Erziehung


Was taugen Erziehungskonzepte? Hier werden verschiedene Ansätze erklärt und Anekdoten ausgetauscht.
Ein Tipp vom urbia Team

Erziehungsfrei, oder: "Antipädagogik"

Hallo

Zugegeben: davon habe ich nun zum ersten Mal gelesen. Ein neuer "Trend" sei das.
Kann mich jemand aufklären?
Findet Erziehung nicht automatisch statt? Woher kommen diese Pädagogik-Hater und was wollen sie? Geht es um lassez-faire? Hatten wir das nicht schon einmal als realitätsfernes Konzept enttarnt?
Ich hatte grade Attachment Parenting verstanden (aka "Gesunder Menschenversand" mit einer Prise Öko), da kommt schon wieder das neue Thema um die Ecke. Nicht, dass ich mich oder meine "Erziehung" einem Konzept unterwerfen würde aber ich hole mir gern Anregungen!

Habt ihr davon gehört oder lebt ihr nach diesem Prinzip?

Neu? Neu ist das sicherlich nicht, es gab schon immer Eltern, die ihre Kinder in jeglicher Hinsicht vernachlässigt haben. Und nichts weiter ist fehlende Erziehung ja. Gabs auch schon zu meiner Zeit.

Kennst Du nicht den uralten Witz? Eine Schlange an der Kasse im Supermarkt. Ein Kind schubst immer wieder den Einkaufswagen in den Rücken des vor ihm stehenden jungen Mannes. Dieser dreht sich irgendwann um und sagt zur Mutter: "Können sie ihrem Kind bitte mal sagen, dass es damit aufhören soll?". Die Mutter antwortet gleichgültig: "Nein, mein Kind darf machen, was es will. Es ist antiautoritär erzogen!". Daraufhin nimmt der junge Mann ein Glas Honig vom Band, schüttet das der Mutter über den Kopf und sagt: "Na das ist ja witzig, ich nämlich auch!".

Jeder kann/darf/soll seine Kinder erziehen wie er es möchte, da eh alle Eltern denken/meinen sie machen es am Besten#augen. Die Wahrheit zeigt sich im Laufe der Jahre bis zum Erwachsen werden.
Die Wahrheiten der richtigen Erziehung sieht man dann im Alltag, ob Spielplatz, Schule und ect.
Frag mich nur immer, warum soviele Kinder auf Eltern nicht hören, andere Kinder schlagen oder mobben, klauen, lügen, Schule schwänzen. Warum die Statistik von kriminelle Kinder im Alter ab 12 jährlich so rasant ansteigt.Garantiert nicht von guter bzw. der richtigen Erziehung.#gruebel

Zum Teil vermutlich weil immer mehr Eltern immer weniger Zeit für das Großziehen ihrer Kinder zur Verfügung haben, weil die Qualität der Betreuung mit der wachsenden Nachfrage immer mehr nachlässt (Stichwort Quereinsteiger wie Bundeswehrsoldaten als Erzieher mit verkürzter Lehrzeit), und weil Kindern die Zeit fehlt sich "selber zu finden und zu festigen".

Ich finde Kinder brauchen neben der passenden Erziehung auch Zeit und Raum um sich zu entwickeln und die sehe ich bei vielen Kindern heute nur noch beschränkt.

LG
Pikku

Wie süß. Du glaubst ernsthaft, die Menschheit hätte ihre Kinder nicht größtenteils nebenbei aufgezogen? Und ich dachte, man wäre zumeist mit Überleben beschäftigt gewesen.

Betreuung und Erziehung wurden schon immer geteilt und outgesourct.

Die Menschheit hatte in dieser Zeit aber auch ander Ansprüche an das was ihre Kinder leisten sollten! Ich finde es immer lachhaft mit diesen Steinzeitvergleichen zu kommen, wir sammeln keine Beeren mehr und vor Bären laufen wir auch nicht mehr davon.

Wir / die Gesellschaft hat heute sehr hohe Anforderungen an unsere Kinder und das Outsourcing außerhalb des engen Familienverbundes ist eine Erfindung der Neuzeit.

