Mein Sohn (5) will alles ausdiskutieren, akzeptiert ein Nein nicht

Hallo zusammen!

Ich bin ziemlich frustriert. Mein Großer, 5 Jahre, diskutiert momentan alles aus.

Wenn man ihn bittet, beim Tischdecken zu helfen, o. z. B. den Ketchup zu holen - "immer muss ich alles".... Er ist permanent nur am nölen und ich gehe so langsam auf dem Zahnfleisch. Mein Mann setzt sich sozusagen "lautstark" durch und wirft mir dann vor, nicht konsequent zu sein.

Am meisten stört mich wirklich, dass er immer noch weiterdiskutiert, wenn ich Nein gesagt habe und es dabei bleibt. Ich muss ihn dann am Ende immer ins Zimmer schicken und er sitzt dann da heulend: Nie darf ich was...!
Z. B. hat er vor 2 Tagen aus einem Kaugummiautomaten ein "Schleimteil" bekommen, was an der Wand kleben bleibt und dann runterläuft. Heute ist es kaputt gegangen, weil er damit rumgeaast hat und er wollte ein neues. Dies habe ich, meiner Meinung nach richtig, verweigert und er dann wieder "nie krieg ich was, immer sagst du nein" etc.
Ich habe dann immer das Gefühl, er kann es gar nicht wertschätzen, dass er etwas neues bekommt und ich weiss wirklich nicht, wie ich es ihm am besten beibringe. Z. B. wenn er was bekommt, sagt er meist nicht von sich aus danke, sondern muss erst dazu aufgefordert werden. Warum nur? Ich sage immer: "Was sagt man dann?" Und dann sagt er auch Danke, aber ganz selten von sich aus. Ist es so selbstverständlich für ihn, immer zu bekommen, was er will?

Ich habe für mich das Gefühl, ständig Nein zu sagen und alle sind unzufrieden.

Dann flunkert er z. Zt. immer. Sagt, Papa hats erlaubt und das stimmt gar nicht. Gut, da ziehen mein Mann und ich an einem Strang und vergewissern uns immer, ob dem so ist. Allerdings nagt es ziemlich am Vertrauen zu Marek. Ich kann ihm ja momentan nichts glauben! Bin immer unsicher, ob es stimmt.

Also:
- wie bekomme ich das ewige Nölen in den Griff?
- wie bringe ich ihm Respekt vor uns, besonders vor mir, bei?
- wie lernen Kinder am besten die Wertschätzung von Gegenständen?
- gibt es Tipps gegen Flunkern?

Ich danke Euch fürs Lesen und hoffe auf zahlreiche Antworten. Vielleicht wäre eine Erziehungsberatung auch gut? Was meint ihr?

Gruß, bea

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Hallo Bea
Da ich Erzieherin bin, kann ich dir ein paar Tips geben.
Das Nörgeln musst du einfach übrhören, sobald er merkt dass es dich nervt, setzt er das ein damit du deine Meinung änderst. Das Väter gegen Mütter ausspielen und umgekehrt, tun die Zwerge sobald sie merken dass die Eltern sich niicht einig sind... Also setzt euch zusammen und denkt euch ein paar Regeln aus.
Respekt bekommst du dann wenn du ihm auch Respekt entgegebringst. Hör ihm zu wenn er etwas erzählt und gib ihm die Erklärungen die er haben will, ohne dabei deine Sichtweise und deine Entscheidungen abzuändern.
Gib ihm Taschengeld, z.B. 20 Cent pro Woche für einen 5 Jährigen... Das bekommt er dafür dass er auch mal was mithilft zu hause. Gib ihm klare Augabenbereiche, z.B. jeden Abend Tisch decken oder Müll raustragen. halte die Aufgaben (auch die der Eltern) auf einem Plan fest, den er einsehen kann.
Gegenstände gewinnen dann an Wert wenn die Zwerge es sich "erarbeiten", z.B. etwas vom eigenen Taschengeld kaufen. Wenn es dann doch kaputt geht... Pech gehabt.
Und diese Schleimdinger sind eh nicht besonders stabil oder gar erzieherisch wertvoll :-)
Flunkern... ist wohl das schwierigste. Ich denke immer man sollte die Kinder dazu bringen dass sie einem vertrauen und offen zugeben wenn sie geflunkert haben. Bei mir gibt es in einem solchen Fall keine Strafe.
So kleine Notlügen passieren jedem Mal, man sollte ihm erklären wieso das nicht so toll ist, wenn er mal erwischt wird. Ansonsten:immer an das Kind glauben. Nicht das Vertrauen verlieren. Die meinen es nciht gegen einen persönlich, die kleinen sind halt eben noch egozentrisch und suchen nur für sich selbst die Vorteile.
Ich hoffe ich konnte dir etwas weiterhelfen. Ich freu mich schon wenn mein Hosenscheisser mit diesen Tricks anfängt. Jetzt ist er mal eben in der Trotz- und NEIN Phase...#schock
Lg Sylvie + Luca (2)

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Danke Sylvie!

