Stiefschwester beraten - Neffe ist kreuzunglücklich...

Hallo zusammen,
Ich bin neu hier, weil ich eine Beratung erhoffe zu einem Thema, das mich und meinen Vater schon länger beschäftigt. Es geht um meinen 13-jährigen Neffen.

Ein wenig Vorinformation:
Er ist der Sohn meiner Stiefschwester, mit der ich nie aufgewachsen bin. Sie hatte eine harte Kindheit, geprägt von Sucht und Entbehrung, ich hatte eine behütete Kindheit voller Liebe.
Mein Neffe wächst bei meiner geschiedenen Stiefschwester auf, sie ist seit vielen Jahren geschieden. Jedes 2. Wochenende fährt er zu seinem Vater, welcher ihn zu vernachlässigen scheint (mein Neffe isst getrennt von der Familie vor dem Fernseher, sie unternehmen nichts und der Vater schläft den ganzen Tag).

Nun zum Fall:
Mein Neffe zeigt für nichts Interesse und wird immer fettleibiger. Freunde hat er nicht wirklich und er geht keinem Hobby nach. Seit längerem wünscht er sich nichts zum Geburtstag oder zu Weihnachten und geht man mit ihm in ein altersangemessenes Museum oder macht einen tollen Ausflug, ist er sehr teilnahmslos. Fragt man ihn, wie er es fand oder ob er das machen will, sagt er stets, dass es gut war bzw. er da Lust zu hat. Seine Noten sind nicht gut, wegen Corona hat er aber nicht wiederholen müssen. Auch verstrickt er sich in offensichtliche Lügen. Wenn man ihn im Gespräch anschaut, blickt er unsicher weg.
Glücklich ist er definitiv nicht...

Frage ich, wie es meinem Neffen oder meiner Stiefschwester geht, kommt stets eine positive, oberflächliche Antwort. Nun muss ich sagen, dass ich nie schwesterliche Gefühle hatte und sich unser Kontakt beschränkt. Außerdem bin ich im pädagogischen Bereich tätig und denke, dass eine Beratung meinerseits aufdringlich und unangemessen ist, sie hatte die harte Kindheit und ich nicht. Kinder habe ich keine.
Mein Vater telefoniert wöchentlich mit den beiden und besucht sie so ca. 2x im Jahr. Auch er bekommt nur wenig raus, beim Thema Enkelsohn blockt sie und gibt wischiwaschi-Ausflüchte.

Wir sind der Meinung, dass sie Unterstützung bräuchten. Mein Neffe müsste zum Psychologen, um seine Probleme anzugehen. Er könnte so hoffentlich selbstbewusster werden und lernen, seine Wünsche und Bedürfnisse klar zu äußern. Ich sehe ihn in eine Depression reinschlittern, wenn er die nicht sogar schon seit Jahren hat... Auch halte ich später eine Sucht Und Beziehungsprobleme für wahrscheinlich. Ich mache mir ehrlich Sorgen um die beiden und würde gern helfen. Am ehesten müsste mein Vater etwas sagen. Er ist sich nur unsicher, was?! Frühere Ratschläge (Sportverein, Psychologe, Ferien bei Opa) stießen auf Widerstand und Ausflüchte.

Also, liebe Community: was kann mein Vater tun? Wo seht ihr die Problematik bei meinem Neffen? Müssen oder dürfen wir uns einmischen? Wie kann er mehr Lebensfreude und Selbstbewusstsein erlangen?

Habt lieben Dank für eure Meinungen!
Rexe

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"Außerdem bin ich im pädagogischen Bereich tätig und denke, dass eine Beratung meinerseits aufdringlich und unangemessen ist,"

Wenn jemand zu dir käme und an Stelle der kinderlosen Schwester fragen würde:
- was würdest du raten?
- wo würdest du sie hinschicken?
Also die Person, die an deiner Stelle fragt.

Dass deine Beratung unangemessen wäre, finde ich auch. Zumindest würde das das Konfliktpotiential weiter schüren.
Beim Vater ebenso. Es sei denn, er hätte sich in den vielen Jahren der Kindheit bemüht, für sie gekämpft und es wenigstens versucht.
Hat er bei seiner Tochter zugesehen, weggesehen, nichts getan, dann wundert mich nicht, wenn sie jetzt abblockt. Jetzt braucht der *** auch nicht ankommen und einen auf Retter machen.


Lass dich selbst beraten, was du in der Situation tun kannst, solltest.
Wegsehen wäre nicht gut.
Zu viel Enthusiasmus erschreckt eher.

Daher: welche Stellen würdest du empfehlen, wenn jemand in deiner Situation zu dir käme? Dort gehe hin und frage nach.

2

Hallo Rexe,

Ich hab jetzt lange überlegt ob ich antworten soll und hab mich für ja entschieden 😏.

Ich bin der Meinung es steht dir nicht zu bei deiner Halbschwester "beratend tätig zu werden". Ich würde das als extrem übergriffig empfinden. Ihr habt scheinbar kaum Kontakt und aus so wenigen Situationen auf ein Problem zu schließen empfinde ich nicht als fair.

Mein Sohn (15) war in vielen Punkten ähnlich wie dein Neffe, dafür gab es einige Gründe, der Hauptgrund war seine abgrundtiefe Abneigung auf die Schule, seine Mittschüler und vor allem die Lehrer und das seid der Grundschule.

Als er in die Pupertät kam wurde es schlimmer und er machte einen depressiven Eindruck, er wollte keine Freunde, machte nur das nötigste für die Schule, hatte zu nichts Lust und hat alles schlecht geredet, das ganze hat sich mit Corona erheblich verbessert weil ja am Anfang keine Schule mehr war und er seine Ruhe hatte.
Er hat die Schule beendet und jetzt eine Ausbildung begonnen, was soll ich sagen ich habe jetzt ein anderes Kind. Am letzten Schultag haben wir alles was mit Schule zu tuen hatte verbrannt bzw entsorgt, seid dem ist er ein anderer, er lacht viel, ist entspannt, ist voller Energie. Seid 1.Sept. macht er eine Ausbildung und er ist jetzt zufrieden mit sich und seiner Umwelt. Trotzdem ist er noch gerne für sich alleine. Da kenne ich aber viele in dem Alter, ich war auch so.

Biete deinem Neffen an das er sich mit Problemen immer an dich wenden kann, mehr würde ich nicht tun da ihr ja auch sonst wenig Kontakt habt und das Verhältnis sicher nicht so eng ist.

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