Fortbildung - Kann der Arbeitgeber Mitarbeiter zwingen?

Hallo,

meine Frage steht ja eigentlich schon oben.

Die Fortbildung, um die es geht, soll außerhalb der offiziellen Arbeitszeiten, also während der Freizeit, stattfinden. Sie umfasst ca. 9 Wochenstunden reinen Unterricht und würde ungefähr 2,5 Jahre dauern.

Habe die Fortbildung aufgrund von großem Streß während der Arbeit und dadurch erheblichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen abgelehnt. Ich möchte irgendwann auch mal Feierabend haben und denke, ich habe auch Anspruch auf ein wenig Privatleben.

Jetzt versucht man mich zu zwingen, indem man mir mit Kündigung droht. Bzw. damit, meinen Arbeitsplatz betriebsbedingt entfallen zu lassen.
Bin übrigens bereits seit 15 Jahren in der Firma beschäftigt. Und ein anderer Kollege, von dem man auch verlangt hat, dass er die Fortbildung macht, hat auch zugestimmt. Eine Person mit der Qualifikation wäre für die Größe der Firma absolut ausreichend.
Plötzlich soll mein Kollege die Fortbildung nicht mehr machen, aber mich will man zwingen. Klingt für mich so, als seie das Taktik, um mich problemlos entlassen zu können, wenn ich ablehne. Frei nach dem Motto: Ein Mitarbeiter mit der Qualifikation ist erforderlich und die Person, die dafür in Frage kommt weigert sich. Also müssen wir sie entlassen und dann jemanden mit der Qualifikation einstellen.

Wie sieht denn da die rechtliche Seite aus?

Die Firma könnte mich übrigens durchaus auf einem anderen Arbeitsplatz einsetzen, denn bald ist einer frei und ich erfülle alle Voraussetzungen dafür.

Ich sehe das allerdings so, dass man mich raus haben will, weil ich nicht nach ihrer Pfeife tanze und "unbequem" dadurch bin.

Hoffe, ich bekomme viele Antworten von euch.

LG
Sassi


1

Deine Probleme möchte ich haben !

Vor 10 Jahren schon war es bei großen Firmen üblich, dass zwar Fortbildungsmöglichkeiten (Computerräume und Software) geschaffen wurden, aber davon ausgegangen wurde, dass das in Freizeit erarbeitet wurde - zumindest zum Teil. Durch "blended learning" oder reines online Lernen werden Weiterbildung eh mehr und mehr in die Freizeit verschoben. Einige Firmen kaufen sich lieber "fertige" Leute, als diese auszubilden / weiterzubilden.


9 Wochenstunden zusätzlich sind 1h 12min. Was lamentierst Du da ?

Bei den Behörden in Bayern ist übrigens von 38,5 Wochenstunden inzwischen auf 42 Std. in Neuverträgen umgestellt ; ohne Lohnausgleich. Meine Frau / Teilzeitkraft fährt teils einen ganzen Tag ohne Vergütung in die Klinik, um den Service für ein Großgerät zu überwachen .

Sei froh, daß Dein AG Dir die Fortbildung andient. EIN Arbeitnehmer mit einer speziellen Quali reicht urlaubs- / krankheits- / fortbildungsbedingt nicht aus. ( Außerdem hast Du das nicht zu entscheiden, oder bist Du fürGewinn & Verlust verantwortlich ? )

Ja, Du weigerst Dich, eine Fortbildung wahrzunehmen, der es Deinem Brötchengeber ermöglicht, am Markt konkurrenzfähig zu bleiben.
Ja, Du bist für den, der Dir monatlich den Gehaltsscheck überreicht, unbequem und unloyal.
Für die 15 Jahre, die Du im Betrieb bist, hast Du regelmäßig Gehalt bezogen, DIESE Zeit ist gegenseitig abgegolten.

Es geht hier um die Zukunft.



