Lohnt sich Riester-Rente?

Hallo!

Wollte mal eure Meinungen zur Riester-Rente hören... lohnt sich das wirklich? Ich trau den Angeboten aus staatlicher Hand ja nicht wirklich ;-)
Habt ihr einen Riestervertrag abgeschlossen? Wenn ja in welcher Form?

Ich bin Mama von 2 Kindern und werde immer angesprochen, dass man mit zwei Kindern ja eine gute Förderung bei Riester bekäme. Bald arbeite ich aber wieder und ich bin mir unsicher, ob ich als Angestellte nicht besser Möglichkeiten zur Altersvorsorge hätte?

Lg
Clarissa

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Wir haben letztes ja im (ich mein) Dezember noch eine abgeschlossen um die Kinderzulagen noch zu bekommen.

Im Nachhinein weiß ich gar nicht, ob es sich gelohnt hat, nachdem man inner Presse gehört hat, dass das Geld was man heute anspart später von der Rente als Einkommen angesehen wird und abgezogen werden soll..

Unsere Beraterin war da auch etwas verunsichert, NACHDEM wir die Riesterrente abgeschlossen hatten, sie war auch irretiert!

Das Gute daran ist, dass man das ganze einfach Ruhe lassen kann, ohne ein Cent einzuzahlen..

LG, Viktoria

PS: Falls ich falsch informiert bin, klärt mich auf..

3

Hallo,

auf die gesetzliche Rente wird das natürlich nicht angerechnet, das macht ja wenig Sinn.

Die Riester-Rente wird einberechnet, wenn man im Rentenalter staatliche Leistungen wie Alg II (heisst das dann auch so?) bezieht. Also wenn der Rentenanspruch nicht ausreicht um das Existenzminimum zu sichern. Dann wird natürlich geschaut, ob noch andere Einkünfte (hier halt die aus der Riester-Rente vorliegen). Wäre ja bei Vermögen nicht anders. Riester-Rente lohnt sich also - finanziell - für die nur bedingt, die wissen, dass sie nicht genug Rente zum Leben erhalten werden.

LG Tina


2

Hallo,

ich weiß es auch nicht so recht und es gibt halt zuviele
Sachen die mich nerven. Auch werde ich in jeder Bank zugelabert wegen der Riesterrente, gerade wenn man Kinder an der Hand hat.

Der negativste Aspekt ist, dass sie so undurchsichtig ist, man weiß halt sehr wenig über die Vor- und Nachteile. Was auch Null ist, sie wird irgendwie mit der Grundsicherung gegengerechnet. Also es lohnt sich laut einer Zeitschrift nur, wenn ich weiß das ich mit meiner Rente mal mehr wie die Grundsicherung habe.

Ich denke mal ich werde was in so einer Kapitalbildenden irgendwas mal anlegen. Das hat aber auch noch Zeit, da ich mich da echt noch belesen muss und mir von mehreren Seiten Rat holen muss.

Ach ich bin auch so unleidig, aber ich habe bei der Riesterrente auch kein gutes Gefühl, Ansichtssache...

4

Danke für eure Antworten. Genau deshalb habe ich auch ein ungutes Gefühl, weil es evtl. von der Grundsicherung abgezogen wird. Wer weiß was ich mal an Rente bekomme?! Ich hab außerdem gelesen, dass man die Riesterrente nicht bekommt, wenn man seinen Wohnsitz ins Ausland verlagert. Finde ich schon ziemlich dreist. Schließlich zahle ich ein und will selbst bestimmen wo ich im Alter mal leben will. Werde mich mal nach Alternativen umschauen...

Lg
Clarissa

5

Hi,
pauschal sagen "lohnt sich, lohnt sich nicht" kann man einfach nicht. Und nur von Banken würde ich mich auch nicht beraten lassen ;-).

Spannend finde ich, dass es hier viele gibt, die mit Anfang oder mitte 20 meinen, dass nicht abschließen zu "sollen" wegen der Anrechnung auf die Grundsicherung.

Dabei wird vergessen, dass man (wie du mit 27) noch 40 Jahre oder andere auch noch mehr Zeit hat, um Rentenansprüche zu sammeln. Wie viel das mal später ist, können doch heute nur 20 jährige, die beschlossen haben, den Rest ihres Lebens ALG II zu beantragen wissen, oder?

Und das Problem ist doch folgendes: wenn man früh anfängt, hat man später sehr viel mehr. Wenn man erst noch 20 Jahre wartet, um zu überlegen, ob man evtl. mal mehr Rente als Grundsicherung haben könnte dann hat man von Riester auch nicht mehr (so) viel.

