Nach "Grenzen setzen" weint sie. Dann trösten oder "Bad cop" bleiben?

Wenn meine Tochter ein festes "Nein" zu hören bekommt oder ich mit ihr schimpfen musste, bricht sie sofort in verzweifelte Tränen aus. Dann will ich sie immer am liebsten sofort in den Arm nehmen und trösten. Andererseits denke ich, ich sollte vielleicht besser einen Moment distanziert und "streng" bleiben, damit sie mich und die Situation auch respektiert. Ein Trösten könnte vielleicht wie ein Zurücknehmen der Zurechtweisung wirken, oder?

Was ich derzeit mache, ist: In den Arm nehmen und leise "Schau mal, das ist doch nicht schlimm. Es ist halt einfach nicht erlaubt, dass.... / Es geht halt einfach nicht, dass... o.ä," sagen. Was meint Ihr?

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Trösten, wenn das Kind danach verlangt.
Nur echte Grenzen setzen, wenige aber sinnvolle, keine Prinzipenreiterei. Dann steh ich dahinter und kann ihre Reaktion gut ertragen, und sie merkt, dass es mir wichtig ist.
Gefühle verbalisieren. Du bist jetzt richtig wütend!

Darüber reden: Wie kann das nächstes Mal anders werden, was meinst du?
NICHT sagen "ist nicht schlimm!" Es ist nämlich schlimm! für das Kind. Gefühle nicht runterspielen. Sie sind da, und sie sind echt. Lieber ausdrücken. Es macht dich traurig, dass du xy nicht machen darfst.

Verbote begründen. Ich will nicht, dass du den Apfel ins Klo wirfst. Ich finde Essen zu schade zum wegwerfen, ich ess das lieber.

Alternativen suchen. Willst du mir helfen, die alte Suppe wegzugießen?
"Man macht das nicht" gibt es in unserer Familie nicht, denn keiner von uns heißt Man.

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du machst das genau richtig. warum sollst du mit ihr schimpfen wenn dir gar nich danach ist. klar darfst du sie trösten. damit nimmst du nicht das zurück was du ausgesprochen hast sondern zeigst deiner tochter, dass du ihre gefühle ernst nimmst.

ich mach es mit unsere lütten genauso und hab auch keine probleme damit. sie kann dann auch hinteher das gesagte akzeptieren.

viele grüße, maren

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Hallo!

Ich finde Trösten auch gut und richtig. Damit zeigst Du ja, dass es Dir leidtut und dass Du ihren Wunsch oder ihre Beweggründe verstehen kannst. Hilft es ihr denn dann, wenn Du sie tröstest? Beruhigt sie sich dann? Denn es gibt ja auch Kinder, die sich dann ordentlich reinsteigern. DANN würde ich nicht groß trösten.
Meine Tochter ist 2 und ich tröste sie, wenn sie weint. Auch, wenn sie über ein 'Nein' von mir weint. Wenn ich allerdings wirklich schimpfe, z.B. weil sie haut, an den Haaren zieht, etwas kaputtmacht (...), dann tröste ich sie nicht sofort, wenn sie dann weint. Dann bin ich aufgebracht und das darf und sollte sie dann auch merken. Meistens weint sie dann auch gar nicht.

Viele Grüße!

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"Was ich derzeit mache, ist: In den Arm nehmen und leise "Schau mal, das ist doch nicht schlimm. Es ist halt einfach nicht erlaubt, dass.... / Es geht halt einfach nicht, dass... o.ä," sagen. Was meint Ihr?"

warum machst du das nicht von anfang an?

mein großer ist ein sehr sensibles kind. er kann es ganz schlecht haben, wenn jemand laut wird.
ich mußte da auch erst lernen mit umzugehen, dnn ich bin eher ein lauter typ.
ich weiß aber eben mittlerweile, daß es bei ihm besser ist, klar und ruhig zu sein.

ein "nein" ist ja nur dann sinnvoll, wenn es auch begründbar ist und damit nicht einfach umgetoßen werden kann.

