Laßt Kinder Kinder sein

Ich möchte Euch mal ein bischen provozieren.
Warum lassen wir, ich mit eingezogen, bin nicht besser, die Kinder nicht Kinder sein? Warum lassen wir sie nicht spielen? Da schleppen wir die Kinder von einer Veranstaltung in die nächste, von einem Turnverein zum nächsten, von einem Termin zum anderen. Früher mußten die Eltern auch arbeiten, ob auf dem Land oder in der Stadt. Die Kinder waren mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Sind wir alle unter die Räder gekommen, waren verwahrlost oder sind wir auf die schiefe Bahn gekommen? Wie sieht denn so ein Kinderalltag heute aus? Mindestens 3-4 Termine in der Woche hat das Kind. Sei es Sport, oder irgendwelche medizinischen Termine wie Ergo oder was es sonst noch gibt. Am Wochenende überlegen wir dann auch, wie wir die Kleinen beschäftigen können. Wir hetzen von der Arbeit nach Hause, der Haushalt muß natürlich perfekt sein, das gesunde frische Essen muß auch noch gut schmecken und die Kinder wollen auch noch unterhalten werden. SIND WIR DIE SKLAVEN UNSERER KINDER? Wie wurden wir denn im Kindesalter unterhalten? Meistens gar nicht.Wir wußten, wie wir uns beschäftigen müssen, können, DÜRFEN. Die Kinder haben doch heute gar keine Zeit mehr für sich. Und wir fallen abends müde ins Bett und fragen uns: Wo bleibe ICH?
Hatte diese Diskussion mit der Erzieherin meiner Kleinen(5). Bis zum letzten Monat hatte sie 4Termine in der Woche. Habe sie auf 2 reduziert. Klar möchte sie Mama dann als Animateur haben. Haben ausgemacht, daß ich nach der Arbeit(arbeite "nur"30 Std. die Woche) 1Stunde Auszeit haben möchte. Da kann sie in ihrem Zimmer spielen und ich kümmer mich um mich. Pflege meinen Egoismus. Ich finde daran nichts falsch. Bin halbwegs ausgeruht und dann kann ich mit meiner Kleinen den Haushalt schmeißen oder wir spielen etwas zusammen. Hat natürlich etwas gedauert, bis Prinzesschen das akzeptiert hat.
Möchte nicht den Eindruck erwecken, daß mich meine Kleine nervt oder stört, aber ich möchte mit gutem Gewissen manchmal denken, ach war das auch schön, wenn man mal machen konnte, was man wollte.
Wohne in der Großstadt. Da kann ich sie noch nicht auf die Straße schicken zum Spielen. Aber es gibt auch andere Möglichkeiten sich als Einzelkind zu beschäftigen ohne Fernsehen oder nur Computer.
Denke, manche Eltern machen einfach ein zu großes "Gewese" um ihren Nachwuchs.
Zahnen - na und. Da waren wir alle dabei.
Trotzalter - muß sein. Geht auch vorbei. Ist zwar schlimm und anstrengend, aber wenn das Kind nicht trotzen würde, wäre es furchtbar. Wir wollen unsere Kinder doch zu selbständigen, selbstbewußten Menschen erziehen.
Schulstreß- ich denke das hat jede Mutter und Vater. Wie waren wir denn in der Schule? War auch nicht alles eitel Sonnenschein. Wir konnten uns aber behaupten. Viele Eltern überhüten ihre Kinder. Wenn im Sandkasten gerauft wird, springen die Mütter gleich dazwischen. Wenn der Sand geschmissen wird, wird das Kind gleich in Sicherheit gebracht. Das gehört aber auch zum Kindsein. Raufen, Liebhaben, Trotzen, motzen, Fäkalsprache. Ist nicht alles schön, aber wir sind auch nicht erwachsen auf die Welt gekommen.
LA?T KINDER KINDER SEIN.

