Erziehungsvorsätze - welche hattet ihr, welche habt ihr eingehalten?

Bevor man Kinder hat, hat man ja oft ganz andere Vorstellungen davon, wie das mit Kind so ist und nimmt sich so Manches vor, wie man sein Kind erziehen will. Aber wie sieht es aus, wenn man dann Kinder hat?

Welche Vorsätze hattet ihr? Welche habt ihr eingehalten? Und was macht ihr jetzt doch ganz anders? Warum und wie lange hat es gedauert, bis ihr davon abgewichen seid?

Hier noch ein paar Anregungen:

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Viele Grüße

Raffael vom URBIA-Team

1

Aus dem BINGO:
- keine Süßigkeiten bis zum Schulalter 🍭
- das scheußliche Plastikzeug bleibt draußen (und dann wird das Kind von der lieben Verwandtschaft beschenkt)
- mein Smartphone (oder Smartphone generell) ist tabu (naja, der Papa sieht es anders) 📱
- ganz sicher werde ich mich nicht über Windelinhalt unterhalten
- ich arbeite dann, wenn das Baby schläft (klappt Phasenweise, aber oft bevorzuge ich dann doch Schlaf oder Paarzeit) 😴

2

Hallo,

das einzige, was bei uns nicht funktioniert hat, war immer geduldig alles zu erklären.
Im Alltag hat man eben doch nicht immer Zeit dafür oder ist nach der 10. Frage oder bei wiederholtem Nachfragen nach den gleichen Dingen genervt.

Konsequent zu sein hat uns unsere Tochter sehr früh beigebracht, weil sie aus jeder Ausnahme eine Regel abgeleitet hat, die sie beim nächsten mal noch vehementer durchsetzen wollte. #schwitz

Vieles von der Liste hatten wir uns aber gar nicht explizit vorgenommen.
Süßigkeiten in Maßen war immer ok.
Kinder ausnahmsweise vor dem Fernseher zu parken, weil man selbst krank ist oder wenn etwas sehr wichtiges erledigt werden muss, finde ich auch nicht so dramatisch.
Als Kind fand ich Plastikspielzeug viel toller, als Holzspielzeug, weil es detaillierter war. Deswegen gab es da bei uns nur ein Verbot für besonders fürchterliche Dinge und Dudel-Kram.
Wenn unsere Kinder gerne Comic-Figuren oder rosa Glitzer-Rüschen tragen wollten, bitte. Ich verstehe nicht, warum man solche harmlosen Wünsche von Kindern nicht erfüllen sollte, nur weil man selbst einen anderen Geschmack hat. #kratz
Wenn man Kindern keine Spielzeug-Waffen erlaubt, nehmen sie stattdessen Stöcke oder gehen zu Freunden, um damit zu spielen. Abgesehen davon ist längst erwiesen, dass Spielzeug-Waffen keine späteren Gewalttäter produzieren.
Lieber einen Schnuller, als der Daumen. Den Schnuller kann man einkassieren, wenn man der Meinung ist, dass er die Zähne schädigt oder das Sprechen behindert. ;-)

LG

Heike

3

Unsere tolle Idee, beide zu arbeiten und das Kind U3 trotzdem selbst zu betreuen haben wir nach 1,5 Jahren aufgebeben😅
Viel zu viel Stress, das hat uns nicht gutgetan (v.A. unseren Berufen geschuldet). Seitdem bin ich zu Hause.

Wir haben uns immer offengehalten, Ausnahmen zu machen (bspw. Fernseher und Nein ist doch kein Nein), aber nicht als Regelmäßigkeit und nur, solange die Kinder das nicht ausnutzen. Vom Düdel-Kram sind wir ferngeblieben, genauso von Lauflernhilfen. Dann haben wir natürlich ausgerechnet eine Lauflernhilfe geschenkt bekommen, die lustige Musik von sich geben kann. Das Teil haben wir gespendet.
Wir haben durchgehalten, uns nicht gegenseitig mit „Mama“ oder „Papa“ anzureden, aber 1x im Monat ein Date haben wir seit Ewigkeiten nicht geschafft...

