Kind hört nicht, was nun?

Hallo!
Mein Kind, 4 Jahre, hört oft nicht.
Dass ich kritische Situationen (müde, keine Aufmerksamkeit usw.) vermeide, ist klar. Aber was tut ihr, wenn es halt nun doch mal zu einer Situation kommt, in der euer Kind nicht hört.
Beispiel 1:
Kind wirft mit dem Ball im Haus. Ich sage, dass ich das nicht will, weil der Ball Sachen kaputt machen kann. Kind wirft weiter -> Ball ist weg
Beispiel 2:
Kind hüpft wild auf der Couch herum. Ich sage, es soll das lassen, weil die Couch kaputt geht/das gefährlich ist, wenn man auf den harten Rand fällt. Kind hört nicht auf.
Beispiel 3:
Kind schlägt kleines Geschwisterkind. Ich sage, dass ich nicht will, dass dem Geschwisterkind weh getan wird.

Beispiel 1 zieht eine logische Konsequenz nach sich, die einfach umsetzbar ist.

Beispiele 2 und 3 sind schwieriger, denn mein Kind macht weiter. Ich schicke es auf sein Zimmer, Pause für 3-4 Minuten. Das interessiert das Kind aber nicht. Es geht nicht ins Zimmer oder rennt aus dem Zimmer wieder raus.
Und nun?
Muss ich mein Kind jetzt an mich gedrückt zur Pause zwingen? Reden hilft natürlich nicht.

Es ist mir klar, dass es an erster Stelle gilt die kritischen Situationen zu vermeiden. Aber was, wenn halt doch so eine Situation kommt. Mein Kind lässt sich von Pausen wenig beeindrucken.
Ich glaube auch nicht, dass in der Erziehung generell was schief gelaufen ist, ich habe mich seit Beginn viel informiert und ausgetauscht.

Ich habe ein charakterstarkes Kind. Wem geht es auch so und wie kann man sich in oben genannten Situationen verhalten?

Gruß!

1

Hatten wir hier auch... ist zum Glück schon ein paar Jahre her...
Ganz ehrlich... wenn ich meinen Sohn in sein Zimmer geschickt habe und er sofort wieder raus gekommen ist, habe ich auch die Tür zugehalten... abgeschlossen nicht, das war mir zu gefährlich, zugehalten schon, dann war ich ja in Hörweite...

Es gab tierische Machtkämpfe, Felix hat versucht, die Tür aufzustoßen, irgendwann hatte er sich aber beruhigt... und dann konnte man sogar mit ihm reden... und irgendwann hat er tatsächlich gelernt, dass ich die Nummer mit der Pause ernst gemeint habe... das hat sie ne Weile gedauert...

LG
Frauke

5

Hallo!
Danke, es tut gut zu hören, dass es nicht nur mir so geht und ich nicht alleine bin. Solche Situationen verlangen mir alles ab. Unser Kind ist dann manchmal so stur, dass es nicht mehr nachgeben kann.
Danke!

2

Bei Beispiel 2 und 3 Kind aus der Situation nehmen und Alternativen anbieten.
Kind hüpft auf der Couch: Kind hat Energie, raus an die frische Luft z.B. Oder Buch lesen, oder komm lass uns was mit Lego bauen usw.
Kind schlägt Geschwisterkind: wie redest du dann mit dem Kind? Also gehst du auf Augenhöhe, schaust dem Kind direkt in die Augen und sagst was dir nicht passt? Oder rufst du einfahc ein Lass das? Bei uns macht das nämlich einen gewaltigen Unterschied in solchen Situationen WIE man mit dem Kind redet.

6

Hallo!
Ich versuche natürlich schon zu reagieren, bevor eine Situation ausartet, also klar, bei Bewegungsdrang raus gehen. Manchmal klappt das aber nicht, kaum sind wir wieder im Haus, geht's von vorne los.
Wenn das große Kind das Kleine ärgert, habe ich schon gerufen, bin auch schon auf Augenhöhe dazwischen gegangen. Guter Denkanstoß, ich beobachte und probiere aus, ob das auf Augenhöhe besser klappt.
Danke!

3

Situation1 ist klar.

Situation2, ich hole das Kind vom Sofa und sage, dass ich das nicht will nebst kurzer Erklärung warum. Dann versuche ich, es abzulenken, vielleicht auf den Spielplatz gehen oder so.
Wenn das nicht möglich ist, hole ich es halt ein paar Mal vom Sofa.

Situation3: Ich sage, dass ich das nicht will, nehme das Geschwisterkind auf den Arm und tröste es.

