Aggressives Kindergartenkind

Hallo zusammen,

mein großer Sohn (fast 5) bringt mich wirklich zum Verzweifeln.

Mit zei Jahren kam er in den Kindergarten. Dort wurde er schnell wegen seiner Unruhe im Gruppenraum und Aggression gegen andere Kinder auffällig. Darafhin begann die Ergotherapie aufgrund Wahrnehmungsstörungen im taktilen und vestibulären Bereich, die er bis heute macht.
In der Einzeltherapie hat sich vieles verbessert, aber in der Gruppe fällt er noch immer auf.
Letztes Jahr sind wir umgezogen und haben den KiGa gewechselt, der Wechsel fiel ihm schwer, hat sich aber gut eingewöhnt.

Freunde hat er jedoch keine. Er sucht auch immer den Kontakt zu den "wilden" Jungs, so dass sie sich gegenseitig auch immer anstacheln. Es wird permanent gekämpft (Kampfhaltungen eingenommen) mit imginären Waffen geschossen, gerangelt, getobt...
Er ist auch hier wieder auffällig. er nässt immer wieder ein und ist unruhig.
HAben nun im August einen Termin (nach fast 9 Monaten Wartezeit) im SPZ Mainz bekommen, zunächst um ihm zur medizinischen und dann zur psychologischen Untersuchung vorzustellen.

Heute ruft mich der KiGa an, da mein jüngerer Sohn gestürzt ist und von mir keine Einverständnis vorliegt, ihm Arnica Globuli zu geben, ob sie ihm diese geben dürfen. ImGespräch erzählt mir die Leiterin, dass es mit dem Großen wieder einen schlimmen Vorfall gab, er hat ein anderes Kind am Hals gepackt und gewürgt. Sie kennt die genauen Umstände nicht, aber ich soll später mir der Erziehern sprechen, was wir nun weiter machen.

Ich weiß echt nicht weiter. Hinterher weiß er immer, dass das nicht in Ordnung ist, was er macht. Ich weiß nicht, wie ich an ihn rankomme. Manchmal denke ich auch, es fehlt ihm an Empahthie (und das erschreckt mich). Sein jüngerer Bruder zeigt viel mehr Emapthie und auch Reue bei Fehlverhalten als der Ältere. Ich fühle mich in der Situation so hilflos (vor allem weil mir die letzte Woche die Erzieherin des Jügeren erzählt hat, dass auch er andere Kinder geschubst und gebissen hat).

Ich weiß nicht mehr, wie ich auf ihn einwirken soll und fühle mich so macht-, kraft- und hilflos. Bin teilzeit berufstätig und kümmere mich zusätzlich noch um meinen schwerkranken Vater und weiß, dass in dieser Situation die Kinder mehr von mir benötigen, aber weiß nicht, wie ich das alles bewältigen soll.

Entschuldigt, dass der Text evtl wirr ist, mir fehlt zur Zeit auch einfach Schlaf.

Viele Grüße
Sakirafer

1

Hallo

unser eh. Nachbarskind war ähnlich deinem Kind.

Er wollten, konnten sich verbal nicht wehren und reagierte mit Agressivität. Zusätzlich wurde bei ihm noch ADHS diagnostiziert.
Raufen, Kämpfen, schlagen (vor allem) beißen waren bei ihm an der Tagesordnung.

Mit damals 5 Jahren hat er meiner Tochter (damals 3) einen faustgroßen Stein auf den Kopf gehauen. Das war nur ein Fall von vielen und die Mutter hat meist weggesehen...

Bei dem Fall mit dem Stein habe ich etwas zu dem Jungen gesagt, in normalem Tonfall - die Mutter ist wie eine Furie auf mich los "Mein Sohn ist krank etc." und zu ihrem Sohn in liebenswertem Ton "F. sowas darfst du nicht tun, das tut doch weh". Der Kleine hat nur gegrinst.

Konsequenz ist für Kinder wichtig, für ADHS-Kinder noch mehr.
Diese hat der Junge nie erlebt. Als er 6 war hat er die Mutter auf dem Spielplatz lautstark mit Arschloch tituliert - sie hat kein Ton gesagt.

Meine Tochter ging dem Jungen irgenwann mal aus dem Weg. Natürlich war das ein ewiger Kreislauf, der Junge merkte dass er geschnitten wurde (nicht nur von meinem Kind) immer mehr Kinder mieden ihn und reagierte mit nochmehr Agressivität.

Ich denke bei deinem Sohn ist das ähnlich. Er fühlt sich ungeliebt, reagiert aggressiv und pullert ein. Es ist seine Art sich zu wehren. Dass das der falsche Weg ist, sieht er nicht...

