Arbeiten in der Pflege

Guten Morgen,
mich würde gerade Eure Meinung zu dem Thema "Arbeiten in der Pflege " interessieren. Eine Zeit groß in den Medien, hat sich in Eurem Job etwas verändert?
Wie ist es bei Euch auf der Arbeit, geht ihr gerne hin oder ist es eine Zumutung?
Ich arbeite zur Zeit in der ambulanten Pflege in Teilzeit. Uns fehlt zum Glück nur 1 Vollzeitkraft, daher ist es sehr wenig mit dem einspringen. Die Arbeitsbelastung ist nicht so hoch wie stationär, aber die Bezahlung ist eher mau...
Ich bin immer am überlegen, den Job mal zu wechseln, aber hier weiß ich was ich habe, woanders ist das Gras ja auch nicht grüner...Oder doch?

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Hallo,

ich arbeite auf einer Intensivstation in einer sehr großen Uniklinik. Die Arbeitsbelastung ist enorm groß. Wir haben gefühlt sehr viele Stellen offen. Anscheinend möchte niemand mehr bei uns arbeiten laut Leitung. Ich glaube nicht unbedingt daran. Sie möchten keine gut ausgebildeten Pfleger haben, denn diese sind teuer und ggf. kritisch. Lieber versuchen sie frisch examinierte oder ausländische, aus armen Ländern, Angestellte zu beschäftigen. Diese haben oft kein Erfahrungshintergrund und kosten die Hälfte. Die Fluktuation ist enorm groß, auch ich werde mich dieses Jahr anders orientieren. Die Bezahlung ist so lala, wir werden nach TVöD bezahlt, meiner Meinung nach für die Tätigkeiten und Verantwortung viel zu wenig, wenn ich es mit anderen Berufen vergleiche. Wir arbeiten im 3-Schicht-System. Das schafft man mit diesen Arbeitsbedingungen keine 30 Jahre. Familienfreundlich ist auch anders. Wertschätzung für die Tätigkeit erfährt man allenfalls von den Patienten und ihren Angehörigen. Oft hört man so Sachen wie "Augen auf bei der Berufswahl" oder "Für ein Lächeln...". Die Leitungen machen immer mehr Druck. Konstruktive Kritik nicht erwünscht. Ohne die Pflege ist die Gesellschaft am A...! Und die ärztliche Krankenversorgung ebenso. Wir Pflegenden profitieren überhaupt nicht und ich persönlich kann auch keinen Wandel ins Positive erkennen.

Liebe Grüße

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Vielen Dank für deine Antwort! Ich mache mir auch Gedanken wo das hin führt. Krank und alt werden geht im Moment überhaupt nicht unserer Gesellschaft. Aber scheinbar ist das immer noch nicht angekommen...

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Hallo,

was ich ziemlich heftig finde, ist der Unterschied vom Gehalt, meine Mutter ist gelernte Altenpflegerin und hat in Rheinland-Pfalz gearbeitet, als wir umgezogen sind nach NRW hätte sie dort über 10 Euro brutto weniger verdient, daran sollte mal gearbeitet werden.
Wenn ich für meinen Job in den Heimen war, da kamen auf 25 Bewohner vielleicht eine Pflegerin und eine "Aushilfe", so kann man doch keine gute Betreuung leisten.


vg
novemberhorror

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Huhu,
war vor und nach dem ersten Kind insgesamt 12 Jahre auf einer Inneren in einem Kh. Nach Kind 1 nur noch Teilzeit.
Nachdem Kind 3 dann 3 Jahre wurde, wollte ich auf keinen Fall mehr im Krankenhaus arbeiten. Bin jetzt in einer ärztlichen Bereitschaftspraxis. Arbeiten allein mit dem Arzt und vielen Patienten. Die beschweren sich teilweise, dass sie 2 Std warten müssen. Klar kommen akute Notfälle sofort dran. Aber wenn es eben nur Kopfschmerzen sind, die müssen einfach warten. Im Moment ist es mit den Kindern und den Arbeitszeiten so am besten geregelt. Aber ob ich diesen Stress dauerhaft stand halte, steht in den Sternen....
Viele Grüße J.

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Ich bin Krankenschwester ,arbeite seit etwas über 20 Jahren nur noch nachts auf einem Betreuten Wohnbereich einer Residenz (30hWoche). Ich bin für 33 Leute alleine zuständig. Vorher habe ich 7 Jahre auf Urologie in 3 Schichten Vollzeit gearbeitet.
Ich denke ,es ist überall stressig ,die meisten haben Personalmangel ,die Bezahlung ...na ja ....den Knochenjob muss man erst einmal bis zur Rente durchhalten...
Für mich sind dort die Arbeitszeiten ideal (6 Tage 21-7 Uhr arbeiten u. anschließend 8 Tage frei) ,da mein Mann voll in 3 Schichten arbeitet. Ansonsten....es ist superstressig ,sehr schwer (viele Leute zu lagern) ,dann einige nachtaktive Demente ...man hat volles Programm d. gesamte Nacht. Aber ich habe mich an das alleine arbeiten gewöhnt ,ich muss mich auf niemanden verlassen...mein Gegenpart & ich sind sehr zuverlässig ,kaum krank ...wir brauchen somit fast nie einspringen. Tagsüber würde ich das dort nicht aushalten.

Ist ein undankbarer Job. Man erhält kaum Anerkennung ,die Bezahlung sollte um ein vielfaches besser sein.

LG Kerstin

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Oh ja, zufrieden klingt anders. Aber toll, dass wenigstens das Modell so für Dich passt! Ich hasse ja Nächte.
Und wie man so arbeiten soll bis zur Rente ist mir auch noch ein Rätsel.