Klaus

2

ja kann er.

schliesslich liegt es im interesse der firma gewinne zu erwirtschaften und wenn der arbeitgeber es als erforderlich sieht, das seine mitarbeiter fachlich uptodate sein müssen - kann er das verlangen. ist zwar nicht ein offizieller kündigungsgrund das der mitarbeiter verweigert - der mitarbeiter muss aber deswegen nicht sein private zeit opfern. verlang von der firma das dieses lernen in der arbeitszeit stattfindet - WEIL es ausschliesslich der arbeit dienen soll.

meist geht dann auch eine schriftliche vereinbarung damit einher, das der mitarbeiter für eine zeitraum xy von jeglicher kündigung absieht und somit der firma treu bleibt um das erwirtschaftete knowhow einzusetzen.

klar - wer kein interesse hat beruflich sich weiter zubilden - nochdazu wenn die firma dahinter steht (ich musste die 10.000 euro meiner beruflichen fortbildung selber berappen und bekam NICHTS dafür sondern immer nur: sie lernen das - setzten sie das gefälligst ein - mehr gehalt - nö! - wie zuschuss??? seine sie froh das sie urlaub zum lernen bekommen! schliesslich ist das ihr privat vergnügen...) und wie es ausschaut diese auch finanziert. solche geschenke - sollten immer angenommen werden! die müssen dann auch zwanghaft in zeugnissen geannt werden - die andere variante wird immer gerne ignoriert.

3

Mensch, in anderen Firmen werden die Leute entlassen (betriebsbedingt gekuendigt) und bekommen vom Personalchef den netten Hinweis, zu schauen, dass sie beim Arbeitsamt einen bestimmten Kurs machen koennen: "Dann koennen sie sich ja nochmal bei uns bewerben.".
Die meisten Firmen gehen doch heute davon aus, dass Weiterbildung Privatvergnuegen ist und wer sich nicht weiterbildet geht - natuerlich darf man die Weiterbildungen auch selber bezahlen - ist ja klar!
Viele Firmen stellen eh nur noch "passgenau" ein - wenn da irgendeine kleine Qualifikation, die man sich in ein paar Stunden selber erarbeiten koennte, fehlt, bekommen die Leute den Job nicht - natuerlich jammert dann die Personalabteilung, dass sie keine faehigen Leute findet...
Ich denke echt, dass viele hier Dich um Deine Probleme beneiden! Schau Dich doch mal um - Du kannst froh sein, wenn Du einen festen Arbeitsplatz hast - meinst Du, Du findest leicht einen anderen, falls die Dich rauswerfen????
Kathy

4

Ich arbeite seit mehr als 10 Jahren im öffentlichen Dienst und habe - von zwei Computerkursen während der Arbeitszeit wegen neuer Systeme/Programme - noch keine einzige Fortbildung absolviert, weil so etwas einfach nicht angeboten wird. Auf eigene Kosten dürfte ich mich natürlich gern weiterbilden in Sachen Sprachen, PC etc., aber an bezahlte Fortbildung ist zumindest für die unteren und mittleren Gehaltsklassen nicht gedacht.

Deine Probleme möchte ich wirklich haben!

LG

Anja

5

Hallo Sassi,
ich mache hier gerade ein Päuschen und lese dein Posting, während ich - wie immer am Sonntag - eine weitere Fremdsprache bimse, die ich in meiner Freizeit auf eigene Kosten studiere, weil lebenslanges Lernen der Königsweg zur beruflichen Sicherheit und zum Erfolg ist. Man rostet nicht ein, trainiert sein Denkorgan und schafft sich parallel wertvolle neue Qualifikationen.
Selbstverständlich kann dich dein Arbeitgeber zwingen, das sollte er aber nicht müssen. Eine Weiterbildung ist ein Geschenk und keine Zumutung! Was du gelernt hast, kann dir niemand nehmen.
Auch als Gewerkschaftmitglied kann ich keinerlei Verständnis für Kolleginnen aufbringen, die kostenneutrale Weiterbildungs- und Qualifizierungsmaßnahmen ablehnen. Da hat man jahrelang dafür gekämpft, dass Arbeitgeber ihren Leuten diese Möglichkeit bieten und dann gehst du hin und erklärst, das sei dir zu viel Stress *kopfschüttel*.
Schlimmstenfalls wirst du bald mehr Freizeit haben als dir lieb ist.
Liebe Grüße
Mariella

6

Ok. Dann muss ich wohl doch noch weiter ausholen.

