Ratlos...

Halli Hallo,

ich bin 4-fach Mama und weiß mir langsam keinen Rat mehr.
Wie eben erwähnt, bin ich als 4-fach Mama durchaus in Erfahrungen geprobt *schmunzel

Unser Sohn (drittes Kind und unser einziger Junge) ist 3,5 Jahre alt und leider sehr anstrengend. Mein Mann und ich wissen uns keinen Rat mehr...

Er ist sehr laut, sehr sehr willensstark und haut/schubst gern, wenn es nicht nach seiner Nase läuft. Er kann für sein Alter zwischen richtig und falsch unterscheiden, also, ob er gerade lieb ist, oder böses macht und entschuldigt sich anschließend auch.
Sein Verhalten ist im Kindergarten gleich wie zu Hause. Auch dort ist er laut und setzt sich notfalls körperlich durch. Mit ihm reden, schimpfen, ignorieren, ablenken mit Spielen etc bringt alles keinen Erfolg.
Ist das bei Jungs so, muss man das einfach aushalten? Es geht jetzt schon fast 1 Jahr lang so. Wir sind froh, dass er mittlerweile das beißen sein lässt. Unsere Mädels waren da deutlich pflegeleichter, trotz Trotzphase und durchsetzen wollen.
Wir hatten auch die Vermutung, dass er körperlich unterfordert ist, also sich mehr "kaputt spielen" müsse und haben seit Anfang des Jahres einen Garten. Nach dem Abholen aus den Kindergarten, geht es also noch in den Garten... anfangs schien das gut zu klappen, aber mittlerweile müssen wir unsere Gartenbesuche abbrechen, weil er leider so laut ist und sich schon ein Nachbar beschwert hat.

Wenn er zufrieden ist, ist er ein wahrer Engel. Er ist auch sehr hilfsbereit und reinlich.
Nur, wenn er seinen Willen nicht bekommt, ist er ein Teufelchen. Unsere Nerven liegen blank.

Wer hat Rat? Manchmal sind es ja Kleinigkeiten, die man aus den Augen verliert, woran man nicht mehr denkt... bin für jeden gut gemeinten Tipp dankbar.

Liebe Grüße

1

Hört er gut?
Sieht er gut?
Kann er Reize gut verarbeiten?


Direkt nach dem Kindergarten: meine Tochter brauchte da immer eine Runde schreien.
Sie liebte den Kindergarten!

Aber es war laut, voll, reizüberflutet.
Diese schrie sie dann eine Stunde (anfangs noch mehr) raus. Rauslassen, was auf sie eingeflutet ist.
Danach Phase zur Ruhe kommen. Dann war sie ausgeglichen, ansprechbar, Terminfähig und Teamfähig.

Das Kind einer Freundin hörte schlecht. Somit kam Frust und Wut auf. Reizüberflutung in Form von: das Gehirn kann das viele Gemurmel (das noch übrig blieb) nicht verarbeiten. Diese Wut und Frust musste raus.

Welche Möglichkeiten hat er mit Wut und Frust umzugehen?
Willensstark ist manchmal auch ein Ausdruck von Überforderung. Kind möchte gar nicht so sein. Kind möchte auch nicht seinen Willen durchsetzen. Sondern ist überfordert mit der Masse an Gefühlen Reizen, Umfeld.

Wenn die Mädchen ruhiger sind: wird er auch positiv gesehen? Fällt er durch sein Verhalten noch stärker und noch mehr auf?

Was sagen die Erzieherinnen? Was hilft in dem Moment? Wie reagieren sie auf Situationen? Bringt es was? Bringt es eher nichts?


"Wenn er zufrieden ist, ist er ein wahrer Engel. Er ist auch sehr hilfsbereit und reinlich."

Wann ist er denn zufrieden?
Gibt es da Muster: Tageszeit? Mit Kindergarten/ohne Kindergarten? Wenn Papa zu Hause ist? Wenn es ein ruhiger Tag war? Wenn viel Action war? Wenn er viel rennen konnte?

Meine war es auf dem Weg zum Kindergarten.
Und nachmittags, nachdem sie sich ausgeschrien hatte und dann wieder zugänglich war.

Sie ist es heute noch (Pubertät), wenn wir nach Actiontagen Ruhetage haben. Zu viele Actiontage in Folge und sie ist gnatschig. Das kann ich ihr nicht verübeln, ich bin es dann auch.

2

Hallo zahnweh,

Ja, er hört und sieht gut. Daran liegt es zum Glück nicht.