Dazu kommt natürlich auch, dass die Anrechnung privater Altersvorsorge auf die Grundsicherung ein Thema ist, dass immer mal wieder diskutiert wird - und je mehr Leute (Wähler...) es betrifft, desto mehr wird es diskutiert - und das, wovor Herzog gewarnt hat (dass die Politik nur noch für die älteren gemacht wird, weil die die meisten Wählerstimmen stellen) ist auch nicht so unrealistisch...im Klartext: es ist gut möglich, dass es früher oder später (und du hast dafür noch 40 Jahre Zeit) eine Gesetzesänderung gibt, die für Leute, die privat vorgesorgt haben Vorteile bringt. Und gerade Riester als der Liebling von Vater Staat schlechthin hat sicher nicht die schlechtesten Chancen.

Und DAZU kommt seit neuestem noch ein weiterer Vorteil, dass angespartes aus Riesterverträgen leichter als bisher schon vor der Auszahlphase zum Erwerb von Wohneigentum verwendet werden darf. Auch eine Sache, die sich junge Leute, die vielleicht irgendwann im Eigenheim wohnen wollen überlegen sollten.

Riester ist eine tolle Sache für nicht-selbständige mit Kindern. Denn wenn mein 2. Kind noch dieses Jahr geboren wird, erhalte ich alleine über 600 Euro direkte Zulagen im Jahr für 2 Kinder und mich (so lange die Kinder kindergeldberechtigt sind). Heißt, der Staat zahlt mir 50 Euro im Monat in eine private Altersvorsorge ein. Und das während der Elternzeit für 60 Euro Eigenanteil im Jahr...klar, später muss ich dafür 4% meine sozialversicherungspflichtigen Einkommens abführen (aber selbst ein 400 Euro Job wäre förderfähig mit freiwilligen Rentenabgaben) - aber selbst diese 4% könnte ich wieder von der Steuer absetzen, also werden auch diese wieder gefördert.

Ob es für dich das beste ist, ist eine andere Sache. Pauschal sagen kann man es nicht. Aber gar nichts tun mit dem Argument, man wüsste ja nicht, wie hoch die Rente später ist - das ist doch auch irgendwie widersinnig.

Es kann doch auch sein, dass meine Rente später knapp unter der Grundsicherung liegt. Pech. Ok, vielleicht (aber auch nur vielleicht) wird Riester dann immer noch angerechnet - aber trotzdem würde ich, weil ich privat vorgesorgt habe dann deutlich ÜBER der Grundsicherung bekommen. Wenn ich mit dem Argument gar nicht vorgesorgt hätte, wäre es halt nur die Grundsicherung.

Die von einer anderen Userin überlegte "kapitalbildende Lebensversicherung" ist sicher heute einer der schlechtesten Wege für die Altersvorsorge. Der Garantiezins sinkt immer weiter, und die Überschußbeteiligungen sind bei weitem nicht mehr so hoch, wie sie mal waren - und die staatliche Förderung ist natürlich weit entfernt von Staat's Liebling Riester.

Es gibt auch Möglichkeiten der Entgeltumwandlung (muss dein AG dir anbieten). Auch das ist staatlich gefördert, weil das Geld vom Bruttogehalt abgezogen wird und du keine Steuern und keine Sozialversicherung darauf zahlen musst. Besonders ohne Kinder, wenn dein AG nicht gerade den schlechtesten Anbieter überhaupt gewählt hat (er muss nur einen anbieten, nicht den deiner Wahl) ist das durchaus auch mehr als eine Überlegung wert.

Lebensversicherungen würde ich heute nur noch - bei Bedarf, also z.B. wenn Kinder da sind oder größere Anschaffungen abzubezahlen sind - als Risiko-LV abschließen. Meine kapitalbildende LV stammt noch aus Zeiten, wo das durchaus auch als Altersvorsorge sinnvoll war - aber das hat sich deutlich geändert.

Ende letzten Jahres gab es von Finanztest ein Sonderheft zu Riester. Versuch doch, das zu bekommen, da solltest du reichlich Informationen bekommen und auch Tests der Anbieter.

Viele Grüße
Miau2

7

Hallo,

wow, vielen dank für die ausführliche Antwort!

"Und DAZU kommt seit neuestem noch ein weiterer Vorteil, dass angespartes aus Riesterverträgen leichter als bisher schon vor der Auszahlphase zum Erwerb von Wohneigentum verwendet werden darf."

Wie genau funktioniert das denn? Das wäre durchaus etwas, was ich mal brauchen könnte...

Falls man sich für Riester entscheidet - in welcher Form würdest du denn empfehlen etwas abzuschließen? Man bekommt ja an jeder Ecke mittlerweile einen Riestervertrag angeboten ;-)

Oder wo kann man sich darüber am besten - neutral - beraten lassen?