Man darf halt nicht bei jedem Kind erwarten, dass es sofort klappt. Wir hatten die drei Situationen oft. Situation3 jetzt bei 12- und 13jährigen immer noch. Aber mittlerweile herrscht Kräftegleichgewicht;-).

7

Hallo!
Leider macht sich mein Kind einen Spaß aus den Situationen, und so müsste ich es mehrfach vom Sofa holen. Es ist charakterstark und gibt selten nach, hat einen langen Atem. Das verlangt mir alles ab. Ablenken funktioniert leider so gut wie gar nicht. Aber ich gebe nicht auf. Was bleibt mir auch anders übrig...
Danke!

9

Ich kann es mir lebhaft vorstellen, meine waren nicht anders.
Aber wenn man nicht strafen will (was bei solchen Kindern meistens auch nichts ändert), bleibt einem ja nichts anderes übrig, außer vielleicht ein Trampolin zu kaufen).

4

Hallo,

es zieht nicht jede Konsequenz bei jedem Kind, aber es gibt immer eine, die zieht. ;-)

Unsere Kinder (13 und 10) sind auch ziemlich willensstark Mittlerweile wissen wir sogar, warum, aber als sie 4 waren, war es einfach anstrengend, wie bei Euch.

Wenn die Kinder im Haus wild getobt haben, sind sie im Garten gelandet. Ob sie da hin wollten oder nicht und was da für ein Wetter war, war mir egal.
Später musste ich nur fragen, ob sie in den Garten wollen, dann sind sie entweder nach draußen geflitzt, oder sie haben das Toben eingestellt, weil sie nicht raus wollten.

Bei der Sache mit dem Geschwisterkind half es bei unseren, sie in ihr Zimmer zu befördern. Dazu haben wir sie teilweise auch unter den Arm geklemmt und sie hingebracht.
Nur, wenn diese Konsequenz nicht zieht, muss man sich etwas anderes überlegen.
Man könnte z.B. das Geschwisterkind nehmen und mit ihm etwas spielen, bei dem das andere Kind nicht mitmachen darf.
Auch das ist eine logische Konsequenz von wegen, wer sich nicht gesellschaftskonform verhält, wird ausgeschlossen.

Diese ganzen Strategien von wegen Ablenken, kritische Situationen vermeiden etc. funktionieren nicht bei allen Kindern.
Es gibt einfach Kinder, die mit dem Kopf durch die Wand wollen, egal, was die Eltern als Alternative anbieten.
Ich weiß, dass viele Eltern von kooperativen Kindern das nicht glauben und dass viele Ratgeber steif und fest behaupten, das würde immer funktionieren, aber die kennen offenbar keine wirklich willensstarken Kinder. #schwitz

Durch Erziehung ist das nur bedingt beeinflussbar. Es kommt auch darauf an, warum das Kind so willensstark ist.

Willensstarke Kinder haben später übrigens auch Vorteile.
Gruppenzwang verfängt bei ihnen kaum.
Wenn sie ein Ziel haben, entwickeln sie großen Ehrgeiz, um es zu erreichen.

LG

Heike

8

Hallo!
Danke für deine aufbauenden Worte. Wenn es mal wieder solche Situationen gibt, frage ich mich, wo das noch alles enden soll. Es tut gut zu hören, dass andere Eltern mit ähnlichem Verhalten der Kinder das auch geschafft haben. Eltern mit leicht zu lenkenden Kindern können das oft nicht so gut nachvollziehen. Ich nehme Ideen und Tipps mit.
LG

10

Nö, die, die von Strafen nichts halten, haben erstens nicht immer pflegeleichte Kinder und behaupten zweitens nicht, dass das immer und bei allen Kindern "funktioniert". Tut es nämlich wirklich nicht immer. Sie erwarten nur einfach keine "funktionierenden Kinder. Manchmal denkt mal halt auch, wenn das Sofa das nicht abkann, hat es verdient, ausgetauscht zu werden, wenn die Kinder "normal" geworden sind;-).
Bei meinen hätte auch "Garten" nicht langfristig "funktioniert", wobei mir die Lösung "Garten" gut gefällt, aber sie wäre hier nur als kurze Erleichterung und nicht als Konsequenz mit Folgen tauglich gewesen.

Es geht nicht drum, ob eine Handlung das Problem schnell lösen kann, sondern, dass manchmal alles andere keine Option ist. Garten *kann* eine gute Lösung sein.
Aber falls man zum Beispiel an seinen Pflanzen und seinen Gartenmöbeln hängt, eventuell nicht. Oder mein Jüngster wäre vielleicht auch einfach weggelaufen.

