Ich weiß nicht mehr weiter, bitte um Ratschläge

Hallo zusammen,

der Beitrag wird wohl etwas umfangreicher und ich danke im voraus schonmal allen, die sich durchwühlen. Da ich nicht genau weiß, in welcher Reihenfolge ich was schreiben soll, hier mal die "Probleme" mit meinem Großen (7 Jahre) in Stichworten:

- wenn sich nicht alles um ihn dreht oder ihm eine Kleinigkeit nicht passt, bekommt er regelrechte Ausraster (schreien, hauen, treten, sich auf den Boden werfen, etc.)
- er kann sich keine 10 Minuten alleine beschäftigen
- er kann sich selbst nicht organisieren
- er ärgert seine beiden Jüngeren Geschwister bei jeder sich ergebenen Situation
- er hört nicht auf mich, und hört nicht zu
- er redet nicht über das, was ihn beschäftigt, sondern macht komplett dicht

Ich versuche mal etwas auszuholen, vielleicht ist das hilfreich. Ich habe 3 Kinder. 2 Jungs (3 Jahre + 7 Jahre) aus 1. Ehe und eine Tochter (2 Jahre) aus meiner jetzigen Partnerschaft. Mit meinem Partner bin ich seit 3,5 Jahren zusammen. Wir sind beide vollzeit berufstätig, die Kinder gehen in KITA, bzw. Schule + OGS. Der Große geht in die 2. Klasse. Leider musste er zu Beginn der 2. Klasse die Schule wechseln, da wir an seiner alten Schule keine Chance auf einen OGS Platz oder alternativ eine Tagesmutter hatten. Er hatte ein sehr gutes, vertrauensvolles Verhältnis zu seinem Lehrer aufgebaut. Freunde hatte er nur wenige, da er schon immer lieber alleine spielte / sich beschäftigte. Der Schulwechsel fiel ihm alles andere als leicht. Er war wütend, sauer, traurig. Allzu verständlich. Ich habe versucht viel mit ihm zu reden, aber er ist was das betrifft mehr als verschlossen. Inzwischen ist er also seit 3 Monaten an der neuen Schule. Laut seinen Aussagen hat er dort 2 Freunde. Einen in seiner Klasse, einen zusätzlich in der Betreuung.

Schon von klein auf war er ein sehr aufgewecktes Kind. Er war immer fröhlich, fremdelte kaum. Er lernte früh laufen, konnte extrem früh Laufrad fahren, baut die detailreichsten Lego-Kreationen, kann super basteln. Nur sprechen wollte / konnte er lange Zeit nicht. Er fing erst mit 4 Jahre wirklich an. Durch später hinzukommende Logopädie holte er dann jedoch rasch auf, so dass seiner Einschulung mit knapp 6 nichts im Wege stand. Probleme hatte er schon immer mit "neuen" Dingen. Wenn etwas nicht auf Anhieb klappte, wurde er sauer, und die Sachen flogen durch die Gegend. Ebenso hat er bis heute nicht gelernt, dass man bei einem Spiel auch mal verliert. Hier rastet er soweit aus, dass Spielbrett und Co durch die Gegend fliegen. Wir versuchen schon seit Jahren, hieran zu arbeiten. Ganz konsequent. Wir spielen gerne mit ihm, doch nicht nach seinen eigenen Regeln. Und wenn Dinge durch die Gegend fliegen, wird eingeräumt. Punkt. Beim Fahrrad fahren lernen war es auch eine Katastrophe. Es klappte nicht beim ersten Mal, also flog das Rad durch die Gegend. Wir sind ruhig geblieben, und haben ihn nicht gedrängt, es lernen zu müssen. Es war für ihn irgendwie ein harter Kampf, der immer wieder zu richtigen Ausrastern führte. Und die sind bis heute geblieben. Er baut leidenschaftlich gern mit Lego, und ist ein wirkliches As darin. Doch wenn eine seiner Konstruktionen mal zu Bruch geht, hinfällt oder ähnliches, rastet er aus.

Er kann mit Wut und Enttäuschung absolut nicht umgehen. Ich habe schon versucht, mit ihm gemeinsam nach Alternativen zu suchen, was man machen kann, wenn man wütend und enttäuscht ist. Aber das ist alles "blöd", er rastet lieber aus. Weder Aufmerksamkeit in diesen Momenten, noch Anbieten von Hilfe oder einfach ignorieren haben hierbei geholfen. Es ist dabei geblieben.

