Wann Kinderfreibetrag eintragen lassen - wann nicht??

Hallo Mädels,

wer kann mir bitte hier helfen?

Ich habe ein Stichwort gelesen, so ungefähr:

"Je nach Verdienst kann es sinnvoller sein, das Kindergeld zu nehmen oder den Kinderfreibetrag eintragen zu lassen (152 Euro)"

Wir sind noch nicht verheiratet, also wie läuft das da?

Wollen aber wohl nächstes Jahr heiraten. Junior kommt in ca. 6 Tagen,

ich bin nach dem Muschu in Elternzeit mit Elterngeld, mein Freund geht normal weiter arbeiten.

(Habe eben auch in der Ämtercheckliste hier gelesen, dass man die Steuerkarte dann mit zum Amt bei der Anmeldung nimmt.

Unser Kleiner wird in Köln geboren, dort durchs KH angemeldet und wir müssen ihn dann anschließend auf unseren Wohnort (vor Köln) ummelden.... kompliziert...?!

Eure Chrissi 39+1

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Hi,
der Kinderfreibetrag bringt im Vergleich zum Kindergeld nur bei sehr hohen Einkommen was. Wenn Du ein wenig googelst, findest Du sicher Angaben über die Grenze.

ABER: auch, wenn ihr durch die Wahl des Kindergeldes "benachteiligt" wärt geht Euch das Geld nicht verloren, ihr erhaltet das, was das Kindergeld zu wenig war bei der Steuererklärung zurück.

Das Kindergeld ist also der Mindestbetrag, den jeder - unabhängig vom Einkommen - bekommt, natürlich pro Kind nur einmal ;-). Und wenn es zu wenig ist, dann gibt es halt den Ausgleich, wenn auch mit Verzögerung.

Ich denke, ihr seht das dann nach einem Jahr an der Steuererklärung, und wenn ihr dann feststellt, dass das KiGeld wirklich zu wenig war, dann könnt ihr den Freibetrag doch noch eintragen lassen...aber wie gesagt, nur bei hohen Einkommen bringt das was.

Mit dem Anmelden hatten wir überhaupt kein Problem. Mein Krankenhaus hat meinen Kleinen beim Standesamt angemeldet, und die haben die nötigen Unterlagen direkt zu unserem Wohnort geschickt. Als wir auf dem Einwohnermeldeamt waren, war eigentlich schon alles erledigt. Also wirklich kein Aufwand.

Die Lohnsteuerkarte muss aber trotzdem mit zum Amt, weil da das Kind eingetragen wird. Unabhängig vom Freibetrag. Das hat z.B. Auswirkungen auf die Pflegeversicherung, wo dank Kind immerhin stolze 0,25% weniger gezahlt werden müssen.

Bei unverheirateten wird automatisch auf jeder Karte "ein halbes" Kind eingetragen, es ist nicht möglich, dass "ganze" auf eine einzutragen.

Was ihr als unverheiratete noch erledigen solltet und müsst ist die Vaterschaftsanerkennung und eventuelle Sorgerechtsteilung. Beides geht schon vor der Entbindung, was ich auch empfehlen würde - mit einem Säugling die Wartezeit auf dem Amt zu verbringen ist irgendwie recht spaßlos, die Erfahrung haben wir gemacht (hatten aber einen netten Beamten, den gelegentliches Geschrei nicht aus der Ruhe gebracht hat).

Viele Grüße
Miau2

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Hallo Miau 2!

Ganz herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort.

Arbeitest Du auch in dem Bereich? Die vaterschaftsanerkennung haben wir schon vor mehreren Monaten gemacht. Das war ganz problemlos (bei uns bekam man Termine und die wurden pünktlich eingehalten).

Also habe ich das richtig verstanden:

1. Es geht also nur entweder "Kindergeld bekommen" ODER "Kinderfreibetrag nutzen"?

2. Wenn ich das Kindergeld beantrage, es im Nachhinein sich aber herausstellt, dass die Eintragung des Kinderfreibetrages für mich günstiger gewesen wäre, bekommt man die Differenz nachträglich per Steuererklärung erstattet?


Was genau bewirkt der Kinderfreibetrag? Heißt das, dass ich für diese 76 Euro keine Steuern bezahle, mein Freund ebenso nicht?

Man, das ist aber kompliziert.


Liebe Grüße Chrissi

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Hi,
nö, ich arbeite nicht in dem Bereich (daher auch alles ohne Gewähr), aber wir haben ein gutes Steuerprogramm für unsere Steuererklärungen. Und da mein Freund ein sehr gutes Einkommen hat, war für uns das Thema schon interessant.

Kindergeld ist letztendlich eine Steuererstattung. Sie bzw. es kommt daher, dass vor XX Jahren (30? 40?) ein oberstes Gericht (BGH?) entschieden hat, dass das Existenzminimum eines Kindes nicht besteuert werden darf. Das Kindergeld ist damit eine vereinfachte Abrechnung, die in den meisten Fällen diese Steuererleichterung deckt bzw. sogar überschreitet (den Rest kann man dann als Förderung sehen).

Zu Grunde gelegt ist ein Freibetrag, der jedem Kind von Geburt an zusteht. Dieser Freibetrag wirkt sich aber bei höheren Einkommen anders aus als bei niedrigen. Daher passiert es irgendwann, dass die Auswirkungen vom Freibetrag die pauschale Zahlung des Kindergeldes übersteigen. Und das gibt es erstattet zurück, wenn man seine Steuererklärung macht und alles richtig ausfüllt (wir hatten mit einem guten Steuerprogramm keine Probleme).

Ist etwas kompliziert, aber das schöne ist halt, dass Euch keine Nachteile entstehen, wenn Euer Einkommen tatsächlich die Grenze überschreitet. Außer dem Nachteil, dass man dem Staat für ein paar Monate einen kostenlosen Kredit gewährt ;-).

Guck mal bei Wikipedia nach "Kinderfreibetrag", da ist das gut erklärt und du findest auch die Einkommensgrenzen, ab denen man überhaupt erst über die Alternative zum Kindergeld nachdenken muss.

Zu 1: nicht ganz richtig. Das Kindergeld IST letztendlich das, was der Kinderfreibetrag mindestens bringen würde. Heißt, durch die Beantragung vom Kindergeld nutzt man automatisch den Freibetrag. Er steht nur nicht so auf der Lohnsteuerkarte.

Zu 2: wenn ihr alles richtig ausfüllt, ja.

Zu zahlst für einen deutlich höheren Betrag als die 154 Euro pro Kind keine Steuern. Ich weiß nicht, wie hoch der z. Zt. ist, bei Wikipedia steht was von gut 5.800 Euro/Jahr, und die 154 Euro wären die Steuerersparnis (wobei das halt vom Einkommen abhängt, bei niedrigen Einkommen ist ein Teil vom Kindergeld ein Zuschuss und keine Steuererleichterung...).

Viele Grüße
Miau2

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