Wie umgehen mit anderer Meinung und Unhöflichkeit in Freundschaft? (lang)

Hallöchen :-)

Ich bin normalerweise ein Mensch, der recht starke Prinzipien hat. Die sind nicht immer für andere nachvollziehbar bzw. können andere häufig über Dinge hinwegsehen, was mir nicht gelingt. Im letzten Jahr habe ich drei unterschiedliche Meinungen in drei Freundschaften unterschiedlicher Länge gehabt, die so gegen meine Prinzipien verstoßen sind, dass ich den Kontakt habe einschlafen lassen bzw. keinen Sinn darin sehe das klären zu wollen. Und ich frage mich wie andere das anders handhaben können und schaffen den Kontakt mit gutem Gewissen aufrecht halten können? Wären das Sachen, die euch, auch wenn sie häufiger und über einen längeren Zeitraum auftreten, gar nicht stören würden? Würdet ihr die schwierigen Themenkomplexe einfach aus eurer Kommunikation aussparen? Falls ja: Ist es denn noch eine Freundschaft, wenn man sich einiges verkneifen muss zu berichten, was gerade los ist?

Beispiel 1:
Langjährige Freundin (15 Jahre), deren politische Meinung in den letzten Jahren immer mehr von meiner unterschieden hat. Jedes Gespräch dreht sich nach kurzer Zeit um Ausländer, unbegleitete Flüchtlinge, steigende Kriminalität überhaupt, Polizei/Justiz, die nicht durchgreifen. Ich habe meine Position vertreten, die Gesprächsteile abgeblockt (primär weil mich die Pauschalität und Häufigkeit genervt hat). Hier hat für mich das Verhalten zusammen mit der Ablehnung einer Astra Zeneca-Impfung (zu Gunsten einer damals für eine andere Altersgruppe vorgesehene und noch rare Biontech-Impfung) das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich empfinde ihr Verhalten/Meinung sehr egozentrisch (Hauptsache ICH kriege das beste vom Besten, egal, ob ich andere Möglichkeiten hätte und anderen, die diese Möglichkeit nicht haben, etwas wegnehme.) und daher abstoßend. Ohne die monothematischen Gespräche die Jahre vorweg, wäre das wohl noch weiter gelaufen. :-)

Beispiel 2:
Mittelalte Freundin (5-7 Jahre?) hat vehement Entscheidungen, die ich getroffen habe schlecht geredet: Umzug in eine Wohnung, die sie zwar noch nie gesehen hat, aber überteuert findet, behauptet kein Eigentum haben zu wollen - und wenn dann ein alleinstehendes Haus - sich aber bei einem Makler auf die Liste setzen lässt für eine Stadt in der wohl kein alleinstehendes Haus möglich ist. Mir das Kaufangebot für unsere aktuelle Wohnung aber massiv schlechtredet (Leibrente: "Wollt ihr wirklich über Jahre hinweg mit der Eigentümerin verbandelt sein? Dann doch lieber an eine Bank zahlen!" "Ihr wisst doch gar nicht, was da noch alles auf euch zu kommt!" "Die Miete ist viel zu teuer!" - Während sie die doppelt so teure Wohnung auf der anderen Straßenseite für angemessen erachtet). Gleichzeitig hat sie die Idee, dass wir unser Auto verkaufen, ausschließlich schlecht geredet, denn man bräuchte ein Auto (Wir wohnen im Innenstadtbereich einer Großstadt, lassen Einkäufe liefern, für anderes gibt es Cambio - wir brauchen kein Auto, was wir zuletzt ohnehin nur zum Einkaufen bewegt haben und danach keinen Parkplatz gefunden haben).