Der Tipp mit dem Taschengeld ist gut. Ich hatte selbst schon darüber nachgedacht. Allerdings finde ich, dass für "normale" Tätigkeiten im Haushalt (Tisch abräumen, Tisch decken o. ä.) keine Bezahlung erfolgen sollte. Ich denke, dass Taschengeld einfach gegeben werden sollte. Sicher, falls er mal beim Autowaschen hilft oder Rasenmähen, ist das vielleicht etwas anderes. Nur momentan finde ich ihn dafür einfach noch zu klein.

Ich denke einfach, das Mithilfe im Haushalt selbstverständlich sein sollte und keine Gegenleistung erfordert. Da würde ich dann eher mit :-D-Gesichtern oder :-( -Gesichtern als Belohnung arbeiten. Das habe ich schon mal ansatzweise versucht und das klappt ganz gut.

Auf jeden Fall noch lieben Dank für die Antwort. Das Besondere an diesem Forum ist einfach, dass man immer wieder feststellt, dass man nicht alleine ist mit seinen Problemen.

Also, liebe Grüße,
Bea

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Hallo Bea
Ja, du hast sicher Recht mit dem Taschengeld.Und die Lachmännchen sind für kleine Jungs sowieso eine gute Idee. Jedoch muss dann am Ende der Woche oder beim Erreichen von 5 Lachmännchen zum Beispiel eine Konsequenz stehen.
Aber es stimmt schon: besser ist immer positives Benehmen zu verstärken, als negatives Benehmen zu bestrafen.
Lg Sylvie

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Hallo Bea,

hier ein paar Geschichten meiner 6 jährigen Tochter.
Mein Mann und ich finden das sie 1 mal die Woche abtrocknen kann.Wir achten darauf das es auch relativ wenig ist.Beim ersten mal kriegte ich zu hören"Immer muss ich den Haushalt machen,du tust nie was,das ist soviel."Es waren 3 Teller ,3 Gabeln und eine Pfanne.Sie hat über eine Stunde getobt und war echt gemein.
Zimmer aufräumen:Manchmal räume ich das Zimmer richtig auf wenn sie im Kindergarten war.Sie hat es zur Kenntniss genommen,mehr nicht.Eine Stunde später war wieder Caos.
ICh sehe ein das Kinder es noch nicht schaffen das Zimmer richtig aufzuräumen wenn dort die Bombe eingeschlagen ist.Wir helfen ihr da auch.Soll sie mal alleine was wegräumen Oh,Oh.
Wir wollten mit ihr aufs Straßenfest ohne kleinen Bruder.
NA ,es wurde nur gemeckert.Da gibt es keine Pferde und und und.Und das ist immoment bei allen.Sie redet alles schlecht.
Ich hoffe das es einfach zum alter gehört und wir diese Phase bald überstehen werden.
Denn es nervt und frustriert ungemein,wenn man seinem Kind nichts recht machen kann.

Lg Sabine

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Hallo Bea;

Dein Sohn gefällt mir ;-) Er ist unbequem, aber er setzt alles daran, sich durchzusetzen. Eine Fähigkeit, die er in seinem Leben noch sehr gut brauchen wird. Durch die Diskussionen trainiert er seinen Intellekt und seine Sprachfähigkeit. Ist auch klasse.
Die Diskussionen sind vermutlich für ihn eine Art Wettkampf: schafft er es, sich gegen Euch durchzusetzen? Damit seinen Willen zu erreichen? Wie werdet Ihr reagieren? Er testet also auch aus, wie welche Mitmenschen auf welches Verhalten reagieren.

Zu Deinen Fragen:
1.) Das Nölen nervt! Tut es mich auch, wenn meine Kinder loslegen. Ich versuche, es zu ignorieren, damit irgendwann der Anreiz verloren geht, es immer wieder einzusetzen. Um das durchzuhalten, sind starke Nerven gefordert. Sorge also auch für Dich und schaffe Dir Freiräume zum Abschalten und Erholen.

2.) Dass Dein Kind sich respektvoll Dir und anderen Menschen gegenüber verhält erreichst Du durch ein positives Vorbild. Indem Du respektvoll und wertschätzend mit ihm sprichst, erreichst Du, dass er sich wohl in seiner Haut fühlt und deshalb weniger Drang zeigt, sich respektlos anderen gegenüber zu verhalten.
Natürlich klappt das nicht immer so, dass die Kinder den Respekt nicht verlieren, gerade der vertrautesten Person, also meistens der Mutter gegenüber. Sieh das so, dass Dein Sohn so viel Vertrauen zu Dir hat, dass er sich bei Dir komplett fallen lassen kann. Er reagiert seinen Stress an Dir ab, weil er volles Vertrauen hat, dass Du ihn trotzdem über alles lieb hast.
Aber weil das natürlich dennoch nicht ok ist, gehe ich in einem solchen Fall in die Konfrontation, indem ich meinen Sohn daran erinnere, dass ich mir auch Mühe gebe, respektvoll mit ihm zu reden und ich das Gleiche auch von ihm erwarte.