Mein Sohn (10) hat früher auch gleich drauf geklopft, bevor er lang diskutierte. Hatte auch den Nebeneffekt, dass er kaum Freunde hatte und er gemieden wurde. Wir hatten in der Zeit jeden Abend vor dem Zubett gehen Kuschelstunde eingeführt. Es war SEINE Zeit, wo er über seine Probleme reden konnte.

Wie oft hab ich ihm damals erklärt, mit schlagen und schubsen erreichst du nichts. Die Kindern wollen dann erst Recht nicht mehr mit dir spielen.
Irgendwann hat es gefruchtet.

Du bist berufstätig und dein Vater ist krank, versuche aber trotzdem etwas Zeit abzuzweigen NUR für deinen Großen.

Das mit dem SPZ ist echt gut - auch wenn die Wartezeiten lang sind.

Alles Gute für euch
lg bamnbolina

2

Hallo,

was du hier so erzählst über deinen Sohn, kommt mir sehr bekannt vor. Ich habe auch so ein Kind. Vermutlich reagiert Dein Kind wird besonders unruhig, wenn ihm der Lärm und die Kinder um ihn herum zu sehr belasten. Das sind vermutlich auch die Situationen, in denen er auffällig wird.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer es ist als Eltern, mit so einer Situation klar zu kommen, insbesondere, wenn andere Kinder darunter leiden müssen. Ich finde es gut, dass Ihr Euch Hilfe bei einem Kinderpsychologen sucht, auch wenn es ein bisschen dauert, bis man den Termin bekommt. Uns hat das sehr geholfen.

Gerne kannst Du mich kontaktieren unter der urbia-Adresse, wenn es dich interessiert kann ich dir ein paar Erfahrungen weitergeben, die wir so gemacht haben.

lg
thomma

3

Das Problem kenne ich auch von einem anderen Kind, er ist 6, muss wohl auch dieses Jahr in die Schule - was ich mir schwer vorstellen kann.
Der Junge hat auch ein sehr aggressives Verhalten, spricht auch oft davon, andere Kinder 'totzumachen' indem er droht, sie ins Wasser oder auf die Strasse oder sonstwas zu werfen. Schlägt, ist unentwegt übermütig, muss immer die 1. Geige spielen, um es dann mit schlechter Laune kaputtzumachen. Benehmen als Gast kennt er gar nicht usw.
Die Ergotherapie, die er schon einige Jahre macht, scheint überhaupt keinen Erfolg zu haben.

Mein Sohn weigert sich nun auch, mit diesem Jungen zu spielen, da es ihm zu wild bzw. gewaltätig ist.
Ich hab das verstanden, der Mutter gesagt und gut.
Die Mutter ist natürlich verletzt, aber andererseits respektiere ich meine Kinder, gehe entsprechend auf Kontaktwünsche ein. Dazu habe ich berechtigt etwas Angst um sie, wenn er in ihrer Nähe ist.

Leider ist diese Mutter nicht so einsichtig wie Du, sondern sucht immer die Schuld im Kindergarten oder beschwichtigt - tut so, als habe sie nichts gesehen oder gehört.

Meine Ratschläge - z. B. eine gemeinsame Therapie mit dem Kind - wurden immer überhört bzw. als negative Kritik angesehen.

Mein Rat an Dich: Hole Dir Hilfe. Beim SPZ hast Du ja schon einen Termin - beharre auf mehr, als diese Ergotherapie.
Vielleicht auch mal Kinderarzt ansprechen, die Erzieher um Rat fragen.
Nicht dass Dir jemand unbedingt AD(H)S aufschwatzen soll, aber ich denke nur eine Mutter, die weiß, wie sie mit nem schwierigen Kind umgehen muss, kann so eine gute Mutter sein!

Wünsche Dir viel Kraft und Erfolg für Dein Kind!

4

Hallo,

da hab ich doch gleich ein paar Fragen:

Nach welchem Konzept wird im Kindergarten gearbeitet? (offene Gruppen, Gruppenstärke, Erzieher-Kind-Relation)

Wie sieht die Ernährung deines Sohnes aus?

Wurden Stoffwechselstörungen bei deinem Kind ausgeschlossen?

Wie wird auf Fehlverhalten reagiert, wie auf erwünschtes Verhalten?

Gibt der Kindergarten den Kindern wirklich Globulis, wenn sie stürzen? Also meine Kinder bekommen dann ein Pflaster oder einen Verband und gehen gegebenenfalls zum Arzt.

