Verträgt ein 4jähriges Kind die Wahrheit?

Hallo #winke

Ich hatte gestern mit meinem Mann eine Diskussion über die oben gestellte Frage. Es geht um Folgendes: Der Vater von meinem Mann ist gestorben als mein Mann ungefähr 2 Jahre alt war. Seine Mutter hat ihn also alleine groß gezogen, er hatte aber viel Kontakt zu Großeltern und Onkel mit Familie. Seine Mutter hat später wieder geheiratet als mein Mann schon erwachsen war. Wir haben viel Kontakt zu meinen Schwiegereltern und meine Kinder nennen den Stiefvater meines Mannes "Opa". Jetzt will mein Mann unsere Tochter und dann auch unseren Sohn (knapp 4 bzw. 2 Jahre alt) in dem Glauben lassen, der "Opa" wäre der Vater von meinem Mann.
Bisher fand ich es auch nicht nötig, sie ausdrücklich "aufzuklären", aber unsere Große weiß jetzt halt, dass auch ihre Eltern Eltern haben und zählt dann gerne auf "... die Oma ist Papas Mama und der Opa ist der Papa vom Papa...". Ich bin der Meinung, bei dieser Gelegenheit muss man ihr sagen, wie es ist. Ich möchte meine Tochter nicht anlügen, ich finde das unmöglich.
Mein Mann meint, dass sie Alpträume bekommt (sie träumt zur Zeit öfter mal schlecht, aber absolut im Rahmen für ein 4jähriges Kind, finde ich). "Irgendwann" will er ihr dann die Wahrheit sagen, aber wann, weiß er auch nicht.

Ich bin im Übrigen der Meinung, dass man Kinder auch bei Kleinigkeiten nicht anlügen sollte, also zum Beispiel behaupten, die Eisdiele hat heute zu, deswegen gibt es kein Eis. Man kann dem Kind doch sagen, dass jeden Tag Eis essen nicht gesund ist, oder?

Mich würde Eure Meinung dazu interessieren oder vielleicht wir Ihr Euch in einer ähnlichen Situation verhalten habt. Danke schon mal für Antworten!

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Ich würde bei so einer Gelegenheit schon die Wahrheit sagen.

Wenn sie eben sagt, der opa wäre der Vater ihres Vaters, würde ich sagen, daß es eben in diesem Fall der Stiefvater ist.
Und ich würde immer nur das beantworten, wonach sie fragt.

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Hallo,

also wir leben in einer ähnlichen Situation. Mein Vater starb als ich ein Baby war. Meine Mutter lernte ihren jetzigen Lebensgefährden kennen, als ich 17 war. Dieser ist der Opa für meine Kinder ohne wenn und aber. Er ist mir gegenüber auch fürsorglich und ich würde behaupten, dass er sich mir gegenüber verhält, wie sich halt ein Vater zu seinen erwachsenen Kindern verhält. Ich würde zu meinen Kindern nie sagen, dass er nicht ihr Opa ist. Er ist der Opa von ihnen und das mit Leib und Seele. Dabei musste ich meine Kinder nie anlügen. Meine Große wird bald sieben. Sie fragte mal sehr genau nach, wie denn der Opa als Vater zu mir war. Ich erklärte ihr dann, dass es da noch einen Mann gab, der mein leiblicher Vater ist und dass er sehr früh gestorben ist und das meine Mutter dann ihren Opa kennenlernte. Ich sagte ihr auch, dass ich da schon groß war und dass wir dann als Familie zusammenlebten, bis ich den Papa kennenlernte und eine neue Familie gründete. Sie hakte das Thema dann ab und gut war. Meiner kleineren (bald 4) brauchte ich nicht viel dazu erklären. Sie interessieren solche komplexen Familienverhältnisse noch nicht. Für sie sind nur die Leute wichtig, die regelmäßig um uns herum sind und die sich auch um sie liebevoll kümmern. Dazu gehört der Opa. Ihr ist das egal, ob er nun mein Vater ist oder auch nicht. Deshalb ist es für mich auch kein Anlügen, wenn man einem so kleinen Kind das nicht so direkt auf die Nase bindet. Wenn dein Mann meint, dass ihr die Kinder darüber noch nicht aufklären müsst, dann ist es auch OK. Schließlich muss dein Mann entscheiden, ob er den Mann seiner Mutter als einen "Vater" ansieht. Dabei spielt nicht das biologische die Rolle, sondern wirklich, wie man emotional der Sache gegenüber steht.
Ich finde wirklich, dass deine Kinder noch zu jung dazu sind. Wenn die Kinder explizit nachfragen und auch die nötige Reife dafür haben (Vorschulalter/ Grundschulalter), dann kann man solche Sachverhalte besser erklären.