Die Erzieherin sprach mich letztens erst wieder darauf an, ob er zu Hause auch so laut sei. Bzw, die Köchin, Hauswirtschaftsfrau sowie andere Erzieher oder auch andere Eltern, schauen ihm in vorbei gehen an und sagen so etwas wie "Na, hast du heute wieder ein schlechten Start in den Tag?"

Es sind Szenen wie...
Er möchte bestimmen, ob wir zur Kita laufen oder mit dem Auto fahren. Es ist ein kurzer 10 min Weg, wenn ich frei habe, laufen wir, ausser, es ist schlechtes Wetter, wenn ich aber direkt zur Arbeit weiter muss, fahren wir. Wenn es da schon nicht so läuft, wie er möchte, schreit er sehr laut auf der Straße, läuft nicht mehr weiter und diskutiert - lässt sich nur sehr selten ablenken. Wenn er sich dann wieder gefangen hat, und wir gelaufen sein sollten, möchte er immer noch beim Straße überqueren auf den Bus warten. Sofern er zeitnah kommt, warten wir, wenn mir das zu lange dauert, möchte ich weiter gehen... gleiches Szenario. Sein Schreien artet schon in Wutausbrüche aus.
In der Kita angekommen, bringen wir ihn meist als erstes hoch zum Umziehen und dann die kleine Schwester in die Krippe, da fängt das nächste Theater an, weil er unbedingt der erste vorne weg sein möchte und seine Schwester nicht vorbei lässt, auch schreibt er ihr vor, auf welcher Seite der Treppe sie laufen soll. Passt es ihm nicht, wird er laut - was in der ganzen Kita zu hören ist.
Wenn er abgeholt wird, ist, dass erste was er möchte, Gummibärchen haben. Ich weiss nicht, woher das rührt, denn bei uns gibts keine täglichen Süßigkeiten. Falls ihm das diskutieren reicht und er merkt, er bekommt keine Gummibärchen, möchte er eine Schokostulle, Pudding oder ähnliches. Es ist immer das gleiche Szenarium, das Laute, das Stampfen mit den Füßen, noch lauter werden, aber zu Hause wird er eben auch handgreiflich oder bewirft uns mit Spielzeug. Das diese auch kaputt gehen können, interessiert ihn dabei nicht, wenn man versucht mit ihm zu sprechen.
Wenn wir unterwegs mit dem Auto sind, möchte er bestimmen, wann wir wo abbiegen und langfahren, was soll ich sagen ? Wenn wir dem nicht folgen, wird er laut. Es ist ohrenbetäubend. Es ist uns auch langsam unangenehm in der Öffentlichkeit, Spielplätze oder Restaurants meiden wir, aus Angst vor einem Wutausbruch, weil es nicht nach seinem Willen geht.
In der Situation, ihn in den Arm zu nehmen, lässt er nicht zu, das bringt ihn noch mehr in Rage. Manchmal kann man hinterher mit ihm reden, dann drückt er einen auch.

Im Kindergarten weiss ich, dass er sehr aktiv ist, besonders wenn die Kinder im Garten sind. Es geht hauptsächlich darum, seinen Willen durchzusetzen. Wenn er das gerade nicht möchte ist er lieb, oder wenn man hin und wieder (nach einem anstrengenden Arbeitstag zb) doch mal nachgibt, ist er lieb. Er hilft beim Tisch decken oder abräumen, er schmiert sich allein sein Brot, er gibt den Katzen Futter oder fegt sogar, wenn er das möchte.
Wenn Papa da ist, ist natürlich nochmal Action angesagt - da wird herumgetobt und Papa wird manchmal zum Klettergerüst, aber Sohnemann findet dann kein Ende, wenn er Papa unbeabsichtigt mal weh tut. Oft ist es auch, wenn Mama nein sagt, wird Papa gefragt.
Wenn er nicht hört, fängt er manchmal an, seine Schwestern weh zu tun, diese haben mittlerweile die Anweisung, dass sie die Situation verlassen, aber er folgt ihnen und macht weiter. So sieht unser Alltag momentan aus.

3

Etwas durcheinander:

Willen durchsetzen: meine brauchte oft was anderes, als das, was sie wollte. Da war es wichtig ihr das zu geben, was sie braucht. Ohne sie wegen des Wollens herabzusetzen.

Wichtig war auch ihr Handlungsweisen mitzugeben. Sie ist wütend? Erlaubt sind aufstampfen, Kissen boxen, sonstiges.
In ruhigen Phasen zeigen, was erlaubt ist, in der Hoffnung, dass es auch in einem Wutanfall fruchtet.