Gruß
Marion

5

Hallo zusammen,

danke für eure Antworten.

Zu Marions Fragen: Der Kindergarten hat ein offenes Konzept, wobei es eine Stammgruppe gibt, in welcher der Morgenstuhlkreis gemacht wird und auch die Projekte, die durchgeführt werden, werden in der Stammgruppe gemacht. Die Stammgruppen werden nach Alter aufgeteilt. Nur die sog Nestkinder (2-3-jährigen) sind in einer geschlossenen Gruppe.

Es wurde nun aber beschlossen, dass mein Sohn soweit möglich bei der Bezugserzieherin bleibt.

Desweiteren hat man nun beschlossen, dass jede Erzieherin zumindest ein mal pro Tag dem großen auch positives Feedback gibt, damit er nicht nur hört, was er falsch macht, sondern auch bestärkt wird.

In dem konkreten Fall von Freitag war die Konsequenz, dass mein Sohn mit der Bezugskindergertnerin ein Einzelgespräch geführt hat. Sie hat sich den Fall auch von ihm alleine schildern lassen und ihm erklärt, wie gefährlich diese Reaktion war. Er wurde von einem anderem Kind weggeschubst, das nicht wollte, dass mein Sohn ein Bilderbuch mitbetrachtet, und mein Sohn hat so extrem überreagiert.

Ernährung: würde ich als alltägliche Ernährung bezeichne. Es gibt sowohl Weismehl- als auch Vollkornmehlprodukte, Fleisch mag er nicht und kaum Gemüse, er ist nur wenige Obstsorten, aber von den wenigen dann gerne. Miclchprodukte ist er ganz gerne. Süßigkeiten bekommt er täglich. Nicht in Unmengen aber täglich (wobei ich da auch Kekse, Quarkspeisen etc dazuzähle. Alles was auch Kristallzucker enthält).

Stoffwechsel wurde bisher nicht untersucht, denke, das wird BEstandteil der medizinischen Untersuchung im SPZ sein, da da auch Blut entnommen wird.

Zu den Globuli: mein Jüngerer ist gestürzt und hat sich eine Beule zugezogen, In solchen Fällen können die Kinder Arnica haben, wenn es für die Eltern iO ist. Mein jüngerer lässt auch keine Kühlung durch Coolpacks zu, daher die Frage nach den Globuli. Bei Schürfwunden etc werden die natürlich nicht mit Globulis sondern mit Verbandsmaterial versorgt.

Viele Grüße

Sakirafer

6

Hallo,

ein abfallender Zuckerspiegel im Blut kann aggressiv machen. Das hängt irgendwie mit dem Insulinspiegel zusammen. Deswegen würde ich zuerst alle Süßigkeiten streichen und den Fall mal beobachten. Bei manchen Kindern hilft das schon. Ansonsten käme noch die Schilddrüse als Verursacher in Frage.

Offene Gruppen verursachen bei manchen Kindern (bei meinen z. B.) genau die beschriebenen Verhaltensweisen. Da könnte der Kindergarten leicht gegensteuern, wenn das Kind probehalber ein paar Tage nur die Bezugserzieherin begleitet. Das habt ihr ja schon vor. Wenn das funktioniert, bestehe darauf, das es so bleibt.

Gruß Marion

7

Hallo Du,

lass Dich mal #liebdrueck.

Also ich kann mir auch vorstellen, dass sich Dein Sohn schlecht abgrenzen kann und sich einfach auch irgendwo hineinziehen oder zu Dingen hinreissen lässt. Hat er denn genug Zeit für sich selber und auch Ruhe?

Das insbesondere die Jungs gerne kämpfen spielen, fechten und eine Leidenschaft für das Thema Waffen entwickeln, halt ich für normal, auch wenn ich damit selber auch immer irgendwo ein bisschen Probleme habe, weil ich gegen jegliche Gewalt und Waffen bin. Ich denke, so lange das alles im Rahmen abläuft, ist das vertretbar. Sie dürfen sich halt nicht ernsthaft verletzen. Un die sollten sich auch noch mit was anderem beschäftigen. Würde ihn auch weitgehendst vom Fernseher u. ä. anhalten (für solche Kinder ist das besonders Gift).

Du bist auch nur ein Mensch. Und Du tust was Du kannst! Übermenschliches kann man auch nicht von Dir erwarten. Darüber würde ich an Deiner Stelle mit Deinen Kindern rede. Und das Du gestresst bist und es Dir nicht gut geht mit alldem (auch nicht mit dem kranken Papa).

LG und alles Gute!
V.

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