LG
Pikku

Nein, ist es nicht. Früher war man mit jedem in der Umgebung um irgendwelche Ecken verwandt, klar. Aber sofern du nicht implizieren willst, dass genetische Verwandtschaft irgendwelche magischen Bindungen schafft, die sich ohne die passenden Gene nicht kompensieren lassen, wirst du dich wohl damit abfinden müssen, dass Mütter zu keiner Zeit sich aus ihrem Leben und der Gesellschaft zurückgezogen haben, um sich hochexklusive Kinderbetuttelungszeit zu gönnen.

Es gab Zeiten, da bedeutete Haushalt Knochenarbeit. Wäsche musste stundenlang von Hand gewaschen, gekocht, gewalkt werden. Korn musste gemahlen und dann Brot gebacken werden. Meinst du echt, da war Zeit den Nachwuchs mit pädagogisch wertvoller Qualitätszeit zu beglücken? Nur weil die traditionell mütterliche Tätigkeit traditionell der Haushalt war, heißt das nicht, dass das traditionell bedeutete man hatte viel Freizeit, um sich dem Kind zu widmen. Die wurden gefüttert, gewaschen, bekamen was angezogen und wurden dann dem übergeben, der für die Beaufsichtigung zuständig war: Oma, Tante, große Schwester.

Und das mag dir ja so idyllisch und familiär so nett erscheinen, aber das Prinzip ist das gleiche, wer arbeitet hat keine Zeit sein Kind zu bespaßen. Das tut entweder jemand anders oder das Kind lernt fix sich nützlich zu machen oder wenigstens nicht zu stören.

Du lebst in einer Traumwelt.

Das stimmt schon was Du schreibst, aber wir waschen nun mal nicht mehr den halben Tag am Bach die Wäsche und mahlen unser Korn mit Steinen sondern wir kaufen das Brot meist in 5 Minuten beim Bäcker und den Rest des Tages sind wir Elektriker, Krankenpfleger, Steuerberater, Tierarzt oder Ingenieur. Da sind die Ansprüche doch ein bisschen höher als vor 200 Jahren als ein Großteil der Bevölkerung noch einfachste Tätigkeiten ausgeführt hat wie den ganzen Tag den Ochsen übern Acker führen.

Damals war es bei 99% der Bevölkerung schietegal ob sie sich für ihre Umwelt interessieren, das wurde mit fortschreitendem Fortschritt immer wichtiger, aber genau bei diesen 99 % sind wir aber bei unseren Auszubildenden gefühlt heute wieder angekommen.

Trotzdem hat die Menschheit überlebt und sich entwickelt ohne dass Kinder auf ein Podest gestellt und von ihren Müttern umkreist wurden.

Es ist also nicht notwendig die freigewordene Zeit in hysterisch-überkandidelter Mutter-Kind-Symbiose zu verbringen, weil irgendwer heute daraus einen kruden Anspruch gezimmert hat, von dem nichtmal klar ist, ob das gesund und förderlich ist.

Ein bisschen mehr Realismus wäre echt nicht schlecht.

Andere Menschen mit Respekt zu behandeln, ist eine lohnenswerte Grundeinstellung. Aber man wächst mit seinen Aufgaben. Und nicht daran, von allen Pflichten befreit in einer Blase großzuwerden, wo Mama ständig um einen kreiselt und einem jede Anstrengung abnimmt.

Am Besten klappt das, wenn Mama einfach auch mal was anderes zu tun hat, als Kind und Umgebung zu Tode zu analysieren.

Da gebe ich dir völlig Recht. Eine zu Hause betreuende Mutter muss sich zurücknehmen. Aber die wenigsten solcher Mütter die ich kenne helikoptern rum meiner Erfahrung nach sind das eher die deren Kinder viel Zeit in Hort und Co verbringen. Ich finde je mehr Zeit das Kind bei einem ist umso weniger kann man es 'dauernd im Fokus haben'.

aber den ganzen Tag in Schulen und Nachmittagsbetreuung ein überwachtes und ja auch bespasstes Leben führen ist auch nicht förderlich für die Entwicklung.

ich finde zu Hause mit einer Mutter die EIN! Auge darauf hat was man tut und einen zur Not mal in die richtige Richtung schubst mit genug Freiraum mal in Ruhe z.b. mit dem Konstruktions Kasten was auszutüfteln sollte das Ziel sein.