Diese Ausraster beschränkten sich bis vor kurzem (keine Ahnung, ca. 4 - 5 Monate) auf zu Hause. Wenn wir irgendwo zu Besuch waren, war er das "liebste und höflichste" Kind. Wir waren überall gern gesehener Besuch. Doch inzwischen verhält er sich überall so. Manchmal trau ich mich schon gar nicht mehr, mit ihm irgendwo hinzugehen. Meist sind es wirklich Kleinigkeiten. Oma hat seine Lieblingsbonbons nicht - er rastet aus. Seine Geschwister haben ein Spielzeug, was er sofort haben will - er rastet aus. Das Licht soll aus, wir wollen aber nicht im Dunkeln sitzen - er rastet aus. .Er sammelt derzeit Star Wars Karten. Hat schon einige zusammen, und da passiert es natürlich immer wieder, dass im neuen Paket doppelte drin sind. Auch hier rastet er gerne aus. Immer bekommt er nur Schrott. Das ist der blödeste Tag in seinem Leben.

Ich versuche mir Zeit für ihn zu nehmen, was nicht immer einfach ist. Ich habe ja auch noch 2 weitere Kinder und es kann sich nicht alles um ihn drehen. Die letzte Stunde vor dem Zubett-Gehen gehört jedoch ihm ganz alleine (da sind die Kleinen bereits im Bett). Wir spielen etwas, lesen gemeinsam ein Buch, o.ä. In diesen Momenten versuche ich manchmal mit ihm zu reden, frage ihn, wie sein Tag war, wie er sich fühlt, was ihn beschäftigt. Doch als Antwort kommt immer nur "gut". Es kommt keinerlei Gespräch zustande. Er macht völlig dicht, oder weiß wirklich nicht, was er berichten soll. Das war in der KITA schon so. Wie war dein Tag heute? "Gut". Was hast du gemacht? "Hab ich vergessen". Was gabs zu essen? "Hab ich vergessen"...
Beschäftigen kann er sich alleine nur sehr schlecht. Macht er was in seinem Zimmer, kommt er alle 2 minuten rüber, um eine "Statusmeldung" abzugeben. Gaaaanz selten vertieft er sich wirklich mal in etwas, dann hört und sieht man ihn 2 Stunden nicht. Ergebnis ist dann meist eine wunderschöne neue Lego-Konstruktion. Ansonsten möchte er meine / unsere Aufmerksamkeit nonstop. "Schau mal hier, guck mal dort, wie ist das hier, was machst du da, darf ich dies, darf ich jenes, ich habe Hunger, ich hab Durst, ...". Echt anstrengend. Er ist ein schlaues Kerlchen, hat super lesen gelernt, kommt in allen Fächern gut mit. Aber: Wenn etwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt, steht er sich selbst im Weg. Er schreibt seine Buchstaben manchmal 5 oder 6 mal neu, weil sie seinen Ansprüchen nicht genügen. Dadurch kommt er dann im Unterricht manchmal nicht mit, und bringt nach der OGS meist noch Hausaufgaben mit nach Hause. Zum Sortieren seine Sachen, ein- auspacken, Stifte zurecht legen etc braucht er eine Ewigkeit. Das macht in der Schule natürlich Probleme. Beim Essen ist es übrigens genauso. Wir sind alle schon lange fertig, da sieht es auf seinem Teller aus, als hätte er noch gar nicht angefangen. Für ein normales Abendbrot braucht er ca. 45 Minuten.

Er beschäftigt sich schon immer am liebsten mit Erwachsenen. Mit gleichaltrigen ist es am schwierigsten, weil er da Kompromisse beim Spielen eingehen muss. Nicht alle tanzen nach seiner Pfeife. Das ist doof, dann zieht er sich lieber zurück und schmollt. Mit Kleineren geht es, solange er der Boss ist. Mit Älteren solange, wie sie sich auf ihn und seine "Regeln" einlassen. Sportvereine und Co haben wir auch schon einiges durch. Auf Biegen und Brechen wollte er dort nicht mehr hin. Langweilig, alles doof.

Ich weiß so langsam echt nicht mehr weiter. Ich bin jeden Abend froh, wenn die Kinder im Bett sind. Ich kann die wenige Zeit, die wir miteinander als Familie verbringen kaum noch genießen. Vor kurzem habe ich es mal mit einem Belohnungssystem versucht. Aber nach 3 Wochen mit lauter traurigen Smileys und völliger Gleichgültigkeit meines Sohnes, hab ich es erstmal wieder abgebrochen.

