Hilfe Kind haut und hört nicht

Hallo ihr lieben.
Ich bin fertig und wende mich jetzt an ein Forum.
Kurz zur Situation: ich habe 2 Kinder (4 und 1).
Vom Papa der beiden habe ich mich während der Elternzeit getrennt (der kleine war 5 Monate alt). Da ging es auch los...vielleicht ein bisschen früher oder später. Ich komme mit der großen an meine Grenzen. Sie hört kaum. Testet richtig stark aus und ich weiß nicht was ich machen soll. Sie haut und tritt den kleinen. Sie sagt sie stänkert gern und lacht dann. Schreit Rum. Sagt er ist blöd. Ich bin blöd. Wenn ich sage es reicht jetzt und sie ins Zimmer bringe tritt sie so lange gegen die Tür bis irgendwas passiert. Ich versuche ruhig zu reden. Sie zu loben. Aber ich bin schon völlig gereizt und schnell genervt. Ich war 8 Monate mit den kids alleine in der Elternzeit. Dann 2 Monate arbeiten und seit corona wieder Zuhause. Ich drehe durch. Bitte. Helft mir wieder Zugang zu meinem Kind zu finden.

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Hallo,

Du musst klare Grenzen setzen und bei Verstößen, möglichst logische Konsequenzen ziehen.
Das muss möglichst immer gleich laufen.
Heute streng, morgen locker und übermorgen wieder streng ist ganz schlecht. Dann denkt das Kind, dass es doch noch seinen Willen bekommt, wenn es mehr Aufstand macht.

Manchmal hat man auch einfach Pech und ein besonders willensstarkes Kind, wo es länger dauert, bis es stressfreier läuft. #schwitz
Aber selbst bei sehr willensstarken Kindern oder AD(H)S-Kindern ist das die richtige Vorgehensweise.

Den Kurs hier fand ich im Kindergartenalter gut (wenn die wieder stattfinden):
https://www.dksb.de/de/unsere-arbeit/bundeseigene-projekte-angebote/starke-eltern-starke-kinderr/
Vielleicht können die Dir jetzt auch Unterlagen schicken, was sie in dem Kurs empfehlen.

Ansonsten bieten auch Caritas und ähnliche Organisationen Erziehungshilfe an.
(Zum Jugendamt würde ich nicht gehen. Da sollte man nicht aktenkundig werden. )

Hast Du jemanden, der Dir die Kinder mal abnehmen kann? Der Papa der Kinder oder Geschwister von Dir oder so?
Alleinerziehend bei Corona mit einer unausgelasteten 4-jährigen, die sowieso nicht einfach ist und einem 1-jährigen stelle ich mir extrem stressig vor. #schwitz

LG

Heike

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Hallo Heike,

Vielen Dank für deine Antwort.
In der Tat sagten ihre Erzieherinnen dass sie einen sehr starken Willen hat. Schon mit zwei damals. Ich bin oft überfordert mit ihr das gebe ich zu. Wenn sie Besuch von Freundinnen hat bin ich immer wieder erstaunt wie ruhig diese sind. Meine flippt regelmäßig aus. Sie ist ganz schnell gereizt und schreit dann Rum, weint,ist bockig. Ich finde das sehr anstrengend da man ihr nichts recht machen kann. Sie hat kaum auf etwas Lust. Ich versuche oft mit ihr zu spielen und sie einzubinden.

Wahrscheinlich muss ich regeln aufstellen nach denen ich immer gleich handele. Ich weiß dass ich oft wechselhaft bin so wie du es beschreibst. Wahrscheinlich auch abhängig von meiner Tageslaune.

Nur wie gehe ich das richtig an mit den Regeln? Wie sollte ich das unterbinden wenn sie wieder nur stänkert.

Durch die angespannte Situation mecker ich selber schneller. Wahrscheinlich trägt das auch dazu bei.

Ab und zu sind sie beim Papa oder bei oma ja....aber richtig erholt bin ich dann auch nicht.

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Meine Tochter ist eine Zeitlang auch total durchgedreht. Sie war noch etwas jünger aber es gab jeden Tag nur Gebrüll, Geschrei, ich musste sie mit Gewalt z.B. ins Auto setzen ect... es war wirklich Horror. Ich fand sie soooo furchtbar.
Ich habe mir Hilfe gesucht. Über das Jugendamt.
Es half etwas aber ich war trotzdem schon so am Ende dass ich erst einen Aufenthalt in einer Psychiatrie gebraucht habe um mich zu erholen. Ich hatte anscheinend eine Depression; mit Medikamenten war es schonmal ein ganz anderes Leben und der Stress nur noch halb so wild. Ich konnte wieder viel besser auf meine Kinder zugehen und Konflikte aushalten/lösen.