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Und weil man kaum Anerkennung bekommt (deiner Meinung nach) sollte die Bezahlung höher sein? Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

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Ich arbeite seit gut 20 Jahren in der Pflege, davon mehr als 10 Jahre ambulant. Zufrieden bin ich schon länger nicht mehr. Man ist heutzutage nur noch ein Spielball der Vorgesetzten, das Gehalt ist allenfalls noch eine Aufwandsentschädigung, ein Familienleben ist nahezu unmöglich und Zeit für den Menschen hat man schon lange nicht mehr. Es geht nur noch um Profit, für den Arbeitgeber, für die Krankenkassen, für den Staat. Wertschätzung gleich Null, Verständnis erst recht nicht.

Ich habe noch gute 30 Jahre vor mir und ich gehe nicht davon aus, noch eine Verbesserung mitzubekommen. Viele Freunde und Kollegen denken gleich, zu hören bekommen wir allerdings, dass wir "uns nicht so anstellen sollen und es schon nicht so schlimm sein wird", gerade erst gehört von einem Laien aus einem ganz anderen Berufszweig.

Ich habe wirklich einige Freunde in Pflegeberufen, eine von ihnen ist tatsächlich zufrieden mit dem, was sie tut. Alle anderen überlegen, was man sonst machen könnte und denken wirklich an einen Berufswechsel. Ich gehöre dazu.

LG

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Hallo!

Ich bin seit fast 30 Jahren Krankenschwester, arbeite seit ich Kinder habe Teilzeit. Sehr wenig Teilzeit, aber vielleicht wird bald eine halbe Stelle daraus. Ich überlege noch.

Meine Nische fand ich im Hospiz. Wir sind in der Regel gut besetzt (1:4 im Frühdienst), ich darf Wünsche äußern, die meist erfüllt werden. Immer geht das nicht, aber ich weiß, dass sie nicht ignoriert werden. Es wird mit mir darüber gesprochen, wenn was nicht geht und warum nicht.

Ich bin der "Joker" und werde angerufen, wenn jemand ausfällt. Auch das ist so besprochen und ich lebe gut damit. Ich darf aber immer "Nein" sagen und das wird nicht hinterfragt. Ich muss das nicht begründen.

Die Bezahlung ist wie überall eher ein bisschen tragisch, aber immer noch besser als in den meisten anderen Bereichen.
Das Problem ist, dass wir ein überaltertes Team sind. Spätestens in 10 Jahren sind 50% der Leute in Rente, Nachwuchs gibt es wenig bis gar nicht. Die meisten arbeiten Teilzeit, weil wir eben alle so alt sind und 100% gar nicht mehr schaffen, obwohl wir alle nett zueinander sind und unsere Leitung durchaus auf uns achtet und sehr bemüht ist, dass es uns allen gut geht.

Zwischendurch arbeitete ich kurz in der ambulanten Pflege (Nie war ich so einsam wie da!) und in einem Altenheim. Das, was ich dem Heim erlebt habe, macht mich bis heute sprach- und fassungslos.

LG

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An die Arbeit in einem Hospiz habe ich auch schon oft gedacht und könnte es mir sehr gut vorstellen. Bei uns in der Nähe gibt es allerdings leider keins...
Und ja, dieses immer alleine arbeiten ist wirklich nicht so schön im ambulanten Dienst.
Was du über das Arbeiten im Heim schreibst, ist ja wirklich erschreckend...

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In dem Heim war ich ein halbes Jahr als 450€-Kraft. Als ich kündigte, sagte ich dem Heimleiter, warum ich nicht bleiben kann.

Seine Antwort: Ich müsse mich daran gewöhnen, dass Pflege in Zukunft ein Hilfsarbeiterjob sein würde. #zitter

Dann aber ohne mich! Ich habe mittlerweile das sichere Gefühl, dass die Verblödung in der Pflege gewünscht ist, damit keiner aufmuckt. Das ist gruselig!

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Ich habe 2005 mein Krankenpflegeexamen gemacht.
Seit 2009 arbeite ich Teilzeit im Krankenhaus auf einer geriatrischen Station. Davor war ich im Altenheim und in der ambulanten Intensivpflege.

Im Grunde arbeite ich gerne auf meiner Station, bin auch seit 2009 im gleichen Team. Aber es hat sich schon verändert. Der Ton ist rauer geworden, grade die VZ-Kräfte gehen auf dem Zahnfleisch und sind dem entsprechend gelaunt.
Wir sind grundsätzlich unterbesetzt und daran ändert auch nichts der gesetzliche Personalschlüssel für die Geriatrie. Im Frühdienst ist es viel "satt und sauber" und das ist einfach nicht mehr befriedigend.
Ich arbeite momentan 20Std/Woche + Überstunden und das reicht mir voll und ganz, vor der Geburt meiner Tochter habe ich 28Std/Woche + Überstunden gearbeitet).
Momentan überlegen wir ob ich ab Sommer weniger arbeite, da mein Mann den Beruf gewechselt hat. Die letzten 15Jahre war mein Mann beim Bund, da war es recht entspannt mit meinen Schichten. Vor einem Jahr hat er eine Ausbildung bei der Polizei angefangen und wir gehen davon aus das wir am Sommer (wenn er in den praktischen Teil der Ausbildung geht) ein Problem mit unseren Diensten bekommen werden.

Im Laufe der letzten 12 Monate habe ich diverse Bewerbungen abgeschickt und war auch überall zum Gespräch/Probearbeiten. Bisher war aber noch nicht das passende dabei, so dass ich die Stellen abgelehnt habe. Entweder passten die passten die Arbeitsbedingungen nicht bzw waren dann doch nicht so wie zuvor angepriesen oder das Gehalt war unterirdisch.
Bei meinem AG werde ich nach TVöD bezahlt.

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