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Ich finde es schwierig, anhand von solchen Situationen abzuschätzen, ob da nun ein Problem von Seiten deines Kindes vorliegt, oder ob ein Problem von deiner Seite besteht, bzw. einfach von der Familienkonstellation her.
Wie alt ist das kleine Geschwister? Könnte er eifersüchtig sein, mehr Zeit mit dir alleine benötigen, mehr direkte Aufmerksamkeit? Wie ist er mit der Entthronung umgegangen? Durfte er sauer sein, dass da jetzt Konkurrenz im Haus ist oder hast du verlangt, dass er sein Geschwister jetzt bitte aber sofort lieb hat?
Das (und mehr) sind Informationen, die wichtig wären, um etwas sagen zu können.

Zum Sofa: darf er auf seinem Bett hüpfen, kannst du ihm eine Alternative anbieten?

„Konsequenzen“ (und das sieht man hier auch an den Antworten) sind oft nichts anderes als Strafen. Sein Verhalten ist unerwünscht, also muss er aufs Zimmer, oder man schliesst ihn aus einem Spiel aus, wie hier jemand noch vorgeschlagen hat. Das ist nichts anderes als eine Strafe. Und er lernt daraus, dass man andere auch ausschliessen soll, wenn das Verhalten mal nicht passt, anstatt vielleicht hinter die Fassde zu blicken.
Du schreibst, dass dir die Diskussionen alles abverlangen, du klingst erschöpft. Klar, mit einem vierjährigen plus einem kleinen Kind bist du sicher oft am Anschlag. Aber hierfür kann dein Kind nichts und ich finde es Zuviel verlangt, dass er da auf dich Rücksicht nehmen soll. Er ist schlicht noch zu klein dafür. Kinder in diesem Alter wollen und müssen ihre Grenzen testen.
Wie kommunizierst du mit ihm? Was sind deine absoluten No-Gos und wo kann man ein Auge zudrücken, bzw. eine Alternative schaffen?
Konkret an deinen Beispielen wäre das für mich:
1(Ball): Bälle werden grundsätzlich draussen aufbewahrt und es wird nur draussen gespielt. Unumstössliche Regel, der Ball bleibt draussen. Er kann draussen einen Platz suchen, wo er den Ball sicher verwahren kann.
2 (Sofa): Alternative wäre für mich das Bett, ein kleines Trampolin oder so eine Hüpfmatratze als Geschenk zum Geburtstag/Weihnachten. Du kannst aber zB auch mal mit ihm in eine Turnhalle mit grossem Trampolin gehen, das wäre dann der Deal- er hüpft nicht zuhause, aber einmal im Monat gehst du mit ihm zu zweit da hin.
Wenn er doch hüpft und du keine Alternative anbieten willst: sofort(!) hingehen und ihn freundlich(!) und ruhig(!) in den Arm nehmen, und sagen, dass auf dem Sofa nicht gehüpft wird. „Willi, das Sofa ist zum Sitzen da, du kannst nicht hüpfen.“ Und das wiederholen. Dabei ruhig bleiben. Als Lösung könntest du anbieten, dass ihr ein Buch zusammen lest oder du ein Puzzle mit ihm machst.
3 (Geschwister angreifen) Wäre mein No-go. Das heisst hier sofort eingreifen, auf Augenhöhe gehen, deutlich Nein sagen. „Willi, es ist nicht in Ordnung, dein Geschwister zu schlagen. Wir schlagen nicht. Möchtest du mir etwas sagen?“ oft steckt da irgendein Frust dahinter. Wenn er aus Übermut zuschlägt und er so aussieht, als wollte er gleich nochmal zuschlagen, dann präventiv kleineres Kind schützen, zu dir nehmen. Wieder sagen „Ich kann nicht zulassen, dass du deinen Bruder schlägst. Dein Bruder ist klein und kann sich nicht wehren. Ich schlage dich nicht und du schlägst mich bzw. Deinen Bruder nicht. Hier bei uns wird nicht geschlagen. Wenn du sauer bist, kannst du mit dem Fuss auf den Boden stampfen oder ins Kissen boxen.“ Trotzdem ruhig bleiben, ihn durch die Emotion begleiten. Ihm nicht das Gefühl geben, das du ihn auch noch ausgrenzt, das befeuert nämlich nur die Eifersucht.
Hast du mal überlegt, dass ein Vierjähriger in seinem kleinen Universum vielleicht Gründe haben könnte für sein Verhalten? Es ist an uns, den Kindern Werkzeuge in die Hand zu geben, wie sie mit ihren Emotionen klarkommen können. Nicht alles ist frech, nicht alles ist schlechtes Benehmen.

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Hi,
toller Beitrag, den ich so hundertprozentig unterschreiben kann-in der Theorie zumindest🙈

Meine Kids sind knapp 4 und 1,5 Jahre und ich dachte eigentlich wir hätten das thema Entthronung durch, mein Mann war mehrere Monate in Elternzeit, ich hatte ein paar schlaue Bücher gelesen und Podcasts gehört und wir waren sehr bemüht.