4

Keines von den genannten.

Ich weiß, wie ich als Kind war #schein

Meine Vorsätze:
- alles mit Maß und Ziel
- Grundregeln ja. Basic muss stimmen. Aber nicht so wie im Bingo, sondern einkalkuliert auch mal 5e grade sein zu lassen
- mein Bauch wusste 9 Monate was gut für mein Kind ist. Dann wird mein Bauchgefühl mich sicher auch weiterhin unterstützen
- mal sehen wie mein Kind wird, dann passe ich die Regeln an
Dort wo sie notwendig sind, streng und locker lassen wo es mein Kind sowieso nicht interessiert.
- ich lebe meinem Kind nicht vor, was ich selbst nicht einhalten will.
Ausnahme: die Menge ist anders. Ich darf mehr davon, weil mein Körper mehr verkraftet
Cola: Manches ist für Kinder nicht, für Erwachsene erlaubt. Aber auch für mich gilt mit Maß und Ziel.
Ich packe mich an der eigenen Nase, wenn meinem Kind Doppelmoral an mir auffällt.
- ich verspreche nur, was ich auch einhalten kann und halte, was ich verspreche.
Was ich gar nicht erst einhalten möchte, verspreche ich nciht! Auch wenn es für den Moment anstrengender ist.

- ich als Mutter darf auch Fehler machen und muss nicht perfekt sein.
Es gibt auch für mich No Gos in der Erziehung. Dafür habe ich einen großen Rahmen für Fehler, die ich mir selbst zugestehe. Ungeduldig sein, auch mal launisch sein. So lange es kein Dauerzustand ist und ich vor meinem Kind dafür grade stehen kann.


Interessant fand ich:
Mein Kind hasste Süßigkeiten. Erwischte sie mal etwas Süßes, spuckte sie es aus.
(also das komplette Gegenteil zu mir).

So, nun waren wir oft mit anderen Müttern zusammen.
Diejenigen, die immer sagten, sie seien streng, konsequent und vor der Einschulung gibt es nichts Süßes,
waren diejenigen, die das auch weiterhin behaupteten, selbst ihren Kindern fast alles Süßes kauften, damit sie mal ruhig seien

und mich dann verbal anfuhren, dass ich mein Kind mit Süßigkeiten füttern müsse, da das ARME Kind ja nie was Süßes bekäme. Wie ich das meinem Kind antun könne.


Dass ihre Kinder was Süßes bekamen: völlig ok.
Doppelmoral: sie würden ihrem Kind nieee.... sind soooo konsequent (aber bei jeder Gelegenheit) hat die Bekanntschaften dann beendet. Damit kann ich gar nicht.
Vor allem noch Vorwürfe, dass ich inkosequent sei, wenn ich bei etwas locker blieb, was bei meinem Kind keine Folgen/keine Gewöhnung hatte.

In Ruhe ließen sie mich mit Süßem (ich müsse es meinem Kind geben), als mein Kind die Abneigung deutlich demonstriert hatte.



Allerdings hatte ich noch intensiv in Erinnerung, wie sehr die Vorsätze meiner Mutter in die Brüche gingen und wie sehr es sie und auch mich gestresst hatte. Wobei sich mein Stress auf sie übertrug, ihrer auf mich.
Alleinerziehend wollte ich solche Zusatzknackpunkte direkt rausnehmen. Die "da müssen wir unvermeidlich beide durch" Situationen/Phasen würden mich schon genug Kraft kosten. Erholung für mich und gestrichene Machtkämpfe waren mir da sehr wichtig.

Damit eckte ich zwar oft an, bei anderen Müttern.
Aber hey, denen konnte ich aus dem Weg gehen. Meinem Kind nicht.
Also nur Kämpfe, die zum Überleben oder langfristig notwendig sind. Bei Kindern erledigt sich vieles durch die Entwicklung.
Bei anderen Müttern: da kann ich mir aussuchen, wer mir gut tut und wer nicht. Tolle Freundschaften haben sich ergeben. Auch mit jenen, die es anders machen. Wo aber das Basic Respekt gut passt und anders machen völlig in Ordnung ist. Keine Vorwürfe, wenn ein Weg nicht funktioniert hat und Anerkennung, wenn deren Weg genau der richtige war :-)

5

Ich hatte tatsächlich sehr wenige Vorsätze und das was mir wichtig war, habe ich (und auch mein Mann, hatten wir noch während der Kinderplanung besprochen) eingehalten.