Lg
Clarissa

8

Hi,
empfehlen werde ich gar nichts, denn was sinnvoll ist hängt von Dingen wie Laufzeit, Risikobereitschaft und persönlicher Situation ab. Für mich erschien als bestes ein Fondsparplan, aber das kann bei Dir anders aussehen.

Unabhängige Beratung ist leider schwer zu finden. Ich habe den Vorteil, jemanden von AWD als sehr engen Verwandten zu haben, der zum einen keinen Vorteil aus Unterschriften durch uns bekommt (da er die Provision an uns weitergibt) und zum anderen mit absoluter Sicherheit das für uns beste anbietet. Heißt, ich kann mich auf seine Beratung verlassen.

Das Sonderheft von Finanztest (oft bekommt man so was in großen Buchhandlungen, oder in Bahnhofsbuchhandlungen, oder auch direkt über deren Website) hatten wir ja schon. Und damit würde ich zu verschiedenen Banken, Maklern usw. laufen - und dann kannst du dich mit dem Wissen beraten lassen.

Uns hätten übrigens sowohl MLP als auch AWD das gleiche Produkt angeboten, eines, das auch bei Finanztest im Bereich "Fonds" immer wieder ziemlich weit oben in den Tests landet.

Aber hier was zu empfehlen ist halt leider Glücksspiel, denn was für uns passt kann für dich das falsche sein.

"Wohn-Riester" - google mal danach.
Z.B. hier
http://www.focus.de/immobilien/finanzieren/tid-9095/wohn-riester_aid_263377.html

Wobei ich keine Ahnung über die Qualität von diesem Beitrag habe. Gute Infoquelle auch für solche Themen ist i.d.R. Finanztest.

Es ist kurzfgefasst so, dass man das selbst eingezahlte und wohl in Zukunft auch die staatlichen Zuschüsse zweckgebunden entnehmen darf und, und das ist neu, sie nicht vor der Auszahlungsphase wieder einzahlen muss.

Damit soll der Erwerb von Wohneigentum gefördert werden, und das praktische ist halt, dass man sich bei Abschluß eines Rister-Vertrages damit nicht mehr festlegt, ob man lieber für das Alter vorsorgt oder für Wohneigentum spart. Denn beides schaffen ja doch irgendwie die wenigsten.

Auch das ist natürlich wieder etwas, was den Leuten Riesterverträge schmackhaft machen soll ;-).

Viele Grüße
Miau2

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Was machst Du, wenn Du einen Rentenvertrag abschließt? Du gibst Deine Vermögenswerte her, die Du heute besitzt, und tauschst sie gegen ein Zahlungsversprechen ein, daß IRGENDWANN in der Zukunft -in 25, 30, 35 Jahren- eingelöst werden soll. Und Du vertraust darauf, daß es eingelöst werden wird. Du kannst Dir aber nie sicher sein, daß das Versprechen auch tatsächlich nach 25, 30, 35 Jahren eingelöst WIRD. Aber dafür gibst Du heute Deine Vermögenswerte her.

1. Weißt Du, ob es die Versicherungsgesellschaft, bei der Du die Versicherung abgeschlossen hast, in 25, 30, 35 Jahren überhaupt noch gibt? Das ist ein äußerst langer Zeitraum und genauso wie alle anderen Unternehmen können auch Versicherungsgesellschaften pleite gehen. Was dann mit dem schönen Versprechen passiert, das Dir die Versicherungsgesellschaft gegeben hat, kannst Du z.B. unter folgender Adresse nachlesen:

http://www.swr.de/odysso/-/id=1046894/nid=1046894/did=3286148/16bsidm/index.html

Darin heißt es u.a.:

Sie wollten privat vorsorgen, mit der Rente nach Maß. Monat für Monat haben sie dafür in die "Secu-Rente" der Göttinger Gruppe eingezahlt. Jetzt ist der private Finanzkonzern pleite. Rund 900 Millionen Euro haben sich praktisch in Luft aufgelöst. Über 200.000 Sparer stehen nun mit leeren Händen da. Die Anleger sind empört: „Das ist ne Schande und wir haben alles verloren.“; „Das heißt, ich geh in die Rente, bin Hartz IV - nicht Arbeitslosengeld II - und habe nichts mehr.“; „Das ist alles Lug und Trug.“

Und genau das ist es: Lug und Trug. Versicherungsgesellschaften spielen mit den Schicksalen von Menschen. Genauso wie Banken sind sie die Vampire der Gesellschaft.

2. Was meinst Du denn, was Du Dir mit Deiner Rente (ja, mit der privaten Rente wohlgemerkt, nicht mit der gesetzlichen!) in 25, 30, 35 Jahren noch kaufen kannst, wenn sie denn tatsächlich ausbezahlt wird. Die Inflation wird den schönen Rentenbetrag schlichtweg aufzehren.

Wach auf! Mit Versicherungen sorgt man nicht vor!

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