Dann ist da noch etwas, was mir zu schaffen macht. Keine Ahnung, ob er das genauso beabsichtigt, aber naja. Er malt gerne Bilder. Die meisten malt er einfach für sich und seine Sammlung. Wenn ich mal ein wirklich schönes Bild bekomme, dann ist es jedes Mal mit einem vorwurfsvollen Text versehen: "Warum bist du nicht um 6 Uhr mit mir aufgestanden, sondern hast bis 7 Uhr noch weiter geschlafen?"; "Warum hast du mich so lange in mein Zimmer geschickt?", etc.

Keine Ahnung, was ich noch versuchen soll, damit wir das in den Griff bekommen und wieder ein schönes Familienleben führen können. Momentan bin ich einfach nur müde und genervt. Zudem geht es mir gesundheitlich nicht besonders, naja. Ich danke euch für's "zuhören". Vielleicht habt ihr ja einen Ratschlag für mich.

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Wäre ich an Deiner Stelle, dann würde ich mich mit dem Problem an den Kinderarzt wenden. Der kann nämlich an Stellen weiterüberweisen, die Dir sagen können, ob das noch im Rahmen ist oder nicht. Und falls es eben nicht normal ist, dann kann man dem Kind durch verschiedene Maßnahmen das Leben einfacher machen und Euer Familienleben stabilisieren.
Anscheinend leidet Ihr ja alle darunter, das sollte so nicht sein.

Lg,
fina

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Hallo.
Du schreibst, dass er dicht macht, wenn du ihn was fragst, dabei antwortet er doch ganz ehrlich über seine Bilder. Aber die Antworten gefallen dir anscheinend nicht.

Ich finde, ihr solltet aufhören, sein Verhalten zu belohnen oder zu bestrafen, sondern stattdessen mehr Zeit mit ihm verbringen.

Ich vermute mal, dass es dir nicht anders möglich ist, als Vollzeit zu arbeiten, aber ich finde, dass einiges so klingt, als brauche er mehr Zeit und Raum innerhalb eurer Familie.

Lg Vanessa

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Ich glaube nicht, dass ich Ihnen großartig werde helfen können; aber ich kann zumindest mal ein paar Sätze schrieben, die mir so durch den Kopf gingen, als ich Ihren Beitrag las. Vielleicht ist ja ein Denkanstoß dabei, den Sie bisher noch nicht hatten … denn rein von dem, was sie geschrieben habe, scheinen Sie das alles ganz großartig zu meistern.

Also die Probleme in Stichworten hatte ich gedanklich in drei Kategorien eingeteilt: 1) Dinge, die ich normal gefunden hätte, wenn Ihr Sohn 4~5 Jahre jünger wäre. Also diese regelrechten Ausraster klangen irgendwie nach Trotzphase und »kann sich keine 10 Minuten alleine beschäftigen« ist hier im Kleinkinderforum sicherlich auch der Dauerbrenner als Thema. 2) Dinge, die ich trotz allem noch für ziemlich altersgerecht halte. Das waren so die Sachen mit dem »Er kann sich nicht selbst organisieren« oder dem Ärgern von jüngeren Geschwisterkindern und auch »Er hört nicht auf mich«. 7 ist halt noch ein Alter, wo Erziehung stellenweise ganz aktiv stattfinden wird, weil einfach einige Sachen ansonsten nicht funktionieren. 3) Dinge, die ich 1 zu 1 von meinem Sohn kenne: Die Fähigkeit, komplett dicht zu machen und nichts und niemanden an sich ran zu lassen, wenn ihn irgendetwas bedrückt/beschäftigt.

Was mir beim lesen der Vorgeschichte so aufgefallen ist … also die ganze Vorgeschichte ließt sich ziemlich »turbulent«. Ist jetzt schon etwas länger her, als mein Sohn in diesem Alter war … aber ich kann mich noch gut daran erinnern, dass er mit größeren Veränderungen in diesem Alter nicht immer ganz kompatibel war. Und mit 2-Jährigem Geschwisterkind, 3-jährigen Geschwisterkind, Einschulung, Schulwechsel, Mamas neuer Partner, Trennung des Alten Partners? … dass sind m.E. sehr viele und auch sehr Große Veränderungen in kurzer Zeit. So viele, dass ich total verwundert wäre, wenn die alles spurlos an einem 7-Jährigen Kind vorbeigehen würde. Eine ganz liebe und hilfsbereite Userin hier im Forum hatte mir vor einigen Jahren bei einem privaten Problem mal geschrieben, dass es »gesünder« ist, wenn Kinder auf Probleme/Situationen einfach reagiert, anstelle sie einfach spurlos runterzuschlucken und so zu tun, als wäre alles in Ordnung, obwohl gerade sprichwörtlich die Welt in einem zusammenbricht.