Das mit dem erster sein, kenne ich aus meiner Kindergartenzeit. Ca. die Hälfte der Mädchne hat mit 3,5 bis 5,5 Jahren krasse Kämpfe gefochten, geschubst oder an jeder! Ampel lautstark gebrüllt.
Absprachen wer in welcher Reihenfolge drücken darf, hat minimal geholfen. Manchmal.

Mit dem Auto zum Kindergarten oder zu Fuß: wann erfährt er es?
Meiner hilft es seit dem Kleinkindalter, wenn ich ihr solche Situationen am Abend vorher schon sage und morgens als festes Ritual beim Frühstück.
Das hat im Kleinkind-/Kindergartenalter geholfen und hilft auch jetzt in der Pubertät.

Sonntag Abend sprechen wir die Woche durch. Wichtige Termine und Zeit für Verabredungen.
Am Abend vorher, was am nächsten Tag ansteht.
Morgens die wichtigen Punkte des Tages.
Das braucht sie und tut ihr gut.

Im Kindergartenalter war es wichtig Abends/morgens vorzubereiten. Sonntag war noch zu viel. Das kam im Laufe der Zeit dazu.

Dabei besprechen wir: was steht an, was ist möglich, was ist nicht möglich.
Im Alltag darf sie manches selbst entscheiden. Das kündige ich an und gebe den Rahmen vor. Ihr hat es das Gefühl gegeben, nicht ausgeliefert zu sein.

" Oft ist es auch, wenn Mama nein sagt, wird Papa gefragt. "

Wie reagiert ihr Erwachsenen darauf?
Sprecht ihr euch dann ab? Kommt er hin und wieder mal wieder damit durch?

"Es geht hauptsächlich darum, seinen Willen durchzusetzen. "

Das klingt so, als würde er zwar was wollen, ist dann aber mit seinen eigenen Gefühlen, dem Frust etc. überfordert. Welche Strategien bekommt er an die Hand, damit er sein Verahlten ändern kann? Die Gefühle gehen ja nicht einfach weg. Die Art, wie er es rauslassen kann, braucht er Hilfe. Zumindest brauchte meine da Hilfe.

4

Wirklich Tipps hab ich nicht, aber eines kann ich sagen: nein das ist nicht automatisch bei Jungs so ;-)

5

Ja, klingt willensstark. Und überflutet resp überfordert.

Allerdings sind zwei Gedanken beim Lesen deiner Zeilen aufgeploppt: klare Ansagen im voraus (wie ein Vorschreiber scjon gesagt hat) und das Diskutieren....
Ich persönlich würde einen Wochenplan zeichnen (mit einfachen Signeten, die er versteht/morgen, mittag, abend) - und diesen aufhängen, damit er jederzeit sichtbar ist. (evt auch für jedes Mädel, dann ist er nicht der einzige, nicht so plakativ). Am Abend vorher den kommenden Tag besprechen.
Und dann würde ich nicht so viel diskutieren. Er scheint damit überfordert zu sein. Du entscheidest und musst dich auch nich jedesmal rechtfertigen, resp erklären (das x-te mal) - dies nimmt ihm die Möglichkeit auf ständige Machtkämpfe.
Vlt würde ich mir 3 Sachen überlegen, die er ganz selbstständig entscheiden darf (zb klamotten die er anziehen will, ob er sein zimmer selber oder mit hilfe aufräumen möchte, ob er einen Apfel oder einen Getreidestängel nach dem kindergarten essen will).
Klare Konsequenzen, wenn er jemandem weh tut (nicht die Mädchen aus der Situation nehmen, sondern ihn). Frag ihn mal in eimem guten Moment oder wenn du mit ihm über die neuen Regeln sprichst (nicht diskutieren und rechtfertigen , mitteilen und erklären) , ob er eine Idee hat, wie die Konsequenzen aussehen könnten. Oft sond Kinder strenger mit sich selber als wir 🤭🤫.
Und dabei bleiben. Immer. Es gibt Kinder, die brauchen einen solch fixen Rahmen, um sich geborgen zu fühlen.
Alles Liebe

Ps: solche Kommentare wie die Erwachsenen in seinem Kiga offenbar an ihn richten, sind doof. Oder würde es bei diesen Leuten nicht zu noch mehr Frust, Wut führen, wenn sie morgens schon so schräg angegangen werden. Wenn ich miese Laune hab und einer lässt noch so was fahren, hol ich die Schaufel raus.... 😁

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