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Genauso seh ich das auch.Wir handhaben das auf unserem Spielplatz so das wir nicht dazwischen gehen,wir kennen uns alle,mein Freund ist mit den groß geworden und jetzt werden unsere Kinder gemeinsam groß und wir greifen nur ein wenn es wirklich heftig wird,alo wenn einer dem anderen die Schüppe um die Ohren haut,ansonsten lassen wir ihnen freien lauf und lassn sie spielen,wir wissen doch selber das wir auch so waren,schon die ganze Ältere generation hier sagt,wie die als kinder waren,die erzählen uns dinge das wir lachen müssen.Wie der kleine Gordon die Sarah geküsst hat und vieles mehr,die haben sich auch gekloppt und sich vertragen,das ist so und es wird immer so sein.Kinder brauchen kein riesen tam tam denen reicht ein sandkasten mit einer wanne wasser um matsche zu machen.Kinder sollen wenigstens solang sie es können spielen und spaß haben,dazu sind es Kinder.

lG germany

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Ja, du hast schon Recht.
Bei uns ist Gott sei Dank alles recht locker.
Vormittags habe ich "frei", also Zeit für mich, für den Haushalt und was sonst so anliegt.
Mein Sohn spielt dann brav alleine. Das macht er auch recht gerne.
Nachmittags machen wir dann oft das, was mein Sohn möchte.
Will er auf den Spielplatz, gehen wir auf den Spielplatz.
Will er etwas mit mir spielen, dann machen wir das.
Will er aber lieber alleine in seinem Zimmer spielen, dann lass ich ihn auch. Warum auch nicht.
Abends gehen wir dann in den Supermarkt und kaufen für den nächsten Tag ein.
Montags geht er in die Musikschule, weil er es unbedingt will.
Mittwochs geht er zum Sport, weil er es unbedingt will.
Er hätte jetzt mit Fussball anfangen können, wie sein Bruder, wollte er aber nicht.
Also muss er auch nicht.
Am Wochenende unternehmen wir meist was zusammen, weil wir Erwachsenen es auch dringen brauchen, mal raus zu kommen.
Gestern waren wir z.B. am See.
Das ist für uns Erwachsene sehr entspannend, weil wir dann richtig schön ausspannen können.
Zudem halte ich nicht viel von dem übermässigen Geputze.
Bei uns ist es sauber, aber nicht lupenrein. Sauber reicht ja auch.
Und wenn da mal die Krümel vom Vortag unterm Tisch liegen, dann kriege ich auch keinen Ausraster.
Wir lassen unsere Kinder im Grossen und Ganzen schon sehr viel Freiraum.
Und uns selbst auch.
Da müssen wir auch wesentlich weniger meckern.
Sandschmeissen tun unsere übrigens selber gerne.
Scheisse sagen gehört zur Tagesordnung und finde ich auch nicht schlimm.
Unsere Jungs kloppen sich auch gerne auf dem Bett inklusive Kissenschlacht.
Ich sehe da überhaupt kein Problem drin.
Die beiden können sich nämlich auch durchaus benehmen, wenn es erforderlich ist.
Ich denke, oft machen sich Eltern viel zu viele Gedanken.
Ich finde es auch nicht sehr ratsam, einen Erziehungsberater nach dem anderen aufzusaugen.
Aber jeder muss es halt so machen, wie es für ihn und seine Kinder gut ist.

Gruss, Katja



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Fühle mich nicht angesprochen. Und die platte Verallgemeinerung nervt.

21

Genau !

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Ja, ja, früher war aber..., früher hatten wir aber..., früher war dies..., früher war das...

Doch wie sagte Kahlil Gibran so schön:

'...denn das Leben geht nicht rückwärts und verweilt nie beim gestern!'

Viele Grüße
Trollmama

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Hallo,

also ich persönlich sehe mich nicht als Sklaven, sondern freue mich, dass ich im Moment noch täglich meine Kinder erleben darf.

In einigen Jahren verzichten sie freiwillig auf meine Anwesenheit.
Gemeinsame Unternehmungen finde ich toll, selbstverständlich oder erst recht auch am Wochenende.

Selbstverständlich mache ich "großes Gewese" um meine Kinder. Ich will das beste für sie, weil ich sie liebe.
Übrigens waren früher nicht alle Kinder auf sich selbst gestellt und mussten sich tagtäglich alleine beschäftigen.

zwillima

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Früher, früher, früher... Ja, ja.

Natürlich war früher manches besser als heute, aber es ist ein Irrglaube, dass man sich von früher einfach das Gute heraussuchen und das Schlechte weglassen kann. So einfach geht es eben nicht.

Früher, als meine Eltern Kinder waren, haben sie jeden Tag draußen gespielt, zusammen mit den Nachbarskindern. Stundenlang waren sie auf der Straße oder im Garten, haben sich viel bewegt, sich schmutzig gemacht und wurden oft nur zu den Mahlzeiten ins Haus gerufen. Meine Mutter fand das offensichtlich toll, sie hatte eine schöne Kindheit.

