wenn Trotz und Eifersucht zusammen treffen...

Hallo ins Forum!

es geht wiedermal um Trotz und Eifersucht. Seit genau fünf Tagen (!) treibt mich mein Sohn in den Wahnsinn. Er steht einen Monat vor seinem zweiten Geburtstag und ist offensichtlich in die Trotzphase eingetreten. Was mich sehr wunderte: sein Trotzverhalten kam ganz plötzlich- wörtlich über Nacht.
Ich habe noch eine Tochter mit sieben Monaten. Bisher kamen die zwei gut miteinander aus. Es gab bisher wenig Zeichen von Eifersucht. Nur wer meinen Sohn kannte, konnte sehen, wie er "anders" reagierte, seit die Kleine da ist.
Nun ja, über Nacht änderte sich sein Verhalten radikal. Er verhält sich trotzig, sagt nur noch nein oder geh weg. Läuft generell in die andere Richtung und wenn ich nur versuche, etwas zu sagen, fängt er das Heulen an und schreit. Beispiele:
Ben, die Sonne scheint heute aber schön....geh weg!
Ben, ich glaube es fängt bald zu regnen an.....Geheule.

Schlimm ist, dass er wegen allem und jedem richtiggehen "austillt". Ich traue mich schon gar nicht mehr einfach nur mit ihm zu reden, geschweige denn etwas von ihm zu verlangen (im Sinne von: Versuch Deine Hose anzuziehen, es gibt essen, hinsetzen etx.)

Zum Beispiel heute morgen: nach dem Aufwachen kam er ins Schlafzimmer (mein Mann ist häufig auf Dienstreise): Mama, Licht an. Nein Ben, Deine Schwester und ich möchten noch schlafen. Mama, Licht an. Nein Ben. Mama, Licht an, Nein Ben. Woraufhin Ben ca. 15 Minuten lauthals schrie: Licht an. Dann waren wir natürlich alle wach. Mama, Tür auf. Nein Ben, Mama, Tür auf, Nein Ben - weitere fünfzehn Minuten Vollhalsschreien. Im Bad reist er trotz mehrmaligen Ermahnens den Handtuchhalter von der Wand. Ich stillte die Schwester und kann und will sie nicht immer dabei unterbrechen. Ich schimpfe. Geheule Geh weg! So Ben, jetzt putzen wir alle Zähne. Lege ihm die Zahnbürste hin - wird in die Ecke gefeuert. Ben, hör auf damit. Geschrei - Geh weg! Hei Ben, deine Füße sind kalt, ich zieh dir Socken an. Schau Mama hat auch welche angezogen...Geschrei, geh weg, geschrei.
Soll ich wirklich weiter erzählen? ... So geht das Nonstop.
Er läst sich auch gar nicht trösten. Meine Versuch ihn in den Arm zu nehmen oder mit ihm zu reden verlängern sein Geschrei meisten. Ablenken hilft am besten: ein Buch angucken o.ä. Mein Problem ist nur, dass ich ja auch noch das Baby und etwas anderes zu tun habe, und es kann doch nicht sein, dass ich mich immer aktiv mit ihm beschäftigen muss, damit Frieden herrscht!?! Zur Zeit probiere ich gelegentlich links liegen lassen und auf Durchzug schalten - fühle mich aber ganz elend dabei. Fällt das unter erzieherisch korrekte Reaktionsmöglichkeit? Wie reagiere ich, wenn er dann fremde und eigene Sachen durch die Gegend schmeißt?


Ich suche Antworten und Ermunterung. Ich habe Angst davor, wie das weitergehen soll. Schließlich fängt die Trotzphase erst an! Die Stimmung in unserer Familie ist auf dem Gefrierpunkt. Ich habe keine Lust, die ganze Zeit an meinem Kind herumzunörgeln! Seit fünft Tagen muss ich reden und reden und reden - etwas was ich immer schrecklich fand und nie wollte! Ständig muss ich ihm Dinge (Klobürste etx) wegnehmen, weil er nicht hören will. Wenn ich sage, hör auf Letitia zu hauen, macht er einfach weiter und ich muss ihn zwangsentfernen. Socken bleiben nicht an, Dinge werden herumgeworfen.

Welche Konsequenenzen zieht Ihr bei Euren Kindern? Mir fehlt die Fantasie für weitere erzieherische Maßnahmen...

Ich weiß ja, Kinder sind nicht da, um uns Freude zu machen - aber ich habe das Gefühl, dass meine Geduld bereits jetzt - nach fünf tagen!!! - am Ende ist. Er ist ein Teufel. Ich habe auch schon darüber nachgedacht, professionelle Hilfe/ Beratung in Anspruch zu nehmen. Was denkt Ihr, sind wir schon so weit!?