Haben Sie hier schon mal versucht, sich dort einfach»professionellere« Hilfe zu suchen? So rein als objektiver Leser drängt es sich mir zumindest förmlich auf, dass sehr vieles von dem, was Sie da momentan verzweifeln lässt, vielleicht einfach die natürliche und logische Folge dieser Vorgeschichte ist. Sie haben z.B. kein Wort über den leiblichen Vater ihres Sohnes geschrieben oder darüber, wie dort das Verhältnis eigentlich ist. Über das Verhältnis zum neuen Partner etc. etc. Unterschwellig lese ich daraus, dass es dort schon auch noch weitere »Baustellen« gibt, die Ursache für diese »Auffälligkeiten« bei Ihrem Sohn sein können. Vielleicht ist das einfach nur »so viel auf einmal«, dass Sie da - als Familie - ohne professionelle Hilfe gar nicht mehr alleine rauskommen können?

Dann finde ich total interessant, dass Sie schreiben, dass sich diese Ausraster bis vor kurzen auf »zu Hause« beschränkt haben. Daraus lese ich nämlich, dass Ihr Sohn die - zu einem gewissen Grad - steuern und unterdrücken kann. Ein Kleinkind in der Trotzphase kann das zum Beispiel gar nicht gut; der wird einfach von den vielen Gefühlen, die dann in so einem frustrierenden Moment gleichzeitig in sein Gehirn »einschlagen«, überwältigt. Hier fände ich mal interessant: Kennt seine Klassenlehrerin dieses Verhalten von Ihrem Sohn auch? Also gerade die Schule ist ja ein Ort, wo ein Kind sehr viele Erlebnisse hat, die auch mal negativ sind: »Verdammt, ich habe die Aufgabe falsch gelöst. Verdamm, ich weiß gar nicht, wie man die Aufgabe überhaupt löst. Verdammt, der blöde Paul ist schon wieder nach 5 Minuten mit dem Test fertig gewesen und ich hab nach einer halben Stunde nicht mal die Hälfte aller Aufgaben geschafft. Ich hab jetzt keinen Bock, dieses doofe Diktat zu schreiben, dass macht mir nämlich keinen Spass« etc. etc. Also m.E. ist in der Schule unendlich viel Potenzial für Ihren Sohn vorhanden, wo er mehrmals täglich »ausrasten« müsste. Funktioniert es da immer noch ohne Ausraster? Also beschränken sich diese Ausraster auf Situationen, wie Sie als Mutter dabei/anwesend sind?

Bei »Für ein normales Abendbrot braucht er ca. 45 Minuten« … also hier würde ich einfach versuchen, etwas mehr Struktur reinzubringen; in dem Falle also, dass irgendwann einfach abzubrechen. Ein gemeinsames Abendessen als Familie finde ich ganz toll … ich würde das aber dann beenden, wenn »die Familie« damit fertig ist und den Teil des Abendbrotes, den Ihr Sohn dann noch nicht gegessen hat, in den Kühlschrank stellen und ihn »erlösen«, so dass er im Kinderzimmer Lego bauen o.ä. kann, einfach mit dem Hinweis, dass, wenn er noch mal Hunger bekommt, er jederzeit zum Kühlschrank gehen und sich sein Abendbrot holen und verschlingen kann. Es kommt in Deutschland zumindest nicht ganz so häufig vor, dass 7-Jährige am gedeckten Tisch verhungern … da würde ich mir also keine allzugroßen Sorgen machen. Wenn Kinder Hunger haben, essen die meiner Erfahrung nach schon ganz von alleine.

Total spannend finde ich den Punkt mit den Bildern und den vorwurfsvollen Texten: Denn es passt so gar nicht zu dem, was Sie eingangs geschrieben haben. Das ist ja das komplette Gegenteil von: »Er macht komplett dicht und redet nicht über das, was ihn beschäftigt.« Noch deutlicher kann er m.E. gar nicht mehr sagen, was ihn »gerade« beschäftigt hat. Sicherlich sind das Punkte i.S.v. »Ich möchte, dass ich der Mittelpunkt der Universums bin und alles muss nach meiner Nase tanzen«. Aber das sind so die Dinge, die ich unter 1) subsumieren würde … das ist eher »Kleinkinderverhalten« und als Ursache würde ich einfach - da ich nur ihren Beitrag kenne - vermuten, dass diese oben geschilderte »Was bisher geschah«-Einleitung da nicht so ganz spurlos an ihrem Sohn vorbeigegangen ist und das einfach seine Art und Weise ist, dort ganz laut nach »Hilfe« zu schreien. Das ist alles rein spekulativ und ich kenne mich mit dem Thema wirklich nicht aus => daher ja der Verweis auf Jemanden, der sich damit auskennt.