"nein, du darfst nicht auf die strasse rennen, wei les zu gfährlich ist" ist ein klares nein. kein heulen und bitten wird mich davon abbringen.
ein kind, daß auf die strasse rennt, wird bei mir angst auslösen und ich werde sicher laut schimpfen. sollte das kind danach weinen, werd ich ihm erklären, daß ich erschrocken war und und angst um es hatte und daher so laut geschimpft habe.
es kann ein sehr viel fruchtbareres gespräch danach entstehen als wenn nicht mehr drüebr geredet würde.

denn der sinn einer "zurechtweisung" ist ja einerseits, daß das kind versteht, was im erwachsenen vorgeht und daß es versteht, was der eigentliche wunsch des erwachsenen ist "mach das nicht wieder"
das kann es sehr viel besser im gespräch verstehen als im gebrüll.

daher: schau, ob es allgemein nicht geschickter ist, bei deinem kind einne "gang runter zu schalten" - auch wenn das nicht immer klappt.
und dann: natürlich tröstest du ein weinendes kind. das ist doch ne ganz klare beziehungsbotschaft. ich liebe ich dich, ich bin für dich da. ich akzeptiere das verhalte nxy nicht. jetzt nicht und wenn du traurig drüber bsit auch nicht. aber mit unserer beziehung ist alles in ordnung.

kinder wollen häufig genau das testen, wenn sie direkt danach nach trost verlangen.
und es ist wichtig, daß kinder die erfahrung machen, daß eltern zwischen "person und sache" unterscheiden.
"ich bin stink wütend, daß du xy gemacht hast- aber ich werde dich imemr lieben, denn meine liebe ist nicht an bedingungen geknüpft."

die andere botschaft wäre doch "ich liebe dich nur/ zuneigung bekommst du nur wenn du so funktionierst, wie ich das will"

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Erstmal Danke, dass Du meine Meinung teilst, dass jedes Kind anders ist und deshalb nicht ein Rezept für alle richtig ist. Das sehen leider viel zuwenig Leute so!

Es gleich so zu machen, ist ein interessanter Vorschlag. Allerdings befürchte ich bei meiner Tochter, dass sie dann gar nicht hören würde. Sie ist zwar teilweise auch ein Sensibelchen, teilweise aber auch ein ganz schöner Sturkopf und Temperamentsbündel und vor allem von einer irren Neugierde und Experimentierfreude. Wenn sie etwas Verbotenes macht und man sie nicht sehr deutlich ermahnt, macht sie einfach unbeeindruckt weiter.

Und wenn halt "Schimpfe" nötig ist, weil sie z.B. zum wiederholten Mal etwas gemacht hat, das klar verboten ist (wie Essen auf den Boden werfen, den Herd anfassen, jemanden hauen usw.), dann erschiene es mir falsch, sie liebevoll in den Arm zu nehmen. Das würde meiner Meinung nach die falsche Botschaft senden. Gerade wenn es um etwas Gefährliches geht (Herd!), dann finde ich es auch richtig, dass sie selbst einen kleinen Schreck ob der Reaktion der Eltern bekommt. Da muss ganz deutlich sein, dass das jetzt eine ernste Situation und kein Spaß mehr ist. Ich meine bei Dingen, wo das schon oft gesagt worden war und sie eigentlich genau WEISS, dass sie es nicht darf. Sie zu schimpfen, ohne dass sie verstehen kann warum, finde ich natürlich auch falsch.

Hm, das hört sich jetzt alles glaub ich vehementer an, als ich eigentlich bin....

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"wenn sie etwas verbotenes macht..."

ist es dann etwas verbotenes, weil du es verboten hast, weil es generell verboten ist oder ist es etwas, das du ihr (noch) nicht zutraust?

Beispiel: Umgang mit Messer oder Feuerzeug.