Beispiel 3:
Kurze Freundschaft bzw. eher Bekanntschaft aufgrund ähnlichen Alters unserer Kinder. Ich hatte ihr ein Foto unseres Flurs geschickt. In diesem liegt rote Auslegeware. Nichts, was ich mir aussuchen würde, aber auch nichts, was abgerockt ist oder aus anderen Gründen sofort ausgetauscht werden müsste: "Wollt ihr den hässlichen Teppich etwa behalten?"
Als es darum ging, dass ich einen modernen/abstrakten Weihnachtsbaum haben wollte, weil mir die richtigen Leid tun, kam der Ausspruch, wie man auf die Idee käme so was hässliches sich hinzustellen.

Bei Beispiel 1 ist es für mich klar: Wir haben uns über die Jahre und aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen auseinander gelebt. Das ist schade, aber letztendlich OK (Wir haben auch einen Altersunterschied von knapp 30 Jahren, haben uns also immer in unterschiedlichen Lebensabschnitten befunden. Die Freundschaft entstand aus einer ursprünglich geschäftlichen Beziehung).
Bei Beispiel 2 kann es sein, dass es Neid ist, das würde aber nicht zur Auto-Sache passen. Hier erschließt sich für mich der Grund, warum es zu solchen Äußerungen kommt, gar nicht. Was beeinflusst es sie z.B. ob wir ein Auto haben oder nicht? Als sie sich den Neuwagen bestellt hat, habe ich mich für sie gefreut und mir die technischen Details angehört (und war beeindruckt, was es alles gibt ;-) ), auch wenn ich das für mich nicht brauche. Bei der Wohnungssache ist für mich eindeutig Neid im Spiel (habt ihr andere Ideen?). Andere Freundinnen, mit denen ich darüber gesprochen habe, haben sich zunächst über das phänomenale Angebot gefreut und dann im Anschluss mit mir darüber gesprochen, wo sie aus eigener Erfahrung Probleme wittern. So ist das für mich normaler Umgang.
Bei Beispiel 3 ist es nicht schade, denn wir hatten keine tiefgehende Basis für eine Freundschaft. Es kann einfach unglücklicher Ausdruck sein, den ich für mich aber in meinem persönlichen Umfeld auch nicht haben möchte, da ich dabei an die Decke gehe, weil ich es grob unhöflich finde. Ich weiß aber, dass sie zur Zeit unseres Kontakts eine recht schwierige Zeit wegen ihres Kindes (Extremfrühchen) hatte, während es mit meinem (reifgeborenen) Kind verglichen zu ihr, wie am Schnürchen lief.

Wer hat Anregungen? :-)

1

Hey!

Von Beispiel 1 und 2 würde ich mich auch verabschieden, weil die Charaktere gänzlich unpassend sind. Bei 1 müsste ich ziemlich viel medikinet nehmen, um das Gerede zu ertragen- und würde dann vermutlich einen ruhigen Tag mit einem Buch dem Treffen vorziehen.
Beispiel 2 wäre für mich keine Freundin, weil sie neidisch und missgünstig ist, aus dieser Motivation auf mich einwirken möchte und meine Handlungen nicht annimmt.

Beispiel 3 könnte ich noch irgendwie händeln, wenn ich mein sachliches Ohr vergrößere und mich von den impulsiven Aussagen nicht persönlich treffen lasse. Bleibt abzuwägen, ob du von einem ruhigen Tag mit Buch mehr hättest als von einem Treffen mit Bsp 3, wenn du dich danach nur ärgerst.

Ich finde es erleichternd, dass es scheinbar noch andere Menschen gibt, denen Weihnachtsbäume leid tun.
Diese dreieckigen Weihnachtsbäume aus Metall finde ich super.