Zu 2) kann ich eigentlich gar nichts schreiben, was hier im Forum nicht sowieso alltäglich zu lesen ist, wenn Kinder in dem Alter nicht hören. Sind es denn immer die gleichen Situationen, wo er nicht so richtig hören will? So klassisch wäre das bei meinem Sohn in dem Alter z.B. gewesen: »Schlafenszeit«. Sofern da also Punkte bei sind, die Sie kalkulieren können - wo Sie also wissen, dass er da nicht hört, würde ich die einfach dahingehend umschiffen, dass Er dort auch nicht mehr hören muss, sondern Sie das Ruder wieder selbst in die Hand nehmen (sprich ihn an die Hand nehmen und dann mit ihm gemeinsam die Zähne putzen), als dort mit einer Wand zu sprechen. Sicherlich kostet das noch mehr Arbeit und Zeit; aber das kostet es auch, mit einem Kind zu »reden«, dass ohnehin nicht zu hört. Es erspart aber vielleicht häufiger mal Streit/Stress oder dicke Luft. Die tragen ja - als Dauerzustand - auch nicht gerade dazu bei, dass Kinder sich plötzlich geselliger verhalten. Kenne ich jedenfalls von meinem Sohn ganz gut, wenn man alltäglich immer wieder über den »gleichen Kram« streitet, dass irgendwann zu folge hat, dass daraus ganz neue Baustellen entstehen, weil einfach das Klima gerade nicht so gut ist.

Zu 3) … das ist so der einzige Punkt, wo ich als Elternteil aus eigener Erfahrung antworten kann. Wobei wir den Luxus hatten, wenigstens immer zu wissen, was gerade der Grund für »Ich verbarrikadiere mich im KiZi und lasse nichts und niemanden an mich ran« ist. Ist das bei Ihnen auch so? Also wissen Sie denn, was Ihn gerade beschäftigt - auch wenn er darüber nicht mit Ihnen redet? Respektiv: Haben sie zumindest eine vermuten i.S.v.: »Eigentlich müsste es dass sein?« Bei uns ging es da hauptsächlich immer um »Schule« respektive »Krach mit dem besten Freund« und im späterem Alter eher um Mädchen. Wir hatten dort einfach lernen müssen, irgendwie mit dieser »Wir kommen jetzt nicht an ihn ran«-Situation umzugehen. Am besten war da, dass er sich von seinem #hund hat trösten lassen, ihm immer die Sicherheit zu geben, dass wir jederzeit für ihn da sein werden, ihm immer helfen werden und er mit jedem Problem/Sorge etc. zu uns kommen kann, aber in solchen Situationen auch einfach passiv/defensiv zu bleiben und ihn nicht zu bedrängen oder irgendetwas aus ihm rauszuholen, was er gar nicht preisgeben möchte. Das hat solche Sachen eigentlich immer nur verschlimmert … manchmal hat es einfach geholfen, den Kamin im Wohnzimmer anzuschmeißen, es sich kuschelig bequem auf der Couch zu machen, Eis zu löffeln und eine Folge ALF zu gucken, ihn danach ins Bett zu bringen und irgendwann war die Welt dann wieder in Ordnung. Es war immer eine nicht ganz so einfache Gradwanderung i.S.v. »Wir wollen jetzt auch keine Probleme ignorieren oder unserem Sohn das Gefühl geben, dass uns seine Sorge/Probleme/Nöte nicht interessieren« etc. Mittlerweile ist mein Kurzer 14 und, eigentlich gibt es das Problem gar nicht mehr; wenn man mal davon absieht, dass die in dem Alter ohnehin nicht sonderlich gesprächig zu den Eltern sind. Es gab da aber nie ein »Das war jetzt der ausschlaggebende Tipp, der alles - von jetzt auf gleich - geändert hat«, sondern einfach ein Prozess, sich über sehr viele Jahre entwickeln musste.

Wobei ich in ihrem Falle irgendwie befürchte, dass die Probleme/Ursachen dafür tiefer/schwerer liegen als »Bei dem Test gab es keinen glücklichen Smiley vom Lehrer, darum ist jetzt meine Welt zusammengebrochen«. Von daher kann ich mich da eigentlich nur wiederholen: Ich würde versuchen, dort professionelle Hilfe zu suchen.

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Vielen Dank schon mal für Eure Eindrücke unserer Situation.