3.) Wertschätzung von Gegenständen: Auch hier zählt mein Vorbild. Geht etwas von meinen eigenen Sachen, werfe ich es nicht sofort weg, sondern versuche es zu reparieren - nicht weil ich die Sachen dann noch so toll finde, sondern damit meine Kinder erfahren, dass alles seinen Wert hat.
Wenn Dein Sohn etwas verschlunzt oder aus Nachlässigkeit kaputt macht, lass es ihn entweder ersetzen, wenn es nicht seine eigenen Sachen waren (wozu gibt es die Spardose oder Taschengeld?) oder lasse ihn mal eine Zeitlang ohne diese Sachen bzw. mit kaputten Sachen auskommen (wenn es sich um seine eigenen Gegenstände handelt) Ausserdem kannst Du ihn mithelfen lassen, wenn etwas repariert werden muss.

4.) Das Flunkern: Gerade ein aktuelles Thema bei uns ;-)
Meistens kommt man ja schnell dahinter, wenn man angelogen wurde ;-) Ich mache meinen Sohn darauf aufmerksam, dass ich ihm nicht glaube und mache offen, was an seinen Erläuterungen nicht schlüssig war. Somit kommt er mit seinen sehr kreativen Auslegungen von der Wahrheit nicht sehr weit und erfährt, dass sich das Lügen nicht lohnt. Es ist halt nur peinlich, weil es ja auffällt;-) Gleichzeitig mache ich ihm aber auch klar, dass ich erwarte, dass er sich an die Wahrheit hält.
Von der Moralentwicklung sind fünfjährige in der Regel noch nicht so weit, dass sie die Norm "ich darf nicht lügen" wirklich verinnerlicht haben. Das kommt erst später.

Liebe Grüsse Extremi

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Hallo Extremi!

Auch Dir Danke für Deine Tipps, da war dann doch einiges dabei, dass ich versuche werde umzusetzen.

Doch oft fehlt mir dann einfach die Gelassenheit dazu...

Gruß, Bea

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Du brauchst keine Erziehungsberatung. Bei uns wird auch diskutiert, genölt, gemeckert und gezetert, und je nach Alter meiner Kinder reagiere ich.
In deinem Fall:
- Diskutieren bis zu einem gewissen Punkt ist ok und auch wichtig, wie sonst sollen sich die Kinder später sachlich auseinander setzen? Wenn jedoch alles gesagt ist, die Diskussion beenden. Nölen wird ignoriert.
- Behandle deinen Sohn respektvoll und deine Umgebung auch. Kinder lernen durch Nachahmung. Sagst du jedesmal "Danke" wenn er oder jemand anderes etwas für dich tut, oder dir etwas gibt? Sagst du jedes Mal bitte, wenn du von ihm oder einer anderen Person etwas möchtest?
- Dinge die kaputt gegangen sind gemeinsam reparieren, wenn möglich. Wenn sie mutwillig zerstört werden, Pech gehabt. Die berühmten Kleinigkeiten nebenher, können sich Kinder auch selbst kaufen (der Taschengeldtipp ist sehr gut, auch z.B. für Blumengießen etc. gabs bei uns ein paar Cent/Pfennig zum sparen). Nur so lernen Kinder den Umgang mit Geld und gleichzeitig auch Wertschätzung.
- Flunkern ist so eine Sache. Im Alter deines Sohnes habe ich den Kindern erklärt, warum flunkern nicht sein muss, dass es wichtig ist die Wahrheit zu sagen, damit man, sollte wirklich etwas vorgefallen sein, ihnen auch glaubt. Zum anderen muss man ihnen die Gewissheit geben, dass sie einem alles anvertrauen können, dass man Probleme gemeinsam löst, Fehlverhalten zwar nicht schätzt, aber auch daraus lernt, es das nächste Mal besser zu machen.
Flunkern, um seinen Willen durchzusetzen (z.B. die Mama hats erlaubt, stimmte aber gar nicht), habe ich nie toleriert, da gabs dann auch schon mal eine Strafe in Form von logischer Konsequenz.
Es ist anstrengend, aber auch eine Entwicklungsstufe. Denn wer will schon einen uneigenständigen Ja-Sager heranziehen, der nichts in Frage stellt, und nur das tut, was man ihm sagt?
Gruß
Max

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Hallo Max!

Danke für Deine Tipps. Ich werde versuchen, sie in Zukunft zu beherzigen.

Wie das immer so ist, oft hat man es im Kopf aber an der Umsetzung hapert es. Nochmals Danke!

Und sorry für die späte Antwort, aber ich war die letzten zwei Tage nur unterwegs...

Bis bald mal,
Gruß, Bea