Heute ist das allerdings kaum noch möglich. Selbst wenn man auf dem Land wohnt, ist es oft zu gefährlich, die Kinder stundenlang ohne elterliche Aufsicht spielen zu lassen: Erstens gibt es viele Autos, zweitens gibt es zu viele gestörte Leute, die draußen herumlaufen, drittens haben eben oft die Nachbarskinder gar keine Zeit, um so lang mit dem eigenen Nachwuchs zu spielen. Und ganz allein macht es draußen dann auch keinen Spaß.

Wenn Deine Tochter gern allein in der Wohnung spielt und nicht viele Termine braucht - schön für sie und für Dich. Meine Tochter braucht einfach mehr "Action". Ihre Augen leuchten immer, wenn wir etwas zusammen unternehmen. Ich denke, sie würde auch gern noch mehr "Termine" haben, sei es nun schlicht der Spielplatz oder auch Sportunterricht oder Bastelkurs etc.

Ich möchte meine Kinder nicht überbehüten; ich möchte, dass sie sich so entfalten können, wie es eben zu ihrem Charakter passt. Selbstverständlich habe auch ich das Bedürfnis, Zeit für eigene Unternehmungen zu haben. Da mein Sohn noch sehr klein ist, ist die Zeit momentan noch sehr begrenzt, aber je älter und selbständiger er wird, desto mehr Freiraum werde auch ich mich wieder nehmen.

Aber der guten alten Zeit hinterherzutrauern, bringt überhaupt nichts. Wir leben HEUTE!

lilas

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nun wie schon von wem anderen geschrieben...die Welt dreht sich weiter und auch die Art Kindheit zu haben dreht sich weiter.

Auch meine Kindheit unterschied sich von der Kindheit meiner Eltern.

Ich hatte als Kind auch TERMINE, weil ich vielseitig interessiert war und alles wissen wollte. Ich war beim Sport und hatte immer 2-3 AGs in der Schule.

Mein Sohn soll die positive Erfahrungen mit breitem Allgemeinwissen auch erleben. Deshalb lernt er mit 6 schon Englisch,geht mit mir zusammen in einen Schwimmverein und macht Judo und frühkindlich Musik.

Wir gehen auch regelmässig in Konzerte Punk bis Klassik, damit er Musik erleben kann , in den Zoo und die Natur, damit er mit Tieren und Pflanzen was anfangen kann.

Später werden sich eigene Interessen ausbilden

Auch ich gönne mir und meinem Kind Auszeiten, wo wir nur rumlngern und nichts machen.

Aber wenn die Kindheit aus Rumlungern BESTEHT, hast du auch nichts gekonnt.

Simone

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Hallo,

ich zähle mich mich überhaupt nicht zu Deiner angesprochenen Zielgruppe.

Unser Kind ist so wie es ist und darf auch so bleiben.
Tausend Termine rund um's Kind gibt's bei uns nicht, Haushalt machen wir so, wie es grad passt und ansonsten wird auch nicht jeder Entwicklungsschritt unseres Kindes durchcelebriert...

Ich finde, es sind nicht alle Eltern so wie Du suggerierst.
Ist mir zu verallgemeinernd, sorry!

LG

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Hi,

also so eine Mutter kenn ich auch.
Meine Schwägerin mit ihrer Tochter, 2 Jahre alt.
Die zieht von morgens bis abends um die Häuser, damit ihr die Kleine zuhause nicht auf die Nerven geht.
Sie geht zum Kindertreff, Krabbelgruppe, Schwimmkurs, Spielegruppe, Musikgruppe, Turnen.
Man merkt das deutlich am Verhalten der Kleinen, denn sie kann sich nicht mal 5 Minuten alleine beschäftigen.
Sie kann kein Puzzle bauen, kein Buch alleine anschauen, nicht mal ein wenig malen. Braucht dauernd Unterhaltung, sonst wird sie unausstehlich.

Ich mache zwar auch viel mit meiner Tochter, allerdings immer so, dass ich auch Ruhephasen dazwischen habe.
Ab Mai zb. geht die Spielegruppe und das Turnen los, Juni Juli August ist ja eh eher Freibad und Spielplatzzeit.
Ab SEptember dann Musikgarten.
Danach weis ich noch gar nicht.
Durchgeplant sind wir nicht, denn wir machen vieles spontan und lungern manchmal auch nur rum.
LG Birgit