Meinem Sohn wäre es ganz klar lieber, wenn ich noch mit seinem Vater zusammen wäre. Das verrät er mir, wenn er mal länger als über's WE bei ihm war. Die gesamte Patchworkd-Situation belastet ihn also schon irgendwie. Was ja auch nur logisch ist.

Gewöhnlich ist er alle 14 Tage über's Wochenende, sowie etwa 3 Wochen über's Jahr verteilt in den Ferien bei seinem Papa. Hinzu kommen Feiertage / Geburtstage oder sonstige Besonderheiten. Mein Ex und ich streiten nicht, halten unseren Kontakt aber persönlich recht kurz und knapp.

Die Tatsache, der er "komplett" dicht macht, bezog sich mehr auf das "über Probleme reden". Ich habe es auch schon über andere Wege versucht, also z.B. "Mal doch mal ein Bild darüber, wie dein Schultag heute war", oder ähnliches. Aber darauf hat er keine Lust. Selbst wenn wir abends mal zusammen in seinem Bett beim vor/ miteinander lesen kuscheln, redet er nicht. Die einzigen Momente, in denen man mal ansatzweise etwas hört ist, wenn er seine Ausraster hat. Aber dabei eher selten, weil er dabei dann jeden Kontakt üblicherweise mit "ääääh" unterbindet. Manchmal rutscht ihm jedoch ein "Ich hasse dich" oder "Ich mag meinen Bruder nicht" raus.

Über seinen Schulalltag erfahre ich nahezu nichts. Er erzählt nicht, was im Unterricht war, was sie in der Betreuung gemacht haben, mit wem er gespielt hat, etc. Nichts. Auf der anderen Seite habe ich noch nie von ihm gehört "Ich will nicht in die Schule" (außer an den ersten 3 Tagen in der neuen Schule). Beim Elternsprechtag habe ich dies natürlich auch schon mal angesprochen. Doch die Aussage der Lehrerin war nur "Ich kann ihn noch nicht wirklich beurteilen; manche reden halt nicht viel".

Er ist schon immer ein kleiner "Eigenbrötler" gewesen. Von daher ist es schwierig herauszufinden, zu verstehen, was in ihm vorgeht. Ich versuche ihm hier bei uns so viel Zeit wie irgendwie möglich als "seine Zeit" zu geben. Ich stehe mit ihm morgens eine Stunde eher auf, als ich die Kleinen aus dem Bett hole, abends hat er ebenfalls eine Stunde für sich ohne die Kleinen. Manchmal machen wir am Wochenende etwas ohne seine Geschwister. Aber in einer 5.köpfigen Familie ist es gar nicht so einfach, allen Kinder das Gefühl von "Exklusivität" geben zu können.

Zu meinem neuen Partner: Mein Großer mochte ihn von Anfang an. Er ist der "Mann im Haus" ;) Die Kinder rennen sofort zu ihm, wenn er ihnen was reparieren soll, wenn es darum geht, die Eisenbahn aufzubauen, oder wenn es ums Toben geht. Für andere Dinge kommen sie eher zu mir. Er ist strenger als ich aber auf der anderen Seite verharmlost er Dinge auch eher als ich. Er ist der Meinung, dass das Verhalten meines Großen einfach daran liegt, dass ich an manchen Stellen zu inkonsequent bin. Wir haben schon oft über Situationen geredet, aber dabei liegen wir nicht so richtig auf einer Wellenlänge.

Mal etwas überspitzt ausgedrückt: Er sagt Dinge nur einmal und es wird nicht diskutiert. Ich diskutiere gerne mit den Kindern.

Das aber nur sehr verallgemeinert. Natürlich diskutiere ich nicht mit den Kindern, ob nun Zähne geputzt werden oder nicht. Aber ich erkläre ihnen z.B., warum es wichtig ist. Über Schlafenszeiten in der Woche wird nicht diskutiert, aber am Wochenende darf es schonmal vorkommen. Ich versuche die Kinder in viele Planungen mit einzubeziehen, mein Partner ist eher der Meinung, dass die Erwachsenen die Planung vorgeben.

Natürlich ist es dabei nicht immer leicht, wenn man unterschiedlicher Auffassung ist, aber wir unterhalten uns darüber nicht vor den Kindern und respektieren die "Ansagen" des anderen ggü. den Kindern.