Liebe Grüße
Schoko

5

Ja, bei 1 haben wir uns definitiv anders entwickelt, was auch logisch ist, da ich anfangs 18/19 war und studiert habe, dann das Ref gemacht habe und arbeiten gegangen bin - während sie die ganze Zeit in ihrem Geschäft gesessen hat. Wir haben also in den Jahren andere Erlebnisse gehabt. Vielleicht würde ich auch so denken, würde ich ihr Leben leben und hätte ihre Erfahrungen gemacht (das ist aufgrund der Lockdownbeschlüsse im letzten Jahr, von denen sie als Selbstständige hart getroffen war, auch krass gewesen!).
Ich bin überrascht, dass du den Kontakt zu 3 noch am ehesten halten würdest, denn hier ist die Beziehung am wenigsten tief. :-) Es ist aber auch niemand, mit dem ich mit den Kindern zusammen Gassi gehe. Das hast du glaube ich anders eingeschätzt, oder? :-) Also Kontakt zu Eltern mit ihren Kindern haben wir anderweitig, da fällt sie nicht drunter. :-) Bei Spielplatzeltern würde ich das natürlich links rein, rechts raus gehen lassen, aber bei 3 erschien mir die Kommunikation sehr einseitig und dazu noch negativ, dass es mich wirklich genervt hat. Gleichzeitig kann und konnte ich mich häufig in ihre Situation nicht hineinversetzen, wenn sich z.B. ihr Mann nicht um das Kind gekümmert hat.

Beim Weihnachtsbaum haben wir an so etwas gedacht, es war aber zu kurzfristig um es umzusetzen: https://www.google.com/search?q=weihnachtsbaum+bauen+holz&client=ubuntu&hs=Glr&channel=fs&sxsrf=ALeKk035fSkv7H6ydVzsmGKcV6GZ-l-xKA:1625986629135&source=lnms&tbm=isch&sa=X&ved=2ahUKEwjz_MCbuNrxAhXbg_0HHcpwAmsQ_AUoAXoECAEQAw&biw=1373&bih=794

:-D

2

Hallo,

ich sehe das wie du - diese Kontakte sind Energiefresser. Manchmal muss man sich von Menschen verabschieden. Meine Freunde müssen nicht alle meine Prinzipien teilen oder den gleichen Lebensstil haben, ich diskutiere auch gerne politische Dinge, aber dazu bedarf es einer gewissen Offenheit für andere Lebensweisen und Einstellungen. Gerade die "ich weiß alles besser"-Haltung würde mir gehörig auf die Nerven gehen...

Zu Freundin 1 würde ich den Kontakt einschlafen lassen, mit Menschen, die politische Einstellungen dieser Art haben, möchte ich nicht befreundet sein. Sie hat sich anders entwickelt, da passt ihr einfach nicht mehr zusammen. Ich denke, du hast lange genug versucht, dagegen zu argumentieren. Wenn das nichts hilft, wäre mir meine Zeit zu schade.

Freundin 2 würde ich mal ganz offen fragen, was eigentlich los ist und warum deine Erzählungen immer negativ kommentiert werden. Das Auto-Beispiel ist super zum veranschaulichen. Du interessierst dich für ihre Entscheidung, hörst dir das an und kannst vielleicht sogar was positives daran finden (technischer Fortschritt). Sie reagiert ganz anders. Je nachdem wie selbstreflektiert sie ist oder eine sonstige Erklärung für allgemeines negatives Denken kommt (Depression?) würde ich an der Freundschaft, in reduziertem Ausmaß, festhalten oder nicht.

Freundin 3 würde ich auch reduzieren, aber ab und an kann man der Kinder wegen auch Kontakt zu Leuten haben, die einem eigentlich gar nicht so sympathisch sind. Wenn der Umgangston immer so ist und nicht nur der stressigen Situation geschuldet (Frühchen), dann wäre das aber auch nichts für mich und mein Kind.

Wir kaufen kleine Bäumchen im Topf aus der örtlichen Baumschule, die nach Weihnachten wieder "ausgesetzt" werden. Es entsteht ein Weihnachtswald. ☺️🌲

Viele Grüße
mavikelebek

3

Bsp 1 ist ja nicht "verhandelbar". Aber hast du denn mal mit Bsp2 offen gesprochen? Ich würde immer erstmal das Gespräch suchen, bevor ich mich abwende...