Grundsätzlich bei unseren Kindern verboten, wenn kein Erwachsener dabei ist und auch klar gestellt, wie sie z.B. bei Feuer reagieren sollen, was sie machen und was nicht machen sollen.

Messer: Kindermesser kann unsere Tochter eigenständig benutzen und auch aus der Besteckschublade holen. Andere Messer liegen außerhalb ihres Griffbereiches, die sind verboten.

Es gibt nämlich solche und solche Verbote. Manche Verbote sind einfach unsinnig, manche äußerst sinnvoll.

vG
ficus

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wenn dein "bauch" dir sagt, dass du sie trösten sollst--dann höre auf dein gefühl!
ein zu verkopfte erziehung finde ich gruselig--der "bauch" ist ein super erziehungsratgeber ;-)

lg

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Ja, grundsätzlich stimme ich da absolut mit Dir überein! Habe seit ihrer Geburt das Wort "Intuition" wirklich zu schätzen gelernt.

Allerdings neigt bei mir der "Bauch" manchmal auch einfach etwas zum Verwöhnen. Wenn ich mich nicht selbst auch manchmal ein bisschen ermahne, würde ich wahrscheinlich den ganzen Tag mit meiner Tochter auf dem Bett hüpfen und Gummibärchen essen.... Ich liebe es einfach so sehr, mit ihr Spaß zu haben und sie Spaßhaben zu sehen. "Grenzen setzen" fällt mir überhaupt nicht leicht. Deshalb muss ich mich dazu manchmal etwas "verkopft" zwingen.

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Hallo!
Mach dir nicht so einen Kopf!
Für deine Tochter ist es frustrierend, etwas nicht zu dürfen. Das Gefühl des Frustes ist in Ordnung und dass darf sie ruhig äußern. Sie muss doch erstmal lernen, ihre Gefühlen einzuordnen und mit ihnen umzugehen. Daher ist es vollkommen, wenn du ihr sagst/zeigst, dass du ihre Wut oder Traurigkeit verstehst und sie eben auch entsprechend tröstest.
Aber...für sie IST es schlimm. Rede ihr dieses Gefühl nicht aus, indem du ihr sagst, dass es nicht schlimm ist.
Diskutiere in der "Akutsituation" nicht zu viel mit ihr über das Verbot (v.a. wichtig, wenn die Kinder älter werden). Ein kurzes Sätzchen, warum es verboten ist, reicht völlig aus. Und dann tröste sie einfach, wenn sie das möchte.

LG Silvia

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Hallo,
mein Sohn braucht das im Nachhineintrösten auch! Ganz doll sogar!! Und er nutzt das auch überhaupt nicht aus. Er ist beim Schimpfen immer sehr schnell getroffen (aber manchmal gehts halt ohne ein gehöriges Donnerwetter nicht) und reagiert da dann sehr sensibel.

Also wird nach der Ansage normalerweise sofort gekuschelt und ich muss auch immer betonen, dass ich ihn immer lieb haben werde - auch wenn ich mal schimpfe oder wir uns streiten. Er wird einfach immer mein "bestes und wichtigstes Stück" bleiben :-)

Wir fahren gut damit und ich habe einen sehr lieben und einsichtigen Jungen #verliebt

Liebe Grüße

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bei mir gibt es in solchen Situationen erstmal ein etwas lauteres "Stop!"
Wenn Sie nicht hört, was vorkommt, wird das "Stop!" noch etwas lauter, bis zu dem Level, wo sie tatsächlich reagiert.

Ich sag meiner Tochter (3) dann, sie solle mal eben zu mir kommen. Dabei hocke ich dann schon auf dem Boden, um auf ihrer Höhe zu sein. sie setzt sich dann meist zu mir und ich erkläre, warum ich sie gerade unterbrochen habe. manchmal, wenn es schon sehr daneben geht was sie gerade angestellt hat, gibt es eine etwas mahnendere Erklärung.