Trotzdem haben wir solche Situationen wie sie die TE beschreibt mehrfach täglich und ich bin mitlerweile nur noch genervt - und das ist nicht gut. Genervt vom Großen und die Kleine ist gefühlt immer die liebe - das ist noch weniger gut. Genervt und verärgert, dass ich ihn bitte, etwas zu lassen (z. B. mit einem viel zu langen Stock unkontrolliert in meiner Nähe rumzufuchteln) oder ihm Alternativen biete ("geh doch bitte mit dem Speer nach da hinten,...") und es ihn null interessiert. Ich das Gefühl habe, er nimmt mich nicht ernst (ja, da liegt das Problem wohl bei mir).

Geschwister ärgern ist hier natürlich auch ein NoGo. Mein Sohn schlägt sie in der Regel auch nicht, aber er stellt sich press hinter sie und zappelt so lange rum bis sie umfällt oder weint. Oder er stellt sich ihr in den Weg und macht eine Absperrung, findet sie auch doof. Oder er kommt auf die Idee, eine Kissenschlacht mit ihr zu machen. Manchmal weiss ich nicht, ob er gerne mit ihr spielen würde und nicht weiß, wie. Oft macht er das aber auch in Situationen, in denen er nichts mit sich anzufangen weiß und wütend ist, weil niemand mit ihm spielt. Und ich schimpfe nur noch. Natürlich erfolglos.

Ja sicher, die Lösung für alle 3 Beispiele ist, dabei zu sein, zu führen, die Kinder zu beschäftigen und mitzuspielen. Aber das geht halt auch nicht den ganzen Tag. Viel draussen sein, hilft. Nicht im Garten, aber aus Spielplätzen, in Parks, etc. Da ist immer alles super.

Viel zu oft erziehe ich im Moment wie ich es nicht möchte. Höre mich drohen ("Wenn du mir weiter mit dem Stock zu nahe kommst, können wir keine Indiander spielen" / "Wenn du ständig deine Schwester ärgerst, kannst du gerade nicht mit uns spielen" - Ausschluss aus der Gemeinschaft, voll furchtbar) . Ich bin innerlich davon uberzeugt, dass du recht hast. Aber der aktuelle Alltag gepaart mit akutem schlafmangel lassen mich manchmal (ver-) zweifeln.

Gute Nacht:)

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Hey

danke für deinen Beitrag, den ich ganz toll finde. Ich glaube, allein die Auseinandersetzung damit, dass ein Kind nicht in der Familie ist um zu gehorchen, macht einen grossen Unterschied in der Beziehung. Das eine ist Erziehen von oben nach unten, das andere ist „in Beziehung“ leben und grundsätzlich davon auszugehen, dass ein Kind das Recht hat, sich altersgemäss zu verhalten und ein Recht hat, sich auch zu äussern.
Das heisst NICHT, dass man alles toll findet und das Kind über Tisch und Bänke gehen lässt. Es heisst im Gegenteil: dranbleiben, dranbleiben, dranbleiben und vor allem auch, sich selbst zu befragen, ob man die eigenen Grenzen wahren kann. Ich merke beispielsweise manchmal zu spät, dass meine Grenze erreicht ist- weil ich es auch nicht gut kommunizieren kann. (Ist übrigens was, das mir auch mit anderen Menschen passiert.)
Alle Beispiele, die du aufzählst, in denen man scheinbar „versagt“ kenne ich von mir und meinem gesamten Umfeld auch. Aber ich lege das Hauptaugenmerk auf die Beziehung zu meinen Kind und versuche, unser beider Verhalten im Blick zu behalten.
Ich komme genauso an meine Grenzen, wie du oder jede andere Mutter. Aber meine Lösung bedeutet eben nicht, etwas zu finden, das „funktioniert“, sondern mit meinem Kind den Weg zusammen zu finden. Ich bin nicht besser oder höher gestellt als mein Kind. Ich habe die Pflicht und die Verantwortung, es zu schützen und zu begleiten, aber es ist ein Wesen, dessen Integrität mir heilig ist.
Ich finde das oft sehr anstrengend, ich finde, Mutter sein und ein Kind haben ist anstrengend und ich werde permanent daran erinnert, dass ich auf der Suche bin. Ich scheitere total oft. :)
Aber es ist für mich der einzige Weg, bei dem ich meine Macht als Mutter (die ich definitiv habe, auch ein grosses Sonderthema) nicht permanent missbrauche.
Deswegen gibt es trotzdem auch schlechte Momente bei uns, keine Frage!

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