4

Ja, zumindest bezogen auf die beiden Themen, die ich oben angesprochen hatte. Beim Auto ließ sie sich nicht beirren, dass wir eins bräuchten und wir würden uns selbst Probleme machen, wenn wir keins hätten, denn ich müsste Fahrpraxis haben (habe den Führerschein seit 16 Jahren, fahre aber einfach nicht gerne, weil keine Übung, aber wenn ich fahren muss, fahre ich, muss ich halt nur alle paar Jahre mal) und die Kinder müssten Auto fahren lernen (mein Kind hat sich weg geschrien, bis es blau war. Da wir keine Notwendigkeit hatten mit ihr Auto zu fahren, sehe ich es nach wie vor nicht ein ihr und uns diesem Stress auszusetzen). Davon schien sie überzeugt.
Die Sache mit der Wohnung habe ich einmal halbherzig angesprochen, als ich ihr das Inserat der Wohnung gegenüber gezeigt hatte (kleiner und teurer - beides Miete, also so etwas wie die Bausubstanz, was man beim Kauf eher berücksichtigt, eher egal), dem ist sie ausgewichen. Da wir genügend andere, unpersönlichere Themen hatten, über die wir viel kommuniziert hatten, habe ich das erst einmal zur Seite geschoben, auch weil ich zunächst ihre Meinung akzeptiert hatte. Nach und nach kamen aber so kleckerweise immer Sachen hervor, die nicht gepasst haben (sie suchen eine neue Wohnung, kein Kauf, dann doch kauf, unsere ist zu teuer, andere kosten mehr, sind aber OK, wir bräuchten unbedingt ein viertes Zimmer, da zwei Kinder usw.) und die dann letztendlich das Fass zum Überlaufen gebracht haben, auch weil sie beim Auto komplett gar nicht und bei der Wohnung anfangs, gar nicht auf meine Argumente eingegangen ist, sondern auf ihren beharrt hat. Also um deine Frage zu beantworten: Eher nein, weil es die Kommunikation nicht gab und weil es nicht dieses eine große Gespräch gab, sondern es immer eingestreut wurde :D

6

Kurz und knapp?
Es tut dir alles scheinbar nicht gut - so sollten Freundschaften nicht laufen. Schon garnicht aus Missgunst 😕
So :
und
Freundschaften sollten positiv sein - aber man sollte natürlich sachlich seine Meinung äußern können. Aber halt auch nur dann, wenn es dem anderen hilft bzw auch bei manchen Dingen, man gefragt wurde.

Im großen und ganzen solltest du ja eigentlich Freundschaften haben, die dir gut tun bzw mit Menschen welche pflegen die irgendwie auf der selben Wellenlänge sind. Mit allen Meinungen geht das natürlich nie. Aber da muss man dem anderen auch seine Meinung lassen.
Ich finde, auch Freunde sollten sich nicht zu viel in dein Leben einmischen. Jeder kann sein Leben so führen wie er oder sie es für richtig findet. Jeder Mensch hat ja seine Werte und Normen wo anders durch Erziehung und Lebenserfahrung.

Meine beste Freundin und ich kennen uns seit Kindergarten an (24 jahre ca) und bei uns lebt jeder sein Leben, aber wir haben nach wie vor eine schöne Zeit zusammen, wir reden auch mal über alltägliche Dinge, die aber ähnlich sind. Und wenn nicht dann akzeptieren wir die Sichtweite oder Entscheidungen des anderen, denn es sind ja entschwunden die der Könige für sich trifft und man selbst hat ja keine eigene Probleme oder sorgen dadurch.

Eine zweite Freundin - frühere Arbeitskollegin - will gerne schwanger werden, findet aber keinen Partner. Trotzdem gönnt sie mir meine intakte Ehe und freut sich mit mir über meine Schwangerschaft, als wäre sie mit schwanger. (Ohne es aber zu übertreiben)

Alle andere Freundinnen wurden aussortiert- wegen ähnlichen Gründen wie bei dir

Hoffe du findest einen guten Weg für dich🍀

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