VG

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Also es geht mir ja nicht ums "biologische". Der Opa ist und bleibt der Opa, den meine Tochter wirklich liebt! Ich möchte auch selbst keine große Sache daraus machen. Aber ich möchte auch nicht lügen, wenn meine Tochter zu mir sagt, "Gell, der Opa ist der Papa vom Papa". Das stimmt einfach nicht. Mein Mann und er haben kein schlechtes Verhältnis zueinander, aber eben auch kein "Vater-Sohn-Verhältnis".

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Dann antworte doch einfach, dass der Opa der Papa vom Papa seid Jahr x ist, oder so ähnlich. 4 Jahre sind doch sehr jung um es alles exakt bis ins Detail erklären zu können.

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Hallo Dodii,

ich habe diese Situation mit meinem Vater.
Er hat mich adoptiert ist aber nicht mein Erzeuger.

Als meine Kinder soweit waren und anfingen aufzuzählen, dass der Opa mein Papa ist, habe ich einfach gesagt, dass er mein Papa ist seit ich 4 Jahre alt bin.
Als dann irgendwann nachfragen kamen, wie das denn geht, habe ich ihnen immer ein Stückchen mehr erklärt.
Allerdings habe ich immer dazugefügt, dass er in meinem Herzen mein Papa ist,
weil er sich immer um mich gekümmert hat.

Ich weiß nicht ob ein verschweigen da jetzt wirklich irgendwann Probleme aufkommen lässt. Ich habe einfach versucht ganz offen damit umzugehen.

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Hallo,

also ich versteh das Problem ehrlich gesagt nicht#kratz.
Wieso kann man das nicht erzählen wie es ist?
Bei uns ist es ähnlich. Mein Vater ist früh gestorben, meine Mutter hat seit einigen Jahren einen Lebensgefährten. Die Eltern meines Mannes sind auch leider schon verstorben. Wir haben den Kindern (4 und 5 Jahre) das, auf Nachfrage, so erzählt wie es ist. Der Lebensgefährte ist ihr Opa, aber eben nicht mein Papa, weil der leider viel zu früh verstorben ist. Für die Kids ist das ganz normal und sie hatten auch keine Albträume.

LG
Clarks

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Hallo
Ich gebe Dir vollkommen recht. Die Kinder werden es nicht tragisch finden! Und jetzt ist doch wirklich die ideale Gelegenheit. Der Stiefvater kann ja trotzdem der Opa bleiben und weiterhin liebgehabt werden. Er ist halt nur nicht der (leibliche) Papa vom Papa.
Ich hatte keine Alpträume, obwohl drei von vier Grosseltern schon tot waren, als ich geboren wurde. Ich fand es halt schade, aber auch kleine Kinder können lernen, dass es Dinge gibt, die man akzeptieren muss.
LG Paula

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Hallo

ich finde ein Kind hat immer Anrecht auf die Wahrheit, aber kindgerecht.
D.h. wenn ich meinem Kind erkläre, dass sich zwei Menschen, die sich lieben heiraten können, kann ich sehr wohl sagen, dass das meistens ein Mann und eine Frau sind, aber nicht immer. Aber ich muss nicht erwähnen, dass Frauen und Männer nicht überall heiraten können, dass sie keine Kinder adoptieren können, dass es Männer gibt, die im Verlaufe ihres Lebens zu Frauen werden etc.

Mein Sohn (3 Jahre) weiss, dass sein Papa mal einen anderen Papa hatte, der Onkel eine andere Mama oder dass Oma und Opa früher einen anderen Hund hatten, der gestorben ist. Eine Woche oder so kamen dann Fragen. Das Problem haben bei diesem Thema aber meistens die Erwachsenen, die dann erschrecken, wenn ein Kind das Wort Tod in den Mund nimmt.