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Die Situation mit Ihrem Partner liest sich für mich total gesund. Jedenfalls liegt meiner Meinung nach eines der größten Geheimnisse in der Erziehung darin, einen gesunden Mittelweg zu finden. Bei uns hat sich das ganz automatisch dadurch ergeben, weil meine Frau und ich nun mal sehr unterschiedliche Menschen sind, die unterschiedliche Meinungen/Ansichten über Erziehung haben; oder über kindliche Freiräume; oder darüber, wie gefährlich jetzt etwas für ein selbstständig werden-wollendes Kind ist und auch, dass wir mit Situationen/kindlichen Streiks unterschiedlich umgehen und auch einen unterschiedlich starken Geduldsfaden haben. Das funktioniert meiner Erfahrung nach ganz grandios, wenn man sich an solche Rahmenbedingungen hält, wie, die »Ansagen« des anderen ggü. den Kindern zu respektieren und nicht jede unterschiedliche Meinung mit dem Partner vor dem Kind auszudiskutieren.

Was dieses »Über seinen Schultag erfahre ich nichts« angeht … was bei meinem Sohn oftmals gut geholfen hat in Situationen, wo er etwas »verschlossener« war … wir waren selbst mal Kinder, die in der 2. Klasse waren: Wir hatten Unterrichtsfächer, die wir toll fanden; wir hatten welche, die wir doof fanden; wir hatten Lehrer, die haben immer total viel rumgeschrieen; wir hatten Lehrer, die ganz einzigartig waren. Wir haben in der Pause auf den Schulhof mit anderen Kindern Abenteuer erlebt; wir haben andere Kinder geärgert; wir wurden von anderen Kindern geärgert. Wir hatten mal Streit mit unseren Klassenkameraden; wir haben dort unsere besten Freunde kennengelernt. Und unsere größten Feinde. Wir fanden Hausaufgaben doof; aber Mathe war immer unser Lieblingsfach. Wir hatten Angst, aufzuzeigen, wenn wir nicht sicher waren, ob die Antwort richtig war oder die anderen Kinder lachen würden, weil die Antwort blöd war. Wir hielten uns für besonders Klever, total beschäftigt zu tun, wenn der Lehrer eine Frage stellte, um bloß nicht drangenommen zu werden, weil man die Antwort gerade nicht wusste. etc. etc.. Haben Sie ihren Sohn schon mal Abends erzählt, wie Ihre Schulzeit in der zweiten Klasse so war? Also alles, was Sie über die Schulzeit Ihres Sohnes hören möchten, haben Sie als Kind auch schon mal selbst erlebt … das waren dann oftmals so Situationen, wo unser Sohn plötzlich offener/gesprächiger wurde, einfach, wenn man ihm mal wieder vor Augen gehalten hatte, dass wir auch mal Kinder waren, die auch mal richtig große Kinderprobleme und Kindersorgen hatten. Vielleicht hilft es ihrem Sohn ja, wenn er das Gespräch nicht selbst führen muss, aber ab und zu einfach mal seinen Senf beigeben kann, wenn ihm irgendetwas bekannt vorkommt.

Was das »über Probleme reden« angeht … ich kenne das nur von sehr wenigen Kindern. M.E. ist die typischere Reihenfolge, als Elternteil irgendwie am Verhalten seines Kindes zu merken, dass gerade irgendwas im argen liegt und dann mal vorsorglich-vorsichtig nachzuhaken. Vielleicht will man als Kind nicht, dass sich die Eltern »sorgen« machen; schließlich sollen die Eltern doch stolz auf einen sein; man will das große Schulkind sein - dass rennt nun mal nicht mehr wegen jedem Pups nach Mama zur Hilfe. Ich glaube, da gibt es sehr viele kindliche Beweggründe (auch Ängste, Scham etc.), an denen man als Elternteil auch wenig ändern kann. Also ich würde meine Kindheit eher als das Gegenteil von »Verschlossen« bezeichnen; und trotzdem waren die einzigen Probleme, über die ich mit meinen Eltern geredet hätte, die, dass ich Geld für’s Kino bräuchte. Ich kann das heute nicht mal artikulieren, warum das so war. Auch habe ich hier bei meinem Sohn festgestellt, dass er über bestimmte Themen mit einem Elternteil viel besser reden kann, als mit dem anderen Elternteil. Also mein Kurzer würde niemals mit mir über seinen »Kummer und Sorgen bezüglich seiner Freundin« reden; er macht das aber mit seiner Mutter sehr ausgiebig. Er hat eine 7 Jahre ältere »Lieblingscousine«, die immer so die Rolle der »großen coolen Schwester« übernommen hatte und ich weiß, dass er mit ihr total gut über Teenagersorgen (seine gemeinen Eltern #schein) reden kann. Daher meine Frage nach dem Vater oder das Verhältnis zu Ihre jetzigen Partner. Auch das sind ja Personen in seinem Leben, an denen er sich bei Problemen wenden könnte respektive Personen, die solche erkennen/erahnen werden und mal vorsichtig nachhaken können.