Hier beginnt die Gratwanderung. Ich beobachte meine Tochter sehr genau, um meine Worte entsprechend anpassen zu können. Sehe ich, dass ihre Mundwinkel nach unten fallen und sich langsam Tränen in den Augen zu sammeln drohen, ändere ich den Ton sofort in Richtung "Papa hat Dich furchtbar lieb, aber das hier eben war nix..." und drück sie dabei. Sie ist dann immer sehr einsichtig und das ganze zeigt auch einige Zeit Wirkung.

Sie weiss, dass "Stop!" nicht gegen sie als Person geht, sondern in die Situation passt. Gerade abends vor dem Zubettgehen ist sie manchmal wenig zugänglich, da sie sich mittlerweile den Mittagsschlaf spart. Da helfen die Kuschelorgien nach dem Ermahnen, wenn sie eigentlich todmüde ist am besten, weil sie auf das eigentliche Problem (ihre Müdigkeit) viel mehr eingehen.

"Bad Cop" bleiben hielte ich für ungemein fies, da sie als Kind das gar nicht einordnen kann und sich abgelehnt fühlen muss. Das ist kein schönes Gefühl und bricht mir als Vater mindestens eben so sehr das Herz...

Intuition wurde hier schon genannt. Ganz wichtig und ich würde noch etwas Empathie mit in die Waagschale werfen wollen. Dann geht vieles sehr einfach von der Hand...

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Das klingt gut! Probiere ich.

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Hallo,

es ist schon richtig, dass Du sie in den Arm nimmst.

Meine Tussi (2 - 3/4) ist aktuell auch in dieser Grenzgängerphase, aber vom Feinsten.

Heute erst hatten wir am spätnachmittag die Diskussion "auf dem Parkplatz am Supermarkt wird nur an der Hand gelaufen!".

Tussi war anderer Meinung und wollte eigenmächtig lossausen - da wurde Mama mal laut und rief "HALT!"
Das hat ihr nicht gefallen. Sie wollte es "alleine" machen, aber das geht gar nicht.
Im dm-Markt durfte sie dann wieder "alleine" losdüsen, mit einem dieser kleinen Kindereinkaufswagen, alle Waren die ich brauchte selber reinlegen, und sie auch an der Kasse aufs Band legen, der Kassiererin die Scheckkarte reichen, den Kassenbon nehmen....das ist ihr Lieblingsjob.

Am Abend hatten wir dann die nächste Diskussion - sie darf ihre Lieblingswurst, -käse etc aussuchen, aber momentan "frisst" sie alles mal kurz an, lässt es dann liegen und greift schon zur nächsten Sache auf dem Tisch.
Diese Anfresserei lasse ich nicht durchgehen, und bitte sie schon mit Nachdruck, ihr Schnittchen erst einmal aufzuessen, bevor sie sich das nächste greift.
Sie wurde bockig, verlangte dann ein Nutellabrot und als ihr dies verweigert wurde, zog sie auch einen Fluntsch und fing an zu schniefen und die Tränchen blitzten.

Ich habe keineswegs nachgegeben, aber dann meine Tussi mal kurz auf den Schoß und in den Arm genommen und ihr gesagt, dass Nutella nur was für's Frühstück ist und man sein Brötchen immer erst einmal aufisst, bevor man weiter zugreift.

Bussi aufs Köpfchen, die laufende Schnute abgeputzt, dann habe ich das angebissene Schnittchen genommen und es ihr hingehalten und sie hat es dann auch brav und artig aufgegessen.

Es ist manchmal schwer, ich neige auch mal zum lautwerden - aber ich reiße mich meistens zusammen und denke mir, dass das keinerlei böse Absicht von ihr ist, sondern eine Phase, in der sie ihre Grenzen austestet und auch mal mit Enttäuschungen fertig werden muss.

LG

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Wer bist du?? Hab ich gerade meinen verlorenen Zwilling gefunden!! Klasse, ich hätt das ganze genauso schreiben können wir du! Find dich total sympatisch! :D

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