In deinem Fall finde ich jetzt Aufklärung nicht zwingend. Wenn du es sagen möchtest, würde ich es mit Fotos machen: "Schau mal, das war der Papa von Papa. Bevor Oma nochmal geheiratet hat." Also aus der Situation heraus. So trocken aufklären find ich unnötig und die Info kriegt dann zuviel Gewicht.

Der Opa IST ja jetzt wirklich der Papa vom Papa. Deine Grosse meint das ja nicht biologisch ;-)

LG
Nad

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Hallo!

Ich kenn die Situation von der anderen Seite.
Meine Oma war nicht wirklich meine Oma.
Mein Opa hat sich von der leiblichen Mutter meines Vater getrennt. Gesehen hat mein Vater seine Mutter nie wieder. Ob sie noch lebt, das wissen wir nicht. Es scheint meinem Vater auch egal zu sein, denn seine Mutter hat sich nie gekümmert.
Mein Opa hat dann neu geheiratet. Diese Frau war immer für mich meine Oma gewesen.
Als diese dann 1995 an Krebs starb, sagte man mir dann so nebenher, das es ja gar nicht meine Oma gewesen ist.
Man meinte ich hätte da ja auch selbst drauf kommen können, da mein Onkel 10 Jahre jünger ist als mein Vater. Ich hab mir da echt nichts bei gedacht. Das war halt so und Ende. Meine Oma hat eben noch ein Kind bekommen (mein Onkel ist wirklich ihr leiblicher Sohn).

Ich bin der Meinung das sich an unserer Beziehung nichts geändert hätte, wenn ich es vorher gewußt hätte. Sie war meine Oma gewesen, die mich wirklich lieb gehabt hat.
Meine Eltern haben mir das nicht gesagt, da sie der Meinung waren das es nicht wichtig ist. Sie war die Frau meines Opas, also meine Oma. Für meinen Vater war es die Mutter, obwohl er seine leibliche Mutter gekannt hat. Ob leiblich oder nicht, spielte keine Rolle.

Ich weiß nicht ob es einem Kind wichtig ist, so ein Detail zu wissen. Mir wäre es nicht wichtig gewesen.

Wie gesagt, ich habe es mein ganzes Leben lang nicht gewußt und bin nicht sauer deswegen. Richtig angelogen hat man mich nicht. Sie war ja meine Oma. Ich empfinde das auch nicht als anlügen. Sie hat die Rolle der Mutter und Oma übernommen, also war sie auch eine.
Der einzige Haken dabei war eben: Sie war nicht die Leibliche Mutter meines Vaters.

Ich denke ich würde damit wohl auch offen umgehen. Aber ich muß sagen, das ich dieses Detail nicht wirklich wichtig finde. Es ändert sich ja nichts.
Wenn du es Kindgerecht erzählen möchtest, dann mach das.


LG Sonja

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hallo guten morgen - also ich bin auch der meinung das ein kind solche wahrheiten ohne weiteres verträgt!! bei uns ist der fall noch etwas "brisanter" oder "verzwickter.

ich habe "nur" eine mutter da meine ma alleinerziehend war und es auch nie kontakt zu meinem leiblichen vater gab. meine mutter ist momentan alleinstehend - folglich gibt es von meiner seite nur eine oma

mein mann ist ein "scheidungskind" und beide elternteile sind erneut verheiratet - der vater schon ewig die mutter erst seit 2 monaten und zu allem überfluß leben wir mit mutter und 2. ehemann auf einem grundstück sodass der kleine die eheschließung der oma nun live miterlebt hat.

von kleinauf an haben wir - wenn fragen kamen erklärt warum es mal mehr mal weniger oma's und opa's in unserer familie gibt und so kleine kinder geben sich ja auch mit ganz einfachen antworten schnell zufrieden - ihn hat das alles nie gestört und mittlerweile mit 7 jahren ist das alles völlig selbstverständlich für ihn!!

also trau' eurem zwerg ruhig was zu - die gehen da eigentlich sehr "unverkrampft" mit um!!

lg susi

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in dieser sitaution- wie in allen anderen auch, wo es um wahrheit gegenüber Kinder eht kann ich Irmela Wiemann
"Wie viel Wahrheit braucht mein Kind?
Von kleinen Lügen, großen Lasten und dem Mut zur Aufrichtigkeit in der Familie" empfehlen.

lisasimpson

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