Es geht nicht darum, dass ich nicht bereit wäre mich fortzubilden oder nicht zu schätzen weiß, dass man mir diese Möglichkeit bietet. Ich lerne auch grundsätzlich gerne etwas Neues.

Es geht darum, dass ich neben meiner offiziellen 40 Std.-Woche sowieso schon etliche Überstunden mache. D.h. ich gehe NIE pünktlich nach Hause (1 - 2 Überstunden pro Tag), bekomme diese Mehrarbeit aber weder bezahlt noch einen Freizeitausgleich dafür. Ich habe mich darüber nie beschwert und meine Arbeit immer gern gemacht. Mittlerweile wird das aber als absolute Selbstverständlichkeit angesehen. Ich werde sogar zuhause angerufen, wenn ich krank bin, Urlaub habe oder der Chef mal eben am Abend eine Info von mir möchte.

Im Zusammenhang mit der Fortbildung fordert man also von mir noch mehr Einsatz und Arbeit. Von Freizeitausgleich ist da wie üblich keine Rede.

Fakt ist, dass der Streß schon lange nicht mehr positiv sondern sehr negativ ist. So negativ, dass meine Gesundheit dadurch ernsthaft angegriffen ist. Ich kann, selbst wenn ich wollte, einfach nicht noch mehr leisten. Meine Grenzen sind schlicht und ergreifend erreicht.

Die Entscheidung gegen die Fortbildung habe ich mir dennoch nicht leicht gemacht. Ich habe ein paar Wochen darüber nachgedacht, mit Freunden, Verwandten usw. gesprochen und sogar mit meiner Ärztin darüber geredet, da sie dafür ist, dass ich schon jetzt mal dringend die Notbremse ziehen und kürzer treten soll. Drei Freunde von mir haben dieselbe Fortbildung bzw. etwas sehr Ähnliches in Angriff genommen. Zwei haben nach einiger Zeit wieder aufgehört, weil es einfach zuviel Streß geworden ist. Und die Beiden haben Jobs, die erheblich ruhiger sind als meiner und müssen nicht noch dauernd Überstunden machen.

Die Rechnung von Klaus, der die ca. 9 Stunden einfach mal auf die Arbeitstage verteilt ist sicher ganz nett und es klingt dann alles halb so schlimm. Aber dazu kommt ja auch noch das Lernen daheim. Je nachdem wie schwer der Stoff ist, werde ich also noch einige Stunden zusätzlich lernen müssen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass mein Mann und ich seit Februar an einer Familie basteln. Das habe ich meinem Arbeitgeber natürlich nicht auf die Nase gebunden, da das ja nun wirklich meine Privatangelegenheit ist und ihn schlicht und ergreifend (zumindest vorerst) nichts angeht. Ich bin jetzt 31 Jahre alt und möchte meinen Kinderwunsch nicht noch 2,5 Jahre zurückstellen. Und wenn ich direkt nach der Fortbildung ein Kind bekommen und in Elternzeit gehe hat die Firma eh nichts von meiner Fortbildung.

Meinem Chef habe ich meine Entscheidung gegen die Fortbildung übrigens vernünftig und sachlich erklärt. Ich habe nicht einfach abgelehnt, sondern auch erklärt, warum ich ablehne.
Den Rest, der dann folgte, habe ich ja bereits in meinem ersten Beitrag erzählt.

Mich interessiert jetzt halt einfach die rechtliche Seite zu diesem Thema.

Ob andere Leute sich über eine solche "Chance" glücklich schätzen würden ist für mich nebensächlich, denn mir ist durchaus klar, dass nicht jeder meine Meinung bzw. Ansicht teilen wird.

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