1. Unsere Kinder werden von uns nicht geschlage/geklappst oder sonstwie körperlich angegangen (natürlich auch kein psychoterror)

2. Ich werde mich deutlich mehr für meine Kinder interessieren, als sich meine Eltern sich für mich interessiert haben...

3. Wir werden die Grenzen unserer Kinder achten und ihnen Vorlieben, die Grenzen anderer zu achten

Unsere Söhne sind mittlerweile im Teenager Alter und wir sind uns treu geblieben :)

6

Vorlieben = vorleben

7

Hallo.

Wir haben vier Kinder (30, 23, 22, 12) jetzt über 3 Jahrzehnt. Also sind sie schon eine Weile da. Ich habe in diesen 30 Jahren festgestellt, dass jedes Kind eine Erziehung für sich braucht. Der Grundkern ist drin, aber dennoch muss man individuell auf jedes Kind einzeln eingehen. Jedes hat seinen Charakter und darauf muss man sich einstellen. Gerecht waren/sind wir, denke ich, allen gegenüber. Wir haben sie immer ausprobieren lassen, dennoch waren wir im Hintergrund immer präsent. Jetzt ist es auch noch so, dass sie bei Problemen immer zu uns kommen können. Wir versuchen uns möglichst nicht einzumischen, sagen aber unsere Meinung. Hilfe können sie immer von uns erwarten. Ich bin eine seeeehr liebe Mami (sagen meine Kinder, Mami du bist zu lieb), aber dafür ist das Verhältnis zu jedem Kind prima. Ich konnte noch nie wirklich streng sein. Ich denke auch, dass untereinander keine Eifersucht da ist, zwecks Bevorzugung. Sollte es doch mal zu Unstimmigkeiten kommen, wird es sofort angesprochen. Die Kinder konnten sich zuhause immer frei bewegen. Beim Essen bzw. bei der Kleidung wurde jedes Kind mit einbezogen. Ich muss aber sagen, dass ich in der Kita- bzw. Grundschulzeit fast immer mit bei Ausflügen etc. dabei war. Ab der Oberschule wollten sie alle es nicht mehr und da zog ich mich zurück. Also musste auch ich lernen, loszulassen. War am Anfang immer schwierig, aber es klappt. Man muss auch die Stärken des Kindes fördern. Wir hatten eine ganz anstregende Zeit mit der Zweiten, wo ich fast aufgegeben hätte. Das fing nach der Trennung ihres Vaters an. Sie war damit wohl sehr überfordert. Aber wir haben alle die Kurve gekriegt. Jetzt meinte sie zu mir, Mama es war eigentlich alles richtig, wie wir es gemacht haben. Ich habe sie machen lassen, war aber immer für sie da.

Ich bin jetzt an dem Punkt bzw. in dem Alter wo ich sagen kann, ich bin zufrieden, wie meine Kinder sich entwickelt haben. Jeder hat seinen Weg gefunden und wir sind alle immer füreinander da. Ich könnte so viele Beispiele nennen, wo ich sage, jetzt bekomme ich einiges von den Kindern zurück. Zwei sind schon ausgezogen und ich sehe, dass sie doch einiges so machen wie zuhause, habe gedacht, sie machen es komplett anders.

Ich bin dagegen ganz anders aufgewachsen. Meine Mutter konnte keine Liebe zeigen, vielleicht bin ich deshalb zu meinen Kindern so sehr lieb. Auch heute ist das Verhältnis zu meinen Eltern eher kühl. Sie haben auch immer Unterschiede zwischen uns Geschwistern gemacht. Glaube, das hat mich dann doch geprägt, anders zu machen.

LG Hermina

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