Ansonsten kann ich ihnen eigentlich nur Recht geben … ich glaube auch, dass diese ganze Situation von der Natur nach schon für einen 7-Jährigen sehr belastend sein kann und dass sich das ganz zwangsläufig in kindlichen Verhaltensmustern widerspiegeln wird. In wie fern da z.B. auch »inkonsequentes Verhalten der Mutter« eine Rolle spielt, kann man als Außenstehender, glaube ich, schlecht beurteilen. Jedenfalls haben Sie jetzt nichts geschrieben, woraus ich schließen könnte, dass Sie irgendwie inkonsequent sind … und da ich hier im Forum schon seit einigen Jahren tätig bin: Ich habe hier schon sehr viele Beiträge gelesen, wo es Mütter bereits mit den ersten zwei Sätzen eines Beitrages geschafft haben, mich davon zu überzeugen, dass sie ziemlich inkonsequent sind, ohne es überhaupt zu wollen #schwitz. Von daher würde ich dort einfach professionelle Hilfe suchen, wenn Sie das Gefühl haben, dass es irgendwie nicht »besser« wird oder gar noch »schlimmer«.

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Hallo!
Ich bin der Meinung, erst mal braucht dein Sohn eine Unterstützung! Ich habe den Eindruck er kommt sich ziemlich verlassen und übergangen vor. Möglicherweise bezieht er auch eure Trennung auf sich. Gib ihm jemanden an die hand, der ihn an die Hand nehmen kann - er ist erst sieben.
Ein selbstbewusstes Kind, das gut im Leben steht, rastet nicht so aus, muss sich nicht derart ausleben und kann enttäuschungen kompensieren.
Ich halte sehr viel von naturheilkunde auch in diesen Fällen, da sie den ganzen Menschen in die Diagnostik einbezieht. Daher wäre mein weg zunächst zu eine,mHeilpraktiker ( am besten empfohlen von Freunden oä, da es auch hier gute und miese gibt) und dann würde ich mir evtl Unterstützunh von einem Kinderpsychologen holen. Der schaut sich das familiengefüge an und kann euch allen aufzeigen, wo sich die Gewohnheiten ungünstig auf euer zusammenleben auswirken .
Ich glaube dein Sohn braucht Hilfe um aus diesem Kreislauf wieder heraus zu kommen, alleine ist das zu schwer für ihn.
Da du Teil der Problems bist (aus seiner Sicht) stell ihm jemanden unabhängigen zur Seite.

Alles Gute
Marlene

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Wäre es denn finanziell möglich, dass du Arbeitszeit reduzierst?

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Nein, aktuell leider nicht.

Wobei die Kinder selbst von meiner Arbeit ja gar nicht so viel mitbekommen.

Die Ganztagsbetreuung brauche ich ja in jedem Fall, und diese geht bis 16 Uhr.

Vorher abholen ist nur in Ausnahmefällen möglich.

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Hi,

bei meinem Sohn hat geholfen über den Tag zu reden, indem ich auch erzählt habe. Dann gab es eine zeit noch "das beste am Tag, das schlechteste am Tag" so hat er auch erzählt. Mittlerweile kommt er von alleine wenn was ist und an machen Tagen/Abenden erzählt er gar nix und an anderen ABenden liegen wir ne halbe Std im Bett und er redet und redet und redet :-)

Wir haben hier keine Patchwork Situation aber die Ausraster kenne ich. Allerdings hat sich das bei meinem gebessert, seitdem ich die Ausraster verboten habe! Er ist jetzt 8 Jahre alt und keine 3 mehr also ist die Trotzphase vorbei. Für Ausraster gab es Konsequenzen. Zum Beispiel sein CD Player war einen TAg weg, oder eben mal ein Star Wars Raumschiff. Immer nur am gleichen Tag wegnehmen, am nächsten Tag hat er eine neue Chance sich gut zu benehmen. BEnimmt er sich wieder schlecht, ist wieder was weg, bis zum nächsten Morgen, dann bekommt er es wieder. Ein neuer Tag, eine neue Chance sich zu beweisen. Seitdem ist mein Sohn viel ausgeglichener. Vorher war er oft mies gelaunt und so unzufrieden mit sich und dem Leben, denn dieses Ausrasten fand ja auch er nicht toll!

GRuß
Maren

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