen Schilderungen kann man das sicher als "Burn Out" bezeichnen.

Was ich aber nie verstehen werde:

Du hast eine 75%-Stelle, machst aber die komplette Arbeit Deiner vorherigen 100%-Stelle.

Da Du ja vorher nicht 25% Däumchen gedreht hast, ist das nicht machbar und akzeptabel. Das hättest Du schon länger an Deinen Chef herantragen müssen. Dann muss halt Arbeit liegen bleiben!

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Ich bin ganz deiner Meinung. Die Entlastung auf 75 %sollte durch die weitere Kraft umgesetzt werden. Aufgrund des üblichen Personalmangels hat das bisher nichts gegeben... Das ist ja das Problem.

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Ein Tipp: Versuche gar nicht erst die 25% noch mit zu machen, lass sie bewusst liegen und weise deinen Chef immer wieder darauf hin, dass es gerade liegen bleibt. Erst wenn es dann crasht reagieren die Vorgesetzten. Wenn sie merken du schaffst es ja doch noch, dann werden sie nicht handeln.
Genau das machst du jetzt auch bei der Einarbeitung der neuen Kollegen. Du gehst zu deinem Vorgesetzen und sagst ihm, er solle dir aufzeigen, was du priorität bearbeiten sollst, es sei ja klar, dass jetzt durch die Doppeleinarbeitung viel liegen bleiben muss. Und dann arbeitest du diese Prioritäten ab und alles andere fällt halt mit Ankündigung hinten runter.

Du musst jetzt ganz klar Abgrenzung lernen um dich zu schützen. Ich empfehle das Buch „Fuck it!“ von Parkin.

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Wenn du natürlich auf deiner 75 Prozent Stelle, die Arbeit von 100 Prozent erledigst, warum sollten Deine Chefs dann jemanden einstellen. Ja, du klagst zwar etwas rum, aber Du machst es trotzdem.
Mach 75 Prozent und lass den Rest konsequent liegen, nur so wird klar, dass Du Unterstützung brauchst.
Lass Dich Montag krank schreiben und komm erstmal zur Ruhe!

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Geh einfach zum Arzt und lass dir ggfs eine Überweisung zum Psychologen/Psychotherapeuten geben. Handelt es sich um einen echten „Burn out“ wird es keinen anderen Weg geben. Ich finde es schwierig, hier Ferndiagnosen von Laien zu hören. Die Erkrankung ist schon ernst und kann schwerwiegende Folgen haben. Daher halte ich Empfehlungen wie 2 Wochen krankschreiben lassen für kritisch. Sprich mit Experten!
Gute Besserung!

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Ich würde auch die Reißleine ziehen und erstmal eine Krankschreibung holen, damit du emotionalen Abstand gewinnst. Du wirst in dieser Zeit alles klarer sehen und von dem Stresspegel/Hamsterrad herunterkommen.

Du bezeichnest dich als "fleißig". Ich glaube nicht, dass fleißig sein die Ursache des Problems ist. Fleißig kannst du auch die 75% der Aufhaben in deiner nun 75%- Stelle erledigen. Du betreibst eher Raubbau an deinen Ressourcen unter dem Pseudosiegel "fleißig sein".

Natürlich solltest du im Anschluss alles mit einem Therapeuten aufarbeiten, um langfristig deine Grenzen zu halten.
Meine Erfahrung ist auch eher, dass im öD keine Stelle neu besetzt wird, wenn jemand das Pensum auch in weniger Zeit schafft.
Es ist eine gute Idee, den Chef um Priorisierung zu bitten und den Rest hintenrüber fallen zu lassen. Dann wird die neue Kraft plötzlich ganz schnell kommen ;)

Gute Besserung!

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Vielen Dank für deine Antwort.
Ja das Wochenende hat mir schon geholfen und ich muss jetzt konsequent eine Änderung einfordern. Ich sehe, dass ich das Pensum nicht schaffe und wie es auf meine Psyche schlägt. Immerhin ein erster Schritt.

Ich nehme alle Ratschläge hier zu Herzen. Vielen Dank für eure Meinungen!

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Das waren jetzt nur 2 Tage. Nimm einen Krankenschein. Wenn du es bei den 2 Tagen belässt, hängst du Mittwoch wieder in den Seilen.
Du brauchst ein paar Tage mehr. Danach geht es dir umso besser.

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