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Guten Morgen
Du hast geschrieben das Du versuchst ihn links liegen zu lassen. Wenn Du das wirklich machst wirds mit Deinem Sohn nicht besser sondern noch schlimmer! Dein Kleiner schreit förmlich nach Aufmerksamkeit.
Wieso stehst Du morgens nicht auf wenn Dein Sohn wach ist??
Er ist doch noch nicht einmal 2 Jahre alt, fast noch ein Baby. Er braucht Dich noch genauso wie Deine kleine Tochter.
Wie oft stillst Du die Kleine noch? Darf er dabei sein? Du könntest doch während Du sie stillst auch mit ihm kuscheln und z. Bsp. ein Bilderbuch angucken.
Laß den Haushalt mal liegen und kümmere Dich intensiv um Deinen Sohn, auch wenn die Kleine wach ist. Dann muß halt die Kleine mal allein was machen. Sag und zeig ihm das Du ihn lieb hast. Gib die Kleine doch mal ein paar Stunden ab und geh nur mit dem Großen auf den Spielplatz.
Versuchs einfach mal. Lieben Gruß, Steffi

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hallo,

dass dein sohn mit diesem verhalten um aufmerksamkeit bittet steht außer frage. dafür spricht auch, dass er sich wieder beruhigt wenn du dich mit ihm beschäftigst. er muß aber lernen, dass das der falsche weg ist aufmerksamkeit zu erregen. das erreichst du nur damit, in dem du, so weit wie es möglich ist, dieses verhalten ignorierst. wenn er seine schwester schlägt, geht das natürlich nicht. ziehe ihn dann wortlos von ihr weg (das er das nicht darf weiß er selber. du brauchst ihm das nicht jedes mal sagen. dann hat er ja wieder deine aufmerksamkeit.) und tröste das baby, so dass er es auch mitbekommt. ist er danach ruhig schenke ihm deine aufmerksamkeit.

das kinder in diesem alter um aufmerksamkeit buhlen ist ganz normal. dein sohn hat sich eine variante ausgesucht die am vielversprechensten ist. jedesmal wenn er blödsinn macht bekommt er seine aufmerksamkeit von dir.

das kannst du nur unterbrechen, indem du ihn die erwartete aufmerksamkeit nicht gibst und jedesmal wenn er auf eine veträgliche art um aufmerksamkeit bittet dich um ihn kümmerst.

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Vielen Dank für Eure Antworten.

Ich denke nicht, dass es hier um die Frage geht, wann unsere Familie morgens aufstehen sollte. Aber klar erkannt, es geht um die Frage der Aufmerksamkeit. Ich finde es für meine Frage sehr bezeichnend, dass in puncto Aufmerksamkeitszuwendung zwei völlig unterschiedliche Antworten gegeben wurden. Das halte ich für sympotmatisch und spiegelt meinen Konflikt sehr treffend wieder:

Wieviel Aufmerksamkeit ist für ein Kind angemessen und wann und welche Aufmerksamkeitswünsche dürfen/müssen nicht erfüllt werden?

Meine spontante Antwort wäre: ein Kind braucht soviel Aufmerksamkeit wie möglich... aber was, wenn die Mutter zur "Wunscherfüllungsmaschine" wird in dem Sinne, dass sie willkürlich in Beschlag genommen wird (weil der Kleine das auch gechekt hat und total cool findet, dass man sich immer mit ihm beschäftigt, wenn er nur laut genug schreit) und zwar mit dem Wunsch nach ausschließlicher Aufmerksamkeit sich alleine?

Wie würdet ihr reagieren?

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Hallo Annja,

ich habe meinen großen Sohn im letzten Jahr auch als sehr anstrengend erlebt - er hat viel Aufmerksamkeit gefordert und es gab auch viel Gebrüll. Aber ich mußte oft konsequent bleiben, eben weil sich das Baby (Altersunterschied 2 Jahre) und der Haushalt auch nicht von allein gemacht haben und ich auch nur 2 Hände hatte. Ich habe ihm immer wieder klargemacht, daß wir eine Familie sind, und daß alles nicht funktioniert, wenn sich nicht jeder ein bißchen kooperativ verhält (und daß die Zeit für Geschrei und Streit und Aussprachen ihm letztendlich fehlt als Spielzeit - das habe ich auch durchgehalten, i.S.v. "nein, heute abend gibt es keine Geschichte, weil du vorhin eine Viertelstunde rumgebrüllt hast und den ganzen Betrieb aufgehalten hast"). Im Prinzip hat er es verstanden - was nicht heißt, daß es heute immer funktioniert ... Und ich kann auch verstehen, daß Konsequentsein oft schwer ist, wenn man nebendran das Baby auf dem Arm hat - da kam ich manchmal in echte Konflikte (Baby bekommt so viel Liebe, der Große gerade nur ein Strafe ...)

Wie verhält er sich denn, wenn dein Mann dabei ist? Oder im Kindergarten? Bei uns war es nämlich so, daß er im Kindergarten immer als "ruhig und verhalten" galt (ehrlich, DAS konnte ich immer GAR NICHT verstehen). Ich denke, sein Verhalten hatte schon etwas damit zu tun, daß meine Aufmerksamkeit auch sehr viel meinem kleinen Sohn galt. Aber das Problem konnte ich nicht lösen, wir haben keine Oma vor Ort und mein Mann ist auch viel außer Haus. Es wurde übrigens deutlich besser, als der Kleine ein Jahr alt war und auch in den Kindergarten ging (das hat er wahrscheinlich als eine Art "Gerechtigkeit" empfunden).

Ich wünsche dir jedenfalls gute Nerven - richtige Tips geben kann ich dir nicht, außer eben an bestimmten Punkten, die dir wirklich wichtig sind, konsequent zu bleiben.

Alles Gute!
Joulins #klee