"aber den ganzen Tag in Schulen und Nachmittagsbetreuung ein überwachtes und ja auch bespasstes Leben führen ist auch nicht förderlich für die Entwicklung."

Jup ist bestimmt super für die Entwicklung des Kindes den ganzen Tag bei seiner Zuhause rumgammelnden Mutter zu sitzen, die überhaupt keinen Bildungs- Weiterbildungsanreiz erhält und effektiv die meiste Zeit vermutlich nicht da sitzt und Lernziele vermittelt sondern bügelt oder putzt, mit der Nachbarin quatscht. Vor allem ist das auch die Lösung schlechthin für all die Leute die ohnehin keine Lust haben einem Beruf nachzugehen. Und für Kinder aus ohnehin sozialschwachen Haushalten ist es bestimmt richtig förderlich Mama Mandy den ganzen Tag beim WOW zocken zuzugucken.

Frau Heim Herd. Das soll deine Lösung sein? Als Frau sind mir gefühlt 1000ende Gehirnentwicklung abgestorben in dem Babyjahr das ich hatte und der Wiedereinstieg war schlicht und einfach ein toll. Meine Tochter ging gerne in die Kita und wir haben viele Anreize bekommen auf die ich vielleicht gar nicht gekommem wäre. Auch sozial hat meine Tochter viel gelernt durch die Interaktion mit anderen Kindern.

Ich bin ehrlich gesagt auch dagegen das Kind von 6-18 Uhr fremd betreuen zu lassen, aber auch definitiv gegen reine Zuhause Betreuung. Die gesunde Mischung macht es. Es ging sollte nicht nur von 1-2 Leuten lernen, sondern von vielen. Da viele Familie durch Wegzüge Arbeitssituation auf die Kernfamilie tw. sogar nur auf 1 Elternteil dezimiert sind, sind Kitas und Hort um so wichtiger als weiterer Anlaufpunkt für das Kind und die Eltern.

Entschuldigt einige Fehler. Ich und T9 und das Handy

Wo kann ich das nachlesen? Statistisches Bundesamt? Hast du eine Quelle für den rasanten Anstieg?

Hallo
Wenn ich das richtig verstanden habe ist das für mich zum einen das andere Extrem zu sehr strenger Erziehung und zum anderen so extrem kaum umsetzbar, eben weil Erziehung ja wirklich auch einfach so läuft und gewisse Dinge einfach sein müssen. Letztendlich wird sowas von solchen Eltern zwar anders genannt aber für mich ist es das gleiche.
Wie bei vielen auch finde ich die Mitte gut, wenn auch mit einer Tendenz zu "Locker".
Neben der persönlichen Einstellung zu dem Thema Erziehung weiß ich natürlich aber auch dass das nicht bei allen Kindern so gehen würde.

LG

"Neben der persönlichen Einstellung zu dem Thema Erziehung weiß ich natürlich aber auch dass das nicht bei allen Kindern so gehen würde."

Das ist genau der Punkt finde ich, wir orientieren uns ja ein kleines bisschen bei Montessori und fahren mit unserem Lütten extrem gut damit, ich kenne aber einige Kinder bei denen ich selber der Meinung bin dass das was wir machen nicht gut funktionieren würde.

Ich habe inzwischen auch meine Meinung zu den Reformpädagogik-Schulen geändert, früher fand ich die alle nicht gut, heute denke ich mir wenn man merkt dass sein Kind eh nicht studieren wird und eher z.B. einen kreativen Laufweg einschlagen wird, und in der Regelschule nur noch am Kämpfen ist, warum nicht auf eine der alternativen Schulformen.

LG
Pikku

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