Rückblickend ist mir klar, das meine Tochter nur so schlimm war, weil es mir so schlimm ging.
Ich war auch schnell genervt, gestresst, gereizt und hätte mir mal Ruhe vor ihr gewünscht.
Sie ist vom Charakter auch ein sehr dominantes, selbstbewusstes Kind mit extremen Trotzphasen, aber die Eskalation lag meist an meiner fehlenden Kraft und Stärke.
Jetzt tut es mir leid dass ich damals nicht so gut auf sie reagieren konnte.
Mitlerweile geht es uns allen gut (habe noch weitere Kinder), sie hat sich sooo toll entwickelt dass ich oft nicht glaube dass es das gleiche Kind ist. Konflikte dieser Art haben wir gar nicht mehr.
Also mein Rat: Schau dass du Hilfe bekommst und Kraft tanken kannst! Es war einfach furchtbar viel für euch alle in letzter Zeit! Da habt ihr alle viel viel Stress eelebt und den muss sie genauso irgendwie loswerden wie du. Also such dir Hilfe, Unterstützung, (Wellcome oder Jugendamt, Haushaltshilfe, Großeltern oder alles was sonst geht) und bau deinen Stress ab. Dann hast du wieder mehr Kraft für dein Kind.

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Ich danke dir für deinen Beitrag. Hui das klingt schon schlimm muss ich sagen. Mit Psychiatrie und Medikamenten. Schön dass es danach bergauf ging und nun alle glücklich sind :)
Aber bist du denn dann anders mit ihr umgegangen? Was hast du geändert? Oder gab es sich von allein da du entspannter warst?

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Ja also zum Teil hat es sich sicher auch verwachsen, je größer und verständiger wurde desto leichter konnte ich erklären (oder zur Not mal bestechen ;-).

Ich hatte danach vor allem das Gefühl, es ist nur eine Phase und wird wieder. Vorher erschien es mir ausweglos und ich hatte schon vor manchen Situationen im Voraus Panik vor dem Stress.
Ich muss sagen, dass die Situationen damals alle so anstrengend waren, lag nicht nur an ihr sondern auch an anderen Umständen bzw. dem Geschwisterkind. Aber sie hat es eben nochmal potenziert durch ihre Wutanfälle....
Ich war selbst dadurch total gereizt und genervt von dem Lärm und Gebrüll und so war es ein Teufelskreis...
Danach konnte ich mehr Empathie haben und es mehr von ihrer Sicht sehen. Also früher dachte ich: "Du bist so undankbar, ich hab doch jetzt schon zwei Bücher gelesen, warum kannst du nicht mal 10min Ruhe geben und dir selber deine Schuhe anziehen! Ich muss jetzt endlich mal aufs Klo und was trinken und dein Babybruder meckert auch schon und hat Hunger!! Und wir müssen jetzt echt langsam los sonst sind wir zu spät!!!" Also so dachte ich damals ständig.
Und danach war ich entspannter und konnte sagen: "Ach jetzt war es grad so schön, ja das verstehe ich dass du noch nicht aufhören möchtest! Aber leider....usw."

Ich muss sagen dass die Psychiatrie eigentlich für mich eher eine Art "Urlaub" von daheim war. Meine Kinder waren gut versorgt bei meinem Mann und ich konnte mal viel schlafen und mich fast den ganzen Tag ausruhen. Das tat einfach gut. Und die Medikamente halfen meiner Stimmung/meinem Optimismus und die Therapie veränderte zumindest meine Wahrnehmung etwas zum positiven.

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Ich denke das ist nur eine Phase. Sie versucht ihre Grenzen auszutesten. Wichtig ist Konsequent sein und erwünschtes Verhalten zu loben. Meine Tochter hatte mit 2/3 Jahren ganz schlimme Wutanfälle und hat sich auf den Boden geschmissen, geschrien und um sich getreten. Ich habe Anfangs immer versucht auf sie einzureden, wodurch es nur schlimmer wurde. Später habe ich gemerkt, dass sie sich schneller beruhigt, wenn ich sie in Ruhe lasse. Wenn sie wieder anfängt mit treten oder hauen, wäre es vielleicht besser wenn du den Raum verlässt, anstatt sie ins Zimmer zu schicken. Vielleicht wäre auch eine Wutecke eine Idee. Ein paar Kissen oder Kuscheltiere, etwas wo sie draufhauen kann, wenn sie wieder wütend ist.

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Es geht jetzt halt schon fast ein Jahr. Die Idee mit der Wutecke ist toll. Werde ich mal in Angriff nehmen. Danke.

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